Dorfchronik Horneburg
1937 bis 1966

Ergänzt und herausgegeben von
Heinrich Michael Knechten

III. Teil: 1947-1953

[Fräulein Josepha Greve wurde am 3.7.1883 in Recke, Kreis Tecklenburg, geboren, war im Kloster zu Ahaus ausgebildet worden, hatte vom 26.-30.10.1904 die Prüfungen in Münster bestanden und war seit dem 1. Januar 1905 als Lehrerin in Horneburg angestellt worden. Von Januar 1941 bis zum November 1943 musste die Klasse des einberufenen Lehrers Theodor Eggenstein von Hauptlehrer Schmidt und der Lehrerin Greve durchgezogen werden. Frl. Greve war im Sommer 1947 und vom 1.11. bis Mitte Dezember 1947 erkrankt. Am 1. Juni 1948 trat sie in den Ruhestand. Im Frühjahr 1949 vertrat sie die erkrankte Lehrerin Anny Siedhoff, die aus Bottrop stammte und am 1.1.1951 nach Gladbeck versetzt wurde. Josepha Greve führte die Horneburger Dorfchronik von 1941-1966. Sie starb am 17. August 1968 in Horneburg.

Ergänzungen von Heinrich Michael Knechten stehen in eckigen Klammern. Fehlende Punkte und andere kleine Versehen wurden nicht verbessert.]

 

1947.

Im verflossenen Jahre fanden 5 Eheschließungen statt; 14 Geburten u. 4 Sterbefälle waren zu verzeichnen.

Am 4. Febr. wurde der bisherige Leiter der Volksschule, Herr Quinkenstein aus Datteln nach dort zurückversetzt. An seine Stelle trat Herr Skibinski aus Oberschlesien. [Er war Ostvertriebener, wie die Schulchronik anmerkt.]

Am 23. März wurde das 25jährige Pfarrjubiläum unseres Herrn Pastors Uekötter gefeiert. Nach einer schönen kirchlichen Feier am Morgen versammelte sich des Nachmittags die Gemeinde im Berenschen Saale. Der Landrat als Patronatsherr war am Erscheinen verhindert, dagegen waren der Herr Amtsdirektor  u. der Bürgermeister von Waltrop erschienen. Der Bürgermeister von Horneburg überreichte dem Jubilar im Namen der Pfarrfamilie einen weißen Chormantel. Besonderen Beifall fand das Weihespiel des Jungfrauenvereins: „Des Priesters Ehrenkranz“. – Die Schulkinder hatten am Tage vorher ihren lieben Pastor u. Religionslehrer in einem auf das schönste geschmückten Klassenzimmer durch Lieder, Gedichte u. sinnige Aufführungen geehrt.

Die Kreisgutwirtschaft wurde verschiedentlich von Dieben heimgesucht.  Außer verschiedenen Ctr. [Zentnern] Korn wurden die Schafe u. Gänse gestohlen.

Freudige Hoffnung lösten die ersten warmen Frühlingstage aus. Der Winter hielt in diesem Jahre ausnahmsweise lange an; bei dem knappen Heizmaterial besonders schmerzlich.

Dem ungewöhnlich langen u. kalten Winter folgte ein sehr trockener, heißer Sommer. Monatelang fehlte der erquickende Regen. Gräben u. Pumpen waren vielfach leer. Die Wiesen wurden vorzeitig kahl u. braun. Das fehlende Futter hatte ein großes Milchablassen [einen sinkenden Milchertrag] zur Folge. Das Getreide ist notreif geworden. Die Kartoffelernte ist mäßig, die Knollen sind klein geblieben. Das Obst ist vielfach wurmstichig, das Herbstgemüse fällt aus. Nach einer Zeitungsnotiz war der Sommer 1947 der heißeste seit 400 Jahren. Der Sommer 1911 war um 2 Grad, der Sommer 1921 nur um 1 Grad, der letzte Sommer aber um 3 Grad zu warm. Die Tropentage von 1911 mit einer Höchsttemperatur von 30 Grad betrugen 17. Im Jahre 1921 waren es 10, 1947 dagegen 24.

Am 23. Sept. hatte die Landwirtschaftl. Schule ihr 50jähriges Bestehen. Der Notlage der Zeit entsprechend u. weil die Schloßräume als Kinderheilstätte eingerichtet sind, konnte die Feier nicht so aufgezogen werden wie damals beim 25jährigen Jubiläum. Am Morgen fand in der hiesigen Pfarrkirche ein Dankgottesdienst statt. Anschließend war für die Ehrengäste ein Frühstück im Stratmannschen Saale. Um 2 Uhr begann das gemeinsame Mittagessen im Städtischen Saalbau zu Recklinghausen. Um 5 Uhr vereinigte eine Festfeier daselbst die vielen früheren Schüler u. Schülerinnen, deren Zahl mit 2000 nicht zu hoch gegriffen sein dürfte.

Am 1. Nov erkrankte die Lehrerin Greve an einer Rippelfell- u. Lungenentzündung. Ihre Vertretung übernahm die Junglehrerin Frl. Ohnesorg aus Gelsenkirchen-Wattenscheid. Die Stelle des gefallenen Lehrers Eggenstein wurde Anfang Dezember mit dem Junglehrer, Herrn Roßbach aus Gladbeck besetzt. Seit 7 Jahren war diese Klasse durchgezogen worden.

Ein dringendes Bedürfnis ist hier bei den beschränkten Wohnungsverhältnissen der Erwerb von Siedlungsgelände. Auf Ersuchen soll der Herzog von Arenberg von seinen hier gelegenen Grundstücken im Erbbauwege den Boden für 22 Siedlerstellen zur Verfügung gestellt haben.

Im Gegensatz zu dem letzten, sehr kalten Winter hielt sich dieser in mäßigen Grenzen.

1948.

Die Geburtenzahl des letzten Jahres betrug 6, an Todesfällen waren 3 und an Eheschließungen 6 zu verzeichnen.

