Horneburger Chronik 4

1921-1952

 

hg. v. Heinrich Michael Knechten

 

Horneburger Schule 1909

 

Die 1909 erbaute Schule in Horneburg

 

(28) [Handschrift des Lehrers Heinrich Haerkötter] 5. Mai [19]21 (Christi Himmelfahrt). Elternabend bei Stratmann, 5-8 Uhr. Darbietungen durch die Kinder und die Jugendabteilung des Arbeitervereins. Vortrag des Lehrers Haerkötter: Gesundheitspflege.

 

29. Juli 21. In der Schulvorstandssitzung wird die Dienstwohnung des Hauptlehrers mit 650 M, die der Lehrerin mit 350 M veranschlagt. Vom Kollegium sind in den Schul-Vorstand gewählt Fräulein Greve und Lehrer Haerkötter.

 

Verabschiedung des Lehrers Gellenbeck

 

20. Sept. 21. Da der Hauptlehrer Gellenbeck lt. Zwangspensionierungsgesetz am 1. Okt. in den Ruhestand versetzt wird, findet, wie er es gewünscht hatte, eine schlichte, aber herzliche Abschiedsfeier statt im Rahmen der Schule und seiner Familie. Die Schulaufsichtsbehörde war nicht vertreten.

 

6. Okt. 21 wurde der Lehrer Haerkötter in der oberen Abteilung, die er seit dem 1. Okt. vertretungsweise übernommen hatte, durch den Kreisschulrat Dr. Brand revidiert [geprüft].

 

8. Dez. 21 Schulvorstandssitzung, an der Kreisschulrat Dr. Brand teilnahm. Tagesordnung: Neubesetzung der Hauptlehrerstelle.

 

12. Dez. 21 starb nach langer Krankheit der hiesige Pfarrer Ludwig Kindermann. Er wirkte hier als Pfarrer seit 1901. Bis zum 1. Okt. 1919 war er Ortsschulinspektor (auch über die Kath. Schule Rapen). Am 22. wurde er unter großer Beteiligung auf dem hiesigen Kirchhofe beerdigt.

 

Pfarrer Anton Uekötter

 

26. März 22. Einführung des neuen Pfarrers Anton Uekötter, seit 11 Jahren hier Kaplan u. Lehrer an der Winterschule, geweiht 1909, 39 Jahre alt, und, wie er selbst bemerkte, wohl auf lange Zeit der jüngste Pfarrer im ganzen Bistum.

 

(29) [Ab hier Handschrift des Hauptlehrers Xaver Blazejewski] 1.5.22. Nachdem der Hauptlehrer Herr Bernhard Gellenbeck vom 1. Oktober 1921 ab in den Ruhestand versetzt worden war, wurde die Hauptlehrerstelle von der Regierung zu Münster dem Fürsorgeamt zu Berlin zur Besetzung überlassen. Aus diesem Grunde wurde der Hauptlehrer Xaver Blazejewski aus Warlabien, im an die Polen abgetretenen Westpreußischen Gebiete, vom 21. November 1921 auf dieselbe berufen. Die engültige  Berufung von der Regierung zu Münster erfolgte zum 1. Mai 1922. Bei seiner Ankunft war die Dienstwohnung besetzt. Die Möbel wurden in ein leeres Zimmer eingepackt. Daß dadurch eine starke Beschädigung erfolgte ist denkbar. Auf Vermittelung des Gemeindevorstehers Herrn Elfert wurde am 8. Mai dieselbe geräumt. Jetzt hatte B. eine doppelte Arbeit. Er mußte 3 Mann annehmen, welche einen ganzen Tag die Möbel von unten nach oben, in die Dienstwohnung, tragen mußten.

 

Der Kollege Haerkötter, welcher die Dienstwohnung innehatte, bestellte auch ein Viertel des Dienstgartens mit Gemüse. Der Gemeindevorsteher trat für ihn ein und Blazejewski hat ihm jetzt freiwillig das Gartenstück nebst Obstnutzung bis zum Herbste 1922 unentgeltlich überlassen. Im Allgemeinen muß ich sagen, daß mir die Bewohner freundlich entgegengetreten sind. Wir Ostmärker sind auch Menschen und verstehen Menschen zu behandeln.

 

Besetzung des Ruhrgebiets

 

17.1.23. Durch Einbruch der Franzosen in das Ruhrgebiet erhielt auch unsere ruhige Ortschaft eine Besatzung. 120 Mann Infanterie rückte ins Dorf ein und belegte die Säle bei Berens und der Witwe Stratmann.

 

(30) 27.1.23. Nach 10 Tagen wurde diese Besatzung durch Kavallerie abgelöst. Die Dielen sämtlicher Bauern wurden belegt, die Leute waren nicht die Herren ihres Eigentums. Geduldig haben alle diese Bedrückung ertragen. Manche hausten wie die Vandalen, eingeschritten konnte nicht werden. Nach etwa 14 Tagen kam sogar eine Abteilung für drahtlose Telegraphie. Diese belegte das 2. Klassenzimmer der neuen Schule. Der diensttuende Offizier erklärte bei der Beschlagnahme, daß das Zimmer am Vormittag um 11 Uhr 10 Minuten benutzt werde und dann am Nachmittag. Weil der stundenplanmäßige Unterricht nur bis 1 Uhr dauerte, so war es der Schulleitung sehr willkommen und der Unterricht fand ungestört weiter statt. Nach 8 Tagen erklärten aber schon Soldaten, daß sie fortan stündlich telephonieren müssen. Trotzdem sie nichts bei der Telegraphie näher [von Blazejewski wurde das Wort "näher" durchgestrichen] zu tun hatten, kamen sie dennoch in das Klassenzimmer, rauchten Zigaretten, sprachen und störten den Unterricht. Nun war es nicht mehr möglich und die Klasse wurde jetzt den Soldaten freiwillig geräumt. Der Unterricht fand jetzt am Nachmittage von eins bis halb fünf Uhr im ersten Klassenzimmer statt. Der Hauptlehrer bekam von dieser Einquartierung auch einen Offizier ins Haus.

 

4.2.23. Bis zu diesem Tage blieb diese Besatzung im Dorfe. Am Sonntag Morgen rückte sie ab und um 10 Uhr rückte eine neue Besatzungskavallerie mit Trompetengeschmetter ins Dorf ein. Die Andächtigen wurden in der Kirche sehr beunruhigt. Was half's, es mußte ertragen werden. (31) Von dieser Besatzung wurde wiederum die Schule mit Telegraphie und einem Offizier belegt. Beim Herrn Pfarrer Uekötter erschienen Offiziere und beschlagnahmten sein größtes Zimmer (das Bischofszimmer) und die Küche als Offizierskasino. Der Herr trat ihnen ganz energisch entgegen und erreichte dadurch, daß die Franzosen von ihrem Vorhaben Abstand nahmen. Diese strengen Herrn regierten nicht lange. Schon am nächsten Tage, am Montag, 5.3.23, wurden sie ganz plötzlich abberufen und nach Ehsel versetzt. Seitdem haben wir Ruhe im Dörfchen, jeder atmete auf und doppelt freudig ging jeder an seine Arbeit. Wie lange wird aber diese Freude dauern?

 

Diese Freude dauerte bis Dienstag vor Pfingsten. Es erschienen Quartiermacher und wollten 400 Mann mit ungefähr 50 Offizieren und etwa 500 Pferde unterbringen, nur 300 Mann konnten sie unterbringen. Alle Mannschaften sollten jedoch am zweiten Pfingstfeiertag einrücken. Diese Einquartierung blieben  jedoch auf Verwendung des Landrats Dr. Klausener aus. Der Gemeindevorsteher Elfert wandte sich schriftlich nach Recklinghausen mit dem Bemerken, daß die kleine Gemeinde Horneburg nicht in der Lage sei 400 Mann nebst Pferden und den zugehörigen Mann [von Blazejewski wurde das Wort "Mann" durchgestrichen] Offizieren unterzubringen. Am Donnerstag vor Pfingsten erschien abermals eine Truppe unter Führung eines Oberst, um die Angabe des Gemeindevorstehers festzustellen. Diese Quartiermacher zogen ab mit dem Bemerken, daß die Mannschaften am 2. oder 3. Feiertag einrücken werden. Wie gesagt, sie kamen nicht, wurden im nahegelegenen Meckinghoven untergebracht. Hier verblieben die Franzosen bis wenige Wochen vor dem Verlassen resp. [respektive – beziehungsweise] vor der Räumung der Zone Dortmund Lünen. Das gesamte nordöstliche Industriegebiet hatte nun mehr keine Besatzung, gehörte dennoch zum (32) besetzten Gebiet. In Suderwich, Essel. Oer Recklinghausen hatte [man] bis zur endgültigen Räumung die Franzosen behalten müssen.

 

Inflation

 

Das Jahr 1924 brachte nichts Nennenwertes. Durch die Stabilisierung unserer Mark wurde das Geschäftsleben etwas reger. Wenn auch noch sehr teuer, so erhielten manche Waren, welche man seit dem Kriege nicht mehr zu sehen [?] bekam.

 

Im Jahre 1925 wurde das Leben schon erträglicher. Die Mark hat sich immer mehr befestigt, die Billionen Milliarden wurden allmählich eingezogen und wir erhielten die Papiermark, Zehnpfennigstücke in Messing, auch schon die Silbermark. Die Teuerung war aber noch sehr groß und die Kaufkraft des Volkes erlahmte immer mehr. Da setzte der Preisabbau ein. Wir haben billige Preise, aber wiederum wenig Geld im Umlauf. Die Zechen begannen Arbeiter zu entlassen, es gab immer mehr Erwerbslose.

 

Am 20. Dezember veranstaltete die Schule im Saale des Herrn Friedrich Berens einen Elternabend. Die Eltern, Freunde und Gönner der Schule erschienen in Massen. Die Feier begann um 5 Uhr abends und endigte gegen 9 Uhr. Die Anwesenden gingen befriedigt nach [Hause]. Es war ein Weihnachts-Elternabend nach beiliegendem Programm.

 

(31 a) Zum Weihnachts - Elternabend am 20. Dezember 1925, 5 Uhr nachm. im Saale des Herrn Friedrich Berens, hier, laden ergebenst ein

Die Lehrpersonen.

 

Verlauf des Abends.

 

I. Teil:

 

  1. Prolog.
  2. Knecht Ruprecht. – Gedicht –
  3. Der Weihnachtsmann. – Gedicht –
  4. Ansprache.
  5. Heinzelmännchen in der Tischlerwerkstatt. (Weihnachtsfestspiel in 1 Akt.)

