Dorfchronik Horneburg
1937 bis 1966

Übertragen aus der Sütterlinschrift von Heinz Möllers,
ergänzt und herausgegeben von
Heinrich Michael Knechten

II. Teil: 1941-1946

[Fräulein Josepha Greve wurde am 3.7.1883 in Recke, Kreis Tecklenburg, geboren, war im Kloster zu Ahaus ausgebildet worden, hatte vom 26.-30.10.1904 die Prüfungen in Münster bestanden und war seit dem 1. Januar 1905 als Lehrerin in Horneburg angestellt worden. Von Januar 1941 bis zum November 1943 musste die Klasse des einberufenen Lehrers Theodor Eggenstein von Hauptlehrer Schmidt und der Lehrerin Greve durchgezogen werden. Frl. Greve war im Sommer 1947 und vom 1.11. bis Mitte Dezember 1947 erkrankt. Am 1. Juni 1948 trat sie in den Ruhestand. Im Frühjahr 1949 vertrat sie die erkrankte Lehrerin Anny Siedhoff, die aus Bottrop stammte und am 1.1.1951 nach Gladbeck versetzt wurde. Josepha Greve starb am 17. August 1968 in Horneburg. Angesichts der Ereignisse, die hier geschildert werden, sollte nicht ihre poetische Ausdrucksweise übersehen werden: Der April zeigte seinen launischen Charakter. Der Regengott schwang das Zepter. Die Natur kleidete sich in ihr weißes Festgewand.

Ergänzungen von Heinrich Michael Knechten stehen in eckigen Klammern. Kleinere Versehen wie fehlende Punkte oder „im Berenschen Saale“ wurden nicht korrigiert.]

 

Monat Januar 1941.

Der Ortschronist, Herr Lehrer Eggenstein, wurde am 9. Januar zum Heeresdienst einberufen. Die Vertretung an der Schule übernahmen für ihn der Hauptlehrer [Schmidt] und die Lehrerin [Greve].

Der Lehrerin wurde ebenfalls die vorläufige Weiterführung der Ortschronik aufgetragen. [Brief des Amtsbürgermeisters in Waltrop, Abteilung I, Lassoff, vom 22.2.1941. Paul Lassoff/Lassov war 1940-1945 Bürgermeister von Waltrop.]

Monat Februar 1941.

Der Monat Februar versammelte die Einwohner Horneburgs im Berenschen Saale, wo von der Gaufilmstelle Westf. Nord am 3. und 19. zwei Filme gezeigt wurden:

1. Irländischer Freiheitskampf [Drama: Sean O’Casey, The Plough and the Stars (Der Pflug und die Sterne), 1926; Regie: John Ford, 1936, über den Osteraufstand in Dublin 1916, der 1922 zur Unabhängigkeit Irlands führte],

2. Die Reise nach Tilsit [Hermann Sudermann, Litauische Geschichten, 1917; Regie: Veit Harlan, 1939].

Monat März 1941.

Mit Ausnahme von einigen schönen Tagen war das Wetter regnerisch und kühl.

Am 16. war Heldengedenktag. Die Ehrung der Gefallenen fand unter dem Beisein der hiesigen Krieger in Henrichenburg statt. Ortsbauernführer Schürmann hielt die Gedächtnisrede. Jedes Haus im Dorf hatte geflaggt. Ein schöner Kranz, hier am Kriegerdenkmal niedergelegt, zeigte außerdem die Verbundenheit der Horneburger mit ihren toten Helden.

Die hier und in der Umgegend liegende Flak nahm am 18. März einen Stellungswechsel vor. Seit diesem Tage befindet sich hier der Stab einer neuen Flakabteilung. Er ist zum Teil im Schloß, zum Teil in Privathäusern untergebracht. Auf dem Dache des Schlosses wurde ein  Beobachtungsstand eingerichtet.

Monat April

Der ganze April war wie sein Vorgänger meist kalt und regnerisch. In verschiedenen Nächten zeigte das Thermometer 10° unter Null, am Tage war oft die Temperatur 3° unter Null. Um d. [die] Monatsmitte war es etwas freundlicher.

Die Gemeinde hatte in diesem Monat den ersten Gefallenen des Krieges zu verzeichnen. Am 7. April erhielt die Familie Seifer die Nachricht, daß der Gefreite Josef Seifer am 30. Mai 1940 bei Lille sein Leben für Führer, Volk und Vaterland hingegeben hatte.

Die Ortsgruppe Henrichenburg-Horneburg veranstaltete aus Anlaß des Geburtstages des Führers am 20. April eine Feierstunde in Henrichenburg.

Aus der Gemeinde stehen zur Zeit [70 Soldaten] unter den Fahnen:

Balan Leo,
Beckmann Wilh.,
Behler Fritz,
Bikowski Heinrich,
Borsch Erich,
Breuckmann Hermann,
Breuckmann Johann,
Breuckmann Wilhelm,
Brinkmöller Anton,
Brinkmöller Franz,
Brüning Josef,
Dirks Franz,
Dirks Heinrich,
Eggenstein Theodor,
Elfert Wilhelm,
Elshoff Wilhelm,
Fischer Bernhard,
Fischer Heinrich,
Fischer Hermann,
Formanowitz Paul,
Gellenbeck Josef,
Gies Eugen,
Giezek Johann,

Giezek Ludwig,
Gründken Fritz,
Hüning Franz,
Hüning Fritz,
Hüning Gerhard,
Hoppe Ernst,
Hoyer Ewald,
Hücke Bruno,
Kaluszny Josef,
Kedziora Josef,
Kollöchter Heinrich,
Koppelkamp Hermann,
Krause Wilhelm,
Lücke Wilhelm,
Michalak Theodor,
Müschenborn Emil,
Müschenborn Eugen,
Nöthe Wilhelm,
Otte August,
Otte Heinrich,
Otte Wilhelm,
Pauwels Peter,
Pennekamp Hermann,

Peveling Heinrich,
Peveling Wilhelm,
Plattmann Dr. Heinrich,
Pühs Albert,
Pühs Hugo,
Rademacher Josef,
Saarmann Theodor,
Schemmelmann Dr. Bernhard,
Schirmacher Otto,
Schlesik Walter,
Schulte Heinrich [I],
Schulte Heinrich [II],
Schulte Johannes,
Schulte Rudolf,
Schwalvenberg Franz,
Simon Rudolf,
Sindern Josef,
Teigeler Karl,
Teigeler Wilhelm,
Tübing Heinz,
Urmetz Theodor,
Zaumbrecher Josef,
Zimmermann Ernst,
Zimmermann Richard

 

 [Diese Liste wurde in alphabetischer Reihenfolge angeordnet. Bei „Schulte Heinrich“ handelt es sich um zwei verschiedene Familien.]

Monat Mai.

Eine alte Bauernregel sagt: „Mai, kühl und naß, füllt Scheune und Faß.“ - In diesem Jahre war der Mai sehr trocken u. kalt. Die Witterung wirkte sich ungünstig auf die Gemüsekulturen aus, die hier eine besondere Bedeutung haben. -

Am 6. Mai fand auf dem Schloßhofe ein Platzkonzert der hier liegenden Flak statt.

Monat Juni 41.

