Neapel

Heinrich Michael Knechten

 

Samstag, 28.9.1991

Ab 9.10 Uhr, km 52.013. Schönes Wetter. 12.00 Uhr in Katzenfurt. Dampfnudeln. Gemünden, bewölkt, etwas Regen. Untereschenbach und Obereschenbach. In Bad Kissingen wurde ein kleiner, ganzer, heißer Zwiebelkuchen angeboten, war aber bereits ausverkauft. Rothenburg ob der Tauber. Der Teil der Stadtmauer, der hoch über dem Tal lag, wurde von den Schneidern verteidigt, die allerdings ihre Tapferkeit nie unter Beweis stellen mußten. Volkslauf, der älteste Teilnehmer war 70 Jahre alt. (Das ist doch kein Alter!) Judentanzhaus, erbaut 1613: Gärtchen des Rabbi Meir ben Baruch (um 1215 - 1293), welcher der bedeutendste Talmudgelehrte der Zeit war, Talmudschule mit 22 Zimmern. Nachdem er in Paris 1242 die öffentliche Verbrennung jüdischer Schriften erlebt hatte, verfaßte er ein Trauerlied. Er wirkte von 1245 bis 1276 in Rothenburg, wurde 1286 verhaftet, weil ihm zur Last gelegt worden war, zur Auswanderung ins Heilige Land aufgerufen zu haben, um der Unterdrückung zu entgehen; er starb im Gefängnis und ist begraben in Worms. Mikwe (rituelles Tauchbad) aus dem 15. Jahrhundert. Illertissen, Schulbrüder, gegründet von Jean Baptist de La Salle (1651-1719), der 1679 eine erste Armenschule in Reims und die Kongregation 1684 gegründet hatte. In Füssen feierten Eishockeyspieler aus Bayern und Kanada. Die einen spielten mehr mit Geschicklichkeit, die anderen mehr mit Kraft. Einer hatte dreimal hintereinander die Nase durch den Puck gebrochen. Es gab dunkles Pschorr-Bräu.

Sonntag, 29.9.1991

Km 52.866. Neuschwanstein, weißes Märchenschloß König Ludwigs II. von Bayern (1845-1886), als Gegenstück zum bestehenden gelben Schloß Hohenschwarzgau erbaut. In Füssen über die bayerisch-österereichische Grenze in Richtung Reutte, vorbei an der Zugspitze (2.962 m), auf der es in der letzten Nacht geschneit hatte. Fernpaß 1.210 m, Ötztal (am 23.9.1991 war in den Ötztaler Alpen eine Mumie gefunden worden, die 5.250 Jahre alt ist). Buntbemalte Häuser, Almen, Kühe mit Glocken um den Hals, Bergbäche, die ins Tal stürzten. Timmelsjoch 2509 m. Es war nicht immer klar, ob das Verschwommene am Horizont Nebel, Regen oder Wolken waren. Jenseits der Paßhöhe wurde es schnell warm, sodaß der Pullover nicht mehr notwendig war. Passeiertal, nördlich von Meran: Gedenkstätte des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer. Der Hof am Sand wurde 1270 erstmals erwähnt und 1664 an die Familie Hofer verkauft. Am 22.11.1767 wurde Andreas Hofer dort geboren und bewirtschaftete ihn ab 1789. Die Tiroler erkannten die Ergebnisse des Friedens von Schönbrunn (14.10.1809) nicht an und Andreas Hofer stand an der Spitze der Aufstandsbewegung. Er wurde am 20.2.1810 auf den Wällen Mantuas im Auftrag Napoleons standrechtlich erschossen. Sein Grab ist seit 1823 in der Hofkirche in Innsbruck. Alte, aber noch rüstige Villen am Lago Maggiore. Mit der Fähre ging es zum  Lido in Venedig: starker Wind, tiefhängende Wolken, Lichtstrahlen brachen sich an ihren Rändern. Beim Hotel Hungaria war im Garten eine Parkmöglichkeit. San Marco mit byzantinischen Mosaiken: Pantokrator, Propheten, Apostel, Evangelisten, Heilsgeschichte von der Weltschöpfung über den Auszug aus Ägypten bis zur Auferstehung und Himmelfahrt. Beim Dogenpalast eine Brücke, bei deren Überschreiten die Gefangenen einen letzten sospiro ausstießen, ehe sie in den Bleikammern eingeschlossen wurden. (Vgl. Giacomo Casanova, Histoire de ma fuite des prisons de la République de Venise qu’on appelle les Plombs, Leipzig 1788).

