Dorfchronik Horneburg
1937 bis 1966

Ergänzt und herausgegeben von
Heinrich Michael Knechten

IV. Teil: 1954-1959

[Fräulein Josepha Greve wurde am 3.7.1883 in Recke, Kreis Tecklenburg, geboren, hatte ihre Ausbildung im Lyzeum der Heiligenstädter Schulschwestern zu Ahaus erhalten, war 1903 in Ahaus als Junglehrerin angestellt worden, hatte vom 26.-30.10.1904 die Prüfungen in Münster bestanden und war seit dem 3. Januar 1905 als Lehrerin in Horneburg angestellt worden. Von Januar 1941 bis zum November 1943 musste die Klasse des einberufenen Lehrers Theodor Eggenstein von Hauptlehrer Schmidt und der Lehrerin Greve durchgezogen werden. Frl. Greve war im Sommer 1947 und vom 1.11. bis Mitte Dezember 1947 erkrankt. Am 1. Juni 1948 trat sie in den Ruhestand. Im Frühjahr 1949 vertrat sie die erkrankte Lehrerin Anny Siedhoff, die aus Bottrop stammte und am 1.1.1951 nach Gladbeck versetzt wurde. Josepha Greve führte die Horneburger Dorfchronik von 1941-1966. Sie starb am 17. August 1968 in Horneburg.

Ergänzungen von Heinrich Michael Knechten stehen in eckigen Klammern. Fehlende Punkte und andere kleine Versehen wurden nicht verbessert.]

 

1954

1) Wegen zu geringer Kinderzahl wurde die 3klassige Schule hierselbst zu Ostern in eine 2klassige umgewandelt. Herr Hauptlehrer Schröter hierselbst wurde in gleicher Eigenschaft nach Horstmar versetzt. Die Gemeinde sieht ihn ungern scheiden. Die Gemeindevertretung, der Schulvorstand und die Elternpflegschaft bereiteten ihm eine schöne Abschiedsfeier in der Wirtschaft Bencke. Herr Schulrat Hoyer, Herr Pfr. Uekötter und Herr Bürgermeister Teigeler fanden lobende Worte für sein treues Wirken. Als Zeichen der Dankbarkeit überreichte ihm der Bürgermeister ein schönes Bild, welches das Horneburger Schloß darstellte.

2.) Seit 1917 war der 20. Juni der heißeste Tag in der Bundesrepublik, berichteten die Zeitungen. Die Temperatur stieg auf 33 Grad im Schatten. Das benachbarte Rapen feierte Schützenfest. Unter den Klängen der Musik marschierte die Horneburger Gilde zum Festplatz.

3.) Am 27. Juni fanden die Landtagswahlen statt. In Horneburg waren wahlberechtigt: 546
Abgegebene Stimmen: 514
CDU 378
SPD  76
FDP  17
Zentrum 9
KP [Kommunistische Partei]  9
BHE [Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten] 17
Ungültige St. [Stimmen] 8

3.) [4.)] Das kalte Regenwetter des diesjährigen Sommers wird noch lange in Erinnerung bleiben. Es setzte in der letzten Juniwoche ein und erfuhr, getreu der Volksregel von „den Siebenschläfern“ bis Ende Juli keine Unterbrechung. Ganz trocken blieben nur 2 Tage im Juli. Es herrschte eine Temperatur, wie sie für Mitte Mai oder Ende September charakteristisch ist (In vielen Haushaltungen wurde der Ofen angeheizt.) Dadurch wurde auch die Getreideernte ungewöhnlich verzögert. Die Erntearbeiten werden auch dadurch erschwert, daß sich durch die ständigen starken Niederschläge das Getreide sehr gelagert hat. Heute ist der 13. August. Der Roggen ist gemäht, kann aber wegen des auch jetzt noch häufigen Regenwetters nicht eingefahren werden.

4) [5.)] Am 17. Oktober feierten die Eheleute Bürgermeister Heinrich Teigeler u. seine Ehefrau Elisabeth geb. Regosch unter reger Beteiligung der Gemeinde das Fest ihrer silbernen Hochzeit.

5.) [6.)] Zum 1. Nov wurde der hiesige Lehrer Roßbach in gleicher Eigenschaft als Lehrer nach Gladbeck versetzt. An seine Stelle trat Herr Wellnitz aus Waltrop. Ihm wurde gleichzeitig das Amt eines Schulleiters übertragen. [Aloys Wellnitz (1921-1991) war bis 1970 Lehrer in Horneburg. Er leitete 1954-1960 den Kirchenchor, war 1954-1985 Organist, leitete 1969-1974 das Horneburger Blasorchester und war seit 1965 Mitglied der I. Kompanie des Bürgerschützenvereins Horneburg.]

6.) [7.)] Die Wetterpropheten, die schon vor einigen Wochen „weiße Weihnachten“ vorausgesagt hatten, haben wieder einmal Unrecht behalten. An den beiden Feiertagen herrschte trübes, sehr stürmisches und regnerisches Weihnachtswetter.

[Zeitungsausschnitt vom 22. Mai 1954:
Fast fünfzig Jahre betreuten die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung das kreiseigene Schloß Horneburg und seine Einrichtungen: zunächst jahrzehntelang das Internat der Landwirtschaftsschule, die im II. Weltkriege nach Recklinghausen verlegt worden war, nach dem Kriege das Tbc-Aushilfskrankenhaus des Kreisgesundheitsamtes, danach das Kindererholungsheim und die Landwirtschaftsschule für Mädchen. Dann berief das Mutterhaus die Schwestern für eine andere Aufgabe ab: Oberin Bernoldis, Schwester Gisela/Gisella, welche in Horneburg für die Kranken und Hilfsbedürftigen ein guter Engel gewesen war, Schwester Placida, die Verwalterin der Küche, und Schwester Friderica, welche den Garten und den Kleintierhof betreut hatte. Bei der Abschiedsfeier waren Kreisbeigeordneter Angermann, Kreissyndikus Paul Heitmann, Bürgermeister Teigeler, Pfarrer Uekötter und die Schönstätter Schwestern zugegen, welche die Internatskurse für Köchinnen, Bäckerinnen, Konditorinnen und Gewerbegehilfinnen weiterführen werden. (Kurt Angermann, * 31.3.1898 in Klaushagen im Kreis Regenwalde/Pommern, 28.3.1978 in Recklinghausen, Verwaltungsjurist.)

Zwei undatierte Zeitungsausschnitte ergänzten: Bäckermeister Lettmann aus Horneburg führte in sein Fach ein. Gewerbeoberlehrer Klein aus Datteln gab Hinweise für die neuzeitliche Schaufensterdekoration und die Schriftgestaltung. Eine Lehrkraft der Berufsschule Waltrop erteilte Pflichtberufsschulunterricht. Unter den elf Monate lang Unterrichteten waren auch Heimatvertriebene, die miterleben mussten, wie Mitglieder ihrer Familie den Weg der Vertreibung nicht überlebt hatten.]

1955

1.) [Undatierter Zeitungsbericht:
Am 3.1.1955 beging Frl. Josepha Greve ihr 50jähriges Ortsjubiläum. Zusammen mit dem Hauptlehrer Bernhard Gellenbeck, der 37 Jahre in Horneburg tätig gewesen war, hat sie das geistige Gesicht Horneburgs geprägt. Sie hatte die Eltern und Großeltern der jetzigen Schulkinder unterrichtet.

2.) Undatierter Zeitungsbericht (Journalist Eck):
Seit dem 16. Jahrhundert wirkte ein Mitglied der Familie Möller in Horneburg als Küster. Johannes Möller war Schuhmacher und hatte ein Schuhgeschäft. Am 19. Juli 1882 wurde er in Horneburg als Küster von der Bischöflichen Behörde angestellt. Er war außerdem zeitweise Organist und jahrzehntelang Leiter des Horneburger Kirchenchores. Er legte am 31. Januar 1955 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder.]

3.) Am Schloßteich wurde ein neuer Feuerlöschbrunnen angelegt. Er wurde im Beisein von Vertretern des Bauamtes vom Brunnenmeister Brüning überprüft. –

4.) Am 9. Februar feierte die Witwe [von] Hermann Schulte (Im Ort 9) ihren 90. Geburtstag. Sie ist die älteste Einwohnerin unseres Dorfes u. erfreut sich noch einer guten Gesundheit.

5.) Während der Januar verhältnismäßig gelinde Witterung zeigte, wurde es in der 2. Februarwoche sehr kalt. Schnee, Eis und Frost hielten bis zum 23. März an.

6.) Am 31. März trat Polizeimeister Pajonk von hier in den Ruhestand. Als Heimatvertriebener kam Herr Pajonk im Jahre 1945 nach hier, nachdem er 25 Jahre in Landsberg (Warthe) seinen Dienst gemacht hatte. Sein Nachfolger in der Betreuung des Polizeipostens ist Polizeimeister Willy Westhoff, ein eingesessener Horneburger. Derselbe war bislang auf der Polizeistation Waltrop tätig, wohnte aber in Horneburg.

7.) Es werden hier von der Vestisch-Märkischen-Wohnungsbau-Gesellschaft 31 Siedlerstellen [in der neuen Wilhelmstraße] errichtet. Ende April begann man mit den Ausbaggerungsarbeiten.

8.) Am 10. Mai fand zu Ehren des früheren Bürgermeisters Wilh. Elfert im Gasthof Benke eine Festsitzung der Gemeindevertretung statt, in welcher dem Herrn Elfert für seine langjährige u. uneigennützige Dienstzeit von 1915 - 1948 der Ehrenbürgerbrief der Gemeinde Horneburg verliehen wurde und ihm auch zugleich die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ zuerkannt wurde. Zu den geladenen Ehrengästen zählte auch Herr Landrat Anton Hoppe. Er übermittelte die Glückwünsche des Landkreises, der an diesem Ehrentag der Gemeinde Horneburg freudigen Anteil nahm. Als Geschenk überreichte er das Buch: „Das neue Revier“ und eine Grubenlampe. In herzlichen Worten gedachte er auch der treuen u. langen Mitarbeit des H. Teigeler sen., der stets dem Altbürgermeister erfolgreich zur Seite gestanden habe. Der Ortspfarrer Uekötter würdigte die Arbeit des Altbürgermeisters im Kirchenvorstand.

9.) Die bisherigen Lager- u. Abstellräume der Gemüsebau- u. Absatzgenossenschaft Horneburg wurden schon seit Jahren dem anwachsenden Bedarf nicht mehr gerecht. Jetzt hat das Mitglied, Gemüsebauer Josef Hesse auf seinem Grundstück eine große Gemüsehalle erbauen lassen. Diese ist 23 x 16 m groß u. bietet somit eine Lagermöglichkeit von wenigstens 10 000 Kisten. Mit dieser Anlage erhält unsere Gemeinde einen weiteren mustergültigen Betrieb.

10.) Der Durchgangsverkehr wird immer größer. Die Hauptstraße wird wie eine Rennstrecke von den vielen durchfahrenden Fahrzeugen durchrast. Die vom Straßenverkehrsamt angeordnete Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km hat sich nicht bewährt. Es soll ein generelles Überholungsverbot für den ganzen Straßenzug innerhalb Horneburgs angeordnet werden.

10.) [11.)] Die Mauerarbeiten an der neuen Siedlung schreiten rüstig voran. Bald ist der Rohbau fertig.

11. [12.] Die diesjährige Erdbeerernte bringt guten Erfolg.