Es ist hier ein Gartenbauverein gegründet, der rund 120 Mitglieder umfaßt. In anerkennenswerter Weise hat das Schloß über 3 Morgen Land abgegeben. So sind 32 Familien mehr in der glücklichen Lage, „sich ihren Kohl selbst zu bauen“.

Die Lehrerinnendienstwohnung ist dem Junglehrer Herrn Roßbach zugesprochen. Die Lehrerin Greve trat am 1. Juni in den Ruhestand.

Für den Beginn des Kleinsiedlungsprogramms wurde endgültig der Grundstein gelegt durch die Genehmigung eines Grundstücksaustausches zwischen der Gemeinde und dem Landwirt Beckmann aus Rapen. Die Gemeinde hat dadurch ein günstig gelegenes Grundstück in der Kreuzstr. [heute: Schloßstraße] erworben, das für die Errichtung von 4 Siedlerstellen geeignet ist.

Am 20. Juni wurde die Reichsmark-Währung außer Kurs gesetzt. Mit Wirkung vom 21. Juni gilt die Deutsche Mark. Jeder Einwohner des Währungsgebietes erhält im Umtausch gegen Altgeld desselben Nennbetrages 60 M. Ein Teil des Kopfbetrages [des Betrages pro Kopf, pro Person] in Höhe von 40 M. wird sofort ausbezahlt, der Rest innerhalb von 2 Monaten.

Zum Bürgermeister der Gemeinde wurde der Fleischbeschauer Heinrich Teigeler gewählt. In einer sinnvollen Feier der alten u. neuen Gemeindevertretung wurde dem früheren Bürgermeister Herrn Wilh. Elfert ein ehrenvoller Abschied bereitet.

Ende September erhielt die Kirche 4 neue Fenster, 2 zeigen figürliche Darstellungen, 2 Teppichmuster. Die Fenster wurden geliefert von der Firma Schreyer in Castrop-Rauxel u. kosteten 3000 M.

1949

Am 18. Januar feierten die Eheleute H. Teigeler u. Anna geb. Küper das Fest der goldenen Hochzeit. Am 19. Juli beging unser Küster u. Organist, Herr Joh. Möller in seltener körperlichen u. geistigen Frische sein diamantenes Berufsjubiläum. Schon mit 15 Jahren mußte er den kranken Vater vertreten. Die offizielle Anstellung erfolgte am 19. Juli 1889, nachdem er in Münster vor dem Domchor­­direktor Schmiedt sein Examen bestanden hatte.

Zu Ostern wurde der Junglehrer Herr H. Roßbach nach Gladbeck versetzt u. die Junglehrerin Frl. El. Ohnesorg nach Recklinghausen-Süd. An ihre Stelle traten Frl. Siedhoff aus Bottrop u. der Junglehrer Herr Albring aus Gelsenkirchen. Frl. Siedhoff konnte wegen Krankheit ihr Amt nicht antreten. Die Lehrerin Greve wurde gebeten, die vorläufige Vertretung zu übernehmen. Dieselbe dauerte bis zu den Sommerferien. Nach denselben, am 18. August, trat Frl. Siedhoff ihren Dienst an.

Zur großen Freude der Anlieger der Kreuzstraße wurde ein Teil derselben neu gepflastert u. mit Bordsteinen versehen. Die Instandsetzung der ganzen Straße mußte wegen Geldschwierigkeiten noch verschoben werden.

Zum 1. November wurde Herr Albring nach Gelsenkirchen versetzt, u. Herr Roßbach kam nach hier zurück. Vom 13. - 27. Nov. fand in unserer Pfarre eine Mission statt, die von Pater Prior Friedrich aus Köln und von P. Jordanus aus Meckinghoven abgehalten wurde. Der Besuch der Predigten u. der Empfang der hl. Sakramente war außerordentlich gut. Die beiden Dominikaner verstanden ihre Sache, u. zudem hatte der Herr Pastor vorher jede Familie persönlich eingeladen.

Auf dem im vorigen Jahre von der politischen Gemeinde bereitgestellten Siedlungsgrundstück wurden gegen Ende dieses Jahres 2 Doppelhäuser u. 1 Einfamilienhaus errichtet. Die Häuser wurden in Erbpacht genommen von den Familien Tüllmann, Kalkhoff, Neisen, Heinrich Hoppe, Ignaz Krugmann, Bruns u. Schäfers.

Auch die Kirchengemeinde stellte durch Austausch mit dem Metzgermeister Hoppmann ein Grundstück für 2 Doppelhäuser zur Verfügung. Da der Austausch der beiden Kontrahenten wegen § 52 des Militärgesetzes [Beschlagnahme von Vermögen] auf Schwierigkeiten stieß, konnte mit dem Bau dieser Häuser noch nicht begonnen werden. Die Finanzierung erfolgt durch den Ketteler Siedlungsverein.

Bei der nach einjähriger Tätigkeit notwendig gewordenen Neuwahl des Bürgermeisters wurde der bisherige Bürgermeister H. Heinrich Teigeler jun. einstimmig wiedergewählt.

Die sportfreudige Jugend hat sich durch fleißige Arbeit ihrer Hände ein schönes Sportgelände geschaffen. Das Grundstück umfaßt 3 Morgen u. ist vom Schloß gepachtet. Der Vorsitzende des neugegründeten Sportvereins ist H. Rudolf Paul.

Im Jahre 1949 sind in unserer Pfarre 22 Kinder geboren, 8 Paare schlossen in unserer Kirche den Bund fürs Leben, 4 sind gestorben.

1950

An der Pilgerfahrt nach Rom im hl. Jahre 1950 nahmen aus unserer Pfarre Herr Dr. Wiesmann u. Frau teil.