In der Nacht vom 23. - 24. Juni gegen 145 fielen in der Gemarkung Horneburg unweit der Straßenkreuzung Kreuzstr. - Suderwicherstr. 5 Sprengbomben. Eine Bombe schwersten u. 3 Bomben mittleren Kalibers detonierten, die 5. Bombe war ein Blindgänger. Die Abwurfstelle ist polizeilich durch Warntafeln u. Posten gesichert. Personenschaden ist nicht entstanden, nur Flur- u. Sachschaden. (das Kappsfeld des Baumschulers Wegmann und das Kartoffelfeld des Bauern Hülshoff aus Meckinghoven.) In der Wohnung des in der Nähe liegenden Möllmannschen Hauses zersprangen mehrere Fensterscheiben.

Die Trockenheit des vorigen Monates hielt an zum Schaden der Garten- u. Feldfrüchte. Die sonst sprichwörtlich gute Erdbeerernte hier hielt sich in mäßigen Grenzen. Der Blumenkohl- und Kohlrabiertrag war dagegen ein guter. Er zog sich Fremde ins Dorf. [Käufer von auswärts kamen.]

Monat Juli 41.

Am 1. Juli wechselte die Flak wiederum ihre Stellung. Sie verließ Horneburg und belegte das Schloß Bladenhorst, das vor einigen Jahren von der Zeche käuflich vom Herrn Baron Weichs zur Venne erworben war.

Die im Nov. 40 vom Sturm arg mitgenommene Scheune des Herrn Eugen Schulte mußte abgebrochen werden. Herr Fritz Wegmann hat das Grundstück durch Kauf in seinen Besitz gebracht.

Am 26. Juli fiel in der Schlacht bei Lynbatschy [Ljubaviči/Ljubawitschi, 50 km westlich von Smolensk] der Gefreite Hermann Pennekamp von hier. Er war erst 9 Monate verheiratet mit Gertrud Böcing [Boecking] aus Meckinghoven. Sein Vater gab im 1. Weltkrieg sein Leben für Volk und Vaterland hin. [In Ljubaviči wurden von September bis Dezember 1941 tausend Juden ermordet.]

Der oben genannte Kauf wurde rückgängig gemacht.

Monat August.

Fast während des ganzen Monates schwang der Regengott das Zepter. Das Schneiden u. Einbringen des Getreides war deshalb mit manchen Schwierigkeiten verbunden.

Die Familie Hüning erhielt die Nachricht, daß der Sohn Franz in den Kämpfen gegen Russland den Soldatentod gefunden hat.

Monat September.

Der Monat September zeigte im ersten und letzten Drittel ein freundliches Gesicht. Die Kartoffelernte ist trotz der großen Trockenheit im Sommer eine befriedigende zu nennen. Obst gibt es leider hier wenig. Der Ertrag wurde beschlagnahmt.

Der Unteroffizier Heinrich Otte verunglückte am 17. September bei Ausübung seines Dienstes in Jena.

Monat Oktober.

Die von der Gaufilmstelle gezeigten Filme: „Schiller“ [Norbert Jacques, Leidenschaft. Ein Schiller-Roman, Berlin 1939; Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies, Regie: Heribert Maisch, 1940] und „Bismark“ [Bismarck, Regie: Wolfgang Liebeneiner, 1940] fanden ein äußerst besetztes Haus. [Die Gaufilmstelle zeigte hauptsächlich Filme, die nationalsozialistische Propaganda betrieben.]

Um unsere Soldaten mit Lesestoff zu versorgen, fand von der Frauenschaft der NSDAP eine Büchersammlung statt. Dieselbe hatte einen guten Erfolg.

Monat November.

Der Nov. führte sich mit kalten Tagen ein. Am 4. fiel der erste Schnee, des Nachts zeigte sich Frost. Nach kürzerem strengen Regiment wurde die Temperatur wieder milder.

Am 19. Nov. begannen die Ausschachtungsarbeiten zum Bau eines Luftschutzraumes auf dem Spielplatze an der alten Schule. Die Ausführung übernimmt der Bauunternehmer Send aus Henrichenburg.

Vom 28. - 30. Nov. fand eine Sammlung für den VDA [Volksbund für das Deutschtum im Ausland] statt, die den klingenden Erfolg von 96,95 M. [(Reichs-) Mark] einbrachte.

Monat Dezember.

Der Monat Dez. stand im Zeichen des Nebels und des Regens. Auch zum 1. Feiertage fehlte das dazu gehörende Frostwetter. Jedoch am 2. Tage „weihnachtete“ es. Diese Witterung hielt bis zum Jahresende an.

Am 12. Dez. fand die Beerdigung des im Lazarett zu Kreuznach verstorbenen Gefreiten Josef Zaunbrecher statt. In den Kämpfen bei Kiew wurde er am Unterschenkel schwer verwundet. Er wurde später dem Lazarett in Kreuznach überwiesen. Dort stellte sich noch Lungenentzündung ein, die der geschwächte Körper nicht überwinden konnte. Er starb am 7. Dezember. Zaunbrecher war gebürtig aus Essen. Er arbeitete hier in der Gärtnerei von van Kampen. Seit Februar d. J. [dieses Jahres] war er verheiratet mit Clementine Michalak von hier. Die Landesschützengruppe von Recklinghausen u. ein Musikzug von Dortmund erwiesen ihm das letzte Geleite. Am offenen Grabe wurde die Ehrensalve abgegeben. Mitglieder des Militärs, der Partei, des Kriegervereins u. Vertreter der Gemeinde legten Kränze nieder.

 

Monat Januar 1942.

Die Statistik des vorigen Jahres ergab: 18 Geburten, 9 Eheschließungen, 11 Tote. –

Gegen Ende [des alten] und am Anfang des neuen Jahres regten sich alle Hände, um die vom Führer gewünschte Wollsammlung für die Soldaten durchzuführen. Es gab kein Haus im ganzen Dorfe, wo nicht fleißig „gebastelt“ wurde. So konnte zum 4. Januar auch von H. [Horneburg] ein großer Teil warmer Wollsachen für die Front abgegeben werden. –

Der ganze Januar war ein rechter Eis- u. Schneemonat. Temperaturen von 17. - 18° unter Null waren nichts Seltenes. An einem Tage zeigte das Thermometer sogar 28. - 29°. – In den Häusern waren vielfach die Wasserleitungen eingefroren. Durch den treibenden Wind entstanden an manchen Stellen Schneewehen, so daß auch die „Elektrischen“ im Fahren stark behindert wurden. Linie 4, von Lukas nach Waltrop, mußte sogar an einigen Tagen das Fahren ganz einstellen.

In der ersten Januarwoche erhielt die Familie des Müllers Wilhelm Elshoff von hier die Nachricht, daß der einzige Sohn Willy am 27. Nov. 1941 südostwärts Tobruk in Afrika den Heldentod erlitten habe. [Tobruk ist eine Hafenstadt am Mittelmeer in Libyen, Kyrenaika, und war 1941/1942 Schauplatz heftiger Kämpfe.] – W. Elshoff wurde geboren am 25. Januar 1920. Mit freudiger Begeisterung folgte er am 5. Okt. 1940 dem Rufe des Vaterlandes. Seine Briefe atmen alle den Geist soldatischer Treue u. Pflichterfüllung. –

Am 16. Januar explodierte in dem nahegelegenen Erkenschwick ein Gasometer. 13 Menschen kamen dabei ums Leben. Mehrere wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Der laute Knall war auch hier sehr gut zu vernehmen. Man meinte anfangs, daß eine schwere Bombe abgeworfen sei. Verschiedene Häuser wurden beschädigt u. mußten geräumt werden. In Horneburg selbst entstand kein Sachschaden, da unser Dorf tiefergelegen ist.