12. [13.)] Am 26. Juli starb in Telgte bei Münster der frühere Direktor der hiesigen Landwirtschaftsschule Herr Bernhard Lenter kurz vor der Vollendung seines 80. Lebensjahres. (Siehe Bericht)
[Undatierter Zeitungsausschnitt:
Bernhard Lenter diente nach der Volksschulzeit einige Jahre auf dem elterlichen Hof zu Havixbeck, bereitete sich teilweise privat auf das Abitur am Gymnasium in Brilon vor, studierte in Halle an der Saale und in Berlin Landwirtschaft, war 18 Jahre in Freckenhorst tätig und war 1920 bis 1938 Direktor der Landwirtsschaftsschule in Horneburg. Er war Berater der Landwirte und Gartenbauer sowie der Kleingartenvereine des Vestes. In den ersten Jahren leitete er die bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft Datteln-Waltrop ehrenamtlich. Er war Gründer und viele Jahre erster Vorsitzender des Vorstandes der Molkerei Datteln. Die Nationalsozialisten drängten ihn aus dem Amt.

Ein Ausschnitt aus der Vestischen Neuen Zeitung vom 3. Oktober 1955:
Die Eheleute Hermann Dirks, 81 Jahre, und Ehefrau Maria, geborene Lehnert, Hauptstraße 27, feierten ihre Goldene Hochzeit. Hermann Dirks war früher Bergmann auf der Zeche „Ewald Fortsetzung“ in Oer-Erkenschwick. Das Jubelpaar hatte sieben Kinder, von denen drei starben, einer davon, Gustav, fiel im Jahre 1945. Es gratulierten auch die vier Enkel. Die Feier fand in der Gaststätte Berens statt.

Ausschnitt aus der Vestischen Neuen Zeitung vom 6. Oktober 1955 (Journalist Eck):
Bei der Grundsteinlegung des Kindergartens an der Hauptstraße am Sonntag, 4.10.1955, sprachen Dechant Emanuel Wethmar (* 1905, Priesterweihe 1929, 1998), Pfarrer Uekötter, Amtsdirektor Jessing, Landrat Anton Hoppe, Kreisdirektor Kurt Angermann, Amtsbürgermeister Theodor Surmann [er war Amtsbürgermeister und 1969-1971 Bürgermeister der Stadt Waltrop], Amtsdirektor Dr. Audick, Amtsdirektor im Ruhestand Fritz Dellwig, Bürgermeister Heinrich Teigeler und Bauunternehmer Pieper. Im 30 m langen Hauptbau wird es zwei Räume für insgesamt 60 Kinder, die Küche und das Personal sowie den Heizungskeller geben, im winkelförmig angeschlossenen Anbau sind die Toiletten projektiert. Der Gesamtkomplex umfasst 1000 cbm umbauten Raum. Die Baukosten belaufen sich auf 70.000 DM.

Zeitungsausschnitt vom 23. Oktober 1955:
Am Ehrenmal wurden Gedenktafeln mit den Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges eingeweiht. Bürgermeister Heinrich Teigeler stellte das Vermächtnis der Toten allen vor Augen. Drei Schulmädchen riefen durch einen Prolog das Geschehen des letzten Weltkrieges in Erinnerung.Pfarrer Uekötter segnete die Tafeln, während die Namen der dort zur immerwährenden Erinnerung angebrachten Opfer verlesen wurden. Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, des Bürgerschützenvereins und des Turnvereins legten Kränze vor dem Ehrenmal nieder.]

Am 30. Oktober veranstaltete der Kirchenchor in der Wirtschaft Stratmann eine Pfarrfamilienfeier. Es wurden unter der Leitung des eifrigen Dirigenten Herrn Lehrer Wellnitz schöne Gesänge zu Gehör gebracht u. a. v. [unter anderem von] Mozart, Schubert, Mendelssohn-Bartholdy. Die früheren Mitglieder des Cäcilienvereins, die diesem 40 oder 25 Jahre angehörten, wurden durch Überreichung einer goldenen oder silbernen Nadel geehrt.

7. November 1955
„Winter wird es laut Kalender,
anders will es die Natur,
denn die zeigt sich als Verschwender
mit der Tagestemp’ratur.

Viele kamen schnell dahinter,
legten ab, was allzu dick.
Ihnen scheint es: Bis zum Winter
ist’s wohl noch ein gutes Stück.“ –

Strahlender Sonnenschein u. Temperaturen um 20 Grad verwandelten das Ruhrgebiet am Montag, d. 7. XI. 55, stundenweise in die wärmste Landschaft Deutschlands wie die Zeitungen berichteten. Seit dem Jahre 1880 sei es der wärmste November. Schreiberin sah im benachbarten Recklinghausen die Straßenpassanten vielfach ohne Mäntel, die jungen Mädchen sogar mit Rock und kurzärmeligem Pullover.

13. November 1955.
Doch nicht allzu lang erfreuten wir
Uns an dieses Altweibersommers Feier,
Mit Kälte, Nebel u. düsteren Tagen,
Leider müssen wir es beklagen,
Reihte der November auch dieses Jahr
Sich seinen Vorfahren treulich an. –
Ja, traut ihr euren Ohren?
Gelinde hat es schon nachts gefroren. –

Für die Entwässerung der neuen Siedlung an der Wilhelmstraße ist jetzt mit der Verlegung der Straßenkanäle durch die Recklinghäuser Firma Vetter begonnen worden. Der Unternehmer wünscht sich bei unserem lehmigen Boden gutes Wetter u. hofft dann die etwa 300 m langen Kanäle bis Anfang Dezember verlegt zu haben, damit noch bis Weihnachten die Entwässerungsleitungen für die 31 Siedlerwohnungen ausgeführt werden können.

[Zeitungsausschnitt vom 2.12.1955:
Der Oberkreisdirektor hatte am 12.11.1955 den Beschluss der Gemeinde Horneburg aufgehoben, die Getränkesteuer um 0,5 % Pauschale zum Gesamtumsatz zu ermäßigen. Die Hundesteuerordnung vom 20.3.1940 soll der heutigen Zeit und der neuen Gemeindeordnung angepasst werden. Die Unkostenzuschläge zum Stundenlohn der Handwerker, die 60 bis 94 % betragen, sollen wie in Waltrop und Henrichenburg gezahlt werden. 27 Brennstellen mit Leuchtstofflampen sollen die dunklen Straßen und auch die Zugangsstraßen zur neuen Siedlung [Wilhelmstraße] ausleuchten. Die Siedlung selbst erhält neun Brennstellen. Die Gemeinde Horneburg hat dafür 8.720 DM zu zahlen. An dieser Sitzung der Gemeindeväter in der Gaststätte Benke nahmen unter Leitung des Bürgermeisters Teigeler auch Amtsdirektor Dr. Audick, Verwaltungsdirektor Meermann und Amtsbaudirektor Jessing sowie Altbürgermeister Elfert teil.]

Der Monat Dezember zeigte außer einem kleinen „Schneegeplänker“ keinen winterlichen Charakter. Die Weihnachtstage waren naß u. unfreundlich.

Im Jahre 1955 waren in der Gemeinde Horneburg 22 Geburten, 8 Sterbefälle u. 9 Eheschließungen zu verzeichnen.

1956

[1.) Zeitungsausschnitt vom Januar 1956, Journalist E. H.:
Schloß Horneburg erhielt Besuch vom Landesarbeitsamt in Düsseldorf. Frau Regierungsrätin Brendgen und Fräulein Pütz wollten an Ort und Stelle einen Eindruck vom Ausbildungsstand und der gesundheitlichen Verfassung der Internatsschülerinnen gewinnen. Diese mochten es kaum aussprechen, daß sie 20 bis 30 Pfund im Laufe des Internatsjahres zugenommen hatten. Alle stöhnten: „Uns paßt nichts mehr!“ Neun wählten den Beruf der Köchin, zwei werden Konditorinnen, drei gehen in die Hauswirtschaft und drei haben sich der Kinder- und Säuglingspflege verschrieben. Kreisdirektor Angermann sieht den Internatslehrgang in Horneburg auf einem guten Weg. Als 1955 Berichte und Bilder vom Schloß Horneburg durch die Presse gingen, liefen von Schweden sogar Heiratsanträge junger Männer ein, die sich von so vielseitig ausgebildeten deutschen Mädchen gute Hausfrauen versprachen.]

N. 2). Während sich der Winter bis jetzt nur in gemäßigten Grenzen hielt, kam Ende Januar eine große Kältewelle über Deutschland. Ausgerechnet fiel diese mit dem Winterschlußverkauf der Geschäfte zusammen. Über den Kälteeinbruch berichteten umstehende Zeitungsausschnitte.

[Undatierter Zeitungsausschnitt, Foto von Rudi Merker:
Im Ruhrgebiet war es durchschnittlich minus 17 Grad und auf dem Kahlen Asten minus 27,3 Grad. Dies war dort seit 1920 nicht mehr gemessen worden. Auf den Wasserstraßen hatte sich eine 15 cm dicke Eisschicht gebildet. Hebewerke und Schachtschleusen sind außer Betrieb.

Undatierter Zeitungsausschnitt, Deutsche Presse-Agentur:
In Kaltenbrunn (zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald) wurde es minus 38 Grad. 35 Todesopfer forderte der Frost in West- und Südeuropa, davon 5 in Deutschland. Auf dem Mittellandkanal erreichte die Eisdecke stellenweise eine Dicke von 25 cm.

Zeitungsausschnitt vom 5. Mai 1956:
Drei Banditen drangen in den Kassenraum der Spar- und Darlehnskasse (Ecke Hauptstraße/Kreuzstraße) ein, knebelten und fesselten die Angestellte, Josefine Elfert, Tochter des Ehrenbürgermeisters, 26 Jahre alt, und entkamen mit einer Beute von 4.000 DM. Treibende Kraft war Willi Lüchtemeier, geboren am 1. März 1934, Herne, Karlsplatz 3.

Undatierter Zeitungsausschnitt:
36 Stunden nach dem Überfall konnten die drei Täter festgenommen werden. Willi Lüchtemeier, der Anstreicher Helmut Bollmann und der Bergarbeiter Fritz Höveken. Alle drei stammen aus Herne.

Undatierter Zeitungsausschnitt:
Vor der Tat hatten die Banditen die Telefonleitung zerstört, sodaß von der Bank aus nicht die Polizei angerufen werden konnte.

Undatierter Zeitungsausschnitt:
Willi Lüchtemeier, Bergmann auf einer Zeche in Hattingen und von Fall zu Fall Kohlen- und Schrotthändler, brauchte Geld, um seiner Freundin, einer früheren Bardame aus einem Herner Nachtlokal, den Aufenthalt in einer Pension in Winterberg zu finanzieren. So stiftete er zwei andere zu dem Raubüberfall an. Er wurde zu zwei Jahren und einem Monat Zuchthaus sowie zu einer Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren verurteilt, ein Jahr und sieben Monate Zuchthaus samt gleichzeitigem Ehrverlust erhielt Helmut Bollmann und ein Jahr und einen Monat Zuchthaus sowie zwei Jahre Ehrverlust bekam Fritz Höveken. Da er das Fluchtauto gefahren hatte, wurde ihm außerdem drei Jahre lang der Führerschein entzogen.]