    II. Teil:

  6. Ehre sei Gott. – Lied –
  7. Hört die Weihnachtsglocken klingen. – Gedicht –
  8. Weihnachtsbotschaft. – Lied –
  9. Weihnacht. – Gedicht –
  10. Christnacht. – Lied –
  11. Der Wunschzettel. – Gedicht –
  12. Weihnachtsbitte. – Sololied mit 3 stimm. Refrain. –
  13. Unterm Tannenbaum. – Gedicht –
  14. Weihnachtsabendgebet. – Lied –

    III. Teil:

  15. Weihnachtsabend. – Gedicht –
  16. Erdenleid & Weihnachtsfreud. – Weihnachtsfestspiel in 1 Akt. –
  17. Der Christabend. – Gedicht –
  18. Lumpenliesels Weihnachtsabend. – Weihnachtsfestspiel in 3 Akten von L.Bl

 

(32) Der Kaufmann Hugo Schulte hat die Programme auf seiner Schreibmaschine anfertigen lassen. Dafür hat er keine Entschädigung angenommen mit dem Bemerken, daß er für die Schule auch etwas tun könne.

 

Im selbigen Jahre fand im Dorfe ein Bezirks-Feuerwehrtag [statt]. Das Fest fand im Wäldchen statt. Ein mächtiges Festzelt wurde dort errichtet. Das Fest dauerte drei Tage. Am 3. Tage wurden auch die Schulkinder für den Nachmittag eingeladen. Vor der neuen Schule wurden sie mit Musik abgeholt, marschierten durch das ganze Dorf und gingen dann über den Schloßhof nach dem Festplatze. Hier wurden sie mit Kuchen und Limonade bewirtet. Nachher fanden im Freien Spiele statt und jedes Kind erhielt ein Geschenk. Gegen 2 Uhr zogen alle mit freudestrahlenden Gesichtern nach Hause. Auf dem Schloßhofe wurden alle photographiert. (33) Bilder wurden aber von den Kindern nicht bestellt, weil sie zu teuer waren.

 

Nach langer Überlegung, nach langen Beratungen wurde endlich der bei Frühjahrs- und Herbstwetter ungangbare Weg vom alten Kirchhof bis Wegmann chaussiert. Dieses war mit Freude zu begrüßen. Den Schulplatz aber von der Straße durch eine Mauer oder einen Zaun abzuschließen, dafür hatten die Gemeindevertreter kein Geld. Nicht einmal die Beschaffung einer resp. zwei Schulfahnen wurde abgelehnt. Dem Drucke von oben nachgebend hat man die Schule endlich mit einigen Lehrmitteln versehen. Welche in diesem Jahre beschafft wurden, weist das Inventarverzeichnis nach.

Im Jahre 1925 hatten 144 Kinder die Schule besucht.

 

Das Jahr 1926.

 

Nach den Weihnachtsferien begann der Unterricht am 8. Januar. Wegen Erkrankung des Lehrers Haerkötter übernahmen die Vertretung Blazejewski u. die Lehrerin Greve. In liebenswürdigster Weise übernahm der Herr Pfarrer Uekötter zwei Religionsstunden. Diese Art der Vertretung dauerte bis zum 18. Januar. Auf Anordnung des Schulrats Dr. Brand aus Henrichenburg mußte die Hospitantin Frl. Hülsmann zehn Stunden wöchentlich [übernehmen]. Auf diese Weise wurden die Lehrkräfte entlastet und die Kinder der 3. Klasse gewannen an Stundenzahl. Bis zum 1. März war Herr Haerkötter krank. Gegen Rheumatismus und Ischias ließ er sich in der Universitätsklinik zu Münster behandelt [behandeln]. Als "nicht geheilt" kehrte er zurück und übernahm den Unterricht vom 1. März ab.

 

Der Verkehrsverein

 

In der Gemeinde Horneburg ist am 27.2. ein gemeinnütziger Verein gegründet worden, den man auch "Verkehrsverein" nennen könnte. Der 1. Vorsitzende ist der pensionierte Lehrer Herr Bernhard Gellenbeck, sein Vertreter ist der Gemeindevorsteher Elfert. Zum Schriftführer wählte man den Amtssekretär Fimpler und zum Schriftführer der Besitzer Franz Fleitmann. Als Beisitzer sind aus der Wahl hervorgegangen die Herren Direktor der landw. Winterschule Herr Lenter, dann der Elektro-Techniker August Müller und der Kaufmann Theodor Sinder.

 

Am Anfange des Jahres ging durch die Ortschaft die freudige Nachricht, daß vom 1. Februar ab der Autobusverkehr von Lukas in Meckinghoven über Horneburg - Rapen, Oer nach Recklinghausen bis Hochlarmark mit einstündigem Verkehr (34) von und nach Recklinghausen eingerichtet werden sollte. Für das verlassene Dörfchen wäre diese Einrichtung eine Wohltat. Warten wir.

 

Seit einigen Tagen kursiert die Nachricht, daß die Autobusse noch nicht fertig seien, daher der Verkehr erst Mitte Mai oder Anfang Juni erfolgen kann. Ich bin schon so oft betrogen worden, daß ich nunmehr solchen Nachrichten keinen Glauben mehr schenke.

 

Am 15. März fand auf Einladung des Schulrats Herrn Dr. Brand in der Wirtschaft Rupieper am Hebewerk eine Schulleiterkonferenz [statt], welche 4½ Stunden in Anspruch nahm. Herr Rektor Lehmkuhl - Waltrop referierte über die Berufsberatung, Herr Köster - Datteln über die Musikwoche in Hamburg und Marschall - Waltrop über die neue Fibel. Herr Rektor Köster wird am 19.3. in Waltrop einen Kursus über die Tonwortmethode im Gesangunterricht abhalten. An dem Tage ist nur die Einführung in diese Methode, der eigentliche Kursus beginnt erst nach Ostern und wird drei Nachmittage in Anspruch nehmen. An diesem Kursus wird auch der Hauptlehrer Blazejewski teilnehmen. Derselbe wurde zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgehalten, am 23. April fand im Gasthof Dirks in Waltrop ein eingehender Vortrag statt und am 31.  April fanden die praktischen Vorführungen statt. Die Methode ist gut, ist in allen Schulen des Inspektionsbezirks des Herrn Dr. Brand eingeführt worden. Am 1.4.26 tritt sie in Kraft, hoffentlich wird man jetzt bessere Treffresultate erzielen.

 

Vom 8. Januar bis 28. Februar 1926 war der 2. Lehrer Haerkötter an Ischias krank, befand sich in der Universitätsklinik in Münster. Am 1. März übernahm er den Unterricht, um nach den Osterferien, am 21.4.26, wiederum krank zu feiern. Vom 21.4. bis 20.5. haben Blazejewski u. Greve die Vertretung gehabt. Nach den Pfingstferien kam am 1.6. ein Vertreter, namens Hartmann aus Herne, Herr Haerkötter ist bis zum September dieses Jahres von der Regierung in Münster beurlaubt worden. Nach den Herbstferien übernahm er den Unterricht wieder und ist anscheinend leidlich hergestellt worden.

 

Am 1. August d.J. wird der Autobusverkehr von Recklinghausen (Hauptbahnhof) über Oer, Erkenschwick - Rapen - Horneburg nach Meckinghoven - Gasthof "Lucas" - eröffnet. Er erfreut sich immer reger Inanspruchnahme, besonders an den (35) Zahltagen der Zechenarbeiter ist er fast immer überfüllt, an Sonn- u. Feiertagen wird der Autobus stark benutzt. Wie es verlautet, ist es die rentabelste Autobuslinie. Für die Horneburger und insbesondere für die Horneburger Schüler der höheren Schulen in Recklinghausen bietet diese Verbindung große Vorteile. Zwar beträgt der Fahrpreis von hier nach Recklinghausen 0,85 M, aber man braucht nicht bei Sturm und Regen nach Erkenschwick zu Kausch [Gastwirtschaft an der Kreuzung Horneburger Straße / Stimbergstraße] oder zur Staatsbahn nach Datteln zu laufen. Nunmehr kursiert die Nachricht, daß demnächst die Autobuslinie durch eine elektr. Straßenbahn ersetzt werden soll. Auch diese Neuerung wird mit Freude begrüßt. Alsdann wird man bequem über Brambauer nach Dortmund fahren können.

 

Das Schloß soll einen Anbau nach der Kirche zu erhalten. In demselben sollen Klassen der Winterschule untergebracht werden, auch Wohnungen sollen eingerichtet werden. Ob etwas Wahres an diesen Gerüchten ist, wird uns die Zukunft lehren. Das Ende des alten Jahres brachte nichts Neues.

 

1927.

 

Am Anfang des Jahres nahm die Schülerzahl durch Abwanderung etwas ab. Das neue Schuljahr brachte wieder einen Zuschuß so, daß die alte Schülerzahl wieder erreicht worden ist.

 

Im Januar hat der hiesige Schützenverein den Beschluß gefaßt am 25., 26. u. 27. Juni nach 22jähriger Pause wiederum ein Fest zu feiern. Große Vorbereitungen werden schon jetzt getroffen.

 

Am 2. Juni machte die Schule einen Ausflug nach Haltern zur Besichtigung des Museums, des Römerlagers und der Glashütte. Ohne Unfall war derselbe zur Zufriedenheit der Beteiligten ausgefallen.

 

Firmung

 

Am 21. Juni war der Herr Bischof Scheifes nach Horneburg zur Firmung gekommen. Es waren 100 Firmlinge, davon 70 Schulkinder. Nach der Firmung besuchte er auch die Schule.

