Dorfchronik Horneburg
1937 bis 1966

Übertragen aus der Sütterlinschrift von Franz-Josef Elfert,
kommentiert von Wolfgang Wellnitz,
ergänzt und herausgegeben von Heinrich Michael Knechten

I. Teil: 1937-1940

 

[1937 bis 1940 führte Lehrer Theodor Eggenstein die Chronik Horneburgs. Er war am 2. April 1903 in Drensteinfurt geboren worden. Er wurde auf dem Lehrerseminar in Hamm ausgebildet, fand eine erste Anstellung als Hilfslehrer an der Rektoratsschule zu Werne, war kurz in Ehringhausen tätig und unterrichtete ein Jahr lang am 1921 staatlich anerkannten Gymnasium Mariengarden in Burlo bei Borken, das von den Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (OMI) geleitet wurde. Am 1. Mai 1936 kam er nach Horneburg. Er war ein gewissenhafter Erzieher und tüchtiger Lehrer.  Vom 1. August 1937 bis zum 1. Januar 1941 widmete er sich mit großem Fleiße der Führung der Ortschronik. Am 9. Januar 1941 wurde er zum Heeresdienst verpflichtet. Er fiel am 20. Juli 1944 in den schweren Kämpfen in der Normandie und wurde auf dem Friedhof in Dozulé (zwischen Caen und Le Havre) bestattet.

Zusätze in eckigen Klammern stammen von Heinrich Michael Knechten; Kommentare in geschweiften Klammern von Wolfgang Wellnitz.]

{Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Mit Methoden von Gewalt und Terror, scheinlegalen Maßnahmen, falschen Versprechungen, Propaganda, Ideologisierung der Bevölkerung und Unterdrückung von politischen Gegnern sowie der Aushöhlung der demokratischen Institutionen der Weimarer Republik (sog. „Gleichschaltung“) stabilisierte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ihre Herrschaft in Deutschland und etablierte bis zur Mitte der 1930er Jahre ihre unangefochtene Diktatur und ihr totalitäres Regime im Deutschen Reich. Bis in die kleinsten Dörfer  - die Gemeinde Horneburg hatte im Jahre 1937 etwa 800 Einwohner - übernahm die NSDAP die uneingeschränkte Kontrolle und Macht.}

 

Monat August 1937.

Die Witterungsverhältnisse des Monates waren sehr gut. Es war sehr warm. Die Wärme wurde erträglicher durch den ab und zu einsetzenden Gewitterregen. Das Getreide konnte gut eingefahren werden.

Kurz vor der Ernte wurden noch zwei große Scheunen gebaut. Der Kötter [Bewohner einer Kate, eines einfachen Hauses] Franz Elfert, Hauptstr. 34 [heute Horneburger Straße 34] baute seine Scheune in die Wiese hinter seinem Wohnhause; während der Kötter Adolf Peveling, Hauptstr. 28, seine Scheune auf der „Heide“ errichtete.

Zu gleicher Zeit begann Obersteiger Heinrich Kalb aus Hückelhofen {Hückelhoven}, Krs. [Kreis] Erkelenz, sein zweistöckiges, massives Wohnhaus auf der Kreuzstr. 53 [heute Schloßstraße 53] zu erbauen. Errichtet wurde der Bau von hiesigen Handwerkern. Der Entwurf war von dem Waltroper Architekten Gleitz.

Im Monat August wurde auch die Provinzialstraße (in Horneburg Hauptstraße genannt) von 6 auf 8 m erweitert und Bürgersteige wurden angebracht. Fertig gestellt wurde die Strecke von der Pastorat bis zur Wirtschaft Wilh. [Wilhelm] Sindern jetzt Jos. [Joseph] Hesse als Inhaber.

Nach vierjähriger Ruhezeit fand in diesem Monat das Horneburger Schützenfest statt. Am 21., 22. und 23. August wurde es gefeiert. Das Festzelt wurde auf dem freien Platze an der neuen Schule, Schulstraße [heute Magdalenenstraße], errichtet. Es hatte eine Größe von 1200 qm. Mit dem Schützenfeste war eine kleine Kirmes verbunden. Der Wirt des Festzeltes war Dieckmann, früher Sander, Meckinghoven. Am Sonntag, den 22. August 1937, war regnerisches Wetter. Trotzdem waren sehr viele auswärtige Schützenmajestäten als geladene Gäste mit ihrem Schützenvolk erschienen. Am Montag, den 23. August, wurde der alte Schützenkönig Hubert Hoppmann ([die] Frau [von] Franz Wegmann war die Königin) durch einen wohl gezielten Schuß abgelöst von Bäckermeister Wilhelm Plöger (Königin [war die] Frau [von] Hubert Hoppmann). Der Vogel stand auf der Weide vor dem Horneburger Walde. Zum ersten Male wurden auch bei diesem Feste die Fahnen mit dem Horneburger Wappen gehißt. [Die deutsche Gemeindeordnung vom 30.1.1935 hatte die Hoheitszeichen der Gemeinden geregelt.] Sie wurden in recht feierlicher Form an den drei Ausgangspunkten des Dorfes (Postagentur Behler, an der Kirche in der Höhe des Gasthofes Stratmann und vor der neuen Volksschule, Schulstraße) unter reger Teilnahme der Bevölkerung aufgezogen. Das Einholen der Fahnen nach dem Feste geschah durch die Dorfjugend, nachdem der Ortsgruppenleiter Johannes Wieland {NSDAP} bei jeder Fahne ein paar kernige Worte gesprochen hatte. Die Fahnen waren zum größten Teile von dem Herrn Landrat Ehrensberger gestiftet, der durch sein persönliches Erscheinen dem Feste eine besondere Note (Er nahm die Krönung des neuen Königs vor!) verlieh. Ein eingehender Bericht über den Verlauf des Festes befindet sich in den Akten des Bürger-Schützenvereines Horneburg. {Otto Ehrensberger war seit 1933 Mitglied der NSDAP und seit Januar 1936 Landrat des Kreises Recklinghausen. Im Jahre 1938 nach Berlin ins Innenministerium versetzt, nahm er später an Zusammenkünften der Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“ teil.}

Durch die Wiederinbetriebnahme der Zeche „Ewald Fortsetzung“, Erkenschwick, bekamen sehr viele Horneburger Erwerbslose durch den persönlichen Einsatz des Ortsgruppenleiters Pg. [Parteigenosse] Wieland wieder Arbeit und Brot. Diese eben erwähnte Zeche war seit 1931 außer Betrieb.