Ein seltenes Ereignis war die dreifache Hochzeit der Geschwister Rottmann am 30. Mai in unserer Pfarrkirche. Es heirateten:
Johanna Rottmann – Fritz Behler
Josefine Rottmann verw. Müschenborn – Hans Bernd Hagemann
Antonia Rottmann – Gustav Müschenborn

Der erste Sommertag 1956
Der Monat Juni ist bald zu Ende. Die wenigen angenehmen Tage sind zu zählen, aber die vielen Regengüsse nicht. Dabei war gestern der 21. Juni, also kalendermäßig Sommeranfang. Es fegte draußen ein so kalter Wind, daß man fast keine Frau oder kein Mädchen ohne schützende Kopfbedeckung auf der Straße sah. Ohne Feuer im Zimmer zu sitzen, war an den meisten Junitagen nicht möglich. Die Erdbeerernte leidet sehr unter den kühlen, regnerischen Tagen. – Die Zeitung berichtete, daß auf der Zugspitze 350 m hoher Schnee läge. Gestern sei dort 25 cm Neuschnee gefallen, so daß am Sommeranfang „ausgezeichnete Wintersportmöglichkeiten“ vorhanden wären. Auch der Juli war kalt u. regnerisch. Von den Wochentagen verregneten gewöhnlich 3 - 4. Vom August schrieben die Zeitungen, daß er seit 40 Jahren der kälteste August gewesen sei, er brachte auch viel Regen. Die Getreideernte zu bergen, war für die Landwirte mit viel Schwierigkeiten verbunden, es war meistens ein Schnappen. Heute, am 5. September, steht noch allerlei Weizen ungeschnitten auf dem Felde.

Kreuzstraße wird ausgebaut.
Bevor mit dem endgültigen Ausbau der Kreuzstraße begonnen wird, wird das noch nicht kanalisierte Straßenstück mit einer Kanalleitung 30er Betonrohre versehen. Nach Fertigstellung dieser Arbeiten erhält die Kreuzstr. – von Wegmann bis zur Gemeindegrenze – eine Schwarzdecke. Die Fahrbahn ist 6 m u. die Bürgersteige beiderseits je 4 m breit. Weiter erhält der erst kürzlich von der Gemeinde erworbene Hagemerweg eine Kanalleitung. Die Arbeiten werden von der Tiefbaufirma Vedder in Waltrop durchgeführt.

Während der Sommeranfang am 21. Juni herbstmäßig war, beschenkte uns der Herbstanfang am 23. Sept. mit hochsommerlichem Wetter. Das Thermometer zeigte 25 Grad. Der Autoverkehr, (der 23. Sept. fiel auf einen Sonntag) auf den Straßen war sehr groß, jedenfalls lockten die Haard und der Halterner See. Auch die ganze Woche vorher herrschte sommerliche Witterung; für die Kartoffelernte die beste Zeit. Einige Siedler bezogen ihr neues Heim. Mitte November hatten alle Wohnungen ihren neuen Besitzer gefunden.

[Undatierter Zeitungsausschnitt:
Amtsbaumeister Jessing berichtete bei der Sitzung der Gemeindevertretung Horneburg über den Stand der Arbeiten an der Kreuzstraße: Firma Vedder hatte mit den Bauarbeiten am 17. August 1956 begonnen. Bisher wurden 75 m Straßenkanal sowie 800 m Bordsteine beiderseits der Straße verlegt. Zurzeit werden 1200 Tonnen unsortierte Hochofenschlacke verteilt und abgewalzt. Die Herstellung der Flußbahn, der Auftrag der Kleinschlagdecke und der Schwarzdecke folgen. 22 Straßensenkkästen sorgen für die Wasserbeseitigung. – Ende August ging die schulaufsichtliche Genehmigung für den Erweiterungsbau der Schule ein. Die Maurer-, Beton- und Putzarbeiten werden an die Firma Stein, Henrichenburg, zum Angebotspreis von 37.890 DM vergeben. Die Ausführung der Koksheizungsanlage für die Schule für 16.900 DM und der Ölheizung für die Wohnung des Schulleiters  für 4.360 DM wurden der Firma Wetterkamp, Henrichenburg, übertragen. Die Herstellung der Schulmöbel für 3.000 DM wurde an die Firma Casalla, Lauenau am Deister, vergeben. – Der Beleuchtungskalender wird mit der Stadt Waltrop abgestimmt.

Undatierter Zeitungsausschnitt:
Frl. Antonette Gößling (Nevelings Nettken) vollendete ihr 75. Lebensjahr. 60 Jahre ihres Lebens hat sie in den Diensten der Familie Elfert-Dieckmann verbracht.]

Die Wahlen für die Gemeinde- Amts- u. Kreisvertretung wurden am 30. Oktober getätigt. Horneburg hatte drei Wahllisten aufgestellt, CDU – Zentrum – SPD. Es wurden 2.744 Stimmen abgegeben, davon erhielt die CDU 1.608, das Zentrum 741, die SPD 384; ungültig waren 11 Stimmen. Die Gemeindevertretung umfaßt nunmehr 9 [10] Mitglieder.
CDU = 6, Zentrum 3 und SPD 1 Vertreter.
CDU: Heinrich Teigeler, Fleischbeschauer, Franz Elfert, Landwirt, Ignaz Krugmann, Berginvalide, Clemens Lücke, Malermeister, Leo Balan, Gartenmeister, Theodor Neisen, Berginvalide.
Zentrum: Josef Brüning, Brunnenbohrer, Wilhelm Plöger, Bäckermeister, Wilhelm Benke, Land- u. Gastwirt.
SPD: Rudolf Paul, Bergmann.
Die neue Gemeindevertretung trat am 6. November zusammen. Bei der Bürgermeisterwahl kam es insofern zu einer Überraschung, als das Zentrum, nach dem Vorschlag der CDU, den bisherigen Bürgermeister Teigeler wieder zu wählen, noch einen weiteren Kandidaten aus der CDU, den Gemeindevertreter Lücke in Vorschlag brachte. Bei der Abstimmung erhielt Teigeler 6 Stimmen u. Lücke 4. Damit hat Horneburg wieder seinen alten Bürgermeister im Amt.

[Zeitungsausschnitt vom 12.11.1956, Journalist „drt.“:
Am Martinstag 1956 wurde der neue Kindergarten eingeweiht. Die Predigt im Gottesdienst hielt der Dominikaner Pater Elgar M. Hagemann (1897-1977). Amtsbaudirektor Jessing überreichte den Schlüssel des Hauses an Pfarrer Uekötter. Caritasdirektor Domkapitular Theodor Holling (1888-1964) weihte das Kreuz in der Vorhalle des Hauses. Weitere Gäste waren Dechant Wethmar, der Dominikaner Pater Reinhard Schwöppe (* 1913, Priesterweihe 1944, 1953-1989 in Meckinghoven, 1991), Landrat Anton Hoppe, Oberkreisdirektor Dr. Lübbersmann, Amtsbürgermeister Theodor Surmann, Amtsdirektor Dr. Audick, Amtsbaudirektor Jessing und Gemeindebürgermeister Heinrich Teigeler. Besonders begrüßt wurden die Schönstattschwestern, die das Haus leiten. Frau Johanna Dehler trug zusammen mit dem Cäcilienchor einen Prolog vor. Das Haus dient nicht nur als Kindergarten, sondern auch als Gemeindezentrum.]

[Zeitungsausschnitt vom 12.12.1956:
Bei der Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau der Schule waren zugegen: Schulleiter Wellnitz, Pater Elgar in Vertretung des erkrankten Pfarrers Uekötter, Landrat Peter Heckmann (1900-1966, 1956-1961 Bürgermeister von Datteln, 1956-1966 Mitglied des Kreistages, 1958-1962 Mitglied des Landtages), Amtsbaudirektor Jessing, Bürgermeister Teigeler und zahlreiche Horneburger. Bisher mußte eine Klasse an der Hauptstraße und die andere im Klassenzimmer der neuen Schule unterrichtet werden. Für 90 Schulkinder war der zur Verfügung stehende Raum viel zu eng. Im Erweiterungsbau werden untergebracht: zwei Klassenräume, ein Lehrerzimmer, ein Raum für Lehrmittel, eine Halle, ein Raum im Keller mit acht Duschen und eine Wohnung im Dachgeschoß. Mit dem Erweiterungsbau ist eine Toilettenanlage verbunden.]

In Horneburg fanden 1956 9 Trauungen statt. Es waren 4 Todesfälle und 12 Geburten zu verzeichnen.

1957.

1.) Der Monat Januar war für die Jahreszeit zu warm. Es herrschten zeitweilig 8 - 10° Wärme. Am 27. Januar zog ein Wintergewitter herauf, verbunden mit einem großen Sturm. Er zerriß die Stromleitung. Am Schloßweg stürzte eine Pappel in den Teich.

2.) Der Cäcilienchor gab am 27. Januar einen Dorfabend, der gut besucht war. Es wurden mehrstimmige Lieder u. a. von Mozart, Schubert u. Haydn zu Gehör gebracht. In dankbarer Anerkennung überreichte man dem rührigen Dirigenten Herrn Lehrer Wellnitz einen schönen Strauß roter Nelken. Frohe Tänze beschlossen den gemütlichen Abend.

3.) Unter den 60 kleinen Besuchern des Kindergartens ist der Keuchhusten ausgebrochen. Fast die Hälfte der Kinder mußte fehlen. So entschloß sich die Leitung, vorläufig für eine Woche, vom 4. - 11. Februar, den Kindergarten zu schließen. Da die Krankheit nicht behoben war, sollen bis zum 15. März die Pforten geschlossen bleiben.

4.) Der Monat Februar zeigte einen recht milden Charakter. Der Vorfrühling brachte Krokus u. Schneeglöckchen zum Blühen.

5.) In der Gemeinderatssitzung in der letzten Februarwoche erläuterte der Kämmerer die Nachtragshaushaltssatzung für das Rechnungsjahr 1956. Sie fiel wegen der dringenden außerordentlichen Vorhaben für die Erweiterung der Schule u. durch den Straßenausbau an der Kreuzstraße ungünstig aus, da die notwendige Eigenbeteiligung der Gemeinde den Fehlbedarf erhöhen mußte. Die Nachtragssatzung schloß ab
in der Einnahme mit 94.880 DM,
in der Ausgabe mit  145.530   "
Mithin Fehlbedarf     50.650   "
Einstimmig beschloß die Gemeindevertretung die Aufhebung der Getränkesteuer.
Der Kreisverwalter Herr Anton Woestmann wurde als Schiedsmann gewählt, Stellvertreter ist Gartenmeister Leo Balan.
Dem Schützenverein wurde auf Antrag für das Schützenfest am 6., 7. u. 8. Juli der Platz an der Schulstraße zur Verfügung gestellt.

6) Am 12. März wurde der Erweiterungsbau an der hiesigen Schule gerichtet. Zu diesem Zwecke hatte sich die Gemeindevertretung mit dem Bürgermeister Teigeler, die Elternpflegschaft, die Amtsverwaltung Waltrop, der H. Pfr. Uekötter und die Lehrerschaft an der Schule eingefunden. Auch die Bevölkerung nahm regen Anteil an dem Ereignis. Amtsbaudirektor Jessing gab einen Überblick über das Bauvorhaben u. seinen Umfang. Es handelt sich bei dem Erweiterungsbau um je einen Klassenraum von 9,59 x 6,75 m, dazu kommen ein Klassenflur, ein Lehrer- u. ein Lehrmittelzimmer. Das Dachgeschoß wird zu einer vierräumigen Lehrerwohnung ausgebaut. Nach traditionellem Brauch nahmen die Zimmerleute die Richtweihe vor. Nachher hielt ein gemütliches Zusammensein die Teilnehmer noch einige Stunden in der Gastwirtschaft Stratmann zusammen.