 

Das Schützenfest

 

Nun soll am 25. 26. u. 27. Juni [1927] das Schützenfest gefeiert werden. Auf der Wiese der Gastwirtsfrau Stratmann wurde ein großes Festzelt aufgestellt. Das Zelt, Küche und Ausschank stellte Herr Josef Baumeister aus Waltrop. Der Betrieb war während der Tage sehr groß. Es kam am Abend recht viel Besuch, meistens des Tanzes wegen. Die Musik stellte für sämtliche Tage die Horneburger (36) Kapelle unter Leitung des Joseph Teigeler. Sie hat recht fleißig gespielt. Das Wetter war aber nicht hold. Am Sonnabend und Sonntag hatte es geregnet, am Montag, dem eigentlichen Königsschießen, heiterte sich der Himmel auf. Um 10 Uhr Vormittag marschierte der Verein mit Holzgewehren über der Schulter zum Wäldchen, woselbst der Vogel errichtet war. Gegen 11½ Uhr fiel der Königsschuß, die Königswürde errang der Gewerbeschullehrer Joseph Elfert aus Horneburg. Er wurde auf den Schultern ins Festzelt getragen. Am Nachmittag fand die Krönung statt. Der alte König, Herr Karl Müschenborn aus Horneburg, legte die Schützenkette ab und übergab sie dem neuen Könige durch die Hand der Ehrenjungfrau Fräulein Anna Behnke [Benke]. Herr Gellenbeck, Vorsitzender des Vereins, hielt eine kurze Ansprache und nun formierte sich der Zug zum Umzug durch das Dorf. Die ganze Aufmachung gefiel dem Schreiber dieser Zeilen nicht, er hatte früher etwas Besseres gesehen. Acht Tage später, am 1. Juli war im Nachbarorte Meckinghoven auch ein Schützenfest. An demselben nahm auch der hiesige alte König teil. Zur Hauptfeier, am Montag, 3. Juli, war er hingegangen. Von dort in der Nacht zurückgekehrt, befiel ihn eine Müdigkeit. Weil derselbe schon lange herzleidend war, ereilte ihn ein Herzschlag. Der alte König, Karl Müschenborn, hatte für ewig seine Königswürde abgegeben. Er war ein braver Mann, einstens kannte er bessere Tage, er war der reichste Mann im Dorfe. –

 

Im Jahre 1926 war der Anbau des Schlosses mit Einrichtung der Klassen für die Winterschule beschlossen. Eines Tages kamen Arbeiter und begannen mit den Erdarbeiten, sie kamen aber nicht weit, eine telegraphische Nachricht von der Kreisverwaltung hat der Arbeit ein Ende gemacht. Es heißt, daß der Umbau nicht erfolgen soll, weil das Gesamtbild durch den Bau gestört werde. Der Bau ruht, jedenfalls für immer. –

 

Die Schloßwirtschaft wurde durch die Anlage eines Warmhauses, gegenüber dem Kalthause, erweitert. Der Leiter Herr Gärtner Eisenbarth, ein Saarländer. Gurken und Tomaten werden vornehmlich gezogen, heute ein reißender Absatz.

 

(37) Nach dem Stand vom 1. Februar 1928, also im Schuljahre 1927/28, zählte die Schule 144 Kinder. Aus der Schulpflicht wurden 22 Kinder, 8 Knaben und 14 Mädchen entlassen. Eine öffentliche Entlassungsfeier fand im Rahmen eines Elternabends im Saale des Herrn Berens am 25. März statt. Das Programm wird beigefügt. [Dieser Text fehlt.] Das Drucken desselben besorgte der frühere Schüler Franz Hoppe, welcher Buchbinderlehrling in Datteln ist. Am 30. März wurden die erwähnten Kinder entlassen und das alte Schuljahr wurde damit beendet.

 

1928.

 

Die Osterferien erreichten am 16. April ihr Ende. Nach denselben zählte die Schule die Schülerzahl von 127 Kindern. Weil die Unterstufe überfüllt war, mußte der 3. Jahrgang in die obere Klasse geschickt werden. Am weißen Sonntag, der vollständig verschneit war, wurden 17 Kinder zum Tische des Herrn zum ersten Male geführt.

 

Am Sonntag vor Pfingsten soll die Wiederholung der Hl. Mission erfolgen. Diese fand auch statt. Zwei Pater aus Gelsenkirchen predigten acht Tage hindurch. Eine Predigt fand auch für die Kinder statt.

 

Im Juni hörte man, daß nach 20jähriger Wartezeit Horneburg eine Straßenbahn bekommen soll. Am 22. Juni fand eine Interessenten Versammlung in der Wirtschaft Benke unter Vorsitz des Bürgermeisters Brokhausen aus Waltrop statt. Es handelte sich vornehmlich darum, die Straßenbreite in geforderter Weise zu sichern. Der Straßendamm soll nämlich 8 m und die Fußwege zu beiden Seiten je 3 m breit werden. Die angrenzenden Hausbesitzer sollten sich zur Abgabe der Landabgabe vor ihren Häusern erklären. Sämtlich waren bereit, unentgeltlich das Land abzugeben nur nicht der Organist Möller. Sein Haus steht schon hindernd da. Die Straße wir [wird] daher dicht an seinem Hause vorbeiführen. Zwei unübersichtliche Straßenstellen wurden ganz besonders besprochen. Es handelt sich um Geradelegung der Straße am Pfarrhause und bei Beckmann, welcher aber schon in Rapen wohnt. Nach einer Abmessung soll die Straße ungefähr 2 m vom Pfarrhause vorbeiführen. Auch der Kirchplatz wird um ein Bedeutendes schmäler gemacht werden. Im Juli waren Vertreter der Provinz, des Kreises der Vestischen Kleinbahngesellschaft, des Kreises und der Gemeinde im Dorfe anwesend. Es handelte sich hierbei um die Linienführung. Der Baurat Klotz aus Recklinghausen machte der Gemeinde den (38) Vorschlag, die Straßenbahn durch die Schulstraße zu führen. Dadurch wäre die Hauptstraße entlastet, aber er stieß auf Widerstand. Die Gemeindevertretung trat später zusammen und beschloß einstimmig, die Straßenbahn durch die Hauptstraße zu führen. Der gemeinnützige Verein von Horneburg schloß sich am 23.9. diesem Beschlusse an. Seitdem ruht die Straßenbahnangelegenheit.

 

1929.

 

Das neue Jahr brachte die Straßenbahnangelegenheit garnicht näher. Sie rückt immer mehr zurück und es verlauten Gerüchte, daß sie garnicht in Angriff genommen werden soll.

 

Das neue Jahr führte sich garnicht schön ein. Es brachte eine grimmige Kälte, wie sie früher garnicht gekannt war. An manchen Tagen fiel das Thermometer nach Celsius auf 22 Grad. im Schulgebäude fror die Wasserleitung ein. Die Wasseruhr wurde zweimal ausgewechselt, weil sie der Frost zerstört hatte. Der Schulbesuch war trotzdem gut, die Klassenräume gut geheizt. Die Kälte hielt mehrere Wochen an.

 

Nach dem Stand vom 1. Februar zählt die Schule insgesamt 144 Kinder und zwar: 72 Knaben und 72 Mädchen.

 

Das Mundharmonikaorchester

 

Am 25. März veranstaltete die Schule eine Schulentlassungsfeier in der Form eines Elternabends. Die Feier fand im Saale des Herrn Friedrich Berens statt. Zum ersten Male zeigte das im Januar gegründete Mundharmonikaorchester seine Künste. Es trat 8 mal auf. Die Darbietungen waren keine künstlerischen, aber sie zeigten, daß diese Harmonikas im neuzeitlichen Musikunterricht vorteilhaft zu verwenden sind. Dem Orchester gehören 16 Knaben an. Die Mittel für die Beschaffung der Instrumente gaben die Eltern. Die Noten beschaffte hauptsächlich der Schulleiter Blazejewski. Es war naturgemäß eine mühsame Arbeit, aber sie wurde durch den Eifer der Knaben belohnt. An den Übungen beteiligten sich die Knaben fast vollzählig. An zwei Nachmittagen der Woche und am Sonntag nach der Hauptandacht fanden sie statt. Befähigte Knaben spielen leichte Musikstücke ziemlich fertig vom Blatt. Das gesteckte Ziel, auch nach der Entlassung Musik zu betreiben, zumindestens weiter an den Übungen teilzunehmen, wurde nicht erreicht. Nach der Entlassung kamen die Knaben nicht mehr zu den Übungsstunden. Es sind Herren, denen es nicht paßt, mit den Knaben zu verkehren. –

 

Zu Ostern wurden 14 Kinder aus der Schulpflicht entlassen, 6 Knaben und 8 Mädchen.

 

Im Mai d. Js. wurden zum ersten Male die ungeteilten Ferien beschlossen und auch von der Regierung zu Münster genehmigt. Die sogenannten Herbstferien sind vom 30. Juli bis 5. September festgesetzt worden.

 

Im Juni 25.6. wurde der Hauptlehrer B. auf dem Wege zur Kirche von einem Motorfahrer angefahren und zu Boden geworfen. Sieben Wochen hatte er bedeutende Schmerzen im linken Bein.

 

(39) Am 30. Juli fand in diesem Jahre die Verfassungsfeier statt. Zu diesem Tage erhielt die Schule auch eine neue Flagge in den preußischen Farben. Die Mädchenklasse erhielt beide Flaggen erst am 11. Auguste. Meine früheren Anträge wurden stets abgelehnt. Erst der Druck von oben hat die Beschaffung bewirkt.

 

Am Sonntag, 3. August, wurde der Verfassungstag durch Jugendwettkämpfe gefeiert. Der Spielleiter war Herr Polizeimeister Heyer von hier. Am Dreikampf nahmen Schulentlassene und alle Knaben und Mädchen teil. Zwei Knaben, Wilhem Teigeler und Rudolf Schulte wurden durch Ehrenurkunde ausgezeichnet. Außerdem erhielten dieselben Urkunde [Urkunden] die Mädchen Maria Behler und Elisabeth Beckmann. Im nächsten Jahre sollen diese Kämpfe fortgeführt werden.

 

Der Zeppelin

 

Am 6. September fand eine kurze Zeppelinfeier aus Anlaß der glücklichen Rückkehr von der Weltreise am 4.9. statt. Am Dienstag, 10.9., konnten wir bei schönem Wetter den Zeppelin bei seiner Deutschlandsreise sehen. Von Recklinghausen kommend konnten die Schulkinder die große silberne Zigarre über Erkenschwick fliegend sehen. Die Zechensirenen heulten, wenn der Zeppelin sich zeigte.

 

Nach den Ferien bestätigte sich die Nachricht, daß die Straßenbahn über Horneburg nach Meckinghoven nicht gebaut werde. Von Recklinghausen über Oer nach Erkenschwick wird sie gebaut, nur das "idyllisch gelegene Dörfchen Horneburg" darf nicht von einer Straßenbahn verunziert werden. Das hat das Dorf den "weitschauenden" Gemeindevätern zu verdanken.