Da in Horneburg seit 1927 der Gemüseanbau besonders betrieben wird, ist es wohl sehr interessant zu wissen, daß in diesem Jahre erstmalig die Richtpreise für Gemüse vorgeschrieben wurden.

Monat September 1937.

Das Wetter war kalt und feucht. Jedoch waren auch einige schöne Tage zu verzeichnen.

Am Ende des Monates begann man mit der Kartoffelernte. Trotz der großen Trockenheit des Sommers ist sie noch ziemlich gut ausgefallen.

Monat Oktober 1937.

Im Anfange des Monates war es sehr nebelig und auch sehr kühl. Die Temperatur sank nachts bis auf 0 Grad. Am Ende des Monates wurde es wieder wärmer und aufheiternd. Vom 26. bis zum Schlusse waren sogar sehr warme Tage.

Trotz des regnerischen Winters 1936/37 und des überaus nassen Frühjahres war der Wasserstand im Monat Oktober wieder normal.

Am 3. Oktober fand unter sehr reger Beteiligung der Henrichenburger und Horneburger Bauern das Erntedankfest statt. Die Musik wurde von der Schupo [Schutzpolizei] in Recklinghausen gestellt.

Am 17. Oktober wurde der Kirchenvorstand zur Hälfte neu gewählt. Die alten Mitglieder wurden mit 13 Stimmen wiedergewählt.

Vom 17. bis 24. Oktober war die Weinwerbewoche. Ein besonderes Weinfest wurde nicht veranstaltet.

Am 17. Oktober feierte bei Stratmann der Cäcilien-Verein sein 25-jähriges Bestehen. Als Jubilare wurden: der Küster und Organist Johann Möller, Metzgermeister Hubert Hoppmann und Bergmann Theodor Neisen geehrt.

In diesem Jahre wurde vor der Kirche das alte Pflaster aufgerissen und durch neue Zementplatten ersetzt. Das im Jahre 1906 errichtete, jetzt auch baufällige Missionskreuz wurde vorläufig zur Seite gestellt. Der Landrat als Patronatsherr erstand die Kosten.

Am 22. Okt. brach unter dem Rindviehbestande des Bauern Berkel in seiner Weide am „Breiten Teich“ die Maul- und Klauenseuche aus. Der ganze Rinderbestand (9 Stück) wurde sofort zum Schlachthof nach Recklinghausen transportiert und abgeschlachtet. Die Tiere wurden vollwertig als Schlachtvieh verkauft. Ein Schaden ist ihm trotzdem in einer Höhe von 300 (dreihundert) RM [Reichsmark] entstanden.

Monat November 1937.

Dem Monat November entsprechend war das Wetter noch sehr gut, so daß noch sämtliche landwirtschaftliche Arbeiten verrichtet werden konnten. An den ersten fünf Tagen war es sehr nebelig, dann wechselte stetig gutes mit regnerischem Wetter. Trotzdem ist der Wasserstand auf 2 m gesunken.

Das Haus des Obersteigers Hrch. [Heinrich] Kalb wurde Ende November fertig gestellt und am 1. Dezember von drei Familien bezogen.

Die am 22. Oktober 1937 beim Bauern Berkel (Weide „Am breiten Teich“) ausgebrochene Maul- und Klauenseuche verbreitete sich. Am 3. November machte sich diese Seuche unter dem Viehbestande des Pumpenmeisters Joseph Brüning, Am breiten Teich, und des Kötters Joseph Diekmann, Hauptstraße 17 bemerkbar. Jetzt wurde die ganze Gemeinde Horneburg zum Sperrbezirk erklärt.

Am 3. November wurde die Kreiswinterschule mit 90 Schülern wieder eröffnet. Als Hilfskraft des Lehrerkollegiums wurde für den beurlaubten Landwirtschaftsdirektor Lenter der Landwirtschaftslehrer Dr. Laufkötter aus Wiedenbrück, zuletzt in Velen tätig, eingestellt.

Monat Dezember 1937.

Im Monat Dezember war das Wetter ziemlich milde. Am 5. und 6. Dez. trat leichter Schneefall mit Regen ein. Ferner schneite es am 19. Dez. bis kurz vor Weihnachten. An den Weihnachtstagen herrschte milde Luft, so daß schon an den Vortagen der Schnee geschmolzen war.

Am 23. Dez. fand die Weihnachtsbescherung der Horneburger Kinder von Seiten der NSV. [Nationalsozialistische Volkswohlfahrt] in Henrichenburg statt.

 

1938.

Monat Januar 1938.

Der Monat Januar zeichnete sich besonders durch kaltes, regnerisches und stürmisches Wetter aus. Am 2. - 6. Januar war leichter Schneefall. Am Abend des 6. Januar trat bereits Tauwetter ein, das am 7. Januar in Schnee mit Regen überging. Auch am 10. trat leichter Schneefall ein, dem am 11. Tauwetter folgte. Ganz mildes Wetter hatten wir am 23. und 25. Januar. In den Morgenstunden (7.- Uhr) zeigte sich das erste Gewitter. Leichter Schneefall setzte auch am 29. und 30. Januar ein.

