Die Tür
Eine offene Tür wirkt einladend, freundlich, sie beweist das
Entgegenkommen der Menschen, mit denen wir Kontakt bekommen wollen. Eine
verschlossene Tür ist wie eine Absage; wenn sie verschlossen bleibt, sind wir
enttäuscht.
Früher hatte eine Tür eine Schwelle. Wir sprechen von Schwellenangst und
wollen damit sagen, daß es uns manchmal schwer fällt, eine Schwelle zu
überschreiten und Verbindung mit anderen aufzunehmen.
Eine Tür kann so niedrig sein, daß großgewachsene Menschen
sich bücken müssen, um hindurch zu gelangen. Eine besonders niedrige Tür
befindet sich in Bethlehem. Dies liegt daran, daß eines Tages jemand diese Tür
hoch zu Roß durchritt. Um das zu verhindern, wurde die Tür niedrig gemacht.
Jetzt kommen nur noch Kinder hindurch, ohne sich bücken zu müssen, denn den
Kindern gehört das Himmelreich (Matthäusevangelium 18, 3). Wir Erwachsenen
müssen uns klein machen, wenn wir die Kirche der Geburt Christi im Heiligen
Land betreten wollen.
Der heilige Apostel Paulus sprach davon, daß der Herr eine
Tür geöffnet hat (1. Korintherbrief 16, 9). Er fand nämlich Menschen, die ihr
Herz für die Botschaft öffneten, die bereit waren, das Wort Gottes in ihrem
Leben zu verwirklichen.
Christus hat gesagt: Ich bin die Tür (Johannesevangelium 10, 7). Was wollte Er damit sagen? Wer Gemeinschaft mit Ihm hat, der übersteht alles, was dieses Leben mit sich bringt, und dem steht auch das Ewige Leben offen.
Aber was für eine Tür ist das? Christus sagte: Tretet ein
durch die enge Tür (Mt 7, 13). Wir erleben viele Schwierigkeiten. Wenn wir sie
gemeinsam mit Christus durchstehen, schenkt Er uns das bleibende Leben.
Es geht aber noch weiter. Christus wartet nicht nur darauf,
daß wir die Tür durchschreiten, sondern Er steht auch vor der Tür unseres
Herzens und klopft an (Offenbarung 3, 20). Wenn wir Ihm öffnen, kommt Er und
hält Mahl mit uns. Dies bedeutet, wenn wir die Ikone Andrej Rublёvs vor
Augen haben: Er nimmt uns in die Gemeinschaft der Dreieinigkeit auf. Gibt es
für unser Leben eine bessere Perspektive?
Diese Ansprache wurde im Jahre 2013 in der Alten
Kirche zu Horneburg gehalten.
©
Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026