 

Gleichfalls kann den Herren gedankt werden dafür, daß bei der allgemeinen Eingemeindung im Ruhrgebiet Horneburg einem großen Dorfe nicht einverleibt wurde. Es wurde beschlossen, daß Horneburg auch künftighin selbständig bleiben solle. Am 1. August wurden die Bewohner der Grenzstraße nach Recklinghausen eingemeindet. Die Zeche "König Ludwig" wollte es haben und so geschah es auch, trotzdem sich die Gemeindeväter dagegen sträubten. Die Schule verliert 15 Kinder. Sie sollen der Schule in Suderwich überwiesen werden. Heute noch sind sie aber noch in Horneburg.

 

Am 30. 9. erhielt die Schule vom Staatsministerium durch den Schulrat Herrn Dr. Brand, Recklinghausen, ein Prämienbuch, anläßlich der 10 jährigen Wiederkehr der deutschen Verfassung "Deutsche Freiheit, deutsche Einigkeit", (40) für den besten Jungen bestimmt. Nun waren z.Zt. zwei tüchtige Schüler, August Otte u. Albert Pühs. Das Los mußte entscheiden. Der Glückliche war Albert Pühs.

 

1929: Weitere Planungen einer Umgehungsstraße

 

Die Gemeindevertretung konnte am 4.10. sich über den Bau einer Umgehungsstraße immer noch nicht schlüssig werden.

 

Am 18.10. wurden 13 Kinder von der Grenzstraße, welche nunmehr zum Stadtbezirk Recklinghausen gehört, der kath. resp. evgl. Schule in Recklinghausen O.6 an der Schulstr. überwiesen. Infolgedessen beträgt jetzt die Schülerzahl 144 - 13 = 131. weniger drei verzogene Kinder 128. Darunter befinden sich nach dem Stand vom 15.10.29 = 9 Gastkinder aus der Ortschaft Rapen, vier Kinder besuchen die Mittelschule in Erkenschwick.

 

Am 28.12.29 beteiligte sich das Mundharmonika-Orchester an der Weihnachtsbescherung im hiesigen Arbeiterverein. Die Darbietungen wurden mit großer Befriedigung aufgenommen. Nachdem das erste, wohlbekannte Weihnachtsliedchen "Stille Nacht, heilige Nacht" verklungen war, rief der Herr Pfarrer Uekötter in den Saal hinein: "Das war wie im Rundfunk.

 

1930.

 

Das Jahr 1930 begann für die Schule mit der Feier des 25 jährigen Ortsjubiläums der Lehrerin Frl. Greve. Am Sonntag, 5.1., fand im Saale des Herrn Berens eine imposante Feier statt, an der sich die ganze Gemeinde beteiligte. Eröffnet wurde die Feier mit dem Liede "Das ist der Tag des Herrn" gesungen vom Cäcilienchor unter Leitung des Organisten Herrn Möller. Darauf folgte die Schule mit ihren Darbietungen. Auch hier war das Mundharmonika-Orchester tätig. Der Hauptlehrer Blazejewski, Herr Pfarrer Uekötter, der Arbeiterverein, der Elternbeirat brachten der Jubilarin ihre Glückwünsche aus. Am 8.1., dem 1. Schultage, fand die Schulfeier statt, an der nur die Schule – Kinder vom 5.-8. Jahrgang –, Herr Pfarrer Uekötter und Herr Lehrer Haerkötter teilnahmen. Vom Schulvorstand war niemand erschienen. –

 

An Stelle des verstorbenen Obstbauinspektors Stiller wurde aus Schlesien Herr Schlesik berufen.

 

Am 15.2. starb in Meckinghoven der Pfarrrektor, Pater Kunibert Pieper, welcher sich einer allgemeinen Liebe u. Wertschätzung erfreute. Am Mittwoch, 19.2., wurde er auf dem neuen Gemeindekirchhof bei Horneburg unter großer Beteiligung der Gemeinde, des Klosters und Vertreter der verschiedenen Behörden beerdigt.

 

(41) Wie in den Vorjahren, so wurde auch in diesem Jahre das alte Jahr beendet. Am 30. März wurde im Berens'schen Saale eine Jahresabschlußfeier mit Entlassung der Kinder – 14 Stück – abgehalten. Die Kinderdarbietungen fanden nach dem beigefügten Programm statt. [Dieser Text fehlt.] Es herrschte neue Luft u. frisches Leben. Alle gingen befriedigt nach Hause. –

 

Am 31.3. fand die Entlassung von 14 Kindern statt. Es war der beste Jahrgang. Von den 8 entlassenen Knaben erhielten 6 ein glattes "Gut". [Die folgenden vier Textzeilen kennzeichnen Minderleistungen einzelner Schüler; sie werden hier nicht wiedergegeben.]

 

Das neue Schuljahr begann nach Ostern. Die Schule zählt jetzt im Ganzen 129 Kinder, darunter befinden sich 6 Kinder, welche fremde Schulen besuchen.

 

Den Tag der Verfassung beabsichtigt die Schule in würdiger Weise zu begehen. Auf Anregung des Schulleiters fanden bereits zwei Versammlungen mit Vereinsvorsitzenden statt mit dem Ergebnis statt, daß alle dafür waren, den Tag gemeinsam zu begehen. Turnerische Darbietungen finden von den Schulkindern und den beiden Turnvereinen statt. Am Schlusse findet der Abmarsch ins Dorf und alle nehmen Aufstellung auf dem Kirchvorplatze statt. Der Gemeindevorsteher soll eine kurze Ansprache halten, die Sieger bekannt geben und ein "Hoch" auf das Vaterland ausbringen. Der Cäcilienchor will einige Lieder zu Gehör bringen.

 

Alles war schön gedacht und zum Teil halb erledigt, aber die Feier von einigen Männern, welche der Schule nahestanden, hintertrieben. Herr Haerkötter meinte, daß in Horneburg eine solche Feier verfrüht sei, die Menschen könnten sie nicht verstehen. Der Gemeindevorsteher pflichtete bei und meinte, daß im nächsten Jahre eine solche Feier möglich sei. In diesem Jahre möge man sich der Veranstaltung des Amtes in Waltrop anschließen. Der Schulleiter bemerkte zu Letzterem, daß die Amtsfeier für die Kinder ohne Nutzen sei. Treu ihrem Versprechen blieb der Turnverein "Deutsche Turner." Er allein wollte mit der Schule eine gemeinsame Feier abhalten. Da ergriff der Herr Ortspfarrer das Wort und warnte den Schulleiter. Beim Antreten auf dem Schulhofe (42) werde bestimmt niemand zugegen sein. Als Zuschauer werden sich wohl mehrere Leute auf dem Sportplatze einfinden.

 

Eine gedachte Feier war nicht möglich, mußte ausfallen. Herr Haerkötter hielt ein Turnfest ab, Frl. Greve beteiligte sich daran. Weil dasselbe nicht ordnungsgemäß angemeldet war, wurde es amtlich nicht anerkannt.

 

1931.

 

Am 7. Januar waren die Weihnachtsferien zu Ende, am 8.1. begann der Unterricht.

 

Am 6. März 1931 fand eine schulärztliche Untersuchung sämtlicher Schulkinder, auch der Schulneulinge statt. Der Schule wurde von der Untersuchung keine Mitteilung gemacht, die Kinder waren völlig unvorbereitet. Der Schulleiter hat sogleich am 7.3. dem Amt eine Mitteilung gemacht und gebeten, daß künftighin derartige Anzeigen nicht unterbleiben, sondern vorschriftsmäßig erfolgen. Wohl hat die Schulschwester am 5.3. nachm. gegen 6 Uhr eine Nachricht durch eine dritte Person zukommen lassen, jedoch war auch diese Meldung zu spät. Die Schulneulinge sind rechtzeitig benachrichtigt worden, die Schule hatte scheinbar keine Nachricht nötig. –

 

Am 5.3. war der Gemeindevorsteher Elfert mit dem Amtsbauinspektor Terloh in der Schule und [wir] besprachen mit ihm die Anbringung der Kletterstangen am Schulgebäude. Der Schulleiter brachte die Neudeckung des Schulhofes mit Zechenasche in Erinnerung und die Anschaffung der beantragten Schultafeln und die Reparatur der Schulflure. Die Reparatur der Fliesen soll erfolgen, die Beschaffung der Schultafeln wird bis zum neuen Rechnungsjahre vertagt mit dem Bemerken des Gemeindevorstehers, daß im laufenden Regierungsjahre keine Mittel mehr zur Verfügung ständen, obwohl der Schulleiter ziemlich genau weiß, daß von den bewilligten 200 M erst 15 M verbraucht worden sind. Wo sind die 185 M geblieben? Diese wurden später vollständig gestrichen. Schon im Jahre 1929 habe ich zu Sparmaßnahmen gemahnt, aber einen kleinen Betrag für die wichtigsten Anschaffungen verlangt, man hat auf mich nicht gehört, sondern man hat mich verlacht. Heute hat man der Schule gar nichts bewilligt.

 

An Stelle alter Bäume im Schulgarten pflanzte ich zwei junge, einen Winterapfel "Apfel aus Eronsel [?]" und eine Winterbirne "Neue Poitor" gekauft aus der Baumschule von Bernh. Lackmann aus Olfen (Westf.).

 

Am 1.2.31 war der Stand der Schule folgender: 1. Knabenklasse: 33. 1. Mädchenklasse: 45. 2. Klasse: 43. Sa. 121. Ausgeschulte Kinder nach Rapen waren 2 Stück: 1. Amanda Hoppenheid. 2. Hermann Kalthofer, beide evangelisch. (43) Eingeschulte aus Hagem: Wilhelm Kottmann. Kinder, welche andere Schulen besuchen:

 

  1. Anna Elfert u. Wilhelm Elfert = 2 Stück. Mittelschule Erkenschwick.
  2. Walter u. Maria Schlesig = 2 Stück. Realschule Datteln.
  3. Wilhelm Krause u.
  4. Wilhelm Goos = 2 Stück. Mittelschule Erkenschwick.
  5. Anton Brinkmöller = 1 Stück. Missionsschule in Rheine [St. Arnold, Neuenkirchen, Steyler Missionare].

 

Dadurch erhöht sich die Schülerzahl um 8 Kinder, die Gesamtzahl beträgt 129 Kinder. Bei der Jahresnachweisung am 20.4.[31] beträgt die Gesamtzahl der Kinder 137. Am 1.5.31 betrug sie wieder 133.