7) Die Kreuzstraße ist endgültig ausgebaut. Es wurden neue Bordsteine gesetzt u. ein neuer Bürgersteig in einer Breite von 2 m angelegt. Das vorhandene Kopfsteinpflaster erhielt eine Teerdecke. Damit ist der langjährige Wunsch der Anwohner in Erfüllung gegangen, eine geräuschlose Straße mit 2 Gehwegen zu erhalten.

8) Obgleich der März noch als Wintermonat zählt, merkte man nicht viel davon. Allerdings strömten gegen Mitte des Monats kalte Luftmassen mit Nordostwinden in Nord- u. Mitteldeutschland ein. Aber ein kräftiger Südweststurm mit Dauerregen u. Temperaturen über 12 Grad trieben den heimtückischen Winter wieder über die Elbe nach Rußland zurück. Nach den schönen warmen Tagen gab es gegen Mitte April jedoch wieder kalte Tage. – In den Nächten war leichter Frost zu verzeichnen.

9. Der 30. April stand im Zeichen der Jubiläen. Fünffach wurde ein Jubiläum gefeiert: 60jähriges Bestehen der männlichen Landwirtsschaftsschule, 50jähriges Bestehen der weibl. Haushaltungsschule, 50 Jahre Kreisgärtnerei, 35 Jahre Verein ehemaliger Landwirtsschaftsschüler – und schülerinnen und das 30jährige Berufsjubiläum des H. Direktors Dr. Muer. Morgens fand auf dem schön geschmückten Schloßplatz ein Festgottesdienst statt, der für die vielen Teilnehmer die sich von nah und fern eingefunden hatten, zu einem wirklichen Erlebnis wurde. Der frühere Chinamissionar Erzbischof Buddenbrock – trotz seiner nahezu 80 Jahre noch sehr frisch – zelebrierte das Pontifikalamt, assistiert von den beiden früheren Leitern des Internats, Pastor Tipkemper aus Neubeckum u. Vikar Quabbendicker aus Haltern. Dechant Propst Graf Droste von Vischering hielt die Festpredigt. Er sprach von der ewigen Weisheit Gottes, der zum Jubiläum an erster Stelle Lob, Preis u. Dank gelte. Dann bedankte er sich bei den Lehrern u. Lehrerinnen für die im christl. Geiste geleistete Arbeit. Auch allen, die in den Erziehungsstätten ihr Können u. Wissen in echter Verbindung mit Gott u. der Natur bereichern konnten, galt sein Gruß. Das Jubiläum sei Anlaß zur Freude, es bedeute aber auch Verpflichtung u. Sendung in der heutigen Zeit. Nach dem Gottesdienst fand am Ehrenmal die feierliche Kranzniederlegung statt. Dann wurde eine Besichtigung der Gutswirtschaft u. der Gartenbaubetriebe vorgenommen. Man war des Lobes voll über die mustergültigen Einrichtungen u. den guten Zustand der bebauten Flächen. Für die Gäste des Kuratoriums der Landwirtsschule für Mädchen fand dann auf dem Schlosse ein Mittagessen statt. Die Schüler u. Schülerinnen mit ihren Eltern und die Ehemaligen trafen sich zum Mittagessen im Saalbau in Recklinghausen. Im Laufe des Nachmittags hielt Ministerialrat Dr. Hugenroth aus Düsseldorf ein Referat über Ausbildung u. Bildung als Grundlage für Wettbewerb u. Leistung. Er forderte darin eine stärkere Beachtung des Bildungsmoments für das Landvolk. Nach Besichtigung der städtischen Sehenswürdigkeiten spielte als Überleitung zum gemütlichen Festabend eine Gruppe der Deutschen Bauernhochschule Fredeburg das Laienspiel: „Die seltsamen Abenteuer des Herrn X.“ Frohe Tänze hielten dann die Gäste noch bis zu den frühen Morgenstunden zusammen.

[Theodor Buddenbrock, * 1878 in Lippramsdorf, wurde 1892 in das Missionshaus St. Michael in Steyl aufgenommen, erhielt 1905 die Priesterweihe, wurde im gleichen Jahr Missionar in Süd-Shantung sowie 1909 in Shanshien und erhielt 1925 die Bischofsweihe. Seine Diözese war Kansu/Lanchowfu. 1950 wurde er verhaftet, gefoltert und 1952 ausgewiesen. Er starb 1959 in Süchteln.
Franz Tipkemper (1889-1966), Priesterweihe 1913, Pfarrer von Beckum St. Josef.
Heinrich Quabbendieker (1892-1973), Priesterweihe 1921, Rektor in Haltern St. Sixtus.
Graf Raphael Droste zu Vischering (1906-1987), Priesterweihe 1932, Ehrendomkapitular, Pfarrer und Propst von Recklinghausen St. Peter, Rektor von Münster St. Servatii.
Dr. Bernhard Hugenroth, leitender Ministerialrat Düsseldorf. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz.
1948-2003 bestand in (Bad) Fredeburg (heute Stadtteil Schmallenbergs) die Deutsche Bauernhochschule.
Helmut Heinemann (1906-1982), Die seltsamen Abenteuer des Herrn X., Bärenreiter-Laienspiele 171, Kassel 1952.]

10.) Am 5. Mai hüllte der Wonnemonat Mai die Natur in ein echt winterliches Bild. Es schneite fast den ganzen Tag. Zum Glück blieb aber der Schnee nicht lange liegen. „Aber Maienschnee tut den Blüten weh.“ –

11.) Die Erdbeerernte war in diesem Jahr eine recht gute. Der Preis betrug pro Pfd [Pfund] durchschnittlich 1,20 DM. Die Aussicht auf einen guten Strauchbeerenertrag, Johannis- und Stachelbeeren ist gering.

12.) Der Sommer 1957 war sonst einer der lausigsten seit langem. Der ungewöhnlich starke Blattlausbefall ist nach Ansicht der Fachleute des Bonner Pflanzenschutzamtes nur mit der gleichen Kalamität des Jahres 1947 zu vergleichen. In den Kleingärten, Obstanlagen, im Gemüsebau, selbst auf den Zimmerpflanzen, ja sogar auf Disteln u. Brennesseln, überall wimmelt es bei der schnellen Generationsfolge der Parasiten von Blattläusen. Diese enorme Vermehrung der Läuse soll auf das trockene und heiße Spätfrühjahr mit einer besonders intensiven Sonnenstrahlung zurückzuführen sein. Während die Landwirtschaft u. der Obstbau mit diesen Schädlingen verhältnismäßig leicht fertig wird, erleidet der Gemüsebau große Verluste. –

[Drei undatierte Zeitungsausschnitte berichteten über das Schützenfest vom 6.-8. Juli 1957 in Horneburg:
1833 wurde Gottfried I. (Döhne) Schützenkönig, 1835 Heinrich I. (Schwarzhoff), 1846 Heinrich II. (Kortmann), 1848 Wilhelm I. (Stoltenbauer), 1856 Wilhelm II. (Kurig), 1873 Wilhelm III. (Elfert) mit der Königin Helene I. (Benke), 1905 Karl I. (Müschenborn) mit der Königin Henrika I. (Benke), 1927 Josef I. (Elfert) mit der Königin Toni I. (Wegmann), 1933 Hubert I. (Hoppmann) mit der Königin Christine I. (Wegmann), 1937 Wilhelm IV. (Plöger) mit der Königin Maria I. (Hoppmann), 1953 Johannes I. (Breuckmann) mit Königin Hedwig I. (Benke). Und nun 1957! Das Festzelt stand auf dem Gemeindeplatz an der Schulstraße. Die Schützen „wienerten“ ihre Uniformen auf Hochglanz. Welche Frau würde ihrem Ehegefährten an diesen drei „schweren“ Tagen nicht helfend zur Seite stehen! Der Spielleuteverein Datteln und die Vestische Jägerkapelle Oer-Erkenschwick spielten auf. Die Vogelstange war im Horneburger Busch. Geschossen wurde am Samstag und am Montag. Schützenkönig wurde General Josef II. (Berens) [ 11./12.11.1958], Königin Johanna I. (Fischer). Die Krönung nahm Landrat Willi Steinhörster (1908-1978; 1956-1960 Landrat des Kreises Recklinghausen) vor. Weitere Gäste waren Oberkreisdirektor Dr. Lübbersmann und Dr. Heinrich Audick, der aus Münster stammte und 1953-1965 Amtsdirektor von Waltrop war.]

[13.)] Vom 26. Juni - 9. Juli herrschte eine große Hitzewelle. Es interessieren vielleicht auch Meldungen von der Hitzefront aus anderen Orten. Sie sind beigefügt.
[Zwei undatierte Zeitungsausschnitte:
Im Norden des Bundesgebietes waren es 28 Grad und im Süden 38 Grad. In Aachen mußten 100 Tonnen Material aus den Steinbrüchen der Umgebung herbeigeschafft werden, um die aufweichenden Asphalt- und Teerstraßen mit hellem Steinmaterial abzustreuen. Über 700 Schweine gingen an einem Tag in Nordrhein-Westfalen an Hitzeschlag ein. In der Lüneburger Heide mußte statt des üblichen Wasserpreises von 45 Pfennigen pro Kubikmeter 20 bis 30 DM bezahlt werden. In Norditalien sind 80 Menschen Opfer der Hitzewelle geworden.]

14. Mit dem 1. Septem. kam für Horneburg eine wesentliche Verkehrsbesserung. Die Straßenbahnlinie 4 (von Lukas bis Brambauer) wurde auf Autobusse umgestellt. Die Busse dieser Linie fahren aber nicht nur bis Meckinghoven, sondern werden über Horneburg nach Recklingh. weitergeführt. Durch einen 30-Minuten Verkehr ist jetzt Horneburg an die Vestische Linie angeschlossen.
[Undatierter Zeitungsausschnitt:
Die Vestische gab acht Straßenbahnkurse auf und richtete elf Buslinien ein. Insgesamt wurden 21,3 km Straßenbahngleisstrecke aufgegeben und 17,5 km Fahrtstrecke im Ostvest bleiben weiterhin Straßenbahn. Die Vestische wurde gebeten, den Plan einer durchgehenden Linie nach Dortmund nicht aufzugeben. Fahrtzeiten Richtung Brambauer: erster Bus 4.29, letzter Bus 23.25 Uhr. Richtung Recklinghausen: erster Bus 3.10, letzter Bus 23.55 Uhr.]

[15.)] Mit großer Spannung im In- und Ausland wurden am 15. September die Bundestagswahlen erwartet. – Wie im Jahre 1953 errang auch diesmal die CDU/CSU die absolute Mandatsmehrheit:
CDU-CSU 270 Mandate
SPD           169       "
FDP             41       "
DP               17       "
[DP – Deutsche Partei, bundesweit 1946-1961.]
Der Gesamtdeutsche Block, BHE [Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten, 1950-1961 aktiv], der 1953 noch 27 Sitze erringen konnte, ist im neuen Bundestag nicht vertreten. Ebenso fehlt das Zentrum, das bisher 2 Sitze hatte. Berlin war und ist mit 22 nicht stimmberechtigten Abgeordneten im Bundestag vertreten. Die Beteiligung der Wähler war eine sehr rege; trotz Regen, Windböen, und in den höheren Lagen Süddeutschlands auch Schneetreiben wurde eine Rekordbeteiligung von etwa 87 % erreicht.
In Horneburg waren 621 wahlberechtigt. Gewählt haben 579, davon waren 10 Stimmen ungültig. Es wählten also über 93 %. –
Die näheren Ergebnisse für Horneburg:

[Partei]

1. [Erststimmen]

2. [Zweitstimmen]

CDU

442

422

SPD

106

102

FDP

7

4

Z [Zentrum]

24

19

DP. [DeutschePartei]

1

4

GB / BHE

8

7

DRP

1

1

Mittelstand

1


[Die Deutsche Reichspartei (DRP) bestand zwischen 1950 und 1965.
Union Deutscher Mittelstandsparteien (UDM) / Deutscher Mittelstand: Diese Partei trat 1957 zur Bundestagswahl an und erhielt 0,1% der abgegebenen Stimmen.]