Montag, 30.9.1991

Morgens Gewitter und starker Regen. Beim Frühstück Müllberge an Verpackung für Zwieback, Gebäck, Marmelade, Honig und Butter. Auf der Insel Murano wurde aus einem großen Glastropfen ein Pferdekörper herausgeblasen, dann ein Bein nach dem anderen, leicht gedreht im Lauf, und die tänzelnden Hufe. Wasserstraßenlampen waren auf fünf Holzpfählen befestigt. Burano: Bunt bemalte Häuser, Spitzenklöppelei, Kirche San Martini an der Piazza Galuppi mit schiefem Campanile, in der Kirche Kreuzigungsszene von Giovanni Battista Tiepolo. Torcello: Santa Maria Assunta, geweiht 639, byzantinische Mosaiken: Teufel versuchen vergeblich, mit Haken das Abwägen der Seelen zu ihren Gunsten zu entscheiden. Santa Fosca, 11. Jahrhundert, Zentralbau. Museum in einem Palazzo des 14. Jahrhunderts: Thron des Attila (wohl von einem Podestà oder Bischof). Ernest Miller Hemingway (1899-1961) jagde hier 1948 Enten und schrieb an seinem Roman: „Über den Fluß und in die Wälder“. 1954 war er mit seiner Frau Mary im Hotel (Locanda) Cipriani. Palazzo Grassi in Venedig, I Celti: Sie wurden als die ersten Europäer dargestellt mit einer Einflußzone von Irland bis Kleinasien und von Zentraldeutschland bis Italien. Sie hätten einen Zusammenhang mit der La-Tène-Kultur (Fundort in der Schweiz, südöstlich von Espagnier am Neuenburgersee) und mit der Hallstattkultur (Fundort in Österreich, Salzkammergut, bei Bad Ischl / Gmunden, Oberösterreich) gehabt und seien politisch, kulturell und sprachlich geeint gewesen. Dies trifft aber nicht zu: Die Mannigfaltigkeit ist größer, als hier suggeriert wurde. Verehrung des Heiligen Baumes. Druiden, Barden und Seher hatten einen hohen Rang. Köpfe und Gesichter in Metall: Größe, Distanz, Tragik. Doppelköpfe: die Vielschichtigkeit des Daseins, die Vereinigung der Gegensätze. Von Irland und Schottland aus wurde der Kontinent christianisiert. Plakate in der Stadt fordern Freiheit für Venetien und Abschaffung des Zentralismus. Im Hotel Des Bains wurde Thomas Manns Erzählung „Tod in Venedig“ verfilmt. Hohe Wellen am Strand. Novemberstimmung, wenn es nicht so warm wäre. Beim Laubhüttenfest im venezianischen Ghetto, Sestiere Cannaregio, namengebend für alle Ghettos. Sorgen machten die zunehmenden Hakenkreuzschmierereien. Boris Nikolaevič El’cin (1931-2008, 1991-1999 erster Präsident Rußlands) sei ein Antisemit. Heute gibt es nur noch 400 Juden in Venedig. 60 % aller hebräischen Bibeltexte wurden in Venedig gedruckt. Der kleine David räumte inzwischen alle Schränke aus. Große Synagoge (Scola grande tedesca, 1528/1529). Jüdisches Museum.

Dienstag, 1.10.1991

Km 53.366. Ravenna. Mausoleum der Galla Placidia (5. Jahrhundert): Der Gute Hirte (Typologie aus dem Orpheusmythos).  San Vitale  (6. Jahrhundert), eucharistische Mosaiken: Abel und Melchisedek bringen Gaben dar, Abraham bewirtet die drei Engel (alttestamentliche Dreieinigkeit), Abraham ist bereit, Isaak zu opfern. Christus als Kosmokrator. Durch schräg gesetzte Mosaiksteinchen wird ein Effekt glitzernden Lichtes erzielt. Ursprüngliche, kraftvolle Bildaussage, künstlerische Blütezeit in Byzanz (Magna Graecia).

Loreto: Nach der Niederlage der Kreuzfahrer überführte Nikephoros Angelos („Engel“) im Jahre 1294 das Marienheiligtum von Trsat bei Rijeka hierher. Lauretanische Litanei, von Lorbeerhain oder vom Eigennamen Laureta.

Fahrt über die Abruzzen nach Tivoli. In Tivoli Bagni roch es nach Schwefelbädern.