Der Kriegerverein [Aufgaben: Fürsorge der Opfer und der Hinterbliebenen des I. Weltkrieges, Gräberpflege und Errichtung von Gedenkstätten] hatte am 16. und der Schützenverein am 23. Januar Generalversammlung. Beide Vereine beschlossen, im Monat Februar ihr Winterfest zu feiern.

Am 1. Jan. trat auch Direktor Lenter seinen Dienst an der landwirtschaftlichen Schule und Gutswirtschaft wieder an.

Monat Februar.

Das Wetter im Monat Februar war stürmisch, kalt und regnerisch. Schneefälle und Hagelschauer waren am 10., 11., 12., 13., 14., 15. und 17. Februar. Am 12. Februar nachm. 15.30 Uhr war das 2. Gewitter dieses Jahres.

Auch brach in diesem Monat wieder die Maul- und Klauenseuche aus. Zuerst zeigte sie sich unter dem Viehbestande des Invaliden Hrch. [Heinrich] Teigeler am 7., am 8.II. bei der Kreisgutswirtschaft und am 9. unter dem Schweine- und Ziegenbestande des Postschaffners Fritz Behler.

Am 6. Februar 1938 feierte der Kriegerverein sein Winterfest im Stratmannsschen Saale. Die besondere Ausgestaltung des Abends hatte der plattdeutsche Dattelner Heimatdichter Prein übernommen.

Die Schützenfestnachfeier fand am 13. Februar im Berensschen Saale statt. Zu beiden Veranstaltungen war die gesamte Bürgerschaft eingeladen. Die Bevölkerung dankte den Einladungen durch ihr zahlreiches Erscheinen. Sie bekundete somit auch ihre Verbundenheit mit beiden erwähnten Vereinen.

Monat März.

Im Monat März war das Wetter der Jahreszeit entsprechend zu gut. Es herrschte vorwiegend mildes und freundliches Wetter mit leichten Niederschlägen. Nach dem 25. bis zum Schluß war es sehr kühl. Am 26. war ein Gewitter mit Schnee und Hagel.

Am 2. März verbreitete sich die Maul- und Klauenseuche iommer mehr. Sie brach unter dem Rindviehbestande des Kötters Eugen Schulte und Heinrich Küper, beide Kreuzstraße wohnhaft, und am 5. III. 38 bei Fritz Bergfort und Adolf Peveling, Hauptstraße aus.

Am 13. März fand am Kriegerdenkmal die Heldengedenkfeier statt. [Seit 1934 war der Volkstrauertag auf den zweiten Fastensonntag verlegt worden und die Fahnen wurden vollstock gehißt.] Die Ansprache hielt Hauptlehrer Holl, Henrichenburg. Die Beteiligung der Bevölkerung war sehr mäßig, geflaggt war gut. Die Flaggen wurden bis 14.- Uhr auf Halbmast, dann wegen der Eingliederung Österreichs an Deutschland (jetzt Großdeutschland) auf Vollmast gesetzt. {Am 11. März 1938 marschierte die Wehrmacht in Österreich ein. Hitler verkündete den „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich. Mittels eines pseudodemokratischen Verfahrens ließ Hitler die Annexion Österreichs durch eine Volksabstimmung bestätigen (siehe April).}

Am 31. März 1938 trat Direktor Lenter in den Ruhestand. Er verließ Horneburg und zog nach Telgte. Landwirtschaftslehrer Spital wurde mit der Weiterführung der Geschäfte beauftragt.

Monat April.

Im Monat April war das Wetter nach dem schönen, warmen März zu kalt. Es herrschte fast an allen Tagen stürmisches und kühles Wetter. Am 3. April war ein Gewitter mit Regen und Schnee, am 8. Hagelschauer und am 20. IV. 1938 setzte auch noch leichter Schneefall ein. Nun wurde es nachts zu kalt. So hatten wir am 20. bis 27. April starken Nachtfrost. Das Thermometer zeigte in einigen Nächten 4-6° unter Null. Vom 28. bis zum Schluß hatten wir mildes Wetter mit leichtem Wind.

Am 6. April fand eine Wahlversammlung im Berensschen Saale statt, die sehr gut besucht war. Am Vorabende der Wahl wurde unter den Linden an der Kirche feierlich von der HJ. [Hitlerjugend] ein Fahnenmast aufgestellt. Am Wahlsonntage, den 10. April 1938 hatte bereits die Bevölkerung Horneburgs um 12.- Uhr 100%ig gewählt und 100%ig für den Anschluß Österreichs an Deutschland gestimmt. Am Nachmittage des 20. April wurde an der Hitlerlinde (Ecke Kreuz- / Schulstr.) ein 17 m langer Fahnenmast bei strömendem Regen zur Erinnerung an den großen Wahlsieg in Horneburg errichtet. Ein an dem Fahnenmaste angebrachtes beschriftetes Schild gibt Kunde von diesem ruhmreichen 10. April 1938 der Horneburger Bevölkerung.

Monat Mai.

Bis zum 11. Mai war es noch sehr kühl. Besonders starker Nachtfrost zeigte sich am 8. - 11. Mai. Das Thermometer sank auf 2-5° unter Null. Dann wurde es etwas wärmer. Am 10. und am 30. Mai zeigten sich Gewitter. Am 30. Mai war es sehr stürmisch und das Gewitter brachte Hagelschlag. Große Schäden wurden jedoch nicht angerichtet.

           Am Vorabend des 1. Mai wurde um 19.30 Uhr zwischen der Kirche und der Wirtschaft Hesse-Sindern der Maibaum errichtet. Es war in diesem Jahre ein besonders stattlicher Baum. Den langen, weißen Fahnenmast, der mit einer Tannengirlande umwunden war, zierte oben ein mit bunten Papierschnitzeln geschmückter Maistrauch. Darunter waren zwei kleine Hakenkreuzfähnchen befestigt. Unter diesen waren drei immer größer werdende Tannenkränze befestigt. Den noch freien Teil des Mastes zierten die Wappen der Handwerker zu Paaren geordnet. Der Ortsgruppenleiter und der HJ Führer [Hitlerjugendführer] hielten Ansprachen, in denen sie die Bedeutung des kommenden Tages hervorhoben. Ein zusammengestellter Chor unter Leitung des Herrn Lehrer Möller, Bottrop sang das Lied: „Rhein Treue“. Danach war bei Berens gemütliches Zusammensein.