Monat Februar.

Der Monat Februar wandelte in den Fußstapfen seines Vorgängers. An allen Tagen zeigte die Erde das weiße, winterliche Kleid. In den letzten Tagen taute es um die Mittagstunden, die darauf folgenden Nächte brachten wieder Frost.

Am 12. Februar fand im Lokale Stratmann eine öffentliche Kundgebung statt, in welcher der Kreisobmann der DAF [Deutsche Arbeitsfront] Kolassa redete. Die Mädelgruppe der Auslanddeutschen aus Bessarabien aus dem Umsiedlungslager auf dem hiesigen Schloß trug zur Verschönerung der Feierstunde bei.

Am 18. Februar „zogen 2 Glocken der hiesigen Kirche in den Krieg“. [Das Metall der Glocken wurde für Rüstungszwecke eingeschmolzen.] –

Monat März

Der 2. u. 3. März brachte Tauwetter. Am 4. jedoch fror es wieder. Nach dem Tauwetter am 6. gab es am 7. Glatteis. Verschiedene Leute machten nahe Bekanntschaft mit der Erde. Die Nachtfröste dauerten etwa bis zum 25. März. Der Frühling verabschiedete einen Winter, der nach den Zeitungsberichten seit 140 Jahren der kälteste u. strengste war.

Am 15. März war Totenfeier. Es wurde am Ehrenmal ein Kranz für die Gefallenen niedergelegt.

Monat April.

Die Ostertage waren stille, arbeitsfreie Tage. So konnten sie ein wirkliches Familienfest werden. Trotz mancher Schwierigkeiten hatte sich auch noch der Osterhase eingefunden. –

In der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag fielen am Hebewerk einige Bomben in freies Gelände, ohne besonderen Schaden anzurichten.

Am 7. April ging ein  heftiges Gewitter mit Hagelschlag nieder. Im benachbarten Erkenschwick wurde durch den Blitzschlag ein Wohnhaus in Brand gesetzt. Es konnte nach kurzer Zeit gelöscht werden. Doch wurden 2 Personen schwer u. 1 Kind leicht verletzt. Sie wurden ins Dattelner Krankenhaus eingeliefert.

In der Nacht vom 10. auf den 11. wurden in unserer Gemeinde gegen 70 Brandbomben abgeworfen. Eine fiel direkt hinter das Wohnhaus des Baumschulers Wegmann. Die Bomben sollen durchschnittlich ein Gewicht von 50 kg gehabt haben.

Die bisher schon betriebenen Gemüsekulturen wurden erweitert, u. es kamen verschiedene neue hinzu. Über 20.000 Mistbeete dienen jetzt der Heranzucht der Pflanzen. Die letzten 14 Tage waren dem Wachstum jedoch u. dem Auspflanzen sehr ungünstig. Es war stürmisches Wetter. Der ganze April war unfreundlich u. kalt.

Monat Mai.

Der nationale Feiertag wurde in diesem Jahre auf den 2. Mai verlegt. Der 2. Mai brachte auch den ersehnten Regen. Doch blieb es im allgemeinen bis Mitte des Monats trocken u. kalt.

Der 14. Mai versammelte die Ortsgruppe der N.S. [nationalsozialistischen] Frauenschaft im Stratmannschen Saale zu einem Frühlingsfest. Der unterhaltende Teil wurde von der Ortsgruppe Henrichenburg bestritten.

Am 20. Mai erlitt der O. Gefreite Gerhard Hüning den Heldentod. Er starb an den Folgen einer Beinverletzung in einem Feldlazarett des Ostens.

Monat Juni.

Die für die 2 ersten Wochen angesetzte Altkleider- u. Spinnstoffsammlung wurde noch um einige Tage verlängert. Sie brachte, wie überall, auch hier einen guten Erfolg.

Am 5. Juni stürzte der Leutnant Josef Plattmann bei einem Kampfprobeflug ab. Er war der älteste Sohn des Direktors der hiesigen Landwirtschaftl. Schule. In Brenken bei Paderborn wurde er zur letzten Ruhe bestattet.

Der Bunker auf dem Spielplatz der alten Schule wurde fertiggestellt und ist jetzt „bezugsfähig“. – Jetzt ist man mit dem Ausschachten des Geländes an der neuen Schule beschäftigt.

Das Wetter war mit einigen Ausnahmen verhältnismäßig kalt.

Monat Juli

Am 1. Juli war eine öffentliche Kundgebung im Lokale Stratmann, in der Gauredner Jacobi aus Marl zum Thema: „Deutschland siegt“ sprach. [Bereits im Juli 1942 wurden Durchhalteparolen gegeben.]

Der Stand der Feldfrüchte kann allgemein als gut bezeichnet werden. Das Wintergetreide hat trotz des ungewöhnlich kalten u. langen Winters dank guter Schneelage nur verhältnismäßig geringen Schaden durch Auswinterung [Frostschäden] erlitten, der hinter den Schäden der beiden voraufgegangenen Kriegswinter weit zurückbleibt. Das Sommergetreide steht gut. Die Gemüseernte, der besonders hier große Bedeutung zukommt, ist bereits im Gange. Sie hat bisher sehr gute Erfolge gezeitigt und verspricht für die später noch anfallenden Fruchtarten ebenfalls gute Ergebnisse. Das Gemüse wird der Sammelstelle Wegmann zugeführt u. nimmt von dort seinen Weg in die Großstädte. Das Beerenobst und die Birnen lassen eine gute Ernte erwarten, während die Äpfel nur geringe Erträge bringen werden.

Monat August.

Während die Wintergerste bereits unter Dach u. Fach gebracht ist, ratterte in der ersten Hälfte des Monats auf den Roggen- u. Weizenfeldern überall die Mähmaschine. Die Getreideernte bringt erfreulicherweise überall in unserer Gegend gute Erträge. Die Druscharbeiten haben teilweise bereits eingesetzt.

Vom 18. an war es sehr warm.

Der Obergefreite Anton Formanowitz wurde mit dem E. K. II. Kl. [Eisernen Kreuz Zweiter Klasse] ausgezeichnet.

Der Luftschutzkeller an der neuen Schule ist fertiggestellt. Auch die Häuser: Benke, Lücke u. Funnemann erhalten Luftschutzräume.

Monat September.

Der Monat S. zeichnete sich durch freundliches Wetter aus. An einigen Tagen war es so warm, daß das Thermometer 28° zeigte. Die Kartoffelernte war sehr gut. Es konnten im ganzen Reich à Person 4 Ztr. [pro Person vier Zentner] zum Einkellern bewilligt werden.

Monat Oktober.