Nach 56jährigem Klosterleben, vom dem sie 33 Jahre in Afrika verbrachte, durfte die Schwester Ancilla aus der Genossenschaft der Weißen Schwestern, geb. Elisabeth Küper von hier, zum Besuche ihrer Verwandten nach Horneburg kommen. Die Schwester erfreut sich einer beneidenswerten körperlichen u. geistigen Frische. In ihrer Begleitung waren 2 jüngere Schwestern, von denen die eine, Schw. Isabella, auch schon 12 Jahre als Lehrerin in Afrika tätig war. Die Familie Teigeler, Frau Teigeler ist eine leibliche Schwester der Schw. Ancilla, gewährte ihnen vom 19. Januar bis 8. Februar freundlichst Unterkunft. Die Schwestern hielten in Horneburg u. in den umliegenden Ortschaften Lichtbildervorträge aus dem Geschehen u. ihren Erlebnissen in Afrika.

In der stürmischen Nacht vom 10. - 11. Februar wurde hier die Filiale des Herrn Rombeck aus Henrichenburg, deren Leiterin Frl. Anna Lettmann ist, von Dieben heimgesucht. Den Tätern fielen Werte von etwa 2000 M. in die Hände.

Kurze Zeit später wurden aus der Baumschule des Herrn Franz Wegmann 20 - 25 wertvolle Beerensträucher entwendet. In der Nacht vom 11. auf den 12. März suchte ein Dieb den Hühnerstall des Herrn Wilh. Wegmann zu leeren. Im Kampf mit dem Einbrecher wurde der Besitzer an der Hand verletzt u. mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Von den Tätern fehlt in allen Fällen jede Spur.

Zum 1. April 1950 wurde Herr Hauptlehrer Skibinski von hier nach Gladbeck Schultendorf versetzt. An seine Stelle trat Herr Hauptlehrer Erich Schröter. Herr Schröter ist geboren am 10. Sept. 1905 in Ladekopp [36 km südwestlich von Danzig]. Von 1928 bis zum 2. Weltkrieg amtierte er als Lehrer in Danzig Schönsee. Nach Rückkehr aus dem Weltkrieg baute er eine Flüchtlingslagerschule in Jagel bei Schleswig auf. Von Sept. 1947 - 48 wirkte er in Barlo bei Bocholt und wurde dann als stellvertretender Schulleiter nach Ramsdorf Kreis Borken berufen.

Am 20. August veranstaltete die Kirchengemeinde ihr schon traditionelles Heimatfest. Die Vorbereitungen übernahmen vornehmlich die Mitglieder der KAB [der Katholischen Arbeiterbewegung]. Alles war gut organisiert. Auf der Waldwiese des Schlosses war für alles gesorgt. Verkaufsstände für Bier, Wurst, Brötchen u. andere Erfrischungen waren aufgebaut, dazu gab es noch eine Schießbude u. Glückräder. Selbst eine 60 qm große Tanzfläche hatte man errichtet. Für die Kinder begann das Fest um 15 Uhr. Zu ihrer Belustigung gab es neben Eier- u. Sacklaufen, Stangenklettern ein Kasperle-Theater – Auch eine Kegelbahn für Kinder fand lebhaften Zuspruch. Für die Erwachsenen begann das Heimat- u. Volksfest nach dem Gottesdienst mit dem üblichen Frühschoppen u. Platzkonzert der verstärkten Dorfkapelle. Am Nachmittag war ganz Horneburg auf den Beinen, dazu kamen Freunde u. Gäste von nah u. fern.

Vom 16. - 18. Sept. führte der „Christophorus“, eine noch junge Gemeinschaft kath. Studierender, in Horneburg ein Ferientreffen durch. Aus Westf. u. vom Niederrhein fanden sich 24 Studentinnen u. Studenten der Universitäten Freiburg, Münster u. Mainz ein, um sich kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen u. ein paar frohe Tage im Ostvest zu verleben. Die Organisation lag in Händen des stud. phil. [Student der Philosophie / Student an der Philosophischen Fakultät / Student der Geisteswissenschaften] Heinz Elfert von hier, der zur Zeit in Mainz studiert. Bereitwillig stellten die Bürger des Dorfes den Gästen ein leeres Bett oder eine Couch zur Verfügung.

Der Gemüsebau brachte eine gute Ernte; leider fehlten aber die Käufer. Besonders unbegehrt war der Rotkohl. Mehrere Felder mit dicken schönen Köpfen mußten einfach umgepflügt werden. Das Ausland führt derart viel Gemüse ein, daß der Markt damit überschwemmt wird. Die heimischen Gemüsesorten geraten dabei zugunsten der ausländischen ins Hintertreffen.

Am 26. Oktober wurde die Bürgermeisterwahl in vorbildlicher Einmütigkeit getätigt. Alle Stimmen (CDU u. SPD) vereinigten sich wieder auf Teigeler, der damit einstimmig wiedergewählt wurde.

Am 21. November wurde die neue Landwirtschaftl. Mädchenschule auf dem Schlosse eröffnet. Sie untersteht der Landwirtschaftskammer Münster. Die Leiterin ist Frl. Niemann aus Riesenbeck u. Frl. Schulze Ueding aus Schöppingen steht ihr als 2. Lehrkraft zur Seite. Als 3. Lehrkraft ist eine Ordensschwester tätig. Es haben sich 26 Schülerinnen gemeldet, 6 davon sind im Internat, das von den Schwestern der göttl. Vorsehung geleitet wird. Das Schulgeld beträgt für den ersten, 5 Monate dauernden Kursus nur 50 M. Für die späteren Kurse, die jeweils 6 Monate dauern werden, ist ein Schulgeld von 60 DM festgesetzt. Außerdem stellt die Landwirtschaftskammer Mittel für Stipendien zur Verfügung u. erläßt bei Notlage auf Antrag das Schulgeld.

Frl. Lehrerin Siedhoff kehrte wegen Krankheit nach den Herbstferien nicht zurück. Das 3klassige System wurde in ein 2klassiges verwandelt. Im Dezember erfolgte ihre Versetzung nach Gladbeck.

