Die Aktionsgruppe Dritte Welt

 

Inhalt

Die Motivation. 2

Bücher, die mich prägten. 3

Die Gründung der Aktionsgruppe. 4

Die Initiatoren. 6

Fleiß, Einsatz und Kompetenz. 7

Straßenaktionen. 11

Unser Angebot 13

Verkaufsstände. 14

Kunst im Keller 16

Gappa. 17

Drei Bücher 18

Mehrer Mühle. 19

Fahrradtour nach Frankreich. 20

Das Kreuz. 24

Die Gruppenmitglieder 25

 

Die Motivation

Heute wird von der Einen Welt gesprochen, doch im Jahre 1979 war es noch üblich, eine Einteilung in Erste Welt (Europa, Japan und Nordamerika), Zweite Welt (die Sowjetunion und der sogenannte Ostblock) und Dritte Welt vorzunehmen.

 Angesichts der gegenwärtigen Kriege erscheint ein Eintreten für Abrüstung als verfehlt; doch damals war eine andere Situation.

Wie kam es, daß ich anfing, mich für die Dritte Welt einzusetzen? Ich begann meinen Dienst als Geistlicher in herkömmlicher Weise. Im Religionsunterricht versuchte ich, die Gestalt Jesu Christi näherzubringen, aufzuzeigen, was Kirche bedeutet, was die hauptsächlichen Glaubensaussagen und die Sakramente bedeuten und welche Inhalte der Heiligen Schrift für das christliche Leben wichtig sind.

Eines Tages legten zwei Schüler Protest ein. Sie sagten, das alles sei ja schön und gut, aber heute gäbe es brennende Probleme, um die wir uns dringend zu kümmern hätten. Viele Kriege würden geführt, die verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung hätten. Die internationalen Handelsbedingungen seien so, daß die Erzeuger der Lebensmittel oder die Förderer der Bodenschätze eine so geringe Entlohnung erhielten, daß sie davon kaum leben könnten. Die Umwelt sei mittlerweile so verschmutzt, daß das Weiterleben auf diesem Planeten Erde gefährdet sei. Die Rechte der Frauen würden vielerorts immer noch mit Füßen getreten.

Ich besorgte mir daraufhin vom Generalvikariat Münster einen Katalog der Medien für Schulunterricht, und die beiden wählten ihnen geeignet erscheinende Filme aus, die ich im Unterricht vorführte.

Sogleich gab es Proteste von seiten einiger Schüler, die im Religionsunterricht ausschließlich religiöse Themen wünschten. Ich wies auf den offiziellen Lehrplan hin, in dem auch die neuen Themen zu finden seien, doch sie meinten, dies sei eine Knieerweichung der Bischöfe.

Bücher, die mich prägten

Ich besorgte mir Literatur über die genannten Themen. Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir folgende Werke:

·     Galeano, Eduardo Hughes (1940-2015), Las venas abiertas de América Latina, La Habana 1971; Die offenen Adern Lateinamerikas. Die Geschichte eines Kontinents von der Entdeckung bis zur Gegenwart, Übersetzung von Leonardo Halpern, Redaktion von Frieder Hammer und Anneliese Schwarzer de Ruiz, Wuppertal 1972. – In poetischer Weise (!) zeigte Galeano die Ursachen des Elends vieler Menschen in Lateinamerika auf.

·     The Global 2000 Report to the President of the U. S. [Jimmy Carter]. Entering the 21st Century. A Report, prepared by the Council on Environment Quality and the Department of State. Gerald O. Barney, New York 1980; Global 2000. Bericht an den Präsidenten, herausgegeben vom Council on Environment Quality [Rat zur Umweltqualität] und dem Außenministerium. Gerald O. Barney, Übersetzung von Thomas Berendt, herausgegeben von Reinhard Kaiser, Frankfurt am Main 1980. Das Buch war zwar einseitig, weil lediglich die Interessen der Vereinigten Staaten Amerikas berücksichtigt wurden, andererseits jedoch prophetisch; denn manche Probleme der Zukunft wurden vorhergesagt, zum Beispiel der Kampf um die Ressource Wasser.

·     Rüstung und Abrüstung im Atomzeitalter. Ein Handbuch, herausgegeben vom Stockholm International Peace Research Institut (SIPRI), Reinbek 1977. Hier wurde aufgezeigt, daß die Rüstung wertvolle Ressourcen verbraucht, finanzielle Mittel abzweigt, die für humane Zwecke notwendig wären, und letztlich die Konflikte in der Welt anheizt.

·     Daly, Mary (1928-2010), Beyond God the Father. Toward a Philosophy of Womenʼs Liberation, Boston 1973; Jenseits von Gottvater, Sohn & Co. Aufbruch zu einer Philosophie der Frauenbefreiung, Übersetzung von Marianne Rebekus, Übersetzung der Einleitung des ersten Kapitels von Barbara Henninges, München 1980.