Die Maifeier für die ganze Gemeinde fand unter reger Beteiligung der Bevölkerung im Stratmannschen Saale statt.

Monat Juni 1938.

Der Monat Juni begann mit einem Gewitter, dann wurde es wärmer. Am 1. Pfingsttage, den 5. Juni, setzten abends heftige Regenschauer ein. Jedoch am folgenden Tage wurde es wieder wärmer. Im letzten Drittel des Monates Juni setzten heftige Stürme ein. Große Sturmschäden sind nicht entstanden.

Die Heuernte ist ziemlich gut eingekommen. Das Beerenobst hat durch die lang anhaltende kühle Jahreszeit stark gelitten. Die Erdbeerernte ist gegen das Vorjahr um 25 % zurückgeblieben.

Der Malermeister Klemens Lücke vollendete seinen Nebenbau. Jetzt ist er bereits von zwei Familien bewohnt.

Der Baumschuler Franz Wegmann begann mit dem Neubau vor Westhoff, Kreuzstraße.

Der Schloßhof wurde mit einer neuen Packlage [untere Befestigungsschicht im Straßenaufbau] versehen.

Adolf Peveling, Hauptstr. 28, feierte mit seiner Gemahlin Anna geb. Köster am Juni [das Datum wurde nicht geschrieben] und Hermann Fischer, Am breiten Teich, mit Ludwika geb. Siepe am 26. Juni das Fest der silbernen Hochzeit.

Monat Juli 1938.

Im Juli war das Wetter der Jahreszeit entsprechend. Ende Juli wurde es sehr heiß, so daß das Korn schnell zur Reife gelangte und gut eingefahren werden konnte.

Monat August.

Bis Mitte August hielten die heißen Tage des Monates Juli an. Dann begann die Regenzeit mit kühleren Tagen. Fast alle zwei Tage zeigten sich Gewitter mit Niederschlägen. Vereinzelt trat auch Hagel (H) auf. Die Gewittertage sind wie folgt: 3., 5., 7., 8., 9. (H), 12. (H), 14., 22. u. 29.

Am 18. August starb durch Herzschlag der Landwirtschaftslehrer Dr. Laufkötter. Er wurde in seiner Heimat Wiedenbrück beerdigt.

In diesem Monat zeigte zum ersten Male die Gaufilmstelle der NSDAP [Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei] Westfalen-Nord im Berensschen Saale den Film „Etappenhase“ [Autor: Karl Bunje, 1935; Regie: Joe Stöckel, 1937].

Monat September.

Das Wetter im September war im ersten Drittel trocken und kühl, im  zweiten regnerisch und windig, am Ende wurde es wieder wärmer.

Die Kriegerkameradschaft, Horneburg veranstaltete am 4. September ein öffentliches Preisschießen. Die Bevölkerung beteiligte sich daran sehr gut.

Am 19. September spendete der Hochw. [hochwürdige] Herr Bischof Clemens August [Clemens Augustinus Joseph Emmanuel Pius Antonius Hubertus Marie Graf von Galen] die Firmung. Ganz Horneburg zeigte reichen Schmuck.

Am 21. September 1938 bezog der Gärtner Wilhelm Wegmann seinen Neubau an der Kreuzstraße.

Am 28. Sept. fand im Berensschen Saale die Filmvorführung „Maria, die Magd“ [Autor: Walter Harlan, Die Kindsmagd; Regie: Veit Harlan, 1936] statt.

In der letzten Septemberwoche bezeugte ganz Horneburg am politischen Geschehen reges Interesse. Es handelte sich um die Rückkehr des Sudetenlandes. {Im Münchner Abkommen erklärten sich die Westmächte (Großbritannien und Frankreich) im Rahmen ihrer Appeasement-Politik („Frieden um jeden Preis!“) mit der Annexion des Sudetenlandes durch das Deutsche Reich einverstanden. Die Tschechoslowakei wurde an den Verhandlungen nicht beteiligt.}

Monat Oktober 1938.

In der ersten Hälfte des Oktobers war es sehr stürmisch und regnerisch. Dann besserte sich das Wetter. Am Ende des Monates waren einige Nächte stark nebelig mit leichtem Bodenfrost.

Am 2. Oktober fand im Berensschen Saale das Erntedankfest statt. Die Horneburger Bevölkerung beteiligte sich sehr rege. Ein Erntezug fand nicht statt, weil wegen der letzten kritischen Septemberwoche [Sudetenkrise] die nötigen Vorbereitungen nicht  getroffen werden konnten.

Am 16. Okt. war im Stratmansschen Saale vom Kriegerverein die Rekruten-Abschiedsfeier. Jeder Rekrut erhielt ein Messer als Andenken. Der Abend wurde eröffnet mit einem kurzen Vortrage des Herrn August Müller über Alt-Horneburg.

Am 23. feierte der Schützenverein bei Berens sein Winterkränzchen. Jeder Schütze erhielt die nötigen Biermarken und für sich und für seine Dame ein vom Königspaare gestiftetes Schnittchen.

Am 26. Okt. wurde der Film „Mustergatte“ [Der Mustergatte, 1937, Regie: Wolfgang Liebeneier, Paraderolle: Heinz Rühmann] gezeigt.

Monat November 1938.

Der Monat fing kalt und regnerisch an. Die Witterung verschlimmerte sich, je mehr der Monat sich dem Ende neigte.

Am 3. Nov. wurde die hiesige Landwirtschaftsschule mit drei neuen Lehrkräften eröffnet. Der Besuch ist wieder gut.