 

Epidemien

 

Im April wurde in die Ortschaft aus Suderwich der Scharlach eingeschleppt. Zwei Kinder starben daran. Am 20.4. fehlten schon mit den Erkrankten und Beurlaubten 24 Kinder. Aus diesem Grunde wurde die Schule vom 20.-30. Mai geschlossen. Eine kurze Zeit nach Wiederaufnahme der Schule brach der Scharlach erneut aus. Ende Juni fehlten schon 33 Kinder in der Schule. Der Schulvorstand hat sich daher entschlossen, die Herbstferien zu teilen und vorverlegen. Die Sommerferien wurden vom 1.-30 Juli, die Herbstferien vom 1.-12. Oktober festgesetzt. Nach diesen Ferien trat eine kurze Pause ein. Jetzt setzte eine Masernepidemie ein. Glücklicherweise starb nur ein schulpflichtiges Kind, ein äußerst begabter Knabe, Sohn des Oberpolizeimeisters Robert Heyer. Es war Walter Heyer, ein lieber Junge, der seinen Eltern durch Erkältung der Masern frühzeitig entrissen wurde. Er starb im Krankenhause zu Recklinghausen und wurde in Recklinghausen-Süd beerdigt. Weil der Arzt eine Übertragung der Krankheit als ausgeschlossen bezeichnete, nahmen die Knaben der Ober- Mittel- u. Unterstufe an der Beerdigung teil. Es wurde auch von diesen Knaben ein schöner Kranz gestiftet. Zwei Autos brachten Schüler und Lehrer hin, um 9½ Uhr waren alle zurück und der planmäßige Unterricht begann. Acht Tage später verließ Herr Heyer infolge Versetzung die Ortschaft und amtiert jetzt in Gelsenkirchen-Rotthausen. Sein Nachfolger wurde Herr Polizeimeister Koch, ein geborener Schlesier. Er war vor dem Weltkriege längere Zeit bei der Polizei in Graudenz, Westpreußen, jetzt Polen. –

 

Die dritte Notverordnung sollte auch durch Abbau von Lehrpersonen eine Änderung an der Schule bringen, aber die Schulbehörde, (44) insbesondere Herr Schulrat Dr. Brand und auch der Bürgermeister Brockhausen aus Waltrop, waren gegen jeglichen Abbau. Die Schule hatte genügend Kinder. Die 4. Notverordnung vom 8. Dezember 1931 brachte aber einen Abbau. Der Hauptlehrer Blazejewski, welcher bereits 62 Jahre alt ist, muß in den Ruhestand versetzt werden.

 

In der Zeit vom 22. November bis 22. Dezember waren die Kinder des Lehrers Haerkötter an Masern erkrankt. Weil die Erkrankten zu Hause blieben, mußte Herr Haerkötter 4 Wochen lang vom Unterricht entfernt werden. Die Vertretung hatte der Hauptlehrer und die Lehrerin Frl. Greve.

 

1932.

 

Nach den Weihnachtsferien begann der Unterricht am 9. Januar. Nun sah es aus, als hätte die Schule Ruhe in Bezug auf ansteckende Krankheiten erhalten. Nur zu kurz war die Freude. Es brach Diphtherie und wieder Scharlach aus. Nur ein dreijähriges Kind des Maurers und Bergmanns Hermann Breukmann wurde von der Krankheit hingerafft. Aber auch die Kinder des Lehrers Haerkötter wurden an Diphtherie krank. Am 30.1.32 wurde der Schule Mitteilung gemacht, daß die verbliebenen Lehrkräfte, – der Hauptlehrer und die Lehrerin Greve, den beurlaubten Lehrer Haerkötter, vertreten sollen. In keinem Falle ist eine Vertretung angenehm, aber was hilft es, die Kinder dürfen nicht auf der Straße liegen. Die Vertretung soll bis zum 1. März dauern. Das Amt hat auf Ersuchen des Lehrers Haerkötter beim zuständigen Kreisarzt Schritte wegen Kürzung der Zeit getan. Eine Antwort fehlt zur Zeit. Diese kam etwas später, aber nicht im gedachten Sinne, sondern, daß er 4 Wochen, also bis zum 1. März bleiben mußte. –

 

Auf Grund der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 ist der Hauptlehrer Blazejewski vom 1. April 1932 ab in den Ruhestand versetzt worden. Er war hier 10 Jahre weniger einen Monat. Er verzieht nach Berlin-Steglitz. Wer sein Nachfolger werden soll ist unbekannt. Es liegt die Möglichkeit vor, daß wieder ein Lehrer aus der Ostmark kommt. Für Herrn Haerkötter ist vieles unternommen worden, um ihn für die Hauptlehrerstelle zu bekommen, aber scheinbar mit keinem Erfolg.

 

Meinem Nachfolger wünsche ich mehr Glück und mehr Frieden, als ich es selbst hatte, mag es ihm gelingen, eine dreiklassige Schule mit drei aufsteigenden Klassen zu erreichen.

Hier schließe ich die Chronik am 22.3.32.

Blazejewski.

Hauptlehrer.

 

(45) [Handschrift der Lehrerin Frl. Josepha Greve oder des Vertretungslehrers Averdung.] Die Hauptlehrerstelle blieb zu Anfang des neuen Schuljahres unbesetzt. Als 3. Lehrkraft kam Herr Averdung aus Buer nach hier, der in der I. Knabenklasse unterrichtet. Am letzten Schultage hatte eine kurze, aber herzlich gehaltene Abschiedsfeier in d. Schule zu Ehren des scheidenden Hauptlehrers stattgefunden.

 

Jubiläen der Landwirtschaftsschulen

 

Am 14. Juli hatte Horneburg einen großen Tag. Die westfälische u. darüber hinaus große Kreise der westdeutschen Landwirtschaft gaben sich auf dem Schlosse ein großes Stelldichein, um mehrere Jubiläen unserer hiesigen landwirtschaftlichen Lehranstalten zu begehen, nicht zuletzt aber, um bei der Einweihung eines Ehrenmals für die im Weltkriege gefallenen ehemaligen Schüler, geschaffen von dem münsterischen Künstler Mazotti, mit dabei zu sein. Es war eine Wiedersehensfeier großen Stils, denn seit 35 Jahren besuchen junge Landwirtssöhne die Lehranstalten, seit 25 Jahren ließen sich junge Landwirtstöchter in die Geheimnisse des Haushaltes einweihen u. jetzt, nach 10 Jahren der Gründung des Vereins ehemaliger Horneburger, hatten sich weit über 1000 frühere Schüler u. Schülerinnen eingefunden, um die Jubiläen ihrer Schule zu feiern – u. der toten Brüder zu gedenken. Nach dem Festgottesdienst, den der Cäcilienverein durch Darbietungen verschönte, fand die Denkmalsweihe statt. Sie begann mit einer feierlichen Musik aus Parzival, gespielt von der Schupokapelle Recklinghausen. Herr Landrat Schenking nahm dann das Denkmal in den Schutz u. die Obhut des Kreises. Nach Besichtigung des Schlosses u. der neuen gärtnerischen Anlagen wurde in dem extra erbauten Zelte, das prächtig mit den westfälischen, preußischen u. vestischen Farben geschmückt war, das Mittagsmahl eingenommen. Eine in allen Farben erstrahlende Polonaise, deren bunte Lichterfülle besonders die Anziehungskraft unserer Schulkinder bildete, gab abends um 9 Uhr den Auftakt zu dem folgenden Tanzvergnügen.

 

(46) In 13 Jahren ist keine Chronik geführt worden. Es folgt eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse dieser Zeit.

 

Vom 1. Oktober 1932 bis zu seinem Tode am 26. September 1944 amtierte Herr Wilhelm Schmidt aus Zeitz hier als Hauptlehrer. Er war geboren am 15. Januar 1884 zu Mülhausen in Thüringen. Bis zu seiner Versetzung nach Horneburg war er auf dem Eichsfelde tätig gewesen. Bald nach seinem Amtsantritt wurde die seit langen Jahren hier bestehende 2 klassige Schule in eine 3 klassige umgewandelt.

 

Am 19. April 1936 starb der 2. Lehrer Herr Heinrich Haerkötter nach einer kurzen Krankheit. Seine erste Lehrertätigkeit war in Bockum bei Datteln von 1910-1919. Im Jahre 1919 wurde er nach Horneburg versetzt. Herr Haerkötter hatte besonderes Interesse für die Heimatforschung.

 

An seine Stelle trat am 1. Mai desselben Jahres Herr Lehrer Theodor Eggenstein. Am 9. Januar 1941 mußte dieser dem Rufe der Fahne folgen. Er fiel in den schweren Kämpfen in der Normandie am 20. Juli 1944 und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof zu Dozula [Dozulé]. Herr Eggenstein war am 2. April 1903 in Drensteinfurt geboren. Vor seiner Anstellung in Horneburg war er 1 Jahr an der Schule in Burlo [Borken].

 

Schule Horneburg 1937.

 

Lehrer Theodor Eggenstein, Schülerinnen und Schüler, Horneburg 1937.

 

Allen drei Kollegen sei an dieser Stelle ein herzliches Gedenken gewidmet. Ihr Andenken wird in der Schule und in der Gemeinde stets in Ehren gehalten werden.

 

(47) Vom Januar 1941 bis zum Nov. 1943 mußte die Klasse des Herrn Eggenstein vom Hauptlehrer Schmidt und der Lehrerin Greve durchgezogen werden. Am 17. Nov. wurde die Lehrerin Frl. Anna Barella aus Recklingh. Süd nach hier beordert.

 

Am 14. April 1944 erkrankte Herr Hauptl. Schmidt. Seine Vertretung übernahm am 22. Mai Herr Lehrer Otto Müller aus Recklinghausen. Beide Lehrkräfte blieben bis Ostern 1945 an der Schule.

 

Mit dem 3. Januar 1945 war die Lehrerin J.Greve 40 Jahre hier tätig. Trotz des schweren Unglücks, das einige Tage vorher, am 29. Dez., über unser Dorf gekommen war u. unter dessen Eindruck noch alle Bewohner standen, hatte es sich die Schule u. Gemeinde nicht nehmen lassen, die Jubilarin durch Gedichte, Ansprachen u. kl. Geschenke zu ehren. Auch der Ortspfarrer, Herr P.Uekötter, war unter der Zahl der Gratulanten.