Allenthalben herrscht eine große Kohlenverknappung. Für die kalten Monate konnte nur pro Monat 1 Ctr. Hausbrand bewilligt werden.

An dem letzten Pilgerzug nach Rom im Dezember nahmen von hier Herr Franz Wegmann u. seine Tochter Christel teil.

Der vorletzte Tag des Jahres brachte der Familie Fischer von hier ein schweres Leid. Der in Reckl. Ost verheiratete Sohn Bernhard Fischer wurde mit seinem LKW. beim Überqueren des Bahnüberganges der Hochlarmarkstraße von dem aus Recklingh. Hauptbahnhof kommenden Eilgüterzug erfaßt und etwa 250 Meter mitgeschleift. Er wurde aus seinem Wagen geschleudert u. auf der Stelle getötet. Die Schranken waren zur Zeit des Unfalls nicht geschlossen.

Im Jahre 1950 wurden 22 Kinder geboren, 11 Paare empfingen das Sakrament der Ehe. Es starben 10 Personen, davon war die älteste Person 71 Jahre, das jüngste Kind erst wenige Stunden alt.

Die Kanalisierung der Kreuzstraße wurde weitergeführt, so daß jetzt auch die Siedlerhäuser angeschlossen sind.

1951.

Am 20. Januar wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung Herr August Müller zu Grabe getragen. Er war nur wenige Tage krank und starb im 80. Lebensjahre im Krankenhause zu Datteln. Bis in die letzte Zeit hinein beschäftigte er sich mit heimatkundlichen Sachen. Er hatte eine Menge interessantes Material über die Entstehung u. Entwicklung Horneburgs angesammelt.

Am 18. Januar wurde die Lehrerin Frl. El. Kleygrewe von Brockenscheidt bei Waltrop nach hier versetzt. Die seit kurzem 2klassige Schule wurde wiederum in eine 3klassige aufgeteilt. Frl. Kleygrewe bewohnt die frei stehenden Zimmer in der neuen Schuile.

Die Gemeinde erhielt eine betriebssichere elektrische Feuersirene. Der schnelle Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr ist dadurch noch besser gewährleistet.

Im November nahm die neu eingerichtete Landwirtsschule im hiesigen Schloß ihre ersten Schülerinnen auf. Am 3. Februar waren die Vertreter der am Aufbau dieses bäuerlichen Erziehungswerkes beteiligten u. interessierten Kreise zu einer offiziellen Eröffnungsfeier eingeladen. Das Schloß hatte zum Empfang der Gäste Festschmuck angelegt. Die Fahnen des Landkreises u. der Provinz Westfalen waren aufgezogen. Unter dem Bilde des verdienten Grafen v. Merveldt gaben in langen Festreden die Vertreter der Behörden des Stadt- u. Landkreises, der Landwirtschaftskammer, des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbandes, des Bauerntums, der Landwirtsschaftschulen für Jungen, der kath. u. evangel. Geistlichkeit, die Schulleitung u. die „Ehemaligen“ ihrer Freude u. ihrem Dank zum guten Gelingen des Werkes in Gratulationen u. guten Zukunftswünschen Ausdruck. [Der Recklinghäuser Landrat Felix Friedrich Graf von Merveldt (1862-1926) hatte 1896 die Landwirtschaftsschule Horneburg gegründet.] Die Festversammlung war dann für einige Stunden Gast der Schule. Man hatte zu einer herzhaften Erbsensuppe mit Mettwurst eingeladen, die an den mit Tonschalenreihen voll duftender Äpfel aus dem dortigen Obstgarten besetzten Tischen besonders gut geschmeckt haben soll.

Es treten Scharlach- u. Diphtherieerkrankungen auf. Drei Kinder von hier wurden ins Krankenhaus zu Datteln eingeliefert. Am 9. Februar fand eine Schutzimpfung statt, der sich Schul- u. Kleinkinder unterzogen.

In der Nacht vom 14. bis auf den 15 Februar drangen unbekannte Täter nach Aufbrechen der Blendlade eines Seitenfensters in den Laden der Metzgerei Hoppmann ein und entwendeten Fleischwaren, Schmalz u. Margarine. Der Wert der gestohlenen Sachen beträgt etwa 200 DM. Von den Dieben fehlt bis jetzt jede Spur.

Horneburg hat wieder gute Straßen. Nachdem der Straßenkanal der Kreuzstraße fertig gestellt ist, ist nunmehr die Straße selbst chaussiert [mit einer festen Fahrbahndecke versehen, asphaltiert] worden. Auch die Arbeiten an der Straße: „Auf der Heide“ schreiten gut voran.

In der Zeit vom 11. - 16. März weilte der H. H. [hochwürdige Herr] Bischof Dr. Michael Keller im Dekanate Datteln. [Dr. theol. Michael Keller, * 16.2.1896 in Siegen, Priesterweihe 6.11.1921, Bischofsweihe 28.10.1947, seither Bischof von Münster, Päpstlicher Thronassistent,  7.11.1961] Er nahm Wohnung im Krankenhause zu Datteln und besuchte von dort aus die Geistlichen u. Schwesternhäuser. Am 13. März besuchte er hier den H. Pfr. Uekötter und die Schwestern auf dem Schlosse.

In der Nacht vom 15. auf den 16 März wurde eine Kirchenglocke, die sich in dem Schuppen des Maschinenbauers Wilh. Elfert befand, von unbekannten Tätern gestohlen. Die Glocke hatte ein Gewicht von 120 kg u. war im Jahre 1761 von dem Gießer Fuchs in Köln gegossen worden. Wegen ihres Alters brauchte sie im 1. Weltkrieg nicht abgeliefert werden. Im 2. Weltkrieg jedoch mußte auch sie „in den Krieg“ ziehen. Später konnte sie, durch einen Riß schwer beschädigt, von der Kirchengemeinde hierselbst in Lünen wieder in Empfang genommen werden.