16). In der näheren u. weiteren Umgebung ist eine Grippeepidemie aufgetreten. Die Schulen wurden geschlossen, auch in Horneburg fällt der Unterricht vom 16.-30. September aus. Die Zeitung schreibt: „Insgesamt sind in Nordrhein-Westfalen zur Zeit 1.091 Schulen u. 2.824 Schulklassen wegen Grippe geschlossen worden. Doch ist diese asiatische Grippe zum Glück leichterer Art, Todesfälle sind nur in ganz geringen Ausnahmen zu beklagen.

17.) Am 25. September feierten die Eheleute Richard Zimmermann u. Frau Johanna, geb. Saarmann, das Fest der goldenen Hochzeit. Aus der Ehe gingen 10 Kinder hervor, von denen noch 4 Jungen u. 3 Mädchen leben. Besonders glücklich schätzt sich das Ehepaar, daß alle 4 Söhne gesund aus dem Kriege heimgekehrt sind. Der jüngste Sohn, Adolf, ist vor 3 Jahren nach Südafrika ausgewandert u. hat dort in Cradock ein Juwelier- u. Goldwarengeschäft eröffnet. [Cradock, Gemeinde Inxuba Yethemba, Distrikt Chris Hani, Provinz Ostkap.] Herr Amtsdirektor Dr. Audick u. Herr Bürgermeister Teigeler übermittelten die Glückwünsche des Amtes u. d. [und der] Gemeinde u. überreichten ein Geldgeschenk. Für den an Grippe erkrankten Herrn Pastor Uekötter gratulierte der Subdiakon Franz Josef Schwalvenberg u. händigte dem Jubelpaar ein Bild des Hochwürdigsten Herrn Bischofs aus. [Franz-Josef Schwalvenberg, * 17.8.1925 in Horneburg, Priesterweihe 11.2.1958, Pfarrer in Lünen St. Norbert, 21.7.1987.] –
Am gleichen Tage wurde der Postschaffner i. R. [im Ruhestande] Fritz Behler unter großer Beteiligung der Gemeinde zu Grabe getragen. Er gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten des Dorfes. 40 Jahre lang hatte er mit außerordentlicher Korrektheit seines Amtes gewaltet. Als geborener Horneburger hatte er zu den freudigen u. traurigen Nachrichten, die er den Familien im Dorf u. damals auch in Meckinghoven zu überbringen hatte, stets das teilnehmende Wort, das aus einem mitfühlenden Herzen kam. Herr Behler starb im gesegneten Alter von 89 Jahren.

18) Anfang Oktober erhielten die Häuser „Im Ort“ und die der Hagemerstraße Anschluß an die Wasserleitung.

19. Die Borromäusbibliothek der hiesigen Pfarrgemeinde wurde Sept / Oktober einer gründlichen Renovierung unterzogen. Unter der fachkundigen Leitung von Frl. Livland von der Hauptzentrale, die 4 Tage hier tätig war, u. der Beihilfe von mehreren fleißigen Helferinnen kam das Werk der Neuordnung zustande. Gemessen an der Einwohnerzahl, umfaßt die Bücherei einen stattlichen Bücherbestand. Für die rund 1000 Einwohner stehen jetzt ca 900 Bücher bereit. Was in Form u. Stil veraltet war, ist dabei restlos ausgemerzt. Die Bücherei befindet sich im Pfarrhause. Es wurden etwa 180 Bücher neu eingestellt, und sämtliche Bände, auch die alten, wurden mit neuen hygienischen Hüllen versehen.

[20.) Undatierter Zeitungsausschnitt:
Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses entschieden, an der Gebäudeansicht des Schul-Erweiterungsbaues zur Schulstraße hin ein Sgraffito anbringen zu lassen. Sie wählten unter den eingereichten Entwürfen das vom Halterner Künstler Hermann Moog [1901-1974] entworfene Drei-Farben-Motiv „Spielende Kinder“ aus. Im Inneren des Gebäudes werden Buntglasfenster mit historischen Motiven der Gemeinde Horneburg eingebaut. Im Kellergeschoß, im ehemaligen Luftschutzbunker, ist eine Duschanlage mit Wasch- und Umkleideräumen eingerichtet worden. Neben einer elektrischen Uhren- und Klingelanlage ist auch an eine gemeinsame Rundfunk- und Fernsehübertragungsanlage gedacht worden.]

21) Die Gemeindewege, die außerhalb des Ortskerns liegen, wurden neu befestigt. Sie waren derart schlecht, daß sie für die anliegenden Gemüsebauern unpassierbar waren. Durch die Initiative der Gemeindevertreter wurde jetzt dieser Übelstand beseitigt. Auch der fehlende Verbindungsweg von der Hauptstr. zum Horneburger Busch soll angelegt u. befestigt werden. Er führt unmittelbar neben dem neuen Kindergarten her. Von besonderer Bedeutung ist dieser Weg für die Sportler u. Sportanhänger, weil er die direkte Verbindung zum Sportplatz herstellt.

[22.)] Im Jahre 1957 wurden 28 Kinder geboren. Es fanden 17 Trauungen und 17 Beerdigungen statt.

1958

1) Am 15. Januar starb die älteste Einwohnerin des Ortes [die] Witwe [von] Hermann Schulte im Alter von 92 Jahren. Sie war nur wenige Tage krank. Am 29. Dezember [1957] ging ihr die 64jährige Tochter Josefine im Tode voraus. Letztere starb plötzlich u. unerwartet während der Beiwohnung der sonntäglichen Messe in der Pfarrkirche.

2.) Die dritte Januarwoche brachte uns Schnee- und Frostwetter, die vierte zeigte milderen Charakter, nur nachts geringer Frost.
[Zeitungsbericht vom 25.2.1958, Journalist „drt.“:
Die Bundesbahn  litt unter Schneeverwehungen und Vereisung der Weichen, Oberleitungen vereisten, Straßenbahnwagen sprangen aus den Gleisen und bei Autobussen froren Kompressoren ein. Schneepflüge waren im Einsatz und Kraftfahrzeuge konnten nur im Schrittempo fahren.]

3.) Am 12. Februar vollendete der frühere Küster und Organist Herr Johannes Möller sein 89jähriges Lebensjahr. H. Möller ist der älteste Einwohner des Dorfes. Vor einigen Wochen wurde er in Unna, wo er zu Besuch seiner verheirateten Tochter weilte, von einem Moped angefahren. Er hatte sich von dem Unfall gut erholt u. konnte jetzt in aller körperlichen u. geistigen Frische seinen Ehrentag begehen.

[4.)] Der 16. Februar war für die Gemeinde Horneburg ein Festtag. Seit 53 Jahren zum 1. male wieder Heimatprimiz eines Sohnes der Gemeinde: Franz Josef Schwalvenberg, Sohn des verstorbenen Schlossers Franz Schw. u. seiner lebenden Ehefrau Maria geb. Wegmann, brachte am 16. Febr. zum 1. male in seiner Pfarrei das hl. Opfer dar. Das ganze Dorf nahm herzl. Anteil. Aus allen Häusern wehten die Fahnen, Ehrenbögen waren errichtet. Des Morgens wurde der Neupriester von dem H. Pastor Uekötter, d. H. Pater Elger [Elgar], dem Kirchenvorstand, den Meßdienern u. den Fahnenträgern abgeholt. Die Gläubigen bildeten Spalier. Im Levitenamt assistierten 2 junge befreundete Geistliche. Herr Pastor u. Pater Elger [Elgar] nahmen auf dem Chore Platz. Der eine Freund des Neupriesters, Herr Kaplan Milch aus Frankfurt, hielt die Festpredigt. Er sprach von der Aufgabe u. der Verpflichtung des Priesters in der heutigen Zeit und forderte die Laien zur Mitarbeit auf. Da die Räume im Elternhause zu klein waren, wurden anschließend auf dem Schlosse Frühstück u. Mittagessen eingenommen. Eine Dankandacht um 5 Uhr beschloß die schöne Feier. –

[5.)] Der 19. Februar war für die Gemeinde ein großer Trauertag. Der freudigen Begeisterung am 16. Febr. folgte 3 Tage später eine große allgemeine Trauer. Brachte der 16. Febr. den Anfang des Priestertums, so der 19. das Ende u. die Vollendung desselben. Trauergeläute verkündete am Aschermittwoch der Gemeinde gegen 630, daß ihr guter Hirte nicht mehr unter d. Lebenden weilte. Überall herrschte große Bestürzung, die Leute eilten aus d. Häusern u. standen in Gruppen zusammen. Herr Pastor Uekötter hatte noch an den beiden vorhergegangenen Tagen die hl. Messe gelesen, am Dienstag in gewohnter Weise in d. Schule den Religionsunterricht erteilt u. war abends – ohne vermehrte Anzeichen der Hinfälligkeit zu zeigen, gehbehindert war er schon länger – zu Bett gegangen. Er klagte über sehr heftige Schmerzen im Bein. Der sofort herbeigerufene Arzt, Dr. Wiesmann aus Rapen, glaubte, Beinembolie feststellen zu müssen, fügte auf Befragen hinzu, es sei keine Besorgnis nötig, das Herz arbeite gut. Er gab ihm eine Morphiumspritze. Des Morgens gegen 6 Uhr fand ihn die Haushälterin tot im Bett. 3 Tage nach Aschermittwoch war die Beerdigung. Jeder aus der Gemeinde, der nur eben abkommen konnte, war im  Leichenzug vertreten. Man sah etwa 35 Geistliche, mehrere Vertreter des Kreises u. des Amtes. Von den zahlreichen früheren Schülern der Landwirtschaftlichen Schule waren ebenfalls viele erschienen. Wie aus den Zeitungsberichten ersichtlich ist, war H. Pfr. Uekötter 47 lange Jahre in Horneburg tätig. Nachdem er 2 Jahre in Mettingen gewirkt hatte, kam er 1911 als Lehrer u. Internatsleiter an die Landw. Schule hierselbst u. übernahm als Kaplan auch manche seelsorgliche Aufgaben. Im Jahre 1922 ernannte ihn der Bischof von Münster auf Vorschlag des Patronatsherrn Dr. Klausener zum Pfarrer der hiesigen Gemeinde. Über 35 Jahre hat er mit großer Tatkraft u. tiefem Verantwortungsgefühl die Geschicke derselben geführt. Die Gemeinde wird ihm stets ein ehrendes u. dankbares Gedenken bewahren.
[Erich Josef Gustav Klausener (1885-1934) promovierte 1911 in Würzburg mit einer Dissertation über das Koalitionsrecht der Arbeiter. Er war 1919-1923 Landrat im Kreis Recklinghausen. Er wurde als „Gegner des Nationalsozialismus“ in Berlin in seinem Dienstzimmer im Reichsverkehrsministerium erschossen.

