Die Außenikone der heiligen Boris und Gleb

 

Heinrich Michael Knechten

 

 

Die Außenikone der heiligen Boris und Gleb, Novgorod um 1335.

Photographie von Siegfried Eggenstein.

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Die hll.  Fürsten und Leidensdulder Boris und Gleb

 

Vladimir der Heilige starb am 16. Juli 1015 in Kiev. Da er mehrere Söhne hinterließ, waren Erbfolgekämpfe vorauszusehen, zumal sich der älteste Sohn, Jaroslav, in der weit entfernten Stadt Novgorod befand. Sein Bruder Svjatopolk war dagegen in Kiev. Er beschloss, die Gunst der Stunde zu nutzen und die Alleinherrschaft über das russische Land an sich zu reißen.

 

Boris betete, als er hörte, dass sich die Mörder näherten: „Herr, wie zahlreich sind meine Bedränger! So viele stehen gegen mich auf!“ (Psalm 3,2). Dann wurde er getötet. Dies war am 24. Juli 1015. Sein jüngerer Bruder Gleb erlag am 5. September 1015 dem Meuchelmord. (1)

 

Im Jahre 1072 wird berichtet, dass beide als Leidensdulder verehrt werden Ihre Reliquien wurden in der ihnen geweihten Kirche in Vyšgorod (nördliche Vorstadt von Kiev) verehrt, doch sie gingen verloren, als die Mongolen im Jahr 1240 die Stadt eroberten. (2)

 

Im 14. Jahrhundert werden sie in der Vita, die ihre Ikone umgibt, beritten dargestellt. (3) In der Ikone „Die streitbare Kirche“ wird deutlich, dass sie (auch hier beritten) als Nationalheilige Russlands angerufen werden. (4) Ihr Gedenktag ist am 24. Juli; der Übertragung ihrer Gebeine wird am 2. Mai gedacht.

 

Über der Eingangstür der Alten Kirche in Horneburg ist noch im Jahr 1936 ein Kreuz zu erkennen, darunter steht: IHS. Diese Abkürzung steht für die griechische Form des Namens "Jesus", wird aber volkstümlich gedeutet als: Jesus, Heiland, Seligmacher. Darunter ist ein vierfach gefaltetes Band, dessen Inschrift nicht mehr lesbar ist. Ganz unten steht: O.A.M.D.G.: Omnia ad maiorem Dei gloriam, Alles zur größeren Ehre Gottes. Später ist von all dem nichts mehr zu sehen. Es bleibt ein leeres Feld mit einer Umrahmung. Dort wird 1999 eine Außenikone eingefügt, die unter der Leitung von Herrn Aleksandr Ključko geschrieben (gemalt) wurde. Das Vorbild für diese Ikone stammt etwa aus dem Jahre 1335. (5)

 

Herzlicher Dank gebührt Herrn Boris Vasilevič Belinskij (Dorsten-Wulfen) für die Erstellung der Ikone im Sommer des Jahres 1997 und Herrn Aleksandr Ključko für ihre Restaurierung im Sommer das Jahres 2010 sowie Herrn Siegfried Eggenstein für die Photographie derselben.

 

Anmerkungen

 

(1)   Vgl. Skazanie i strast' i pochvala svjatuju mučeniku Borisu i Glebu, hg. v. L.A.Dmitriev, in: Biblioteka literatury Drevnej Rusi, Bd. 1, St. Petersburg 2000, 328-351.527-531.

(2)   Vgl. L.A.Beljaev, Borisoglebskaja cerkov' v Vyšgorode, in: Pravoslavnaja ėnciklopedija 6 (2003), 65.

(3)   Vgl. Ikone der hll. Boris und Gleb, 14. Jahrhundert, Tret'jakov-Galerie, Moskau, in: M.V.Alpatov, Drevnerusskaja ikonopis', Moskau 1978, Abbildung Nr. 52, Erklärung S. 302.

(4)   Vgl. Ikone "Gesegnet seien die Heerscharen des himmlischen Königs" (Die streitbare Kirche), 1550-er Jahre, aus Anlass der Eroberung der Stadt Kazan' am 2.10.1552 entstanden, früher in der Entschlafenskathedrale des Kreml', heute in der Tret'jakov-Galerie, Moskau. Vgl. Moskovskaja ikona XIV-XVII vekov, hg. v. E.Smirnova, Leningrad 1989; Moskauer Ikonen des 14. bis 17. Jahrhunderts, Übers. v. L.S.Dimenstein, Wiesbaden 1989, Nr. 175-179, Erläuterung: S. 304f; M.Martynowa u. V.Tschorny, Der Kreml. Geschichte – Architektur – Museen (Moskovskij Kreml'. Zapečatlennaja pamjat' Rossii), Übers. v. L.Schirmer, Gütersloh 1987, 87f.

(5)   Vgl. 1000 Jahre russische Kunst. Zur Erinnerung an die Taufe der Rus im Jahr 988, Übers. u. bearbeitet v. E.Weiher u. F.Keller, redigiert v. H.Spielmann u. J.Drees, Hamburg 1988, 53.334f (Staatliches Historisches Museum, Moskau, Inv. Nr. 99727, I VIII 5754). Siehe auch Boris und Gleb, Novgorod, um 1335; Ikone der hll. Boris und Gleb, frühes 14. Jahrhundert, Russisches Museum, St. Petersburg, in: M.V.Alpatov, Drevnerusskaja ikonopis', Moskau 1978, Abbildung Nr. 45f, Erklärung S. 300; V.N.Lazarev, Moskovskaja škola ikonopisi, Moskau 1971, Abb. 1.

 

Presse-Echo

 

o       Heilige über Kirchenportal, in: Dattelner Morgenpost, 15.7.1997, Nr. 164.

o       Heilige Boris und Gleb wachen über dem Portal der Kapelle. Ikone am alten Horneburger Gotteshaus, in: WAZ, 15.7.1997, Nr. 164.

o       Zurkuhlen, Ulrich, "Boris" und "Gleb" sind Patrone in Datteln-Horneburg, in: Kirche und Leben, 23.7.1997, 8f.

o       Salle, Hartmut, Ikone der hll. Boris und Gleb über dem Kirchen-Portal. Gemeinde gibt Empfang für Pater Immekus, in: Dattelner Morgenpost 9.9.1999, Nr. 210.

 

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