Da die Kirchentüre nicht mehr diebessicher war, wurde sie durch eine neue ersetzt. Die Ausführung der Arbeit war dem hiesigen Schreinermeister Peveling übertragen, der sie zur vollen Befriedigung der Gemeinde fertigstellte. Die Kosten, 680 DM, sollen teilweise durch milde Gaben aufgebracht werden.

Am 1. Juli feierte die KAB bei hochsommerlicher Witterung ein Waldfest. Für die Erwachsenen begann es nach dem Hochamt mit dem üblichen Frühschoppen u. dem Platzkonzert der verstärkten Dorfkapelle. Nachmittags setzte der Zustrom der Besucher ein. Im Dörfchen wimmelte es von Fremden. Die Zahl derer, die einen Abstecher nach Horneburg gemacht hatten, mag sich in die Tausende belaufen haben. Organisatorisch war alles wie im vorigen Jahre auf’s beste geregelt. Der Reinertrag ist für die Errichtung eines Kindergartens bestimmt.

Wegen der in der Umgebung herrschenden Maul- u. Klauenseuche mußte der Sportverein sein Waldfest auf den Spielplatz verlegen. Auch dieses Fest erfreute sich eines sehr guten Zuspruches. Es wurde am 19. August gefeiert. Der Reinertrag soll ebenfalls als Fonds für den Kindergarten dienen.

Im ersten Weltkriege wurden zwei unserer Kirchenglocken eingezogen. Nur eine, dem hl. Antonius geweihte Glocke wurde der Gemeinde belassen. Sie stammte aus dem Jahre 1761 u. war ein gutes Stück alter deutscher Glockengießerkunst. Im Jahre 1921 wurde der Glockenbestand durch zwei in Gescher gegossene Glocken wieder aufgefüllt. Die Kosten wurden durch Sammlungen aufgebracht. Im 2. Weltkrieg, im Jahre 1942, wurden wiederum die Glocken eingezogen. Selbst die kleine, im 1. Weltkrieg verschonte Glocke mußte abgegeben werden. Unser Glockenstuhl war zum 2. x verwaist, u. wie nach dem 1. Weltkrieg mußte auch jetzt die Initiative zur Beschaffung neuer Glocken selbst von der Gemeinde kommen. Das Geld wurde zur Zeit unserer wirtschaftlichen Schwäche von den Mitgliedern des Kirchenvorstandes eingeholt. 3000 M zu beschaffen, war nicht ganz so einfach u. dadurch erklärt es sich auch, daß sich die Anschaffung so lange hinausgezögert hat. Die Bestellung der Glocken erfolgte beim Bochumer Verein. Nach dem erfolgten Guß wurden sie von dem Musikwissenschaftler Dr. Heinr. Dormann geprüft, der abschließend folgendes Urteil abgab: „Es kann gesagt werden, daß die 3 Glocken sowohl klanglich als auch in ihrer sonstigen Ausführung ganz ausgezeichnet gelungen sind. Der Bochumer Verein hat mit ihnen ein Meisterstück der Glockengießerkunst fertig gestellt, das seinen Ruf auf diesem Gebiet einmal mehr unter Beweis stellt.“ – Das Gesamtgewicht der Glocken beträgt 980 kg. Die größte Glocke hat einen Durchmesser von 840 mm u. soll der Mutter Gottes geweiht werden. Die Inschrift lautet: „Dem Andenken der in den beiden Weltkriegen Gefallenen u. Vermißten geweiht“ Die mittlere Glocke hat einen Durchmesser von 710 mm u. soll der heiligen Agatha geweiht werden. Sie trägt die Inschrift: „Bewahre uns vor Brand u. Feuersglut.“ Auf der kleinsten, der Kirchenpatronin M. [Maria] Magdalena geweihten Glocke steht die Inschrift: „Gib uns Frieden im Leben u. Sterben.“ – Klanglich sind die Glocken auf cis - e - fis abgestimmt.

Die Einweihung erfolgte am 12. August während des Hochamtes durch den zeitigen [gegenwärtigen] Pfr. Uekötter. Nach altem Gebrauch prüften die Gläubigen durch Anschlag an die Glocken ihre Tonfülle u. legten dabei ein Geldopfer auf den Teller. – Die bekränzten Glocken waren im Mittelgang aufgestellt. Ihre Aufmontierung erfolgte durch die Gebrüder Josef u. Heinrich Teigeler, die umsonst [unentgeltlich] ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache stellten. – Die Erweiterung des Glockenstuhles hatte die Firma Predeck übernommen, in Waltrop wohnend. [Wilhelm Predeck war 1946-1949 und 1952-1953 Bürgermeister von Waltrop.]

Seit der Währungsreform hat sich die Belieferung der Städte mit Gemüse nicht mehr in solchen Mengen vollzogen wie diesen Sommer u. Herbst. Die ausländische Gemüseeinfuhr war auf ein Mindestmaß reduziert worden, wochenweise ganz verboten. Auch in preislicher Hinsicht waren hier die Gemüsebauern gut zufrieden.

Der Sommerkurs der Landwirtschaftl. Schule für Mädchen auf dem Schloß konnte diesen Sommer nicht stattfinden. Wegen Fehlens von Arbeitskräften mußten die Bauerntöchter auf dem elterlichen Hof bleiben. Statt dessen richtete das Arbeitsamt in Recklinghausen auf dem Schlosse einen 13wöchentlichen unentgeltlichen Kursus für die Ostern aus der Schule entlassenen, stellenlosen Mädchen ein. Die Betreuung hatten die Landw. Lehrerinnen.

Das Kreishaus im Ort, von den Familien Behler, Schlüter u. Dördelmann bewohnt, wurde für baufällig erklärt. An Stelle des alten Hauses errichtete der Kreis einen Neubau, in dem noch 2 weitere Familien Platz finden sollen.