Mittwoch, 2.10.1991

Km 54.112. Das Frühstück war sehr italienisch. Es wurde gewürzt durch edlen Schwefelgestank. Im Frühstücksraum fehlte eine Kachel der Wandverkleidung, ein Stück der Decke hing herunter und die elektrischen Leitungen durfte man sich nicht genau ansehen, jedenfalls waren sie nicht kindersicher. Beim Hineinquälen nach Rom waren zwei Autos zu sehen, die dicht nebeneinander fuhren, damit sich Fahrer und Beifahrer in aller Ruhe unterhalten konnten. Ruhige Zeit an den Kaiserforen und am Petersplatz. Die Zahl 800 lässt sich leicht behalten: Kaiserkrönung Karls des Großen durch Papst Leo III.

Donnerstag, 3.10.1991

Neapolitanisch weist griechische, arabische, spanische und italienische Elemente auf. Die Basilika des heiligen Franziskus von Paola (1416-1507) wurde 1836 geweiht und ist dem Pantheon ähnlich. Palazzo reale, Neubau 1620 abgeschlossen. Das Teatro San Carlo wurde 1735 als Anbau an den Palazzo reale errichtet (3.300 Plätze). Castel dell’ovo: Im 9. Jahrhundert als Hafenburg errichtet, heutige Gestalt aus dem 13. Jahrhundert. Borgo Santa Lucia (das gleichnamige Fischerlied wurde 1849 veröffentlicht). Maschio Angiono, Castelnuovo, Baubeginn 1279. Kameen- und Muschelwerkstatt. Pompeji: Die Straßen hatten Zebrastreifen, große Steine erleichterten das Überqueren, um dem Straßenkot zu entgehen. Forum. Apollotempel: Vorgängerbau aus dem 6. Jahrhundert vor Christus, heutiger Bau aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Basilika (2. Hälfte des 2. Jahrhunderts vor Christus, Rechtsprechung). Kurie. Rednertribüne (rostra). Kapitol, Jupitertempel aus der Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus. Gibsabdrücke der Sterbenden: Sie bäumen sich auf, verfallen der Verzweiflung und der Hoffnungslosigkeit. Goldschmiede. Haus der Vettier: Wunderbare Gemälde im Pompejirot. Brunnen, Hafen. Tempel der Isis (Ende des 2. Jahrhunderts), ägyptischer Kult: Muttergottheit, Zuflucht der Leidenden, Unterweltsgottheit, Überwinderin des Todes. Amphitheater, nach der römischen Eroberung (60 vor Christus) errichtet, 20.000 Plätze, Außentreppen. Vergnügungsviertel mit Zeichen gegen den bösen Blick und die Eifersucht. Einweihungsszenen im Haus der Mysterien. Pompei: Basilika der Jungfrau des Rosenkranzes, Grundsteinlegung 1876, bedeutende Wallfahrtsstätte. Sorrento, im 7. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern gegründet: Dom, in dem Torquato Tasso (1544-1595) getauft wurde (La Gerusalemme libarata). Griechisches Stadttor (474-420 beherrschten die Griechen diese Stadt). Blick auf den Golf von Neapel.

Freitag, 4.10.1991

Am Feste des heiligen Franziskus von Assisi Festlaudes und Heilige Messe in der Kapuzinerkirche. Fähre nach Marina Grande, mit der Standseilbahn nach Capri. Durch enge Gassen. Glockenturm mit Keramikuhr. Hier wird nichts produziert; sogar das Wasser muß vom Festland kommen. Von März bis Oktober kommen 3 Millionen Touristen. Fahrt auf den Monte Solaro (589 m), Blick auf die Inseln, das Festland und den Golf. Einsiedlerklause in Cetrella aus dem 15. Jahrhundert. Kartause (Certosa) aus dem 14. Jahrhundert. Die Blaue Grotte war wegen starken Windes geschlossen. Die Phönizische Treppe verbindet Anacapri und Marina Grande. Palast und Bäder des Kaisers Tiberius (Villa Iovis). Sirenenfelsen (Odysseus). In halsbrecherischer Fahrt mit einem rechtsgelenkten Bedford-Cabrio den Berg hinunter nach Marina Grande, entsetztes Kreischen der Insassen, hinterher wurde erleichtert applaudiert. Rossa di sera / per tempo si spera. In Rom zum Abendessen mit Bekannten Schinken mit Feigen sowie drei Sorten Käse und Wein.

Samstag, 5.10.1991

In der Kirche der Sapienza (Hochschule gegründet 1303) steht über dem Altargemälde: Initium sapientiæ timor Domini (Ps 110,1; Eccl 1,16). Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber an seiner Seele Schaden leidet? (Mt 16,26). Castel Gandolfo, von Kaiser Domitian erbaut, später Adelssitz der Gandolfi und danach der Savelli, seit dem 17. Jahrhundert Sommerresidenz der Päpste. Im Gebiet der Villa Cybo befindet sich das Kongreßzentrum Mariapoli der Focolari-Bewegung. Stiftskirche des heiligen Thomas, Erzbischofs von Villanova OSA (1488-1555 und 1658 kanonisiert), geweiht 1661. Der Albaner See wirkte vom Hügel aus schön, unten wurden der verschmutzte Strand und die vernachlässigten Gebäude sichtbar.