 

Die lange Kriegszeit brachte viel Unruhe in die Schule hinein. Besonders schlimm waren die letzten Jahre. Der Ruf der Sirene ließ keinen ersprießlichen Unterricht mehr aufkommen. Dauernd mußten die Luftschutzräume aufgesucht werden. Am 2. Ostertage (2. April) zogen die amerikanischen Truppen in unser Dorf ein. Die Häuser wurden belegt und auch die Schule erhielt Einquartierung. Die Bänke wurden durch die Fenster des 2. Stocks auf die Erde befördert. Die Landkarten u. Tabellen fand man stark beschädigt im Schulgarten wieder. Der Schreinermeister Peveling soll versuchen, die noch erhaltenen (48) Teile zu neuen Bänken umzuarbeiten. Vorläufig haben die unbeschädigten Bänke der alten Schule in der neuen Aufstellung gefunden. Nach Abzug der Truppen standen die Klassenräume eine Zeit offen, da die Schlösser nicht mehr gebrauchsfähig waren. So erklärt es sich, daß viele Lehrmittel u. Bücher abhanden gekommen sind.

 

[Handschrift des Lehrers Otto Skibinski.] Am 1. Februar 1947 wurde der Hauptlehrer Otto Skibinski mit der Leitung der Schule Horneburg beauftragt. Skibinski ist Ostvertriebener u. wohnte die ersten 3 Monate bei dem Metzgermeister Hubert Hoppmann, da die Dienstwohnung von der Witwe des im Sept. 1944 verstorbenen Hauptlehrers u. ihrem verheirateten Sohne besetzt war. Am 1. Mai 47 wurden die Küche u. zwei Räume nach langem Verhandeln freigemacht. Die Witwe hat nach mehr als Jahresfrist noch immer Wohnzimmer, Schlafzimmer u. eine Küche mit 2 Personen inne, während dem Hauptlehrer nur 2 Schlafzimmer u. eine Küche für 4 Personen zur Verfügung stehen.

 

Im März 1947 feierte der hier allseitig beliebte Ortspfarrer Uekötter sein 25 jähriges Pfarrjubiläum, das von der ganzen Gemeinde festlich begangen wurde. Auch die Schule beteiligte sich mit einer Veranstaltung, die im Klassenraum der Oberklasse abgehalten wurde.

 

Im Sommer erkrankte Fräulein Lehrerin Greve u. wurde längere Zeit von Lehrer Kubatschuk aus Erkenschwick vertreten. Am 1. Nov. erkrankte Frl. Greve aufs Neue u. Skibinski führte bis Mitte Dezember die Schule allein. Nach dem 15.12. sandte die Regierung zwei Schulamtsbewerber hier her, Fräulein Elisabeth Ohnesorg aus Gelsenkirchen u. Herrn Heinrich Roßbach aus Gladbeck. Nun konnte der Unterricht wieder dreiklassig normal erteilt werden. Ober- und Mittelklasse wurden vormittags unterrichtet, da die sogenannte Mädchenschule noch wegen Kriegsschäden nicht benutzbar ist.

 

Vor den Osterferien veranstaltete die Oberklasse im Saale von Berens einen Elternabend, der (49) gleichzeitig als Entlassungsfeier gedacht war. (35 b)

 

Vortragsfolge am 21. III. 48.

Gedichte.

"Du hast ein Vaterland." v. E. M. Arndt.

"Lied des Bauern" v. Mathias Claudius.

"Verluste gering" v. Peter Rosegger

"Winteraustreiben" v. Ad. Holst.

Theaterstück:

"Auf dem Gemüsemarkt" (für 3 Mädchen.)

Gedichte.

"Der Zauberlehrling." v. J. W. v. Goethe.

"Umzug." Gustav v. Falke.

"Die Butter" Alois Jos. Ruckert

Theaterstück.

"Kasperl bei der Schulprüfung"

4 Hauptpers. Schüler.

 

(49) Am 9. März spendete Weihbischof Rohloff [Roleff] aus Münster in der hiesigen Pfarrkirche das Sakrament der hl. Firmung. Der Tag gestaltete sich zu einem Festtag für das ganze Dorf. Es war die erste Firmungsfeier nach dem Zusammenbruch der Naziherrschaft.

 

Am 1. Juni 1948 trat Fräulein Josefa Greve in den verdienten Ruhestand. Sie wurde am 3. Juli 1948 65 Jahre alt. Ihr Abschied wurde am Peter-Paul-tage in Form eines Elternabends gefeiert. Die Gemeindevertretung hatte dazu eingeladen. Herr Schulrat Duhme aus Herten war auch erschienen u. würdigte die Verdienste der Scheidenden in einer längeren Ansprache. Der Kirchenchor umrahmte die Feier mit mehreren gut vorgetragenen Chören. Die Oberklasse führte zwei Theaterstücke "Hänsel u. Gretel" u. "Pestalozzi" auf, die auch regen Beifall fanden. Die Gemeinde überreichte der Lehrerin ein von einem einheimischen Künstler gemaltes Ölgemälde. Redner des Abends waren außer dem Herrn Schulrat noch der Herr Bürgermeister, der Herr Pastor, zwei ehemalige Schüler u. der Hauptlehrer. Fräulein Greve hatte das seltene Glück, 43 Jahre ununterbrochen an der hiesigen Gemeinde tätig zu sein. (35 a)

 

Ehrenabend für Fräulein Josefa Greve

 

  1. Eröffnung durch Herrn Bürgermeister Elfert.
  2. Lied: Die Ehre Gottes L. v. Beethoven (Cäcilienchor)
  3. Ansprache des Herrn Schulrats Duhme.
  4. Reigen der Jugendgruppe
  5. Ansprache des Herrn Bürgermeisters Elfert.
  6. Ansprache des Herrn Amtsdirektors Dellwig.
  7. Reigen der Jugendgruppe.
  8. Ansprache eines ehemaligen Schülers u. einer Schülerin.
  9. Lied: Lebe wohl v. Friedrich Silcher (Cäcilienchor)
  10. Ansprache des Herrn Pastors Uekötter.
  11. Gedicht (vorgetragen von drei Mädchen)
  12. Ansprache des Herrn Schulleiters Skibinski.
  13. Zwei Theaterstücke a) Hänsel und Gretel
                                    b) Pestalozzi
  14. Lied: Abendchor aus "Das Nachtlager von Granada" (Cäsilienchor) Konradin Kreutzer.

 

Die Währungsreform

 

(49) Am 21. Juni 48 trat die langersehnte oder auch gefürchtete Währungsreform in Kraft. Für jeden Einwohner mußten 60 alte Reichsmark eingezahlt werden. Dafür wurden sofort 40 DM umgetauscht. Die restlichen 20 DM sollen innerhalb von 2 Monaten gezahlt werden. Das neue Geld hat ungeahnte Schätze an Waren jeder nur denkbaren Art ans Tageslicht gefördert. Über Nacht war in allen Geschäften ein "Tischlein deck dich" aufgemacht. Die Waren waren gehortet, u. der einfältige Käufer muß jetzt seine kostbaren DM dafür zahlen. Leider stiegen die Preise enorm an u. zwar auf allen Gebieten. Es ist Zeit, daß die Regierenden diesem Tun (50) Einhalt gebieten.

 

Die Blockade Westberlins

 

Die politische Lage ist z.Zt. sehr ernst. Rußland hat den Verkehr zwischen den Berliner-Westsektoren u. Westdeutschland auf dem Landwege gänzlich unterbunden. Die westl. Alliierten versorgen Berlin auf dem Luftwege. Über 400 Flugzeuge bringen täglich Lebensmittel, Medikamente u. sogar Kohle nach Berlin. Wie lange dieser Zustand anhalten wird, wie es ein Ende nehmen wird, ist z.Zt. noch nicht abzusehen.

 

Nikolausfest

 

Am 5. XII. fand in Horneburg ein großes Nikolausfest statt. Nachmittags gegen fünf Uhr erschien ein prächtiger Nikolaus hoch zu Roß vor der Kirche, wo sich fast die ganze Gemeinde versammelt hatte. Zwei Meßdiener, Ruprecht u. ein Engel, alle hoch zu Roß begleiteten ihn.

 

Der Herr Pfarrer empfing ihn mit einer Ansprache, worauf der Nikolaus aus einem großen Buch den Kindern ihre Sünden vorhielt. Dann setzte sich der Nikolauszug in Bewegung. Eine Musikkapelle spielte alle Nikolauslieder u. die Kinder sangen mit. Nach einem Umzug durchs ganze Dorf ging es zurück zur Kirche, wo ein Gebet für die Vermißten u. Gefangenen verrichtet wurde. Darauf erhielt jedes Kind in der Sakristei einen großen Stutenkerl. Am nächsten Tage wurden in der Schule die Fackeln prämiert, wobei schöne Preise verteilt wurden.

 

Am 11. Dez. wurde die Schule von Regierungsrat Prott aus Münster besucht.

 

Am 16. I. 1949 fand in Horneburg eine öffentliche Elternversammlung statt, wobei ein Pater für der Erhaltung der katholischen Schule sprach. Leider war die Versammlung nur von 26 % der Erziehungsberechtigten besucht.

 

Im Sommer 1949 machte die Oberklasse eine Wanderfahrt ins Sauerland bis zur Dechenhöhle u. die Hohe-Syburg.

 

Ostern 1949 wurde Lehrer H.Roßbach nach Gladbeck versetzt. Da er dort keine Wohnung bekommen konnte, wurde er am 1. XI. 49 wieder nach Horneburg zurück versetzt. Frl. E.Ohnesorg wurde zu Ostern 49 nach Recklinghausen-Süd (51) versetzt. Aus Bottrop kam Frl. Siedhoff Anny an ihre Stelle. Für Herrn Roßbach kam Herr H.Albring, der im Herbst wieder nach Gelsenkirchen ging. Zwischendurch wurde Frl. Siedhoff, da sie einen längeren Krankheitsurlaub hatte, von der pens. Lehrerin Frl. Greve vertreten.

 

Am 1.4.1950 wurde Hauptlehrer Otto Skibinski nach Gladbeck versetzt.

 

[Handschrift des Hauptlehrers Schröter:]

 

Schuljahr 1950/51.