Am 22. Oktober bestand der Junglehrer Heinrich Roßbach seine 2. Lehrerprüfung vor dem Regierungsrat Stock u. dem Schulrat Hoyer.

Der Winterkurs der Landw. Schule für Mädchen begann am 26. November mit 26 Schülerinnen, 15 derselben sind im Internat, die anderen sind Fahrschülerinnen.

Der 18. November war ein Festtag für die Gemeinde. Unser Herr Pastor Uekötter feierte an diesem Tage sein 40jähriges Ortsjubiläum. Im Jahre 1909 zum Priester geweiht, wirkte H. Pastor erst 2 Jahre als Kaplan in Mettingen, Kreis Tecklenburg. Am 6. November 1911 wurde er mit der Leitung des Internates der Landw. Schule hierselbst betraut u. war als Lehrer an derselben tätig. Durch den Tod des Pfarrers Kindermann am 18. Dez. 1921 war die Pfarrstelle hierselbst verwaist. Herr Kapl. Uekötter wurde erst zum Pfarrverweser ernannt und am 22. März 1922 zum Pastor. So wirkte er also volle 40 Jahre ununterbrochen in unserer Gemeinde. Zur Feier dieses seltenen Jubiläums hatten sich die ganze Pfarrfamilie, die Spitzen der Behörden u. Freunde u. Bekannte des Pfarrers eingefunden. In feierlichem Zuge wurde der Jubilar vom Kirchenvorstand, den Fahnenabordnungen der kirchlichen Vereine den Meßdienern u. Engelchen von der Pastorat zur Kirche geleitet. Unter Assistenz der beiden Dominikaner P. Pankratius u. P. Rüdiger zelebrierte der Jubilar das Festhochamt. Die Festpredigt hielt P. Pankratius. Auf Wunsch des Jubilars sprach er von dem priesterlichen Wirken im allgemeinen. Durch die Erkrankung des Chorleiters, Lehrer Roßbach, konnte leider keine mehrstimmige Messe gesungen werden. Nach dem Hochamt wurde der Jubilar zur Pastorat zurückgeleitet. Hier fand der Empfang der Gratulanten stattt. Der Landkreis Recklingh. war durch Landrat Hoppe [Anton Hoppe (1889-1968), 1946-1956 Landrat des Kreises Recklinghausen] u. Oberkreisdirektor Dr. Köchling vertreten [Dr. Anton Köchling (1903-1990), 1950-1954 Oberkreisdirektor beim Landkreis Recklinghausen]. Landrat Hoppe überreichte dem Jubilar ein Geldgeschenk für caritative Zwecke. Amtsdirektor Dellwig sprach die Glückwünsche des Amtes aus u. überreichte eine künstlerische Ehrenurkunde. [Fritz Dellwig war von Mai 1945 bis in das Jahr 1946 hinein zusammen mit Wilhelm Burbaum und Hermann Press Bürgermeister von Waltrop.] Amtsbürgermeister Ferkinghoff [Heinrich Ferkinghoff, 1953-1964 Bürgermeister von Waltrop], Bürgermeister Teigeler u. die pensionierte Lehrerin Greve, die die ganzen 40 Jahre mit dem Jubilar gearbeitet hatte, sprachen ihre Glückwünsche u. ihren Dank aus. Als Geschenke wurden dem H. Pastor eine elektrisch anzeigende Liedertafel (900 DM) ein kostbares Meßgewand (510 DM) vier Meßdienergarnituren für 285 DM u. 30 neue Gesangbücher für Bedürftige überreicht. –

Im Jahre 1951 wurden in unserer Gemeinde 15 Kinder geboren, 4 Erwachsene starben u. 12 Paare wurden getraut.

Der Weg zum Friedhof wurde mit Hilfe der Stadt Datteln gemeinsam instand gesetzt.

1952

1) In der sehr stürmischen Nacht vom 9. auf d. 10. Januar wurde ein Einbruch in die hiesige Pfarrkirche verübt. Die Täter drückten den unteren Teil eines zum Schlosse hin gelegenen Fensters ein u. gelangten auf diese Weise in das Gotteshaus. Es wurden alle Laden u. Schränke durchwühlt, aber an Paramenten nichts mitgenommen. Die Holzverkleidung des eisernen [metallenen] Stahltabernakels wurde angebohrt u. vollständig zerstört. Man versuchte, den Tabernakel aufzubrechen, aber ohne Erfolg. Von den Tätern fehlt jede Spur.

2) Ein tragisches Geschick ereilte am 24. Februar, Fastnachtsmorgen 3 Uhr, den Jungmann Hugo Peveling von hier. Mit seinem Motorrad von Oer kommend, nahm er in der Nähe von Tillmann in Rapen die Kurve zu kurz u. fuhr gegen den Brückenpfeiler. Er erlitt einen Schädelbasisbruch. Sein Begleiter, H. Bergforth, sorgte dafür, daß er ins Dattelner Krankenhaus eingeliefert wurde. Er verschied auf dem Wege dahin. H. Peveling stand im 20. Lebensjahre und berechtigte durch seine rege Schaffenskraft u. sein frohes Wesen zu den schönsten Hoffnungen. Man bringt allgemein der Familie die herzlichste Teilnahme entgegen.

3) In der Nacht vom 1. auf d. 2. März wurden dem Gemüsebauer Theo Müschenborn aus seinem Keller dreißig Fleischgläser entwendet. Der Täter ist unbekannt.

4) Die letzte Woche im März brachte viel Kälte und Schnee. Sonst war der Winter milde. Die Ostertage u. die Osterwoche herrschte dagegen sommerliches Wetter, Temperaturen 20°.

5) Am 8. April vollendete Frau Witwe Schwarzhoff ihr 90. Lebensjahr. Sie ist die älteste Einwohnerin des Dorfes.

6) Am 8. April verstarb in Berlin-Steglitz der früher hier amtierende Hauptlehrer Blazejewski. Von 1922-1932 war er als Leiter an der hiesigen Volksschule tätig. Sein Andenken wird in Ehren gehalten.