6.) Vier undatierte Zeitungsausschnitte:
Pfarrer Anton Uekötter starb im 75. Lebensjahr an Herzembolie. Er wurde am 14.5.1883 in Schmedehausen bei Greven geboren, wurde am 5.6.1909 in Münster zum Priester geweiht, wirkte dann in Mettingen, wurde 1911 Internatsleiter in Horneburg und im Jahre 1922 als 38jähriger und damit als jüngster Pfarrer des Bistums Münster in sein neues Amt eingeführt. 1957 weihte er den Kindergarten der Gemeinde ein. 1959 hätte er sein Goldenes Priesterjubiläum feiern können.]

[7.)] Am 12. März weilte der Hochw. Herr Bischof Dr. Michael K. [Keller] in unserer Gemeinde, um 10 Erwachsenen u. 53 Kindern die hl. Firmung zu spenden. Er traf, von Meckinghoven kommend, gegen 1520 an der Dorfgrenze ein, wo ihn Kirchenvorstand u. Gemeindevertretung kurz begrüßten. Er hatte gebeten, von einer feierlichen Einholung absehen zu wollen. Dem Kirchenvorstand gewährte er eine kurze Audienz in der Pastorat. Mit der Lehrerschaft u. den Vorständen der kirchl. Vereine unterhielt er sich im Schloß. Von hier fuhr der Hochwürdigste Herr nach Datteln. [Michael Keller (1896-1961), Priesterweihe 1921, Bischofsweihe 1947, Dr. theol., päpstlicher Thronassistent.]

8.) Der März brachte Eis und Schnee. Die kalten Tage hielten an bis zum 25 März, nachdem sie am 16. begonnen hatten. Von den 23 Tagen des Monats mit Niederschlägen waren 19 mit Schnee zu verzeichnen. Der April führte sich auch mit kalten Tagen ein. Am 3. gab es Schneeschauer. Auch am 10. April herrschte bei einer Temperatur dicht unter null Grad anhaltendes Schneetreiben.

9.) Am 17. April, dem Tage des Schulanfanges, wurde der Erweiterungsbau der Schule feierlich eingeweiht. Um 8 Uhr fand in der Pfarrkirche ein Festgottesdienst statt. Gegen 915 überreichte an der Schule der Amtsbaudirektor Jessing dem hiesigen Bürgermeister Teigeler die Schlüssel. Dieser gab sie dem Schulleiter Wellnitz weiter. Die kirchliche Weihe des Neubaus erfolgte durch den Kaplan Franz Josef Schwalvenberg. Dann eröffnete Bürgermeister Teigeler in der Halle im Obergeschoß die Feierstunde. Zwei farbige Glasfenster mit Darstellungen aus der großen Geschichte der kleinen Gemeinde verleihen diesem Raum besonderen Glanz. An der Feierstunde nahmen teil Schulrat Heuer, Vertreter des Amtes, des Gemeinderates, der Schulpflegschaft u. in Vertretung des Pfarrverwalters Ehrendechant Feldmann aus Datteln Hagem Pater Elger [Elgar] aus dem Kloster Meckinghoven. [Joseph Feldmann (1879-1966), Priesterweihe 1904, Pfarrer von Datteln St. Josef, päpstlicher Geheimkämmerer, Ehrendechant.] Der Bürgermeister dankte dem Gemeinderat für seinen Entschluß zum Bauen und den Planern u. Bauleuten für ihre ausgezeichnete Arbeit. Herr Schulrat Heuer überbrachte die Grüße des Regierungspräsidenten. Er betonte, daß die Schulen keine Lernbetriebe, sondern Bildungsstätten seien u. gab dabei seiner Freude Ausdruck, daß dafür in  Horneburg jetzt auch der äußere Rahmen geschaffen worden sei. Herrf Amtsdirektor Audick hob hervor, daß mit dem Schulerweiterungsbau, der Siedlung an der Wilhelmstraße u. dem Bau eines Kindergartens das kleine Horneburg jetzt aus fast hundertjähriger Stagnation herausgetreten sei. Er vertrat die Auffassung, daß die Landschule auf der gleichen Höhe wie die Stadtschule stehen müsse. Pater Elger [Elgar] sprach den Wunsch aus, daß aus dieser schönen Schule tüchtige Menschen für Kirche u. Staat hervorgehen möchten. Er bedauerte, daß H. Pastor Uekötter, der ein ausgezeichneter Schulmann gewesen sei, diesen Tag nicht mehr erleben konnte. – Herr Schulleiter Wellnitz dankte namens der Eltern u. Kinder u. versprach, die Schule in gute Hut zu nehmen. Umrahmt war die Feier von Liedern u. Gedichtvorträgen der Kinder. Anschließend wurde dann der ganze Bau besichtigt. Alles atmet den Geist neuzeitlicher Architektur, von den hellen, sonnigen Schulzimmern bis zu den modernen Toilettenanlagen u. den Duschräumen im Kellergeschoß. Dann trafen sich „die Offiziellen“ in der Gastwirtschaft Stratmann zu einem Frühstück. Abschließend sei noch bemerkt, daß der münsterische Künstler Paul von der Forst [1898-1978] die beiden farbigen Glasfenster geschaffen hat. Das eine stellt Bilder aus dem Leben der damaligen Schloßherrn dar, das andere zeigt die Postkutsche, die von Königsberg über Horneburg nach Cleve fuhr. Die bunten Wandbilder sind nach den Entwürfen eines Halterner Künstlers von dem hiesigen Malermeister Lücke angebracht, der sie für die neue Schule stiftete.

10). Am gleichen Tage feierten die 50jährige Wiederkehr ihres Schulanfangs (1908-1958):
Maria Barczak, Frau Madry, Oer-Erkenschwick
Josef Elfert, Datteln, Hohe Str. 10
Gertrud Havermann, Frau Heinrich Hoppe, Horneburg
Heinrich Bergforth, gen. Rüper, Horneburg, Kreuzstr.
Maria Kyek, Frau Witwe Neisen, Horneburg
Lina Pühs, Frau Wilh. Breuckmann, Horneburg
Wilhelm Schulte, Rapen
Maria Schlüter, Horneburg
Anton Schulte, Suderwich
Elisabeth Wegmann, Frau El. Lücke, Horneburg
Verhindert waren
Anna Teigeler, Schw. Donatiana in Telgte, Rochushospital.
Wilhelm Möller, Suderwich
Julia Gorzelanczek, Frau Möller, Datteln-Hagem
Unbekannt verzogen war Franz Czaika.
Gestorben waren:
Josef Hudziak,
Maria Lukas [Lucas],
Maria Wozniak
Um 9 Uhr morgens war erst hl. Messe in der Pfarrkirche, die vom Pfarrverwalter Herrn Ehrendechant Feldmann gehalten wurde, der auch die Ansprache hielt. Dann versammelten sich alle mit der Schreiberin dieser Zeilen, der früheren Lehrerin Greve, in der Wirtschaft Benke, wo ein gemeinsames Kaffeetrinken stattfand. Das Wiedersehen weckte manche frohe Erinnerung, rief aber auch bittere Jahre wieder zurück, (zwei Weltkriege). Im gegenseitigen Erzählen vergingen die Stunden viel zu schnell, was allgemein bedauert wurde. – Mit dem Besuch des Grabes des H. Pastors u. Religionslehrers Uekötter endete diese seltene Feier.

11) Am 10. Mai vollendete Herr Wilhelm Elfert, (Altbürgermeister,) sein 80. Lebensjahr. Vertreter des Amtes, der Gemeinde, der Innung und seine persönlichen Freunde erschienen zur Gratulationscour. H. Elfert erfreut sich einer selten körperlichen u. geistigen Frische, er ist noch täglich in der Werkstatt beschäftigt.

12) Wegen Masern mußte die Unterklasse 14 Tage geschlossen werden. Seit Ostern unterrichten 3 Lehrpersonen an der Volksschule. Neu hinzu kam die Junglehrerin Gertrud Schnettgöke aus Uffeln bei Ibbenbüren.

13) Seit Jahrzehnten erfreut sich die Erdbeerzucht neben dem Gemüseanbau u. den bestehenden Baumschulen großer Beliebtheit. Wegen des Regenwetters verdarben leider bis zu 50% der schönen Früchte. Nichtsdestoweniger sah man viele Besucher von nah u. fern, die in den Gaststätten die obligatorische
„Erdbeere mit Schlagsahne“
zu essen wünschten.

14.) Zur Landtagswahl in Nordrhein-Westf.
Die CDU erhielt die absolute Mehrheit. In Horneburg waren 654 Personen wahlberechtigt. Es wurden 580 Stimmen abgegeben, 10 Stimmen waren ungültig. Die CDU erhielt 411 Stimmen, die SPD 124, die FDP 15, das Zentrum 12, die DP [Deutsche Partei] 8.

15) Um den Einwohnern einen besseren Zugang zum Busch zu gewähren, ließ die Gemeinde den schmalen Pfad zwischen dem Kindergarten u. dem Kreishause erweitern u. zu einem festen, 3 m breiten Aschweg ausbauen. Die Arbeit führte der Unternehmer Vedder aus Waltrop aus.

16) Die Getreideernte ist etwas spät. Viel Regen u. sehr wechselhafte Witterung mit wenig Sonne ließen das Korn nicht genug reifen. Die Wintergerste ist eingefahren. Mit dem Schneiden des Roggens ist jetzt begonnen worden (6. August.) Während des ganzen Monats war das Wetter regnerisch bis auf die letzten 4 Tage. Da gab es Temperaturen zwischen 28 u. 30 Grad. Bei dem noch auf dem Halm stehenden Getreide trat der Mähdrescher in Tätigkeit.

[17.)] Am 7. September war die Einführung des neuen Herrn Pastors. [August Liedmeier, * 13.2.1913 in Bockraden bei Ibbenbüren, Priesterweihe 17.12.1938, Kaplan in Ahlen, Pfarrer in Horneburg 1958-1988, 7.9.1995.] Vom 19. Februar, dem Sterbetage des Herrn Pastors Uekötter, amtierte hier bis zur Einführung des Herrn Pastors Liedmeier der Neupriester Herr Kaplan Franz-Josef Schwalvenberg. Am 1. Oktober trat er die neue Stelle an der Herz-Jesu Pfarre in Münster an. Am 4. Oktober starb nach längerem Herzleiden – doch plötzlich und unerwartet seine Mutter im Alter von 62 Jahren. –

[18.) Zwei undatierte Zeitungsausschnitte, vom Waltroper Tageblatt und von der Vestischen Neuen Zeitung, Redakteur „-ner-“:
Häuser und Straßen wurden geschmückt. An der Gemeindegrenze hatten sich Bürgermeister Teigeler, Amtsbürgermeister Surmann, Amtsdirektor Dr. Audick und der Kirchenvorstand zum Empfang des neuen Pfarrers aufgestellt, der in Begleitung des Dechants Wethmar eintraf. Pfr. Liedmeier wurde zunächst von Ehrendechant Feldmann, der die seit dem Tode Pfr. Anton Uekötters verwaiste Pfarre verwaltet hatte, wilkommengeheißen. Anschließend begrüßte der Bürgermeister Pfr. Liedmeier, der dann in großer Prozession, geleitet von Engelchen, Schulkindern, Meßdienern, der Geistlichkeit und Fahnenabordnungen der kirchlichen Vereine zur Kirche geleitet wurde. Hier erfolgte das feierliche Zeremoniell der symbolischen Inbesitznahme des Gotteshauses durch den neuen Pfarrer. [Investitura parochi: Taufbecken, Tabernakel, Kanzel und Beichtstuhl wurden symbolisch zum ersten Mal berührt.] Pfarrer Liedmeier sprach in seiner ersten Predigt vom Guten Hirten. Begleitet von Fahnenabordnungen, auch der Katholischen Arbeiterbewegung und der Kolpingsfamilie seiner früheren Gemeinde in Ahlen, zog die Geistlichkeit in den Schloßhof. Dort feierte Pfarrer Liedmeier die erste Heilige Messe in Horneburg. Dabei wirkten der Cäcilienchor und das Blasorchester mit. Das 1903 errichtete Pfarrhaus war umgebaut und renoviert worden. Es erhielt eine Heizungsanlage und wurde mit einem neuen Anstrich versehen.]