Mit dem 19. Okt. wurde die hiesige Landwirtschaftsschule u. Wirtschaftsberatungsstelle nach Recklinghausen verlegt. Die Schule wurde im Jahre 1896 vom Landkreise Recklinghausen gegründet u. hier in den Räumen des Schlosses untergebracht. Mit der Schule war ein Internat verbunden, in dem ca [circa, ungefähr] 50 Schüler Aufnahme finden konnten. Im Jahre 1921 wurde das Schloß mit den Wirtschaftsgebäuden u. einem Teil der Ländereien vom Kreis käuflich erworben. Zwischen Schule u. Kreisgutwirtschaft bestand eine lebhafte Verbindung. Letztere war der Leitung des Direktors der Landwirtschaftsschule unterstellt. Im Laufe der Jahre wurde sie zu einer bäuerlichen Beispielwirtschaft ausgebaut. Neben dem eigentlichen Gutsbetrieb wurden auch die übrigen Einrichtungen des Kreises wie Musterobstgarten u. Lehrgeflügelhof den Ausbildungszwecken nutzbar gemacht. Der Name: „Landwirtschaftsschule Horneburg“ hatte daher weit und breit einen guten Klang.Mit Wirkung vom 1. 9. 38 erfolgte die Übernahme der bisherigen Kreislandwirtschaftsschule auf d. Reichsnährstand. [Der RNST lenkte die Produkltion, den Vertrieb und die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und war außerdem für soziale und kulturelle Belange seiner Mitglieder zuständig.] Der durch den Krieg bedingte Mangel an Lehrkräften ließ die Landesbauernschaft in diesem Jahre keinen geeigneten Internatsleiter finden. Weil sich hier ohne Internat ein geordneter Schulbetrieb schwer durchführen läßt, entschloß sich der Reichsnährstand im Einvernehmen mit Landrat Dr. Reschke, die Schule schon jetzt nach Recklingh. herüberzuholen. Sobald es die Verhältnisse gestatten, soll dort eine neue Landwirtschaftsschule gebaut werden. Jetzt ist die Schule noch in den Räumen der Widukindschule in Reckling.-Ost untergebracht.

Das Schloß wird nun als Kinderheilstätte eingerichtet.

Monat November

Der 11. Nov. brachte Frau Scherer die Nachricht, daß ihr Mann in Rußland den Heldentod gefunden habe. Scherer war seit einiger Zeit hier ansässig u. stand als Gärtner im Dienste des Herrn van Kampen.

Der Ministerpräsident von Japan Tojo weilte einen Tag als Gast auf dem hiesigen Schlosse. [Tōjō Hideki (1884-1948) war 1941-1944 Premier- und Kriegsminister und wurde wegen Kriegsverbrechen hingerichtet.]

Monat Dezember.

Den ganzen Monat war mildes Wetter. Zu den Weihnachtstagen kleidete sich die Natur jedoch in ihr weißes Festgewand, das bis Neujahr anhielt.

 

Monat Januar 1943.

Gemessen an dem großen Geschehen der Zeit, ging auch das Jahr 1942 örtlich gesehen, ohne besondere Ereignisse für uns dahin. Es wurden in unserer Gemeinde 12 Kinder geboren, 4 Paare schlossen den Bund fürs Leben und 8 Personen starben.

Die erste Hälfte des Monats war es Frostwetter, dann herrschte milde Temperatur.

Der der Reisevereinigung Datteln angeschlossene Brieftaubenverein „Vergißmeinnicht“ hielt am 17. 1. in den Räumen des Vereinslokals Berens eine Ausstellung ab, die mit 112 Tauben in 14 Schlagserien zu je 8 Tieren beschickt war. Den schönsten Vogel der Ausstellung hatte Herr Joh. Möller (93 P. [Punkte]) Mit der Ausstellung war eine Verlosung verbunden, die manchem Besucher einen schönen Gewinn brachte.

Monat Februar u. März.

In der 2. Februarwoche erhielten die Eheleute Wilhelm Dirks die Nachricht, daß ihr Sohn Josef in Rußland am Ladoga-See des Heldentodes gestorben sei.

Den ganzen Monat herrschte mildes Wetter.

Am 3. Februar begingen die Eheleute Thomas Michalak u. Frau Anna Creszentia geb. Neumann das Fest ihrer goldenen Hochzeit.

Monat März

Der Gefreite Willy Breuckmann, Sohn des Maurers Hermann B. hierselbst, erlitt den Heldentod. Die Familie erhielt in der ersten Märzwoche die Nachricht, daß er am 12. Januar in den schweren Kämpfen im Osten in Alexandrowskoje gefallen sei. [Aleksandrovskoe liegt 50 km nordöstlich von Novgorod.]

Die Soldaten Paul Schulte und Franz Hoppe sind in Rußland vermißt.

Der Obergefreite Josef Kaluszny fiel am 24. Febr. bei den Abwehrkämpfen nordwestlich Orel [Orël/Orjol].

Das Wetter zeigte einen frühlingsmäßigen Charakter. An einem Tage betrug die Temperatur 18° Wärme.

Monat April

Der Monat April schenkte uns warme Tage. Die Wiesen u. Felder erscheinen in saftigem Grün. Die Obstbäume prangen in voller Blüte. Zwei Tage vor Ostern waren 23° Wärme zu verzeichnen. Die Ostertage [An den Ostertagen] selbst jedoch zeigte der April seinen launischen Charakter. Es stürmte u. regnete. Die geplante Osterwanderung wurde damit zunichte gemacht. Doch konnte dieser Umstand nicht die Freude an den beiden freien Tagen nehmen. Den Kindern konnte selbst noch im 4. Kriegsjahr der Osterhase seine Gaben brigen.

Am 20. April, dem Geburtstag unseres Führers, prangte das Dorf im reichen Flaggenschmuck.

Anfang April wurden in dem früheren Arbeitsdienstlager im Busch etwa 30 kriegsgefangene Russen untergebracht. Sie arbeiten bei den hiesigen Gemüsebauern u. den Landwirten der näheren Umgebung.

Monat Mai.

Am 6. Mai fand die goldene Hochzeit des Jubelpaares Josef Sträterhoff u. Frau geb. Isenberg statt. Der Jubilar ist ein geborener Horneburger, die Frau ist in Meschede beheimatet.

Die Früchte auf den Feldern stehen gut. Der Roggen blüht, der frischgrüne Weizen ist schon kniehoch u. auch das Sommergetreide zeigt allenthalben einen freudigen Wuchs. Der Weideaustrieb konnte viel zeitiger erfolgen als in  früheren Jahren. Die Kartoffelfelder zeigen dicht bestandene Reihen, während der Raps auch seine gut verlaufene Blütezeit abgeschlossen hat. Im Stand unserer gesamten Feldfrüchte u. in allen landwirtschaftlichen u. gärtnerischen Arbeiten ist ein wesentlicher Vorsprung gegenüber dem Vorjahre zu verzeichnen. Der vergangene Winter hatte ja den Feldfrüchten keinerlei nennenswerte Schäden gebracht.

Monat Juni

Vom 23. Mai bis 12. Juni wurde eine Spinnstoffsammlung durchgeführt, die einen recht guten Erfolg brachte.

Der Kriegsfreiwillige Heinz Tübing, Gefr. [Gefreiter] in einem Gebirgsjägerregiment, fand bei einem Stoßtruppunternehmen im  Osten den Heldentod.

Mit dem 26. Juni erreichten die Kurse der Kinderheilstätte auf dem Schlosse vorläufig ihr Ende.

Der Monat Juni war im allgemeinen naß u. unfreundlich.

Monat Juli u. August.

Der Gefreite Alois Fischer in Rußland u. der Soldat Josef Lukas [Lucas] in Frankreich fanden den Heldentod.

Dank der guten Witterung ging das Einbringen des Getreides schnell von statten. Die Druscharbeiten sind auch zum größten Teil beendet.

Die Gemüseanbaufläche, die im Jahre 1941 37 Hektar betrug, ist in diesem Jahre auf 57 Hektar gesteigert worden, das sind rund 40% der gesamten Ackerfläche der Gemeinde.

Monat September.

