Der Erste

 

„Herr, ich glaube und bekenne, daß Du wirklich Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist. Du bist in die Welt gekommen, um die Sünder zu erlösen, von denen ich der erste bin“ (1. Brief an Timotheus 1, 15). Dieses Gebet beten wir vor dem Empfang der Heiligen Geheimnisse.

 

Christus ist nicht gekommen, damit wir Angst bekommen, sondern Er kam in die Welt, um uns zu erlösen. Angst vor Ihm zu haben ist etwas anderes als Gottesfurcht. Bei der Gottesfurcht geht es darum, in Seinem Sinne zu leben, während die Angst uns dies unmöglich macht. Nur wenn wir den Herrn lieben, können wir versuchen, Ihm ähnlich zu werden. „Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, und wer sich fürchtet, dessen Liebe ist nicht vollendet“ (1. Johannesbrief 4, 18).

 

Christus ist in die Welt gekommen, um uns zu erlösen. Es gibt nur eine einzige Bedingung dafür, nämlich befreit werden zu wollen. Wir nehmen zwar deutlich wahr, daß andere Menschen fehlerhaft sind. Wir legen ihre Worte nicht selten auf die Goldwaage und betrachten ihr Tun durch ein Vergrößerungsglas. Wir analysieren ihre Motive und folgern, welche Konsequenzen sich ergeben.

 

Wenn uns aber gesagt wird, wir selbst hätten einen Fehler begangen, rechtfertigen wir uns, leugnen jegliche Verantwortung und machen andere haftbar. Es ist, als seien wir blind für unsere eigenen Werke und taub für unsere eigenen Worte. Die exakte Methode, mit der wir Fehler anderer zergliedern, versagt bei uns selbst.

 

Christus kam in die Welt, um die Sünder zu erlösen, von denen ich der erste bin.

 

Diese Ansprache wurde im Jahre 2013 in der Alten Kirche zu Horneburg gehalten.

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026

 

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