Landwirtschaftslehrer Spital wurde nach Warendorf als Direktor versetzt.

Am 12. Nov. wurde die Reichsautobahn Bielefeld - Recklinghausen eröffnet. Die Horneburger Schuljugend nahm Aufstellung am Aufgange Henrichenburg, um so an den Eröffnungsfeierlichkeiten teilzunehmen.

Am 12. und 30. Nov. zeigte die Gaufilmstelle, Gau Westf. Nord im Berensschen Saale die Filme „Friesennot“ [Ein deutsches Schicksal auf russischer Erde, Regie: Peter Hagen alias Willi Krause, 1935] und „Unternehmen Michael“ [Bühnenstück: Hans Fritz von Zwehl, Frühjahrs-Offensive (1918), 1935; Regie: Karl Ritter, 1937].

Am 28. November brach bei Diekmann, Hauptstr. wiederum die Maul- und Klauenseuche aus.

Monat Dezember.

In der ersten Hälfte des Monates Dezember war es abwechselnd trocken und regnerisch. Am 15. wurde es kälter. Vom 17. Dez. 1938 - Neujahr war es sehr kalt. Man maß Temperaturen bis 15° C unter Null. Am 21. trat leichter Schneefall ein, der sich am 22.-26. Dez. sehr verstärkte.

Am 12. Dez. wurde von der Gaufilmstelle der NSDAP der Film „Urlaub auf Ehrenwort“ gezeigt. [Kurzgeschichte: Walter Julius Bloem, Geschichten um den Krieg, 1937; Regie: Karl Ritter, 1937].

Am 23. Dez. fand in Henrichenburg von der NSV [Nationalsozialistische Volkswohlfahrt] für die betreuten Horneburger Kinder die Weihnachtsbescherung statt.

 

1939.
Monat Januar.

In den ersten zehn Tagen des Monates setzte Tauwetter mit Schnee und Regen ein. Darauf war sehr mildes Wetter, das von einigen Regentagen unterbrochen wurde. Am 16. Januar um 17.20 Uhr war das erste Gewitter des Jahres. Am Ende des Monates wurde es wieder etwas kälter.

Am 15. Januar wurde im Berensschen Saale von der Plattdeutschen Bühne des Vereins für Orts- und Heimatkunde, Waltrop das Theaterstück „Krumm üm“ oder „He weet d’r Wäg op“ (4 Akte von W. Brockmann) aufgeführt. [Wilhelm Brockmann, 1863-1935, Mecklenbeck bei Münster, westmünsterländisch: Krumm üm! oder He weet d’r Wäg up.]

Am 24. Jan. war wiederum ein Filmabend. Der Film hieß „Casparone“. [Operette: Carl Millöcker, Gasparone, 1884; Regie: Georg Jacoby, 1937. Johannes Heesters sang: Einmal von Herzen verliebt sein.]

Am 16. Jan. begann man mit dem weiteren Ausbau der Hauptstraße.

Am 29. feierte der Cäcilien-Verein bei Stratmann sein Winterfest.

Monat Februar.

Der Monat Februar zeichnete sich durch abwechslungsreiches Wetter aus. Kälte, Regen und mildes Wetter wechselten stetig.

Zu Beginn und Ende des Monates zeigte die Gaufilmstelle wiederum ihre Filme im Berensschen Saale. Da der Besuch bisher immer ein sehr reger war, sollen in der Zukunft jeden Monat zwei Filme gezeigt werden.

Ende Februar wurde der weitere Ausbau der Hauptstraße von der Wirtschaft Sindern-Hesse bis Metzgermeister Hoppmann fertig gestellt.

Am 5. Februar 1939 feierte die Kriegerkameradschaft bei Hesse ihr diesjähriges Winterfest. Verknüpft war damit ein Abendessen mit Freibier.

Am 12. Febr. hatte die Freiwillige Feuerwehr ihr Winterfest mit Abendessen und Tanz bei Berens.

Am 19. Febr. (Fastnachtssonntag) fand von der plattdeutschen Bühne Horneburg unter Leitung von Frl. Lehrerin Jos. Grewe im Berensschen Saale eine kl. [kleine] Abendunterhaltung mit anschließendem Tanze statt. [Fräulein Josepha Greve wurde am 3.7.1883 in Recke, Kreis Tecklenburg, geboren, war im Kloster zu Ahaus ausgebildet worden, hatte vom 26.-30.10.1904 die Prüfungen in Münster bestanden und war seit dem 1. Januar 1905 als Lehrerin in Horneburg angestellt worden.]

Der Fastnachtmontag war dem Kegelklub gewidmet. Die sehr gemütliche, im kleinen Kreise stattfindende Veranstaltung stand unter der Leitung des Vorsitzenden Gartenmeisters Leo Balan.

Monat März.

Das Wetter im Monat März war kalt. Auch zeigten sich einige Schneefälle.

Am 12. März war Heldengedenktag. Die Gedäch[t]nisrede hielt Fliegerhauptmann Plattmann, Direktor an der hiesigen Landwirtschaftsschule.

Sonst war es wegen der Fastenzeit sehr ruhig im Ort. Wegen der Eingliederung {Annexion} der Tschecho-Slowakei ins Großdeutschland [im NS-Jargon „Zerschlagung der Rest-Tschechei“ drei Tage nach dem Heldengedenktage] wurde am [15.] März auf dem freien Platze an der neuen Schule, Schulstr. ein Freudenfeuer abgebrannt.

Monat April 1939.

Das Wetter im Monat April war teils sehr schön, teils sehr regnerisch.

Am Ostersonntag, den 9. April wurde ein Osterfeuer auf dem freien Platze an der Schule abgebrannt. Am Geburtstag des Führers Adolf Hitler [* 20.4.1889 in Braunau am Inn, Oberösterreich] prangte Horneburg in reichem Flaggenschmuck.

Monat Mai.