19.) Am 8. Oktober gab es Brandalarm. Die Scheune des Fritz Bergforth stand in Flammen. 25 Fuder [ein Fuder ist die Fuhre (Ladung), die ein zweispänniger Wagen damals laden konnte. In Osnabrück war ein Fuder = 6 Malter = 72 Scheffel = 2.061 Liter Getreide] ungedroschenes Getreide befanden sich darin, 3 Fuder Stroh lagen davor. Letztere waren zuerst in Brand geraten. Der starke Wind übertrug die Flammen dann auf die nur wenige Meter zurückliegende Scheune. Die Freiwillige Feuerwehr und der zur Hilfe geeilte „Tanker“ der Dattelner Wehr konnten die völlige Zerstörung der Scheune u. ihres Inhalts trotz des Einsatzes mehrerer Stahlrohre nicht verhindern. Nach Angabe der Polizei beläuft sich der Sachschaden auf rund 30.000 M. Vorschulpflichtige Kinder sollen an dem Strohhaufen mit brennenden Streichhölzern gespielt u. dadurch den Brand verursacht haben.

20) Endlich wurde das letzte Ende der Hauptstraße (von Hoppmann bis zum Dorfausgang) mit einer Decke von Asphalt überzogen. Die Arbeit ließ das Landstraßen-Bauamt in Bochum ausführen.

21) In dem Winterfest der Freiw. Feuerwehr am 9. November nahm Amtsbürgermeister Surmann die Ehrung von Jubilaren vor; unter ihnen befanden sich die beiden Mitbegründer der Horneburger Wehr Wilhelm Elfert und Friedrich Bergforth, außerdem Thomas Michalak, der der Wehr 40 Jahre angehört. Sie erhielten einen Silberteller, ebenso wurden geehrt die Jubilare, die der Wehr 25 Jahre u. länger angehören: H. Eckelkamp, Th. Neisen, Josef Sindern, Josef Berens, Hub. Hoppmann, Johannes Wieland, Rudolf Paul, Leo Balan, Wilh. Benke u. Heinr. Teigeler.

22) In der Nacht vom 11. auf den 12. November starb unerwartet im Prosperhospital zu Recklinghausen Horneburgs Schützenkönig Josef Berens.

23) Mit dem 31. Dez. beendet Kreisgartenbauoberinspektor Schulte Scherlebeck seine dreizehnjährige, sehr erfolgreiche Tätigkeit als Leiter der Kreisgartenbaulehrbetriebe u. der Kreisgärtnerei des Landkreises Recklinghausen in Horneburg. Er folgt einem ehrenvollen Ruf als Direktor der Gartenbauschule in Wolbeck, der einzigen Institution ihrer Art in  ganz Westfalen-Lippe. Schulte Scherlebeck war in Horneburg mit ganzer Seele bei der Sache. Der Kreisgarten wurde mustergültig geführt. Durch den vollen Einsatz seiner persönlichen u. fachmännischen Begabung hatte er außerordentliche Erfolge zu buchen. Als Berater u. Freund der großen Zahl der Kleingärtner erwarb sich Schulte Scherlebeck allenthalben uneingeschränkte Wertschätzung. Es folgen dem Scheidenden in seinen neuen Wirkungskreis viele gute Wünsche.

24. Im Jahre 1958 wurden 27 Kinder geboren. Es fanden 4 Eheschließungen statt, es starben 8 Personen.

1959

1). Am 3. Januar fiel der erste Schnee des Winters 58/59. Er schmolz jedoch schon bald. Am 12. Januar begann der Winter. Die Schneefälle, vor allem die starken Verwehungen, machten allen Verkehrsteilnehmern u. Benutzern von öffentlichen Verkehrsmitteln das Leben schwer. Die Horneburger Straße von Kausch bis hier war gesperrt. Es war eine Umleitung des Verkehrs notwendig, von der vor allem die planmäßigen Busse betroffen wurden. Die Kälte dauerte aber nicht lange.

2) Mit Hilfe von Gemeindemitteln wurde das Jugendheim in der Schulstraße renoviert und mit neuen Möbeln bestückt.

3.) Der Autobus hat eine 2. Haltestelle an der Wilhelmstraße.

4.) Am 12. Februar vollendete Herr Johannes Möller sein 90. Lebensjahr. Sonst meistens bei einem seiner Kinder weilend, verbrachte er diesen Tag in seinem Geburtsort Horneburg. Es kamen viele Bekannte, um ihm zu gratulieren. Von der Behörde erschienen Herr Amtsdirektor Audick u. H. Bürgermeister Teigeler. Herr Möller erfreut sich einer seltenen Frische u. Gesundheit.

5) Kurz vor Vollendung seines 83. Lebensjahres verstarb am 7. März der Vater des jetzigen Bürgermeisters Heinrich Teigeler, ein bekannter u. angesehener Einwohner der Gemeinde. Volle 30 Jahre hatte der Verstorbene dem Gemeinderat angehört, 12 Jahre davon war er stellvertretender Bürgermeister. Lange war er auch Vorsitzender der Bürgerschützengilde Horneburg. Im Kirchenvorstand gab sein Wort oft den Ausschlag. Die ganze Gemeinde wird ihm ein ehrendes Angedenken bewahren.

[6.) Ausschnitt der Vestischen Neuen Zeitung vom 11.3.1959:
Das Schloss Horneburg ist Eigentum des Kreises Recklinghausen, der darin einen Teil der Landwirtschaftsschule untergebracht hatte, die allerdings jetzt herausgeht. Ein großer Teil des Schlosses ist an die Caritas vermietet, für die in Horneburg fünf Schönstattschwestern wirken, welche die ambulante Krankenpflege in Horneburg versehen (Horneburg hat keinen Arzt), den Kindergarten betreuen und zwei Klassen einer von der Caritas eingerichteten Förderschule betreuen, die von 21 Mädchen besucht wird, welche aus den deutschen Ostgebieten (heute Polen) gekommen sind und hier unter Leitung von Waltroper Lehrkräften Deutsch lernen. Nun sucht die Kreisverwaltung einen Dauerpächter, der einen Teil der Unterhaltskosten des Schlosses übernehmen kann. Es gibt dafür einige Bewerber: Die Westfälische Centralgenossenschaft möchte eine Schule für ihren kaufmännischen Nachwuchs und ein Versuchsgut nach dem Muster Albersloh einrichten. Die Paderborner Caritas bat ebenfalls um die Verpachtung des Schlosses. Rudolf-Ernst Heiland (1946-1965, ab 1946 bis zu seinem Tode Bürgermeister von Marl) stellte den Antrag, hier eine evangelische Schwesternschule der Inneren Mission mit dreijährigen Kursen einzurichten. Der Horneburger Gemeinderat protestierte.

7.) Zwei andere undatierte Zeitungsausschnitte stellen den Sachverhalt anders dar und weisen darauf hin, dass eine Entscheidung erst im Mai 1959 fällt.]

8) Zwecks Errichtung eines neuen Feuerwehrgeräthauses wurde das alte Gebäude in freiwilligem Einsatz der Feuerwehrleute von diesen niedergerissen. 3. 4. Die Grundmauern für das neue Haus sind gelegt. In etwa ein Meter Höhe wurde der Grundstein eingefügt, in den vorher eine Zinkkasette mit dem Bauplan, einer Urkunde u. die [den] beiden Ausgaben der Heimatzeitung, die über den Abbruch des alten Gebäudes berichteten, hineingelegt worden war. Herr Bauinspektor Fabian aus Waltrop wohnte der Feier bei u. überbrachte die Grüße der Verwaltung. Nach früheren Angaben des Amtsdirektors Dr. Audick soll die Finanzierung nahezu gesichert sein. Der Regierungspräsident habe zugesichert, aus der Feuerschutzsteuer nach Möglichkeit 20.000 DM zur Verfügung zu stellen. Das Amt will sich mit 5.000 DM beteiligen, die Gemeinde müßte dann noch weitere 5.000 DM aufbringen. Mit diesen 30.000 DM hoffe man auszukommen.

9) Am 9. Mai feierte Frl. Antonette Gößling das seltene Fest des diamantenen Dienstjubiläums im Hause Dickmann. Frl. Ant. Gößling wurde geboren am 15. Okt. 1881 in Rapen. Nach dem Volksschulbesuch kam sie zunächst zu einem Landwirt Gremm daselbst. Vier Jahre später, im Jahre 1899, trat sie ihren Dienst beim Landwirt u. Bäcker Hermann Elfert an. Im Laufe der Jahre wechselte das Haus seinen Besitzer, da die Eheleute Elfert keine Kinder hatten. Ein Verwandter von ihnen, Josef Dickmann aus Lünen erbte das Besitztum. Antonette Gößling blieb. In seltener Verbundenheit mit Haus u. Hof arbeitete sie weiterhin von früh bis spät. Nichts war ihr zu schwer oder zu viel. Das zeigte sich besonders in den Kriegsjahren. Oft konnte man sie da bereits morgens um 3 Uhr auf dem Felde sehen. Auch jetzt sucht sie sich noch immer im Haushalt nützlich zu machen. Bürgermeister Teigeler, Amtsdirektor Dr. Audick u. der Vorsitzende des bäuerlichen Ortsvereins Westmann überbrachten der Jubilarin die Glückwünsche der Gemeinde, des Amtes u. der Landwirtschaft. Von kirchlicher Seite gratulierte Pastor Liedmeier.

10) Am 30. u. 31. Mai feierte die Horneburger Schützengilde ein Waldfest. Im Busch war eine Tanzfläche aufgebaut. Die Jägerkapelle u. das Trommlerkorps aus Oer-Erkenschwick sorgten für die notwendige Musik.

11) Die Erdbeerernte ist in diesem Jahre eine sehr gute. Bevorzugt angebaut ist die Spezialsorte: „Senga-Sengana“ [gezüchtet von Reinhold von Sengbusch (1898-1985), seit 1952 im Handel]. Im Kreisgarten ist man zur Zeit dabei, ein Lagerhaus für Obst u. Gemüse fertigzustellen. In diesem Hause können dann bis zu 350 Centner Obst überwintert werden. Die Kühlanlage wird einen großen Raum ständig in gleichbleibender Temperatur halten. Obstsorten, die in normaler Kellertemperatur bereits im Dez. - Januar gegessen werden müssen, können hier bis März - April gelagert bleiben.