Sonntag, 6.10.1991

Liturgie und Panichida für den am 23.9.1991 mit fünf Jahren verstorbenen Sascha aus Minsk, der durch das Kraftwerk Černobyl verstrahlt worden war. Ein Bild das er gemalt hatte, war aufgestellt: Das Kreuz, darüber links und rechts Engel wie Paradiesvögel, zu beiden Seiten des Kreuzes Johannes und Maria wie Sascha und seine Mutter. „Du mußt Dir vom Kreuz die Kraft holen“, hatte Claude bei der Krankensalbung zu ihm gesagt. Sascha hatte sich sehr gegen das Sterben gewehrt; er wollte schließlich Priester werden! Seine letzten Worte waren: ne plač’ (weine nicht). Baptisterium von San Giovanni in Laterano, um 315 als Rundbau errichtet, 432-440 zu einem Oktogon umgebaut. Apsismosaik in der Laterankirche. Kreuzgang. Scala Santa. Kolosseum. San Clemente: Römische Gebäudereste des 1. bis 3. Jahrhunderts sowie Mithräum von 240, Basilika von 384 und Oberkirche ab 1108. Reliquien des heiligen Clemens I. kamen 867 nach Rom. Kyrill starb dort 869. Mit Method zusammen war er Lehrer der Slaven. Sie schufen das glagolitische Alphabet.

Montag, 7.10.1991

Km 54.147. Siena. Campo, Platz der Pferderennen (Palio di Siena, zweimal jährlich). Im Dom war dunkelgrüner, rosa und weißer Marmor verbaut: Dreischiffige romanische Basilika (Langhaus ohne Gewölbe und Vierungskuppel), gotisches Gewölbe und mehrschiffiges Querhaus um 1260. Der Ausbruch der Pest verhinderte den Weiterbau. Fassade 1284-1297. Marmorfußboden 14. - 19. Jahrhundert: Sibyllen, Moses, Hermes Trismegistos, Sienesische Wölfin mit den säugenden Zwillingen Senius und Aschius. Geburtshaus der heiligen Katharina von Siena, Patronin Italiens. Florenz. Ab 1531 herrschten die Medici absolutistisch in Florenz. Ihr Umzug in den Palazzo Vecchio (1299 erbaut) verdrängte die dort untergebrachte Verwaltung. Drei Türen des Baptisteriums. Hier entstand die Renaissance, während Siena trotzig weiterhin gotisch baute. Im Florentiner Dom konnten 10.000 Menschen den Predigten des Dominikaners Savonarola zuhören. 1498 wurde er aus seinem Kloster San Marco herausgezerrt, gefoltert und auf dem Platz vor dem prächtigen Rathaus als Häretiker verbrannt. Niccolò di Bernardo dei Macchiavelli (1469-1527) war der Verfechter des Nützlichkeitsdenkens in der Politik, das sich von ethischen Erwägungen gelöst hatte. Auf der Ponte Vecchio gibt es seit 1593 Goldschmiedeläden. Eine Uhr für drei Millionen Lire wurde angeboten (300.000 DM).

Dienstag, 8.10.1991

Die Uffizien (Büros), ursprünglich (1560) für die Unterbringung von Ämtern und Ministerien, beherbergen seit 1580 eine wachsende Zahl von Kunstwerken. Botticelli, Die Geburt der Venus (der Frühling), zugleich die Geburt der Renaissance, der Blick ist verträumt. Nicht mehr Maria steht im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Cranach, Adam und Eva; Rembrandt, Der Alte sowie zwei Selbstporträts (jung und alt); Caravaggio, melancholischer Bacchus, Opferung Isaaks (dieser schreit vor Entsetzen); Michelangelo, Die Heilige Familie; Tizian, Venus. El Greco, Johannes der Evangelist und Franziskus von Assisi. Im 3. bis 1. Jahrhundert vor Christus entstand eine Venusstatue aus Bronze, deren römische Marmorkopie aus dem 2. Jahrhundert 1638 in der Villa Medici in Rom entdeckt wurde.