Der Monat Mai zeichnete sich durch kaltes und regnerisches Wetter aus. Ganz vereinzelt hatte der Monat einige schöne Tage.

Der 1. Mai wurde bei Berens gefeiert. Herr Kreisobstbauoberinspektor Schlesik hielt eine kernige Ansprache.

Am 14. Mai wurde das HJ.-Heim, Schulstr., eingeweiht.

Die Mütterehrenkreuze wurden am 21. Mai im Berensschen Saale an die über 60 Jahre alten Mütter verteilt.

Monat Juni 1939.

Der Monat Juni war sehr warm. Ganz vereinzelt gab es einige Regenschauer.

Die Gemüsekulturen, die wegen des kalten Maimonates zurückgeblieben waren, entwickelten sich jetzt sehr stark. Eine rege Nachfrage, besonders nach Erdbeeren, setzte ein. Leider hatten die Erdbeerkulturen durch den kalten Winter sehr gelitten. Ganze Flächen waren ausgefroren und mußten infolgedessen umgepflügt werden. Die Ligusterhecken waren auch erfroren und wurden vom Erdboden aus im Abstande von 10 (zehn) cm abgeschnitten. Jetzt zeigt sich aber überall ein reges Wachstum.

Am 16. Juni kam die „Alte Garde“ durch das benachbarte Rapen. [Zur Alten Garde gehörten „Alte Kämpfer“, die bereits 1919 Parteimitglieder waren und sich 1923 am Hitlerputsch in München beteiligt hatten.] Aus Horneburg nahm die Partei mit ihren Gliederungen vor der Wirtschaft Hübner, Rapen Aufstellung. Stürmisch begrüßten alle die alten, treuen Kämpfer unseres Führers auf ihrer Besichtigungsreise durch den Gau Westfalen-Nord.

Monat Juli.

In der ersten Hälfte des Monates war das Wetter gut, in der zweiten Hälfte war es regnerisch.

Unter dieser Witterung litt teilweise die Ernte.

Monat August 1939.

Der Monat August hatte zuerst regnerisches, dann aber sehr trockenes Wetter, so daß die Ernte der Säumigen gut eingebracht wurde. [Säumige lassen sich mit der Ausführung der Arbeiten Zeit.]

Besonders in diesem Jahre wurde auf die schnelle Einbringung der Ernte wegen der drohenden Kriegsgefahr großer Wert gelegt. Überall fanden sich freiwillige Helfer ein. {Die Nazi-Propaganda stimmte die Bevölkerung in den Monaten Juli und August mit massiven Attacken auf Polen auf den bevorstehenden Krieg ein.}

Am 28. August und an den darauf folgenden Tagen wurden die ersten Reservisten zur Fahne gerufen. Teils waren es solche, die bereits im Weltkriege mitgekämpft hatten, teils waren es die jüngeren Jahrgänge. Die Einberufung geschah unverhofft und mit großer Schnelligkeit. Lastautos wurden von der Militärbehörde beschlagnahmt.

Am 28. August wurden auch die Lebensmittelkarten und die Bezugsscheine für Bekleidung eingeführt.

Monat September.

Das Wetter war im allgemeinen gut, wenn auch an einigen Tagen trübes, regnerisches Wetter vorherrschte.

Die Gutsverwaltung (Schloß!) Horneburg wurde in den ersten Tagen des Monates mit dem SHD. [Sicherheits- und Hilfsdienst im Deutschen Reiche, ab Juli 1942 Luftschutzpolizei genannt] belegt, der den Auftrag hat, Sanitätsdienste zu leisten, im Luftschutz als Wachdienst tätig zu sein und kranke und verwundete Pferde zu pflegen.

Am 2. September fand auf dem freien Platze an der Schulstraße die Pferdemusterung statt. Viele Pferde wurden eingezogen.

Am 1. September 1939 brach der Krieg mit Polen aus, der bereits nach 18 Tagen sein siegreiches Ende fand. Von den Horneburgern Mitkämpfern war glücklicherweise am Ende des Monates noch keiner verwundet oder gefallen. {Der 2. Weltkrieg brach nicht aus, sondern wurde von Hitler und den Nazis durch den Angriff auf Polen entfesselt.}

Wegen des ausgebrochenen Krieges mit den Polen begann der Unterricht an der Volksschule erst am 19. Sept.

Monat Oktober.

Das Wetter war durchschnittlich gut, wenn auch ab und zu regnerische Tage (bes. in der 2. Hälfte) dazwischen waren. Die letzten 8 Tage waren zu regnerisch und zeigten schon leichte Nachtfröste.

Die Kartoffeln sind aber trocken hereingekommen. Die Ernte war reichlich. Die Obsternte war auch einigermaßen zufriedenstellend, besonders bei den Äpfeln.

Im Oktober traten besonders stark die Masern auf. In den unteren Klassen der Volksschule waren über 60 % der Kinder daran erkrankt. Der Unterricht wurde jedoch nicht ausgesetzt. Zwei Kleinkinder: Dortmann, Kreuzstr. 1¾ jähriger Sohn und Küper, Kreuzstr. 1½ jährige Tochter sind an der den Masern folgenden Lungenentzündung gestorben.

Monat November 1939.

In der ersten Hälfte des Monates war es trocken und kalt, in der zweiten Hälfte herrschte Regen und teilweise Sturm.

Am 4. Nov. bekam Horneburg die Einquartierung des Pferdelazarettes. Die Soldaten wurden teils in Privatquartieren oder Massenquartieren (alte Schule (Hauptstr.) und HJ. Heim, Schulstr.) untergebracht.

Am 14. Nov. fand bei Berens von der Partei aus ein Varieté-Abend für die in Horneburg liegenden Soldaten statt. (Heerespferde-Lazarett u. Flak.) [Flugabwehrkanone/Fliegerabwehrkanone, auch für die Batterie der Fliegerabwehr].