12.) Die Gemeindevertretung beschloß am 10. Juli den Wirtschaftsweg „Am breiten Teich“ u. den Weg zwischen Suderwicher Straße und „Auf der Heide“ auszubauen. Der Ausbau der beiden Wege wird etwa 40.000 DM kosten. 50% dieser Summe werden als Zuschüsse erwartet, 40% sollen durch billige Darlehen finanziert werden, u. den Rest von 10% müßte die Gemeinde tragen. Es besteht die Hoffnung, zu diesen 10% noch einen Zuschuß aus dem Ausgleichsstock zu bekommen. Für den neuen Sportplatz stehen rund 12.000 DM zur Verfügung. Für den Ausbau des Platzes werden etwas mehr als 800 DM gebraucht. Die restliche verfügbare Summe soll für die Unterhaltung im 1. Jahr verwendet werden. Der alte Sportplatz der Gemeinde wurde durch die neue Zechenbahn der Bergbau AG „Ewald - König Ludwig“ angeschnitten u. konnte nicht mehr benutzt werden. –

13.) Der Juli brachte sehr heiße Tage. Es wurden Temperaturen von zeitweise 34 - 36° gemessen.

14.) Am 5. Juli starb in Reckling. Süd bei seinem Sohne Josef der älteste Bürger Horneburgs  Herr Johannes Möller. Seine letzte Ruhestätte fand er neben seiner Gattin auf dem Friedhof in Horneburg. Herr Möller stand im 91. Lebensjahr.

15) [Undatierter Zeitungsausschnitt:
Der Pachtvertrag mit der Westfälischen Centralgenossenschaft Münster mit Schwergewicht bei der landwirtschaftlichen Nutzung soll am 1.10.1959 in Kraft treten und am 30.9.1971 enden, wenn er nicht verlängert wird. Damit bewirtschaftet der Kreis Recklinghausen Schloß und Gutswirtschaft Horneburg nicht mehr selbst; allerdings verbleiben Gräfte und Uferanlagen in der Bewirtschaftung und Unterhaltung des Kreisgartenbaubetriebes.

16.) Zeitungsausschnitt vom 29.8.1959:
In Horneburg wird das Feuerwehrverbandsfest gefeiert, verbunden mit dem 50jährigen Jubiläum der Horneburger Freiwilligen Feuerwehr. Wehrführer Balan wird die Gäste durch das neue Gerätehaus führen. Das Amt Waltrop stellte der Horneburger Feuerwehr ein neues Löschfahrzeutg zur Verfügung, eines der modernsten seiner Art. Am Samstag, 29. August, wird sich der Amtsverband der Freiwilligen Feuerwehren aus Waltrop, Henrichenburg und Horneburg zu einem Festzug gruppieren. Es folgt der Jubiläumsfestabend mit Jubilarehrung und Tanz. Am Sonntag, 30. August, ist Festgottesdienst mit anschließender Einweihung des neuen Gerätehauses. Um 15.00 Uhr beginnt die Delegiertenversammlung in der Gastwirtschaft Stratmann und um 16.00 Uhr ist der Festzug. Am Abend ist ein Festball.

Undatierter Zeitungsausschnitt, Journalist „G. H.“:
Am Samstagabend (29.8.1959) wurden drei noch lebende Gründungsmitglieder geehrt: Altbürgermeister Elfert, Fritz Bergforth und Josef Sindern. Ihre Ehefrauen erhielten einen Blumenstrauß. Bürgermeister Teigeler wurde zum Unterbrandmeister befördert. Umrahmt wurde die Feierstunde durch Liedarbietungen des Cäcilienchores. Am Sonntagmorgen (30.8.) fand ein Gottesdienst unter freiem Himmel auf dem Schloßhof statt. Danach weihte Pfarrer Liedmeier das neue Gerätehaus. Anschließend besichtigten es die Gäste. Kreisbrandmeister Otte eröffnete am Sonntagnachmittag das Verbandsfest zu Beginn der Delegiertenversammlung in der Gastwirtschaft Stratmann. Oberkreisdirektor Dr. Lübbersmann, Amtsdirektor Dr. Audick, Amtsbürgermeister Surmann, Bürgermeister Teigeler und der Horneburger Wehrführer Leo Balan nahmen an ihr teil. Kreisbrandmeister Otte forderte ein eigenes Funknetz für die Feuerwehr. Jeder Einsatzwagen und jeder Krankenwagen müsse an eine zentrale Funkanlage angeschlossen werden. Nur so sei eine schnelle Brandbekämpfung möglich. Die Telefonleitungen reichen zur Nachrichtenübermittlung nicht aus. Nach der Delegiertenkonferenz formierte sich auf dem Schloßhof der Festzug. Voran der Spielmannszug „Heimatklänge“ aus Waltrop, eine Musikkapelle und der Dattelner Spielmannszug, zogen die Löschzüge des Kreises Recklinghausen durch den Ort. Über 500 Wehrleute nahmen an ihm teil. Überall sah man Fahnen und Birkengrün. Transparente waren über die Straßen gespannt, zum Beispiel: „Is de Naut – äs riesengraut, – dann is för Stiär – de Füerwiähr!“ [Ist die Not so riesengroß, dann ist zur Stelle die Feuerwehr!] Auf der Hauptstraße war der Vorbeimarsch vor den Ehrengästen. Neben dem Oberkreisdirektor standen Amtsdirektor Dr. Audick, Pfarrer Liedmeier, Amtsbürgermeister Surmann, die Altersjubilare und Amtswehrführer Heinrich Geißmann.

Undatierter Bericht der Vestischen Neuen Zeitung:
Beim Gottesdienst auf dem Schloßhof unter freiem Himmel waren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr die Meßdiener. Rechts und links des blumengeschmückten Altares hatten Fahnenabordnungen Aufstellung genommen. In seiner Predigt ging Pfarrer Liedmeier auf die segensreiche Tätigkeit der Feuerwehr ein. Nach dem Gottesdienst wurde das neue Gerätehaus geweiht. Pfarrer Liedmeier segnete außerdem auch die Mitglieder des Amtsverbandes der Freiwilligen Feuerwehr. Amtsdirektor Dr. Audick sagte in seinen Begrüßungsworten beim Delegiertentag: „Die Horneburger Feuerwehrmitglieder haben immer zusammengehalten wie Pech und Schwefel, und dies trug nicht unwesentlich dazu bei, daß die Wehr 50 Jahre gut arbeiten konnte.“ Auf einem Transparent über der Hauptstraße wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß „unsere Stadt vom Feuer verschont bleibt“; dieses Spruchband hatte vorher in einer Stadt gehangen und war im Dorf Horneburg wiederverwendet worden.]

17.) In der letzten Septemberwoche trat etwas ein, das wegen seines Seltenheitswertes festgehalten werden soll: es hat geregnet. Leider nur so viel, daß der gröbste Staub gebunden war und leider nur so wenig, daß die Bauern keinen Roggen säen können. Auch der Herbst kam nicht mit Schauern und heftigen Stürmen, sondern trat in der Reihe der sonnigen Tage ganz unmerklich auf den Plan. – In den 3 Sommermonaten fielen nur etwa 80 Centimeter Niederschlag, das sind 140 Centimeter weniger als normal u. 2. Meter weniger als im vorigen Jahr. Diese Trockenheit wirkt sich in der Landwirtschaft u. Viehhaltung sehr ungünstig aus. Die 2. Heuernte ist vollständig ausgefallen, die Wiesen sind kahl. Die Dürre erleichtert das Entstehen von Waldbränden. Durch leichtsinnig weggeworfene Cigarettenstummel entzündet sich die trockene Heide, und das Feuer vernichtet teilweise Birken u. Tannen, so auch hier in der nahegelegenen Haard. – Unsere Zugvögel nutzten den längeren Sommer aus. Ihr Aufbruch begann in diesem Jahre 14 Tage später als gewöhnlich. – Bei Naturkatastrophen sind wir heute gern geneigt, die Schuld den Versuchen mit Atombomben zuzuschieben. Aber auch vor Jahren wechselten schon lange Dürreperioden mit anhaltenden Regengüssen ab. Schreiberin dieser Zeilen erinnert sich noch recht gut der Trockenheit in den Jahren 1906 u. 1911. So hatten die Linden 1906 auf dem alten Schulplatz schon sehr früh die Blätter abgeworfen und trugen Ende August schon zum zweitenmale ihren Laubschmuck. Dann setzten starke Regengüsse ein. Die Folgen der Dürre ließen sich aber nicht mehr beheben. Die Kartoffeln, besonders auf den höher gelegenen Böden, hatten ihr Wachstum bereits eingestellt. Obst hatte reichlich angesetzt, blieb aber klein u. fiel frühzeitig ab. Sehr trocken war auch der Sommer 1911. Der Juli war überheiß. Die Dauer des Unterrichtes wurde vom Schulrat auf die Zeit von 7 - 10 Uhr morgens festgesetzt. Die Brunnen gaben nur spärlich Wasser. Auch der August u. der September brachten keinen Regen. Erst nach Weihnachten füllten sich die Brunnen wieder. Ebenfalls eine lange Dürre brachte das Jahr 1921. Am 22. Dezember gab es da den ersten stärkeren Niederschlag. – Wann die Brunnen in diesem Herbst wieder genügend Wasser haben werden, scheinen die Meteorologen noch nicht zu wissen. Der Regierungspräsident von Münster erließ für die Teile seines Bezirkes, die mit Wasser aus den Ruhrtalsperren versorgt werden, eine Wassersparverordnung. Im Landkreis Recklinghausen ist bis jetzt nur das Amt Waltrop u. die Gemeinde Kirchhellen davon betroffen. Die anderen Orte werden vom Halterner Stausee versorgt. Diese Sparverordnung, die vor allem das Waschen von Fahrzeugen, das Bewässern von Rasenflächen, das Besprengen von Wegeflächen, Plätzen u. Hausdächern verbietet, soll vor allem der Wasserverschwendung Einhalt gebieten.

18) In der Gartenschau in Dortmund erhielt der Gemüsebau u. d. Absatzgenossenschaft Westfalen-Lippe eine goldene Medaille in Bewertung der Kohlrabi. Der Erzeuger war Fritz Wegmann von hier.

19.) Heute, am 19. Oktober, setzte der erste starke Regen ein. Von der Nordsee zog die Regenfront über Holland zum Revier hin, besonders ins Sauerland u. Siegerland hinein, aber auch unsere Gegend wurde gut bedacht.

20) Am 8. Dezember fiel der erste Schnee.

21.) Die Hoffnung auf „Weiße Weihnachten“ erfüllte sich nicht.

22) Es wird interessieren, daß in unserer Gemeinde jede dritte Familie ein Fernsehgerät besitzt

23.) Seinerzeit war durch den Kaufvertrag zwischen dem Landkreis Recklinghausen u. dem Herzog von Arenberg das auf dem Schloß Horneburg ruhende Patronatsrecht auf den Landkreis Recklinghausen übergegangen. Der Kreis hatte also alle mit dem Patronatsrecht verbundenen Lasten zu tragen. Diese Lasten betrugen bis einschließlich 1957 jährlich 593 DM, die an das kath. Pfarramt in Horneburg gezahlt wurden. Nach dem Tode des Pfarrers Uekötter im Febr. 1958 wurde ohne Beachtung der Patronatsrechte des Landkreises der Kaplan August Liedmeier aus Ahlen als Pfarrer in Horneburg ernannt. Das Bischöfliche Generalvikariat hatte die Meinung vertreten, daß das Patronatsrecht ruhe, weil die Zahlungen, die der Kreis leiste, nicht den Pflichten entspreche, wie sie sich für einen Patron ergeben. Wenn der Landkreis die Zahlung der bisher geleisteten Beträge einstelle, würde das Patronatsrecht ganz entfallen. In seiner letzten Siedlung [Sitzung] entschied sich der Kreistag dahin, auf das Patronatsrecht endgültig zu verzichten.

 

© Heinrich Michael Knechten, Horneburg 2019

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