7) Der 27. April war für den Landkreis Recklinghausen der „Tag des Baumes“. Im Beisein von vielen Horneburgern pflanzte Herr Landrat Hoppe vor dem neu errichteten kreiseigenen Wohnhause im Ort eine Linde, der stellvertrende Bürgermeister Wegmann einen Birnbaum, der Obstbauinspektor Schulte-Scherlebeck im Kreisgarten ebenfalls eine Linde. [Heinrich Schulte-Scherlebeck wurde am 17.2.1913 geboren, war bei der Kreisverwaltung Recklinghausen als Kreisgartenbauoberinspektor tätig, übernahm im Januar 1959 im Dienst der Landwirtschaftskammer die Leitung der Gartenbauschule, erhielt die Lehrbefähigung für Gartenbau, wurde Landwirtschaftsdirektor, trat im August 1978 in den Ruhestand und starb am 11.9.2002 in Münster-Wolbeck.] Die Feier wurde umrahmt durch Lieder und Gedichte der Kinder der hiesigen Schule und durch Reigen von Tanzgruppen aus Oer.

8) Am 16. Juni stieg eine etwa 30jährige Zigeunerin in der Mittagspause durch ein angelehntes Fenster in das Bureau des Kreisobstgartens ein, das zu dieser Zeit nicht besetzt war. Sie öffnete die unverschlossene Schreibtischschublade, in der sich 15 DM befanden, die sie mitgehen ließ. Außerdem fand sie in der Schublade den Geldschrankschlüssel vor. Sie öffnete denselben u. entnahm ihm den Betrag von 910 DM. Nach Ausführung der Tat bestieg sie einen gelbgestrichenen Wohnwagen, der mit einem braunen Pferd bespannt war. Leider wurde der Diebstahl erst am folgenden Tage bekannt.

8) [9)] Bei hochsommerlichem Wetter feierte am 29. Juni die KAB ihr schon traditionelles Waldfest. Das Programm war ungefähr das des Vorjahres. Die Tanzfläche [war] jedoch bedeutend erweitert, so daß die jungen Leute unter den Klängen der Vestischen Jägerkapelle auf ihre Kosten kommen konnten. Der Zustrom von Fremden war sehr groß. Der Reinertrag soll der Kirche zu gute kommen für die Anschaffung eines elektrischen Glockengeläutes. [In der alten Horneburger Kirche hingen die drei Glockenstricke durch ein Loch im Gewölbe bis zum Fußboden herunter. Wenn ein Kind die große Glocke läutete, wurde es von ihrem Gewicht in die Höhe gehoben.]

9) [10)] Herr Kreisobstbauoberinspektor Herr Schulte Scherlebeck hierselbst hat in Zusammenarbeit mit dem Bundessortenamt 35 neue Erdbeersorten gezüchtet, 20 der Sorten sollen als überaus gut befunden worden sein. Der Kreisgarten in Horneburg kann also auf diesem Gebiet auch wertvolle Anregungen u. Erfahrungen weitergeben.

10) [11)] Am Feste Allerheiligen verstarb die älteste Einwohnerin des Dorfes Witwe Schwarzhoff im 91. Lebensjahre.

11) [12)] Am 9. Nov. fanden die Kommunalwahlen für die Gemeinde, das Amt u. den Kreis statt. Für die Gemeindewahl waren 3 Listen aufgestellt, 1 Liste der CDU der SPD u. eine Liste der Unabhängigen. Die Wahlbeteiligung betrug 91 %. Bei der Wahl für die Gemeinde erhielten von der Liste der CDU Franz Wegmann 324, H. Teigeler jun. 303, Josef Fischer 263, Leon Balan 248 u. Sg. [Siegfried] Krugmann 234 Stimmen. Sämtliche Kandidaten dieser Liste wurden in direkter Wahl gewählt. Von der Liste der Unabhängigen erhielt Benke 214, Plöger 156, Joh. Breuckmann 153, Fritz Bergfort 130, Eugen Schulte 92, Josef Schulte 89 Stimmen. Von der Liste der SPD bekam Rudolf Paul 94, Emil Weichler 43, Heinrich Schulte 41, W. Kalkhoff 39, Oberhag 38 u. Hapka 38 Stimmen. Von der Ersatzliste kam Rudolf Paul in den Gemeinderat. Die Unabhängigen konnten keine Ersatzliste aufstellen, da sie keine anerkannte Partei waren. Bei der Gemeindewahl waren [war] bei 4 Enthaltungen nur eine ungültige Stimme.

Bei der Amtsverterwahl [Amtsvertreterwahl] bekam der Kandidat der CDU Heinrich Teigeler jun. 342 Stimmen. Für die Liste der FDP stimmten 32, für die SPD 98, für die KPD [Kommunistische Partei Deutschlands] 3. – Gewählt wurde also H. Teigeler. Die Zahl der ungültig abgegebenen Stimmen betrug 38.

Für die Kreistagswahl wurden für die Liste der CDU – Predeck aus Waltrop – 372 Stimmen abgegeben. Die SPD erhielt 65 Stimmen, die FDP 25 und die KPD 3. 47 Stimmen waren ungültig. Gewählt wurde Predeck.

12) [13)] Bei der Bürgermeisterwahl wurde H. Teigeler wiedergewählt. Der stellvertretende Bürgermeister Franz Wegmann starb am 3. Dezember im Alter von 57½ Jahren nach 3wöchentlichem Krankenlager an den Folgen eines Gehirnschlages.