Der O.gefreite [Obergefreite] Willy Zimmermann befindet sich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

Die Vorbereitung[en] zur Errichtung einer Gemeindebücherei sind nun zum Abschluß gebracht. Die Lieferung eines ausreichenden Buchbestandes ist durch Vermittlung der Staatlichen Volksbüchereistelle für die Provinz Westfalen in Hagen erfolgt. Die Bücher werden in einem verfügbaren Raum im 1. Obergeschoß des Schulgebäudes an der Schulstraße ausgegeben.

Monat Oktober u. November u. Dezember.

Während der Okt. uns selten schöne Tage schenkte, war die Witterung im Nov. naß und unfreundlich.

Zur Vertretung des am 9. Jan. 41 einberufenen Lehrers Eggenstein wurde die Lehrerin Anna Barella aus Reckling. [Recklinghausen] Süd nach hier beordert. Sie trat ihren Dienst am 17. Nov. an.

Utoffz. [Unteroffizier] Paul Formanowitz starb am 29. November im Lazarett zu Sülzheim (Harz).

Außer einer Woche Frost brachte uns der Dez. viel Regen. Auch am 25. u. 26. Dez. fehlte das sprichwörtliche Weihnachtswetter. –

Im Oktober nahm der Stellvertreter des Landrates Herr Regierungsrat Nowotni seine Wohnung auf dem hiesigen Schlosse.

 

Monat Januar 1944.

Das Standesamt Waltrop beurkundet für das verflossene Jahr 1943 für unsere Gemeinde: 4 Eheschließungen, 14 Lebendgeburten, 1 Totgeburt und 17 Sterbefälle. [Erstmals ist die Anzahl der Sterbefälle höher als die der Geburten.]

Am 30. Januar [Tag der „Machtergreifung“, Ende der Weimarer Republik] wurde vom Hoheitsträger [Träger öffentlicher Gewalt] ein Kranz für die gefallenen Helden am Ehrenmal niedergelegt.

Den ganzen Monat hindurch herrschte regnerisches Wetter.

Monat Februar.

Die 2. Hälfte des Monats zeigte einen winterlichen Charakter. Es gab Fröste, Eis u. Schnee, Temperatur 8 - 10°.

Monat März.

Der Landwirt Josef Berens erhielt in den ersten Tagen des Monats die Nachricht, daß sein  Sohn Josef seit Januar in Rußland vermißt sei.

Am 7. März trat die Landjugend zum Berufswettkampf an. Der Ortswettkampf der Gruppe „Nährstand“ wurde auf dem hiesigen Schlosse ausgetragen. Durch die restlose Teilnahme bewiesen unsere Jungen u. Mädchen, daß sie mitmarschieren in der Front, die zur Erreichung des Sieges angetreten ist. [Auch hier handelt es sich um eine Durchhalteparole.] In theoretischen Dingen kamen zur Behandlung: a Berufskundliche Fragen, b weltanschauliche, c Berufsrechnen, d Deutsch. Die Praxis zeigte das Können beim Kochen, Flicken, den Arbeiten auf dem Felde etc. –

Am 26. März fand die feierliche Überführung unserer Jugend in die H.J. im Clermontschen Saale zu Henrichenburg statt. [Clermont, North River Steamboat, erstes kommerziell erfolgreich eingesetztes Dampfschiff; Saal im Schiffshebewerk Henrichenburg].

Im Gegensatz zum Vorjahre war das Wetter oft rauh und kalt. –

Monat April

Der Obergefreite Wilhelm Schulte, Sohn des Bergmanns Wilh. Schulte hierselbst, erlitt am 4. April den Heldentod. Er wurde auf dem Heldenfriedhof Petschur (Estland) [Pečory, an der estnisch-russischen Grenze] in einem Einzelgrab beigesetzt.

Am 11. April begingen die Eheleute Küster u. Organist Joh. Möller u. Frau, Maria, geb. Beckmann, das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich einer ausgezeichneten körperlichen u. geistigen Frische. Noch heute versieht der Jubilar, der vor kurzem sein 76. Lebensjahr vollendete, mit Umsicht u. nicht erlahmendem Pflichtgefühl seinen Dienst an der hiesigen Pfarrkirche. Die Jubilarin, die im 74. Lebensjahre steht, ist Inhaberin des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter in Gold.

Am 14. April erkrankte Herr Hauptl. [Hauptlehrer] Schmidt an einem Magenleiden. Vor Ablauf eines Vierteljahres wird er nach Aussagen des Arztes den Unterricht nicht wieder aufnehmen können. Die 3 klassige Schule wurde in eine 2 klassige aufgeteilt.

Monat Mai.

Der Wirt Fritz Berens erhielt die Nachricht, daß sein Sohn Fritz in Rußland vermißt sei. –

Am 22. Mai übernahm Herr Lehrer Otto Müller aus Recklinghausen die Vertretung für den erkrankten Hauptlehrer. Die Schule bildet jetzt wieder ein 3 klassiges System.

Die Spinnstoffsammlung brachte auch hier einen verhältnismäßig guten Erfolg.

[In der Nacht ] Vom 23. - 24. Mai fiel etwa 500 m von hier in Meckinghoven eine Luftmine. Sie wühlte einen großen Trichter auf und zerstörte das umliegende Kornfeld. Das Wohnhaus des Bauern Schürmann wurde beschädigt, von den angrenzenden Häusern wurden die Ziegel abgedeckt. Der Luftdruck war so stark, daß hier an 400 Scheiben zersprangen. –

Die Witterung im Mai war, von einigen warmen Tagen abgesehen, naß u. kalt. –

Im Mai hatte das Schloß Besuch von 18 Sängern aus Bayreuth. Anschließend gaben sie ein Konzert in Recklinghausen, bei dem auch der Gauleiter zugegen war.

Monat Juni.

Die erste Juniwoche brachte die Nachricht, daß Franz-Josef Sträterhoff, Sohn des Franz Sträterhoffs, am 3.3. bei Belgorodka, 60 km von Proskuroff, gefallen sei. [Proskurov, heute Chmel’nickij, liegt am Südlichen Bug in der Ukraine.]

Als vermißt in Rußland wurde der O.gefreite Josef Lukas [Lucas], Sohn des Heinrich L., gemeldet.

Monat Juli.

Frau Witwe Pühs erhielt die Nachricht, daß ihr Sohn, der Stabsgefreite Albert Pühs, in Rußland gefallen sei.

Auch der Ortschronist, Herr Lehrer Theodor Eggenstein, Unteroffizier in einem Infanterie-Regiment, fand am 20. Juli den Heldentod. – Der Verstorbene wurde am 2. April 1903 in Drensteinfurt geboren. Nach Vollendung seiner Studien auf dem Lehrerseminar in Hamm fand er zunächst Beschäftigung als Hilfslehrer an der Rektoratschule zu Werne. Nach kurzer Tätigkeit zu Ehringhausen u. Burlo wurde er am 1. Mai 1936 an der hiesigen Volksschule angestellt. Herr Eggenstein war ein gewissenhafter Erzieher u. tüchtiger Lehrer. Sein Andenken wird in Horneburg stets in Ehren gehalten werden. Vom 1. August 1937 bis zum 1. Januar 1941 widmete er sich mit großem Fleiße der Führung der Ortschronik. Der 9. Januar 1941 rief ihn unter die Fahne. Mit großer Begeisterung folgte er dem Rufe. – Er fiel am 20. Juli bei den schweren Kämpfen in der Normandie u. fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof zu Dozula. [Dozulé, zwischen Caen und Le Havre.]

Monat August

Die letzte Augustwoche herrschte eine große Hitze.

Obergrenadier Theodor Wach fiel bei den Kämpfen in Rußland.