Km. 54.464 in Florenz und km 54.584 in Pisa. Der Schiefe Turm (torre pendente) hängt 5,20 m über. Dom Santa Maria Assunta, 1118, noch unvollendet, eingeweiht. Skulpturen, Domschatz, Fresken und Vorzeichnungen. Genua: Bunte Häuser, Berge, das Meer. Katharina von Genua. Kathedrale San Lorenzo, 1118 geweiht. Genua war die erbitterte Rivalin von Venedig, daher war ihr Beiname La superba oder La dominante. Es ging um die Vorherrschaft im Handel und in der Macht. Turin: Grabtuch Christi: Hoheitsvolles Antlitz; beeindruckend die Haltung, in welcher die Foltern und die Hinrichtung ertragen wurde. Verehrte Pilgerstätte. Das ägyptische Museum, Beginn der Sammlungen 1824, damit ist es das älteste Museum seiner Art. Bedeutende Papyrussammlung (Totenbuch). Grabausstattung des Architekten Cha und seiner Frau Merit (18. Dynastie). Standtbild Ramses II., Amun und Hathor. De dormitione Mariæ virginis (Papyruskodex Turin). Don Bosco, Jugendseelsorger und Ordensgründer. Stadt der beginnenden Industrialisierung und der Einigung Italiens (Vittorio Emmanuele II und Cavour). Fiatwerke. Autosalon (Museum): Im 15. Jahrhundert gab es einen Wagen, der mit Windkraft angetrieben wurde, im 18. Jahrhundert mit Dampfkraft und im 19. Jahrhundert mit Benzin oder Öl.  Die Stadt macht aufgrund der Bogengänge einen gediegenen Eindruck.

Mittwoch, 9.10.1991

Km 54.921. Mailand, km 55.90. 313 beendete Kaiser Konstantin in Mailand die Christenverfolgung. Erstes achteckiges (oktogonales) Baptisterium der Christenheit. Ambrosius taufte hier im Jahre 387 Augustinus, dieser schaute das Licht der Auferstehung. Kapelle des Karl Borromäus, Erzbischofs von Mailand (1538-1584). Pinacoteca di Brera: Caravaggio (1570-1610), Ruhe auf der Flucht nach Ägypten. Josef ruht erschöpft und sinnt im Dunkeln nach, Maria stillt im Schein einer Laterne das Kind, der Esel mit überlangen Ohren steht daneben. El Greco (Domenico Theodokopoulos, 1541-1614), St. Franziskus mit einem Totenschädel in der Hand, von oben ein erleuchtender Lichtstrahl, daneben ein Bruder mit gefalteten Händen. Rembrandt, Porträt der Schwester, sie blickt mit runden Augen in die Welt, der Mund ist geschlossen, die Kleidung hochgeschlossen, Unschuld, Weltgewandtheit und Verschlossenheit. Coenaculum, Leoardo da Vinci, Abendmahl, die Jünger sind erschrocken: „Bin ich es?“ Frische Farben, aber hochrestauriert, da Farbexperimente. Oper, Teatro alla Scala, 1778 eröffnet. Älteste überdachte Einkaufspassage der Welt (Galleria Vittorio Emmanuele II), 1865-1877 erbaut. Vom Bergland aus Blick auf den glitzernden Comer See.

Donnerstag, 10.10.1991

Km 55.170. Melide im Kanton Tessin am See von Lugano: Swissminiatur, im Verhältnis von 1 zu 25 sind die Sehenswürdigkeiten der Schweiz dargestellt, Eisenbahnen, Autos, Lastwagen, Motorräder, Seilbahnen und Schiffe. Roveredo im Tessin, Einsiedelei von Gabriel Bunge. Der Paß des heiligen Bernhards, 2066 m hoch. Gebirgsjäger-Übung: Das Echo der Schüsse brach sich vielfach in den Alpentälern. Zillis, St. Martin, um 500 erbaut, 831 urkundlich erwähnt, romanischer Bau zwischen 1130 und 1140, gotischer Chor von 1509. Holzdecke um 1160 bemalt. Dies ist die älteste figürlich bemalte Holzdecke der abendländischen Kultur. (Die Decke von St. Michael in Hildesheim wurde Anfang des 13. Jahrhunderts bemalt.) 153 Einzelfelder, jeweils 0,90 Quadratmeter groß. Dargestellt ist das Leben Jesu Christi. In der Zeit zwischen den beiden Kreuzzügen von 1142 und 1189 gab es intensive Kontakte mit der Kunst des Orients. Luzern: Verkehrshaus, zu Wasser, zu Lande und in der Luft. In einer sinnlosen Maschine läuft eine Kugel viele verschlungene Pfade und setzt viele verborgenen Mechanismen in Gang.

Freitag, 11.10.1991

4.344 Kilometer zurückgelegt.

 

© Heinrich Michael Knechten, Horneburg 2020

 

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