 

Mit Wirkung vom 1. April 1950 wurde ich mit der Leitung der dreiklassigen Volksschule in Horneburg beauftragt. Ich bin am 19. September 1905 in Lotzkopp [?] bei Danzig geboren. Bis zum Ende des Krieges war ich Lehrer der einklassigen kath. Volksschule in Grüsen [?] bei Danzig. Anfang 1941 wurde ich Soldat. Ich war bis zum Kriegsende als Funker im Einsatz im Osten. Mit Kriegsende kam ich nach Aufgabe der Stadt Stettin während des Rückzuges in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach der Entlassung zu Weihnachten 1945 war ich bis zum September 1946 als Tiefbauarbeiter bei einer Rendsburger Tiefbaufirma tätig. Am 1. September 1946 erhielt ich den Auftrag, in dem Flüchtlingslager Jagel bei Schleswig, in dem ich mich aufhielt, eine Schule einzurichten. Die Schule leitete ich bis zum Ende September 1947. Wegen der ungünstigen Aussicht, nach Auflösung des Lagers als krg. [kriegsgeschädigter?] - Lehrer in Schleswig-Holstein eine Stelle in einer Dorfschule zu bekommen, bemühte ich mich um eine Lehrerstelle in Westfalen. Mit Wirkung vom 1. Oktober 1947 wurde mir die Verwaltung einer Lehrerstelle in der Gemeinde Barlo bei Bocholt übertragen. Nach etwa einjähriger Tätigkeit übernahm ich auf besonderen Wunsch der Regierung die kommissarische Leitung der Volksschule in Ramsdorf im Kreis Borken (16 Klassen). An dieser Stelle war ich vom 1. Oktober 1948 bis 31. März 1950. Weil ich dem früheren Rektor dieser Schule, der im Zuge der Entnazifizierung seine Stelle hatte aufgeben müssen, sich aber mit allen Mitteln um die Einsetzung in seine frühere Stelle bemühte, (52) nicht im Wege sein wollte, nahm ich das Angebot der Regierung und der Gemeinde Horneburg an und stimmte meiner Versetzung nach Horneburg zu. Angebote, die mir vorher gemacht worden waren (Hauptlehrerstelle in Albachten bei Münster, Rektorstelle in Borken, Rektorstelle in Alstätte, Rektorstelle in Rheine) konnte ich nicht annehmen, weil keine der Gemeinden in der Lage war, mir eine Wohnung zu geben. Wenn man bedenkt, daß ich während des Krieges, während der Zeit der Kriegsgefangenschaft und nachher bis zum  Sommer 1949 fast ununterbrochen nicht mit meiner Familie zusammenwohnen konnte, wird man es verstehen, daß ich angebotene bessere Stellen ablehnte.

 

Am 19. September 1950 fand meine Einführung als Hauptlehrer statt. Zu der in der früh stattfindenden Feier hatte Herr Schulrat Heuer neben dem Kollegen Roßbach den Herrn Pastor, den Herrn Bürgermeister und die Mitglieder des Schulvorstandes eingeladen. Im Anschluß fand ein Zusammensein in der Wohnung statt. Die Familie des Kollegen Skibinski blieb noch bis zum Oktober in der Dienstwohnung. Ich hatte während dieser Zeit die von den bisherigen Bewohnern, Familie Mosler, bewohnten beiden Zimmer im ersten Stockwerk als Wohnzimmer und Küche, dazu ein Wohnzimmer und ein kleines Zimmer für meine beiden Kinder. Nach der Räumung der Dienstwohnung erhielt ich von der Dienstwohnung des Hauptlehrers drei Zimmer und die Küche.

 

Die Lehrerin Siedhoff konnte nach den Sommerferien aus Krankheitsgründen den Dienst nicht antreten. Frl. Siedhoff war bis zum Ende des Jahres nicht dienstfähig. Sie wurde am 1. Januar 1951 nach Gladbeck versetzt. Am 15. Januar wurde Frl. Kleygrewe von Waltrop nach Horneburg versetzt. Von den Sommerferien bis Mitte Januar 1951 erteilt Herr Roßbach im 1.-4. Schuljahr den Unterricht, ich nehme den 5. Jahrgang zu den Klassen der Oberstufe.

 

Die hiesige Schule zählte zu Anfang des Schuljahres 1950/51 124 Schulkinder. Kl. I (1.-3. Jhrg.) = 43; Kl. II (4. u. 5. Jahrgang) = 40; Kl. III (6.-8. Jhrg.) = 41 Kinder. Davon waren 18 Kinder evangelisch. Den evgl. Religionsunterricht erteilte Herr Diakon Platte. Eingeschult wurden 15 Kinder. Am Schluß des Schuljahres wurden 17 Schulkinder entlassen; ein Mädchen bestand die Aufnahmeprüfung für die Oberstufe (Christel Brüning), der Schüler Albert Ziegler die Prüfung für die Mittelstufe, die Schülerin (53) Maria Mosler die Prüfung für die Handelsschule. Die Schülerzahl ist stark abgesunken (110 Schulkinder). Für das neue Schuljahr ist eine Neugruppierung der Klassen notwendig. (Kl. I (1. u. 2. Schuljahr, 28 Kinder, Lehrerin Kleygrewe), Kl. II (3., 4. u. 5. Schuljahr, 38 Kinder, Lehrer Roßbach; Kl. III (6.-8. Schuljahr, 44 Kinder, Hauptlehrer Schröter).

 

Zu Beginn des Schuljahres war Schulrat Knauschner aus Marl Vertreter für den erkrankten Schulrat Duhme. Am 1. Mai 1950 übernahm Herr Heuer, bisher Rektor in Recklinghausen, die kom. Verwaltung des Aufsichtsbezirks Recklinghausen-Land I. Herr Heuer wurde am 1. Januar 1951 von Herrn Bünger, bisher Rektor in Mühlheim, abgelöst. Herr Duhme starb am 12. Juli 1950. Die Beerdigung fand am 15. Juli in Herten statt.

 

Während des Schuljahres 1950/51 wurde eine Reihe von Instandsetzungen durchgeführt. Zur Absperrung des Schulhofes zum Dorfe wurde eine Buchenhecke angepflanzt und zu deren Schutze ein einfacher Drahtzaun gebaut. Die Fliesen in unserem Schulflur wurden zu einem Teil neu verlegt. Im Laufe der Zeit haben sich allerdings einige Fliesen gelockert. Die fehlenden Scheiben, besonders an den Kellerfenstern, wurden eingesetzt. Die beiden Kellertreppen wurden repariert. Die Schulbänke in allen drei Klassenräumen wurden repariert. Eine Reihe der Klappsitze war aus der Verschraubung gekommen. Das Lehrerzimmer im Erdgeschoß wurde renoviert, einsch. Fenster u. Tür. Die beiden Zimmer im ersten Stock wurden ebenfalls im Anstrich renoviert. Der Treppenrost vor dem Haupteingang, der lange Zeit beschädigt war, während der Zeit, wohl mindestens zwei bis drei Jahre, wurde der hintere Eingang benutzt, wurde erneuert. Die im Klassenraum der Oberstufe fehlenden Lampenglocken wurden beschafft. Im Klassenraum der Mittelstufe wurde eine zweite Lampe angelegt, ebenso eine Lampe im unteren Schulflur. Die Außenbeleuchtung wurde instandgesetzt. Die beiden Außenfenster [?] in der Küche der Dienstwohnung des Hauptlehrers wurden erneuert, der Herd der Küche wurde gründlich in Ordnung gebracht. In der Dienstwohnung im Gebäude in (54) der Hauptstraße wurden vier Fenster erneuert. Der Steinbelag des Hofes des Hauptgebäudes wurde in Ordnung gebracht. Für das Lehrerzimmer wurden zwei einfache Bänke beschafft. Die Bänke waren für die Erteilung des evgl. Religionsunterrichtes besonders notwendig.

 

Neben einigen Büchern für die Lehrerbücherei und die Schülerbücherei wurden nachstehende Sachen gekauft: 1 Wandkarte von Nordrhein-Westfalen, 1 Lehrkoffer für Chemie, 1 Lehrbaukasten "Mechanik", 1 Kosmos-Baukasten "Optik", 1 Fußball, 1 [?], 1 Verbandskasten, 1 Druckhexe.

 

Das Schuljahr 1950/51 begann am 19. April, die Pfingstferien dauerten vom 26. Mai bis 6. Juni, die Sommerferien vom 25. Juli bis 20. August, die Herbstferien vom 16. September bis 2. Oktober, die Weihnachtsferien vom 22. Dezember bis 9. Januar. Das Schuljahr schloß am 21. März 1951.

 

Am 19. Oktober 1950 besichtigte Herr Schulrat Heuer die Klasse der Oberstufe, am 17. März 1951 Herr Schulrat Bünger die Klasse der Mittelstufe.

 

In den letzten Tagen vor den Sommerferien machte die Oberstufe einen Autoausflug zum Hönnetal, zur Möhnetalsperre und zur Dechenhöhle, die Mittelstufe fuhr mit Herrn Roßbach durch das Münsterland, Besichtigung einer Reihe von Wasserburgen. In den letzten Tagen der Sommerferien machte ein Teil der Schulkinder auf Einladung des Herrn Pastors eine Fahrt nach Telgte, Münster, Nordkirchen.

 

Am 16. November 1950 fand eine Kreislehrertagung in Henrichenburg statt. Am 30. Oktober 1950 war eine Besichtigung der Schulfachausstellung in Düsseldorf durch die Schulleiter des Bezirks. Am 3. Februar 1951 war die Vereidigung der Lehrkräfte des Bezirks in Datteln. Am 15. März 1951 sprach der Bischof von Münster zu den Lehrkräften des Dekanats Datteln.

 

Am 25. Oktober 1950 fand die ärztliche Untersuchung der Entlaßschüler im Gesundheitsamt Waltrop statt (Röntgenuntersuchung der Brust). Am 2. Februar 1951 war die Untersuchung der Schulanfänger. Am 9. Februar und am 9. März war je eine Impfung gegen Scharlach. Obwohl die Impfung freiwillig war, betrug die Beteiligung fast 100 %.

 

Wegen der Kohlenknappheit wurde von einer größeren Weihnachtsfeier abgesehen. Es fand eine einfache Feier in der Schule statt. Ebenso war die Entlassungsfeier einfach gehalten.

 

(55) In dem Leben des Dorfes sind außergewöhnliche Ereignisse nicht zu verzeichnen. Am letzten Sonntag im April wurden die drei Häuser der Kettelersiedlung in der Kreuzstraße eingesegnet. Am Abend des 1. Mai fand in der Gastwirtschaft Berens die Maifeier des Arbeitervereins statt. Die Erstkommunion der Kinder war am 18. Mai (7 Jungen, 4 Mädchen). Am letzten Sonntag im August veranstaltete der Kolpingverein ein Sommerfest. Der Reinertrag diente der Finanzierung des Nikolaustages. Am 21. November wurde im Schloß Horneburg eine landw. Berufsschule für Mädchen eingerichtet. (26 Schülerinnen, Internat für 8 Mädchen). Die Weihnachtsfeier des Kolpingvereins war wie immer am zweiten Weihnachtstag.