Monat September.

Am 1. September war Herr Hauptlehrer Schmidt 40 Jahre im Dienste der Jugenderziehung tätig. Aus diesem Anlaß sprach ihm das Lehrerkollegium im Verein mit den Schülern u. Schülerinnen die besten Glückwünsche aus. Die Gemeinde gratulierte durch Herrn Bürgermeister Elfert u. ließ ein schönes Westfalenbuch überreichen. Die Partei war vertreten durch den Ortsgruppenleiter Herrn Wieland. Die Glückwünsche des Amtes überbrachte Herr Amtsbürgermeister Lassof aus Waltrop.

Leider schritt die Krankheit des Herrn Schmidt schnell fort. Schon am 26. Sept. erlag er seinem schweren Leiden. Die Gemeinde, Partei u. die Schule gab[en] ihm das Ehrengeleite zum Friedhof. – Herr Schmidt übernahm am 1. Okt. 1932 die hiesige Hauptlehrerstelle, die er bis zu seiner Erkrankung am 14. April verwaltete. Vorher war er auf dem Eichsfelde tätig. – In den ersten Jahren amtierte er dort in Wingerode, Friedrichslora und Hundehagen. Vom 1. Okt 1918 bis zum 1. Okt. 1932 leitete er die Schule in Zeitz. Herr Schmidt war geboren am 15. Januar 1884 zu Mühlhausen in Thüringen. Er stand somit erst im 61. Lebensjahre. Sein Andenken wird in der Gemeinde stets in Ehren gehalten werden. –

Monat Oktober.

Die Eheleute Johann Kalb erhielten die Nachricht, daß der Sohn, Soldat Wilhelm Kalb in Rußland vermißt sei.

Ebenfalls in Rußland vermißt ist Obergefreiter Wilhelm Lücke.

Monat November.

Der Unteroffizier Heinz Elfert erhielt das E. K. I. Kl. [das Eiserne Kreuz Erster Klasse]. Am 6. Nov. fiel der Bergmann Theodor Schlüter auf der Zeche König Ludwig in Suderwich feindlichen Bombenabwürfen zum Opfer. Er wurde hierselbst am 11. Nov. begraben.

Am 9. Nov. fielen in der Gemarkung Horneburg verschiedene schwere Sprengbomben. Sie sollen ein Gewicht von etwa 5 - 6 Ctr. [Zentnern] gehabt haben. Da sie auf freies Gelände herunterkamen, wurden, Gott Dank, keine Wohnhäuser getroffen. Doch war der Luftdruck so stark, daß im Dorf an 1000 Fensterscheiben zersprangen. In mehreren Häusern wurden die Schlösser von den Türen gerissen. Einzelne Dächer wurden abgedeckt.

In der letzten Novemberwoche bezog der Stab einer leichten Flakabteilung das hiesige Schloß. Der Raum der alten Schule wurde auch beschlagnahmt und zu einem Lebensmittellager eingerichtet.

Der Utffz. [Unteroffizier] Johann Giezek erlitt in Lettland den Heldentod. Der Soldat August Lukas [Lucas] geriet in englische Gefangenschaft.

Monat Dezember.

Der Unterscharführer Rudi Saarmann fiel in Ungarn. Als vermißt wurden gemeldet Franz Bergforth, Sohn des Landwirts Fritz Bergforth u. Wilhelm Elfert, Sohn des Bürgermeisters Wilh. Elfert.

Am 26. Dez. mußte ein deutsches Flugzeug hier notlanden. Es kam brennend etwa 5 m hinter der Kirche herunter. Alle 4 Piloten waren tot. Die Leichen wurden in Dortmund beerdigt.

Schweres Unglück brachte der 29. Dez. Bei einem feindlichen Fliegerangriff fielen verschiedene schwere Bomben auf unser Dorf. Eine Bombe traf die Schloßstallungen. 28 Kühe mußten ihr Leben lassen. Sie waren teils auf der Stelle tot, teils so schwer zugerichtet, daß sie abgeschlachtet werden mußten. Dem Umstand, daß der Boden des Stalles mit vielem Heu u. Stroh bepackt war, ist es zu verdanken, daß das Schloß u. die umliegenden Häuser nicht mitbetroffen wurden. Eine Bombe fiel in das neben der Post liegende Gelände des Gärtners W. Notarp u. eine geriet in die Stallung des Oberpostschaffners Behler. Die Wirkung war verheerend. Die dem Bombentrichter zugekehrte Seite des Behlerschen Wohnhauses wurde weggerissen, die andere Seite derartig in Mitleidenschaft gezogen, dass an einen Wiederaufbau oder besser [gesagt] eine Wiederinstandsetzung vorerst nicht gedacht werden kann. Auch das alte Behlersche Haus, jetzt von H. Kalfhaus bewohnt, wurde vollständig zerstört, ebenso das der Witwe Schulte in Datteln gehörende Haus, welches von den Familien Saarmann, Pühs und Tüllmann bewohnt war. Das Beckmannsche Mietshaus, Einwohner Familie Franz Sträterhoff, mußte ebenfalls geräumt werden, wie auch die Besitzung des Gärtners Funnemann. Das dem [Textlücke] Fischediek in [Textlücke] gehörende Haus, von der Witwe Peveling u. Gottheil bewohnt, erhielt auch schwere Schäden. Doch können dieselben wieder behoben werden. Es war wohl kein Haus auf der Hauptstraße, das nicht Dachschäden hatte u. bei denen nicht Türen oder Fenster oder beides herauswaren. Auch auf der Kreuzstraße waren verschiedene Häuser beschädigt. Der Hauptmann der Eisenbahn-Flak in Meckinghoven stellte seine Leute zur Verfügung, ebenso schickte der Amtsbürgermeister Handwerker von Waltrop. Auch der SHD [Sicherheits- und Hilfsdienst] schaltete sich ein, so daß die schlimmsten Schäden bald behoben werden konnten. 20 Familien sind obdachlos geworden. Sie sind hier in den Häusern u. im Schulgebäude untergebracht. Sieben Leute wurden verletzt u. mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Der Tod forderte auch ein Opfer, das 5jährige Kind des Dachdeckers Hubert Hoppe starb an den erhaltenen Splitterverletzungen. Unter den Bomben waren auch verschiedene Blindgänger. Sie fielen in die Schloßweide, auf den Mühlenweg, Beckmann gegenüber in die Pachtgärten u. in Wegmanns Baumschulen.

 

Januar 1945.

Im letzten Jahre fanden 2 Eheschließungen statt, 9 Geburten waren zu verzeichnen, und der Tod forderte 20 Opfer, darunter 12 Soldaten.

Am 3. Januar war die Lehrerin J. [Josepha] Greve 40 Jahre an der Volksschule in H. [Horneburg] tätig. Die Schule ehrte die Jubilarin durch sinnige Gedichte. Die Wünsche der Gemeinde u. des Amtes überbrachten Amtsbürgermeister Lasoff u. Bürgermeister Elfert. Auch die Lehrerschaft des Amtes Waltrop hatte eine Vertretung entsandt.

Am 15. Januar wurde das Stickstoffwerk im benachbarten Erkenschwick angegriffen. Es sollen an 800 Bomben gefallen sein. Die Wirkung machte sich auch hier wieder an abgedeckten Dächern, gesprungenen Fenstern u. herausgeflogenen Türen bemerkbar.

Der Obgfr. [Obergefreite] Hermann Koppelkamp, Sohn der Witwe Maria Koppelkamp, erlitt in Kurland den Heldentod.