Die Flak bezog am 3. Nov. die neue Stellung bei Neuhaus-Kottmann, Hagem. Die Truppe wurde auf dem Schlosse und in dem alten Arbeitsdienstlager untergebracht.

Die 2. Pferdemusterung fand am 16. auf dem Schulplatze, Schulstraße statt.

Am 24. fiel der erste Schnee und abends behandelte Oberleutnant Jakobi im Berensschen-Saale das Thema: Großdeutschlands Wirtschaftskampf.

Der Unterricht in der Landwirtschaftsschule begann am 15. November.

Monat Dezember 1939.

Zuerst war es regnerisch und kalt bis dann am 16. Nachtfrost und Kälte einsetzte. Nach Weihnachten war starker Schneefall zu verzeichnen und die Kälte wurde grimmiger.

Eine Nikolausfeier fand in diesem Jahre nicht statt.

Am 9. Dez. feierte die Flak ihr Batteriefest bei Berens. Die Feiertage verliefen ruhig.

 

1940.
Monat Januar.

Der Monat Januar zeichnete sich durch anhaltende strenge Kälte und reichlichen Schneefall aus. Am 22. Jan. zeigte das Thermometer 23½° unter Null. Das war der kälteste Tag.

Am 5. Januar kam eine Batterie Arte[i]llerie nach Horneburg ins Quartier. Am 13. Jan. mußte die Schule belegt werden, weil die Soldaten im Berensschen Saale gesundheitswidrig untergebracht waren. Der Unterricht fiel aus. Wegen Platzmangel wurden am 22. Jan. 21 Kanoniere in die Schlageter-Schule, Meckinghoven verlegt. [Albert Leo Schlageter, Freicorpsangehöriger, 1923 in Frankreich als Spion hingerichtet.]

Am 27. Jan. hatte der Brieftaubenverein „Durch Wind und Wetter“ seine diesjährige Brieftaubenausstellung im Berensschen Saale. Der Besuch war gut. Abends war Tanz.

Monat Februar.

Die Kälte des Vormonates hielt an. Jedoch vom 4.-8. Febr. war Tauwetter. Danach wurde es wieder kälter, so daß am 13. Febr. das Thermometer 22° unter Null anzeigte. Mit der Kälte verbunden war leichter Schneefall. Vom 21. bis zum Schlusse trat wiederum Tauwetter ein.

Am 4. Febr. fand von der NSDAP für die Soldaten ein Varieté Abend statt.

Am 19. verließ die „Flak“ bei Neuhaus-Kottmann ihre Stellung.

Für die Artillerie war am Spätnachmittage des 21. Februar 1940 eine Alarmübung.

Am 26. verließ die Artillerie Horneburg. Sie bezog in der Nähe {von} Lünen ihr neues Quartier.

Monat März.

Das Tauwetter von Ende Febr. hielt bis zum 4. März an. Dann zeigte sich wieder leichter Schneefall mit Frost. Am 13. u. 14. regnete es. Am Spätnachmittage des 14. zeigte sich das 1. Gewitter, verbunden mit sehr starkem Schneefall. Danach setzte das Tauwetter mit leichten Niederschlägen wieder ein. Ab und zu war ein schöner Sonnentag zu verzeichnen.

Am 10. März war Heldengedenktag. Das hier liegende Pferdelazarett nahm die Heldengedenkfeier vor. Die Gedäch[t]nisrede hielt Oberstabsveterinär (= Majorrang) Fürst. Am Schluß der erhebenden Feierstunde fand auf der Hauptstr. ein Parademarsch statt.

Vom 9. bis 11. März hielt der Bürgerschützenverein bei Berens sein Opferschießen ab. Die Beteiligung war sehr gut. [Im Rahmen des Winterhilfswerkes des Deutschen Volkes wurden Sammlungen und Benefizveranstaltungen organisiert. Seit 1935 gab es das Opfer-Schießen: Gegen eine Gebühr von 50 Pfennigen wurden Schießübungen angeboten. Es gab für den Erfolg Urkunden und Abzeichen. Der Erlös wurde dem Hilfswerk gespendet.]

Ende März wurden alle Soldaten aus den Privatquartieren ins Schloß verlegt.

Monat April 1940.

Zu Beginn des Monates war das Wetter trübe und regnerisch. Ende des Monates wurde es besser.

Die Flak im Hagem verließ die Stellung. Diese wurde jetzt besser ausgebaut.

Das frühere Arbeitsdienstlager am Schloßbusch wurde am 26.4. mit 10 Mann Zivil-Polen belegt. Die Aufsicht übernahm der Invalide Ludwig Schmidt, Hauptstr. [Es handelte sich um Zivilarbeiter, Zwangsarbeiter.]

Monat Mai.

Im Monat Mai wechselte das Wetter stetig. Schöne, sonnige Tage und regnerisch, trübe Tage gaben das Bild des Monates.

Am 7. Mai wurde die Flakstellung im Hagem wieder bezogen. Offiziere und Mannschaften lagen nun dort in den Bunkern.

Am 8. Mai fand im Berensschen Saale eine gut besuchte Parteiversammlung statt. Es sprach Reichsredner Pg. [Parteigenosse] Hüttmann {möglicherweise der NSDAP-Gauleiter für Oberschlesien und Reichsredner, Wilhelm Hüttmann}, Berlin.

Nachdem in den frühen Morgenstunden des 10. hunderte von deutschen Flugzeugen Horneburg zum Kampf gegen Holland, Belgien usw. überflogen hatten, verließ auch am 12. Mai das Heerespferdelazarett in Richtung Westen Horneburg.

Am 6. kamen 2 Mann, am 10. neun Mann und am 17.5. 1 Mann Zivil-Polen ins Horneburger Lager.

Monat Juni.

Schönes und regnerisch trübes Wetter wechselten stetig.

In der Nacht vom 19. auf den 20. Juni schoß unsere Flak einen englischen Bomber ab. Er wurde in Waltrop-Lev[e]ringhausen gefunden. Sämtliche Insassen waren tot.