 

Die Kinder der Oberstufe hatten für bedürftige Menschen vier Weihnachtspakete im Gewicht von je 13 bis 14 Pfund gepackt. Ebenso verschickten die Kinder der Mittelstufe Weihnachtsgaben.

 

Der Winter 1950/51 brachte eine große Knappheit an Kohlen. Viele Schulen mußten zeitweise den Unterricht kürzen oder ausfallen lassen. Zur Ersparnis von Brennstoff erhielt die erste Klasse vom 19. Januar bis 1. März nachmittags Unterricht im Klassenraum der Mittelstufe.

 

Im Laufe des Jahres zeigte sich auf allen Gebieten eine zunehmende Preissteigerung. Die von allen Beamten längst erwartete Gehaltserhöhung ist bis jetzt ausgeblieben. Lediglich erhielten die Beamten, deren Grundgehalt 350 DM nicht übersteigt, eine Teuerungszulage von 20 DM monatlich. Seit dem ersten Februar 1951 erhalten sämtliche Beamte diesen Zuschlag.

 

Horneburg, den 27. März 1951.

Schröter, Hauptlehrer. (56)

 

Schuljahr 1951/52.

 

Die hiesige dreiklassige Schule zählte zu Beginn des Schuljahres 1951/52 110 Schulkinder, 59 Jungen und 51 Mädchen. Eingeschult wurden 15 Kinder, 8 Jungen, 7 Mädchen. Die 1. Klasse, das 1. u. 2. Schuljahr umfassend, zählte 30 Kinder, Klassenlehrerin Frl. Kleygrewe. Die 2. Klasse, 3.-5. Schuljahr, 36 Kinder zählend, wurde von dem Lehrer Roßbach geführt. Die 3. Klasse, 6.-8. Schuljahr, zählte 44 Kinder; Klassenlehrer Hauptlehrer Schröter. Von den 110 Schulkindern waren 10 evangelisch. Der Religionsunterricht für die evangelischen Kinder wurde auch in diesem Schuljahr von dem Diakon Platte erteilt.

 

Am Schluß des Schuljahres zählte die Schule 110 Kinder. Zur Entlassung kamen 17 Kinder, 11 Jungen und 6 Mädchen, davon 13 aus der Abschlußklasse, 3 aus dem 7. Schuljahr und 1 aus dem 6. Schuljahr. Drei Entlaßschüler hatten sich zur Aufnahmeprüfung für die Handelsschule in Datteln gemeldet, Alois Kottmann, Hans Günter Kujawa und Hans Warnke; alle drei Bewerber bestanden die Aufnahmeprüfung. Der Schüler Siegfried Eggenstein meldete sich zur Aufnahmeprüfung für die Oberschule in Datteln; auch er bestand die Prüfung. Das Schuljahr schloß am 29. März 1952. Die Entlassung der Schulkinder fand in einer kurzen Schulfeier am 26. März statt. Bis auf einen Schüler konnten alle entlassenen Jungen den Eintritt in den gewählten Beruf verwirklichen.

 

Am 1. Juli 1951 übernahm wieder Herr Heuer als komm. Schulrat den Schulaufsichtsbezirk Recklinghausen-Land I. Herr Bünger wurde ins Kultusministerium berufen. Am 27. Juli besichtigte Herr Schulrat Heuer die Klasse des Lehrers Roßbach. Am 23. Oktober fand die 2. Prüfung des Lehrers Roßbach statt. Den Vorsitz führte Herr Reg.-Rat Stock. Anwesend waren Herr Schulrat Heuer und Herr Rektor Biermann. Unterrichtsfächer waren Religion, Deutsch und Rechnen. Herr Roßbach bestand die Prüfung. Das Ergebnis der Prüfung wurde durch den schlechten Gesundheitszustand des Kollegen beeinflußt.

 

Vom 8.-22. Oktober 1951 war der Student der Pädagogik, Herr Sonntag, zur Ableistung des Landschulpraktikums an der hiesigen Schule tätig. Herr Montag [Sonntag] übernahm für diese Zeit den Unterricht in der Klasse des 6.-8. Schuljahres.

 

Neben einigen kleinen Wanderungen führte die Oberstufe am 19. Juli eine größere Schulwanderung durch. Die Hohensyburg, die Burg Altena und die Glörtalsperre wurden besucht. Fußwanderungen durch Teile des Sauerlandes erschlossen den Kindern die Schönheiten dieser Landschaft. Die Kinder der Mittelstufe machten am 25. Juli eine ähnliche Wanderfahrt.

 

Die Erstkommunion der Kinder fand wieder am Tage der Himmelfahrt Christi statt.

 

(57) Während der Sommerferien wurden alle drei Klassenräume renoviert. Der Anstrich des Klassenzimmers der Mittelstufe war aus nicht erklärlichen Gründen in kurzer Zeit an vielen Stellen so abgeblättert, daß der Anstrich der Wände in den Osterferien wiederholt wurde; die Kosten der Erneuerung des Anstrichs gingen zu Lasten des Anstreichermeisters. In den Herbstferien wurden sämtliche Fenster des Schulgebäudes (Hauptgebäude) gestrichen, ebenso die Außenseite der Türen. Zu der dringend notwendigen Renovierung der Räume der Dienstwohnung des Schulleiters reichten die Mittel nicht aus; es konnte nur das links des Flures liegende Mansardenzimmer, dessen Deckenputz zum Teil heruntergefallen war, in Ordnung gebracht werden. In der Dienstwohnung im Gebäude der alten Schule wurden zwei Räume renoviert. Zu Beginn der Heizperiode zeigte sich ein Schaden an dem Heizkessel des Gebäudes in der Schulstraße. Da zu befürchten stand, daß die Beschaffung des Ersatzstückes, das Vorderglied des Ofens hatte einen langen Riß, zu lange Zeit erfordern würde, der Heizofen auch schon ziemlich alt war, entschloß sich die Amtsverwaltung zum Ankauf eines neuen Ofens (Preis etwa 1200 DM). Die Schäden am Dach des Hauptgebäudes und am Dach des Abortes (Dachpappe, Südwestseite) wurden beseitigt.

 

Am 13. März 1952 erhielt die Schule für den Klassenraum der Oberstufe neue Schulmöbel. Die vorhandenen viersitzigen Bänke entsprachen in ihrer Größe (Nr. 2 u. 3) nicht der Größe der Schulkinder. In enger Zusammenarbeit mit dem Amtsarzt war es mir möglich, die Beschaffung der neuen Schulmöbel Wirklichkeit werden zu lassen. Es wurden 20 zweisitzige Tische, 40 Stühle und ein Lehrerschreibtisch beschafft. Die Freude der Kinder, die von meinem Bemühen um die neuen Schulmöbel wußten, war beim Eintreffen der Sachen riesengroß.

 

Neben einigen Büchern für die Lehrerbücherei und die Schülerbücherei wurden an größeren Lehrmitteln ein Mikroskop und ein Wandrelief des Landes Nordrhein-Westfalen gekauft.

 

Am 12. Dezember 1951 fand eine Arbeitstagung der gesamten Lehrerschaft des Bezirks Recklinghausen-Land I im Kellersaal des Kolpinghauses in Datteln statt. Neben Schulrat Heuer referierten der Obermedizinalrat des Kreises über Schulhygiene, Koll. Zabelhöfer über Jugend-Rotkreuz und Koll. Eichler über Sportlehrgänge.

 

Die Berufsberatung der Entlaßschüler wurde am 25. Oktober von Herrn Dr. Bumann in der Schule durchgeführt. Die ärztliche Untersuchung der Entlaßschüler fand im Januar in der Schule statt, die Untersuchung der Anfänger am 21. März. Im Februar unterzog sich eine Reihe der Schulkinder der Mantouxprobe, ein Schüler der BCG.-Impfung.

 

Zu Weihnachten folgten die Kinder bereitwillig einem Aufruf zum Spenden von Weihnachtspaketen für bedürftige Kinder in Schleswig-Holstein. Der (58) Opferwille unserer Kinder war sehr groß. Die Kinder stellten in Gruppenarbeit 18 große Pakete zusammen, drei Pakete wogen über 7 kg, die anderen waren nicht wesentlich kleiner. Eigenartig mutetet es mich an, daß nur zwei kurze Dankschreiben den großen Opferwillen unserer Kinder belohnten. Ebenso eigenartig fand ich es, daß eine Tageszeitung in einem Bericht über diese Paketaktion in entstellender Weise schrieb; die in dem Bericht angeführten Stückzahlen ließen ein falsches Bild entstehen. Zwischen einem Päckchen und einem Paket ist doch ein Unterschied. Die Sammlung für die Kriegsgräberfürsorge brachte etwa 8 DM.

 

Im Leben der Dorfgemeinde waren außergewöhnliche Ereignisse nicht zu verzeichnen. Am 18. November [1951] feierte der Ortspfarrer, Herr Pastor Uekötter, das vierzigjährige Ortsjubiläum. Die Gemeinde überreichte ihrem Geistlichen zwei wertvolle Geschenke, ein Meßgewand, dazu eine Ausstattung für vier Meßdiener und einen elektrischen Liedanzeiger. Die Geschenke dürften einen Wert von rd. 1500 DM haben. Zu der Feier waren Vertreter des Kreises und des Amtes anwesend.

 

Am 1. Juli veranstaltete der Arbeiterverein auf der Wiese am Schloß sein Sommerfest in der üblichen Weise. Der Reinertrag war für den Bau eines Kindergartens in Horneburg bestimmt. Am 19. August war das Sommerfest des Horneburger Sportvereins. Die Veranstaltung war wegen der Gefahr der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche auf dem Platz neben der Schule.

 

Obwohl auch im Winter 1951/52 eine große Knappheit an Kohlen und anderen Brennstoffen war, gelang es immer noch, rechtzeitig Brennstoff für die Beheizung der Schule zu erhalten.

 

Horneburg, den 31. März 1952

 

Schröter, Hauptlehrer.

 

[Damit schließt Teil 2 der Horneburger Chronik.]

 

Quelle

 

Schulchronik Horneburg, Teil II, 1914-1952, 28-58, in: Archiv der Stadt Datteln. Die Zahlen in runden Klammern geben die Seiten an.

 

Verweise

 

 

 

 

Weiterführende Literatur

 

 

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