In französische Gefangenscdhaft geriet Ogefr. Fritz Behler, Sohn des Oberpostschaffners F. Behler.

Februar und März.

Der [Textlücke; hier sollte der Dienstgard eingefügt werden] Eugen Schwalvernberg geriet in engl. Gefangenschaft. Am 7. März fielen in Meckinghoven, nur etwa 10 M. [Minuten] von hier entfernt, 2 Bomben, die den Einsturz eines Bunkers zur Folge hatte. Unter den 15 Toten war auch eine Horneburgerin zu beklagen mit Namen Josefine Stimberg. Sie machte bei dem Bauern Jöemann ihr Pflichtjahr.

Der Wachtmeister Willy Krause wurde im Westen vermißt, ebenso Gefr. Heinrich Stratmann. Gefr. Hubert Peveling geriet in engl. Gefangenschaft. In der letzten Märzwoche wurde das Dorf oft durch Tiefflieger belästigt. Das Haus des Metzgermeisters Hoppmann erhielt gegen 100 Einschüsse. Der Geselle Mathias Lütkenhaus wurde am Bein schwer verletzt u. mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Auch der bei Hoppmann in Arbeit stehende Russe wurde verletzt. Das sich auf dem Hof des Besitzers befindliche Personenauto wurde in Brand geschossen. Die Mauer um den Spielplatz der alten Schule erhielt auch einige Einschüsse.

Monat April.

Ostern fiel auf den 1. April. – Gegen Abend wurde das Kreishaus, jetzt von der ausgebombten Familie Behler bewohnt, durch eine feindl. Granate zl. [ziemlich] schwer beschädigt.

Am 2. Ostertage 545 [Uhr] zogen die amerikanischen Truppen hier ein. Sie belegten fast alle Häuser des Dorfes. Die Einwohner fanden Unterkunft in Scheunen, Bunkern, Baracken und in der Kirche. Die Kirche diente auch als Bergungsort für Möbel, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Porzellan etc.

In verschiedenen Häusern wurden die Gold- u. Silbersachen mitgenommen. Auch Geld wird in einigen Familien vermißt.

Die Landkarten u. Anschauungstabellen aus der Schule fand man, teils zerfetzt, im Schulgarten wieder, die Bilder sind verschwunden. Ein Teil der Schulbänke ist unbrauchbar gemacht worden. Die Mehrzahl der amerikanischen Truppen zog am Ende der Osterwoche wieder ab. Am Ostermontag u. dem darauf folgenden Sonntag hielt ein amerikanischer Feldgeistlicher in unserer Kirche kath. Gottesdienst für die amerikanische Feldtruppe. Die abziehenden Soldaten ließen vielfach in den Häusern Munition zurück. Die Tochter des Schreinermeisters Wilhelm Peveling wurde durch eine explodierende Handgranate schwer, wenn auch nicht lebensgefährlich, am Halse, an der Stirn, den Augen und Beinen verletzt. Die erste Hilfe leistete ein amerikanischer Arzt. Derselbe brachte sie auch zur weiteren Behandlung mit seinem Auto nach Recklinghausen ins Prosperhospital. Dem im März verletzten Lütkenhaus mußte das Bein abgenommen werden.

Sehr belästigt wurden auch die Einwohner des Dorfes durch zurückkommende Ostarbeiter. Sie nahmen, was sie nur eben bekommen konnten. Mit Vorliebe suchten sie einzeln gelegene Gehöfte auf, besonders schwer soll die Witwe Kalthofer mitgenommen worden sein.

Die letzten amerikanischen Soldaten zogen am 10. April hier ab. Der Ortsgruppenleiter Wieland wurde unbehelligt gelassen. Nachträglich hörte man noch von allerlei Schikanen, denen die Leute ausgesetzt waren. In verschiedenen Wohnungen war das unterste zuoberst gekehrt, was in den Keller gehört, war auf den Boden gebracht u. umgedreht. Der Inhalt der Koffer, der Schränke, der Schubladen war durchwühlt u. auf die Erde geworfen. Verschiedene Radiogeräte sind zerstört worden.

Der Ausgang der Bewohner ist von 7 Uhr morgens bis abends 6 Uhr festgesetzt.

[Am 30.4.1945 nahm sich Adolf Hitler in Berlin das Leben. 1945-1949 fanden die Nürnberger Prozesse zur Ahndung nationalsozialistischer Straftaten statt.]

Monat Mai.

Die Plünderungen seitens der Russen hielten an. Besonders waren ihnen die Häuser auf der Heide ausgesetzt. So belästigten sie zu wiederholten Malen die Landwirte Goos u. Berens u. den Gemüsebauer Fischer. Sie schlachteten das Vieh oft an Ort u. Stelle ab. Sie raubten Kleidungsstücke, Schuhe u. alle vorfindlichen Lebensmittel. (Goos gehört politisch zu Datteln, die Kinder besuchten jedoch alle die Schule in Horneburg) Es hat sich der Leute eine große Sorge u. Unruhe bemächtigt. Um das Dorf in etwa zu schützen, ist eine aus 5-6 Mann bestehende Streife eingesetzt. Sie besteht aus Horneburger Bürgern, die abwechselnd Wache halten u. bei bestehender Gefahr die Leute alarmieren. Die Baumschule Wegmann wurde 3 mal bestohlen. Die Diebe drangen in den verschlossenen Keller ein u. nahmen Schinken, Speck, Schmalz u. Würste mit. Ostarbeiter raubten ihnen 3 lebende Schweine. Ein besonders trauriger Tag war für unsere Gemeinde der 30. Mai. Auf den Ruf der Sirene eilten die Bewohner, es war etwa gegen ½ 5 [Uhr] nachmittags, mit dicken Stöcken bewaffnet zur Heide, wo wiederum die Behausung der Witwe Kalthofer von den Russen geplündert werden sollte. Nachdem die Russen ihre Stockschläge empfangen hatten, eilten dieselben zu dem in Suderwich befindlichen Lager u. holten von dort Verstärkung herbei. Es kamen gegen 60 Mann. Sie hatten Schießwaffen bei sich u. schossen auf die Leute. Der sich in seinem Hause befindliche Gustav Dirks wurde nach draußen gezerrt, sehr heftig geschlagen u. dann durch mehrere tiefe Stiche am Kopfe verletzt. Es wurde die Schlagader getroffen, und Dirks starb nach kurzer Zeit. Seine Frau u. seine 88jährige Mutter wurden ebenfalls durch Stiche u. Schläge schwer verletzt. Ein amerikanisches Auto brachte sie zum Prosperhospital nach Recklinghausen. Auch Josef Nöthe u. August Peveling erhielten Verletzungen. Doch waren dieselben nicht lebensgefährlicher Art. Der Hilfspolizist Hugo Klein von hier wurde ins Lager mitgenommenn u. dort von den Russen verprügelt.

Auf dem Schlosse ist wieder eine Kinderheilstätte eingerichtet worden. Der Landkreis hat der Caritas u. der inneren Mission die Räume dazu zur Verfügung gestellt. Es sind zur Zeit 56 erholungsbedürftige Kinder hier. Die Betreuung derselben liegt in den Händen der Schwestern von der göttl. [Göttlichen] Vorsehung. Bis zum Jahre 1937 (von 1906-1937) unterhielt dieselbe Genossenschaft eine Haushaltungsschule u. leitete auch die Küche der Landwirtschaftl. Winterschule.