Am 26. Juni 1940 fand am Spätnachmittage ein Luftkampf über Horneburg statt.

Am 22. kamen wiederum 2 Mann ins Horneburger Zivil Polenlager. Die Belegschaft beläuft sich nun auf 24 Mann. Sie sind zur freiwilligen Arbeitsleistung von Polen nach Deutschland gekommen. {Es handelte sich um zwangsverpflichtete Arbeitskräfte aus dem von Deutschland besetzten Polen.}

Monat Juli.

Im Monat Juli herrschte sehr schlechtes Wetter. An verschiedenen Tagen tobten starke Stürme mit Regenschauern. Zum großen Teil litt das Getreide sehr darunter. Dadurch wurde die Einbringung der Ernte sehr verzögert.

Bereits am 1. Juli begannen die Sommerferien. (Grund: häufige, feindliche Fliegerangriffe!).

Monat August.

Auch der Monat August zeichnete sich durch schlechtes Wetter aus. Das Schneiden des Getreides und das Einbringen waren mit großen Schwierigkeiten verbunden, weil nur vereinzelt schöne Tage vorhanden waren.

Am 14. August bekam Horneburg wieder Einquartierung. Zum Schutze gegen nächtliche, feindliche Angriffe auf das Schiffshebewerk wurde dieses durch Sperrballone gesichert. Der Stab dieser Truppe belegte das Schloß. Wachtmeister und Unteroffiziere lagen in Bürgerquartieren, während die Mannschaften im HJ. Heim an der neuen Schule, Schulstr. untergebracht wurden.

Am 23. August 1940 wurde die Scheinwerfertruppe (Kreuzstr.) nach einjähriger Tätigkeit abgelöst.

Am 14. August bekam Horneburg auch eine Sirene. Sie wurde auf der neuen Schule, Schulstr. eingebaut.

Monat September.

Das Wetter des Monates war ziemlich gut. Ab und zu regnete es. Wegen des feuchten Klimas des Jahres war der Gemüsebau gut. Die Kartoffeln kamen ziemlich gut ein. Mit dem Ertrage konnte man sehr zufrieden sein.

Wegen Wiederbeginn des Unterrichtes an der Volksschule wurde die Mannschaft nach dem Schlosse verlegt (12. Sept.). Am 16. Sept. begann nach gründlicher Reinigung der Unterricht.

Im Laufe des Monates wurde auch eine neue Müllgrube hinter dem Spielplatze neue Schule (Sauerkampsgraben) geschaffen.

Monat Oktober.

Auch im Monat Oktober war das Wetter der Jahreszeit entsprechend. Die Kartoffelernte wurde gut beendet.

Am 2. Okt. wurde der Stab der Sperrballontruppe, da der Wiederbeginn des Unterrichtes an der landw. Winterschule bevorstand, vom Schloß nach Datteln verlegt.

In der Nacht zum 28. Okt. fiel ein Blindgänger an die rechte Seite der Kreuzstr. in der Nähe des Bürgermeisters Elfert. Da man zuerst eine feindliche Bombe vermutete, wurde die Kreuzstr. in Höhe Kriegerdenkmal gesperrt. Nach einigen Tagen wurde die Straße für den Verkehr wieder frei gegeben. Jedoch angebrachte Schilder machten auf die Gefahrenstelle aufmerksam.

Die Apfelernte wurde auch in diesem Monat beschlagnahmt.

Monat November 1940.

Im Monat Nov. herrschte sehr stürmisches und regnerisches Wetter. Es wurde auch kühler.

Am 2. Nov. verließen die Scheinwerfer, Kreuzstr., Horneburg. Wegen des Geräusches des Ventilators des Luftschachtes in Hagem-Rapen war ihnen ein erfolgreiches Arbeiten nicht möglich.

Am 12. brach der Sturm den im April 1938 errichteten Fahnenmast, Kreuzstr. - Ecke Sdchulstraße. Dabei wurde die im Jahre 1933 gepflanzte Adolf-Hitler-Linde beschädigt.

In den frühen Morgenstunden des 14. Nov. brach über Horneburg ein wahrer Orkan (Windstärke [die Zahlenangabe fehlt]) los. Dicke Bäume wurden entwurzelt, Häuser zum Teil abgedeckt, Bauer Schultes Scheune an der Schulstr. wurde so vom Sturm erfaßt und durcheinander gerüttelt, daß sie für baufällig erklärt wurde. Das Kreuz auf dem Friedhofe und die danebenstehenden Weiden wurden auch vom Sturme umgelegt.

Am 19. Nov. wurde der Blindgänger, Kreuzstr. ausgegraben. Dabei zeigte sich, daß er ein Flakgeschoß (8,8 cm) war.

Die Parteiversammlung mit Gauredner Bergermann fand am 22. Nov. um 19.- Uhr bei Stratmann statt. Der Besuch war sehr gut. Der Redner besprach die politische Lage.

Monat Dezember 1940.

Der Monat Dez. begann mit Kälte, die bald durch regnerisches, trübes und nebeliges Wetter abgelöst wurde. Die letzten zehn Tage des Monates waren wieder kälter. Leichte Schneefälle waren zu verzeichnen.

Wegen der Kriegszeit fand in diesem Jahre die Nikolausfeier nicht statt.

Die Feiertage verliefen sehr ruhig. Es herrschte aber das richtige Weihnachtswetter.

Am 16. Dez. wurde mit dem weiteren Ausbau der Hauptstr. ab Hoppmann in Richtung Recklinghausen begonnen. Kriegsgefangene (Belgier, Franzosen) führten die Arbeiten aus.

 

Herzlichen Dank an Siegfried Eggenstein für die Mitteilung biographischer Daten seines Vaters.

© Heinrich Michael Knechten und Wolfgang Wellnitz, Horneburg 2019

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