13) [14)] Die Autobuslinie 56 führt von Recklingh. über Erdenschwick, Datteln nach Lüdinghausen. Sie berührte unser Dorf bei Schulte Hubbert. Seit dem 15. Dez. gab die Verwaltung der Vestischen Straßenbahn dem Schnellbus eine andere Linienführung. Der Bus verläuft jetzt mit der Straßenbahnlinie 2 nach Datteln. Durch diese Neuregelung sind die Horneburger vom Schnellbusverkehr abgeschnitten, das [was] hier sehr bedauert wird. Bislang bestand an der Verbandstraße eine Zusteigemöglichkeit. Hoffentlich wird im neuen Jahr eine Prüfung der Verkehrsverhältnisse durchgeführt u. eine Lösung gefunden, die auch Hornebg. befriedigt.

14) [15)] Die 3 Glocken bekamen einen elektrischen Antrieb. Die Anlage wurde fertig gestellt von [Textlücke] Die Kosten wurden durch den Ertrag des Waldfestes aufgebracht.

15) [16)] Im Jahre 1952 wurden in unserer Pfarre 28 Kinder geboren. Es starben 12, darunter waren 3 Kinder. Getraut wurden 8 Paare.

1953

1.) Am 18. Januar feierte der RZV [Reisetaubenzuchtverein] „Durch Wind und Wetter“ sein 25jähriges Bestehen. In der zur Feier des Tages veranstalteten Schlagausstellung belegte W. Budde den 1. Platz.

2.) In diesem Winter herrschte fast überall die Grippe. Die gesamte Umgebung hatte vom 26. Januar - 16. Februar Grippeferien. In Horneburg gab es verhältnismäßig wenig Krankheitsfälle, so daß die Schule nicht geschlossen werden brauchte.

3.) Der Januar u. Februar brachte viel Schnee. Die Zeitungen schreiben, daß die Schneedecke die dichteste seit dem strengen Winter 1946/47 gewesen sei.

4.) Am 20. Februar weilte der hochw. Herr Weihbischof Heinrich Baaken in unserem Dorf u. spendete 87 Firmlingen – 83 Kindern u. 4 Erwachsenen – das Sakrament der Firmung. [Heinrich Baaken, * 15.3.1900 in Rheinberg-Budberg, Priesterweihe 26.5.1923, Bischofsweihe 25.3.1952, Titularbischof von Gordus und Weihbischof in Münster, Domdechant, 11.5.1976.] Wegen der Ungunst der Witterung hatte er gebeten, von einem feierlichen Empfang absehen zu wollen.

5) Seit dem 1. März fährt der Schnellbus wieder den früheren Weg. (Siehe 1952 Nr. 13.)

6.) Der vor der Gastwirtschaft Benke gelegene freie Platz dient jetzt als Parkplatz. Die Kosten der Instandsetzung tragen Gemeinde u. Kreis.

7.) Die Siedlerhäuser des 2. Bauabschnittes Kettler wurden von den Siedlern Aleff, Kröger, Krimpmann u. Guse bezogen.

8) Am 7. Sept. begingen die Eheleute Klemens Lücke geb. Beckmann, Kreuzstr. 50, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Ehe des Jubelpaares entstammen 6 Kinder, die alle verheiratet sind. Bürgermeister Teigeler u. Verwaltungsdirektor [Amtsverwaltungsrat Heinrich] Meermann überbrachten die Glückwünsche der Gemeinde u. des Amtes. Pfr. Uekötter händigte dem Jubelpaare ein Bild des Hochw. Herrn Bischofs [Michael Keller] aus.

[Frl. Josepha Greve fügte der Chronik drei undatierte Artikel der Zeitung „Dattelner Post – Waltroper Kurier“ bei, die von einem Journalisten stammten, der sich mit „N.-S.“ abkürzte, und der über das Horneburger Schützenfest berichtete:

1873 wurde Wilhelm III. (Elfert) Schützenkönig, Konigin war Helene I. (Benke). Seit 1905 regierten Karl I. (Müschenborn) und Henrike I. (Benke). Bernhard Gellenbeck belebte die Vereinsaktivitäten neu; ab 1926 wurde ein Protokollbuch geführt und im Jahre 1927 konnte das erste Schützenfest nach dem I. Weltkrieg gefeiert werden, Schützenkönig wurde Josef I. (Elfert) und Königin Toni I. (Wegmann). Seit 1933 amtierten Hubert I. (Hoppmann) und Christine I. (Wegmann) und seit 1937 Wilhelm IV. (Plöger) und Maria I. (Hoppmann).

Am 5.8.1951 wurde die Wiederbelebung des Horneburger Schützenvereins beschlossen. Vom 27. bis zum 29. Juni 1953 fand dann das erste Horneburger Schützenfest nach dem II. Weltkrieg statt. Für die Musik verantwortlich waren der Spielmannszug Ober-Castrop und die Vestische Jäger- und Schützenkapelle Oer-Erkenschwick. Es wurde eine neue Schützenfahne geweiht. Major Josef Berens (Auf der Heide) schritt die Front der Schützen ab. Die Ansprache hielt Amtsdirektor Fritz Dellwig. Gäste waren Mitglieder der Schützenvereine Waltrop, Hagem, Meckinghoven, Erkenschwick und Rapen. Wecken war am Sonntag bereits um 5.00 Uhr morgens; „denn man muß sich früh rüsten, wenn an diesem Tage alles klappen soll.“ Schützenkönig wurde Johannes I. (Breuckmann), Königin Hedwig I. (Benke).

Ein weiterer Zeitungsbericht, der vom 25.11.1953 stammte, handelte von der Renovierung der Horneburger Kirche:

Heinrich Maas aus Recklinghausen-Hochlar arbeitete sechs Wochen lang mit seinen Gehilfen. Er legte den Hochaltar in Gold und Silber aus, malte jedes Bild des Kreuzweges nach und frischte es auf, außerdem entfernte er die Farbe von der Sakramentsnische aus Sandstein. Josepha Greve fügte hinzu:]

Die Kosten der Renovierung betrugen rund 4000 DM. Diese wurden durch Kirchenkollekten aufgebracht, die durchschnittlich jedesmal 350 - 400 DM ergaben.

 

© Heinrich Michael Knechten, Horneburg 2019

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