Die Ausgehzeit ist jetzt von der Militärregierung von 5 Uhr morgens bis abends 9 Uhr festgesetzt worden.

Familie Josef Hesse (Sindern), die wegen der Bombengefahr seit einem halben Jahre im elterlichen Hause des Herrn Jos. Hesse in Meinkenbracht (Sauerland) [südöstlich von Sundern] wohnte u. daselbst ihre Kleider, Fleischvorräte u. die gesamte Wäsche untergebracht hatte, mußte erleben, daß dort das Haus durch Artilleriebeschuß vollständig in Asche zerlegt wurde u. ihre ganze Habe verbrannte. Hier war in ihrer Wohnung alles in Ordnung geblieben, u. das Haus selbst hatte auch keinen nennenswerten Schaden erlitten.

Der Ortgruppenleiter Wieland mußte sich am 15. Mai der Kommandantur in Datteln stellen. Er ist bis jetzt noch nicht zurückgekehrt. [Er wurde einige Zeit auf dem Gelände des Köln-Bonner Flughafens interniert und kehrte dann nach Horneburg zurück. Mündliche Auskunft von Wilhelm Schulte.]

Monat Juni

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung fand am 4. Juni die Beerdigung des auf so tragische Weise ums Leben gekommenen Gustav Dirks statt.

Die Ausgehzeit ist bis abends ½11 Uhr verlängert worden. Während in den Vorjahren der Kartoffelkäfer hier vollständig unbekannt war, sind jetzt fast alle Felder davon befallen. Es findet mehrmals wöchentlich eine Suchaktion statt. Für die Schulkinder ist es Pflicht, daran teilzunehmen. Auch verschiedene Erwachsene beteiligen sich. – Sehr viele Käfer, Eier u. Larven wurden gefunden auf den Feldern der Besitzer: Berens, Benke, Hesse, Elfert, Funnemann.

Monat Juli.

Die Kartoffelkäfersuchaktion findet wegen des starken Auftretens jetzt jeden Tag statt.

Der Bäckermeister Plöger erhielt die Nachricht, daß sein Sohn, Gefreiter Wilhelm P., am 9. April bei den Kämpfen um Königsberg gefallen ist.

Vereinzelt treffen die Soldaten seit dem vorigen Monat von den Schlachtfeldern wieder in ihre Heimat ein.

Monat August u. September.

Von der Militärbehörde ist ein Polizist (Italiener) nach hier gesandt. Derselbe wohnt in der Wirtschaft Benke. Ihm zur Seite steht ein 2. Polizist, der seine Zimmer in der Wielandschen Wohnung hat. Die Stellung der beiden Hilfspolizisten Klein u. Neisen hat damit ihr Ende gefunden.

Die Kartoffelernte und die Obsternte halten sich in mäßigen Grenzen. – Während uns der August eine längere Regenperiode brachte, war die Witterung im September im allgemeinen schön.

[Damit enden die Aufzeichnungen in Sütterlinschrift und die in Lateinschrift beginnen.]

Monat Oktober

Kameraden brachten die Nachricht, daß der Feldwebel Emil Müschenborn bei den schweren Kämpfen um Brest 1944 den Heldentod für sein Vaterland erlitten hat. Er wurde in Brest auf dem Heldenfriedhof beigesetzt. Ebenso starb für sein Vaterland der Stabsgefreite Josef Lukas [Lucas], Sohn des früheren Totengräbers Heinrich Lukas.

Nach mehr als einer halbjährigen Unterbrechung begann wieder der Schulunterricht an der hiesigen Volksschule. Am 22. Oktober war die feierliche Eröffnung. Morgens wurde ein Hochamt zu Ehren des hl. Geistes gehalten. Die Kinder versammelten sich dann in der auf das schönste geschmückten Schule. Auch ein großer Teil Mütter war erschienen. Der Herr Amtsbürgermeister Delwig, der Bürgermeister Elfert u. der Herr Pastor Uekötter [1883-1958] hielten Ansprachen. Die Feier wurde durch Lieder u. Gedichte umrahmt. Als Schulleiter ist Herr Lehrer Qinkenstein ernannt. Er war sonst in seiner Heimatstadt Datteln tätig.

Monat November u. Dezember.

Es traf die Nachricht ein, daß der Gefr. [Gefreite] Werner Kalb den Heldentod erlitten hat.

An den Weihnachtstagen herrschte fast frühlingsmäßiges Wetter. Der 28. Dezember brachte einen orkanartigen Sturm. Die Ziegel flogen von den Dächern, verschiedene große Bäume wurden entwurzelt, die Leitungen der Straßenbahnen rissen. Der schwere Sturm hat ganz Westdeutschland heimgesucht. Größere Schäden u. Personenverluste berichtete die Zeitung aus Münster, Dortmund, Hagen, Gelsenkirchen, Oberhausen u. Düsseldorf.

 

Monat Januar 1946

Das Standesamt Waltrop gibt bekannt, daß in dem verflossenen Jahre für unsere Gemeinde 5 Geburten, 16 Todesfälle und eine Eheschließung zu verzeichnen sind.

Monat Februar, März u. April

Am 21. Febr. fiel in diesem Winter der erste Schnee. – Dann waren Schneetage bis zum 11. März zu verzeichnen.

Wiederholt wurden Diebstähle gemeldet. Hauptsächlich wurden Hühner u. Kaninchen gestohlen. Auch mehrere Fahrraddiebstähle kamen vor. Frau Simon u. Cl. [Clemens] Lücke sen. hatten ihr Rad nur eine ganz kurze Zeit vor dem Hause stehen lassen, – u. schon hatte es einen neuen Besitzer gefunden.

Monat Mai u. Juni.

Es traf die Todesnachricht ein von dem Uffz. [Unteroffizier] Erich Borsch.

Am 8. Juni, dem Tag vor Pfingsten, wurde die Gemeinde von einem schweren Hagelschlag heimgesucht. Die Körner hatten die Dicke von Taubeneiern.

Die Zahl der Ostflüchtlinge beläuft sich jetzt hier auf etwa 70.

Monat Oktober.

Mit dem Erntedankfest schloß das eigentliche Erntejahr 1946 ab. Zwar sind die Bauern auch jetzt noch eifrig mit dem Bergen der Hackfrucht und Dauergemüse-Ernte beschäftigt, aber die Getreide-, Obst- u. Kartoffelernte hat mit dem Erntefest doch ihren Abschluß gefunden. Leider konnte der schlechte Witterungsverlauf der Monate Mai, Juni, Juli u. August nur zum Teil durch die schönen September- u. Oktobertage wettgemacht werden. Doch nicht allein das feuchte u. kalte Sommerwetter beeinträchtigte die Ernte, sondern vor allem auch der Mangel an Düngemitteln. So ist leider die diesjährige Getreide- u. Kartoffelernte nicht einmal eine Durchschnittliche zu nennen. Viel Schaden hatte auch der schwere Hagelschlag vor Pfingsten angerichtet.

Monat Dezember.

Der Dez. brachte uns kalte Tage, Temperaturen v. [von] 20° waren zu verzeichnen. Weihnachten herrschte mildes Wetter. Am 22. Dez. wurde den Flüchtlingen eine schöne Vorweihnachtsfeier bereitet. Jeder erhielt einen reichlichen Teller Gebäck. Für Unterhaltung sorgte der Jungfrauen- u. Gesellenverein [Kolping]. Die Feier fand im Stratmannschen Saale statt.

 

© Heinrich Michael Knechten, Horneburg 2019

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