·     Cardenal Martínez, Ernesto (1925-2020), El evangelio in Solentiname, 2 Bände, Salamanca 1975. 1978; Das Evangelium der Bauern von Solentiname. Gespräche über das Leben Jesu in Lateinamerika, Übersetzung von Anneliese Schwarzer de Ruiz, 2 Bände, Wuppertal 1976. 1978.

Die Gründung der Aktionsgruppe

Im Herbst 1979 begann ich, Jugendliche zu einer Teestube einzuladen, die am Sonntagnachmittag in meinem Kaplanshaus geöffnet war. Die Besucher blieben meist bis zum späten Abend. Immer mehr kamen und wir führten lange Gespräche. Da kam die Idee auf, eine Aktionsgruppe Dritte Welt und einen Dritte-Welt-Laden zu gründen. Um dem Ganzen eine Form zu geben, veranlaßte ich einen Eintrag ins Vereinsregister. Voller Stolz nannten wir uns: Aktionsgruppe 3. Welt Dinslaken e. V.

Christoph Dennart, Susanne Weusthoff, Heinrich Knechten, Klaus Brieskorn, Sabine Weusthoff, Jürgen Weusthoff und Birgit Weusthoff im Dritte-Welt-Laden, meinem ehemaligen Wohnzimmer. Wir verkauften Kaffee aus fairem Handel, Tee, Schokolade, Honig, Rotwein, Bücher und handwerklich hergestellte Gegenstände. Die Waren besorgten wir uns bei der Gesellschaft für Partnerschaft (GEPA) in Wuppertal, die 1975 in Zusammenarbeit mit der Aktion Misereor gegründet worden war.

Die Initiatoren

Georg Pietron und Klaus Brieskorn waren die beiden Schüler, die mich zur Dritte-Welt-Arbeit bekehrt hatten. Klaus spielt Gitarre, während Georg ekstatisch singt. An der Wand links der Jakobskampf von Chagall, rechts Don Quijote.

Georg Pietron wurde am 25. April 1961 in Dinslaken geboren. Er wurde Arzt. Er litt an Blasenkrebs und starb am 20. Juni 2016 in Köln. Ich hatte ihn kurz vor seinem Tod noch besuchen können.

Klaus Brieskorn wirkt bei der evangelischen Studierendengemeinde in Bonn im Rahmen der Integrationsarbeit.

Fleiß, Einsatz und Kompetenz

Herzlich möchte ich mich bei Gabi Melters bedanken. Sie war die Verkaufsleiterin des Dritte-Welt-Ladens und arbeitete auch die Steuererklärungen für das Finanzamt aus. Die Kenntnisse, welche sie sich erwarb, wurden ihr bei ihrer späteren beruflichen Tätigkeit bei einer Bank nützlich. Leider habe ich kein Bild im Großformat von ihr, sondern nur kleine Bilder, die unter der Frankreichfahrt aufgeführt sind.

 

Ute Hensler hatte einen erlesenen Geschmack für Kunstgegenstände, Schmuck, aber auch für Haushaltswaren. Wenn sie bei der Gesellschaft für Partnerschaft in Wuppertal Waren auswählte, riß man sie ihr im Laden gleichsam aus den Händen. Wenn ich dagegen etwas mitbrachte, waren es Ladenhüter. Ich habe heute noch eine Schuhbürste aus Indonesien, die grob gezimmert, aber absolut funktional ist, auch nach fünfundvierzig Jahren Gebrauch. Als sie aber im Laden zum Verkauf angeboten wurde, wollte sie niemand; so erbarmte ich mich; denn ich hatte sie auch im Großhandel ausgesucht.

 

 

Martina Petry war immer die Erste. Sie hatte den Schlüssel für den Keller, stieg die Treppe hoch und kochte in der Küche Tee und Kaffee für viele Jugendliche. Ihr sei an dieser Stelle für ihren großartigen Einsatz gedankt.

Eva Möhle war eine der fleißigen Verkäuferinnen im Dritte-Welt-Laden

 

Judith König, eine fleißige und zuverlässige Mitarbeiterin des Ladens.

 

Straßenaktionen

Aktion in der Neustraße, Dinslaken: „Das ist Apartheit“. Vier Farbige tragen einen Weißen. Eva Möhle, Rolf Salawanda, Gabi Melters, Ute Hensler, Holm Holtwig, Georg Pietron.

„Sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ (Jesaja 2, 4; Micha 4, 3). Einen Panzer für eine Million oder tausend Klassenräume für dreißigtausend Schüler. Entrüstet euch; wir wollen leben!
Ronny Schneider, Jörg Götte, Mechthild Holländer, Frau Otte, dahinter: Christoph Mihm, Elisabeth Höttkes und Wolfgang Floer.
Ökumenische Woche vor Pfingsten 1982. Schweigen für den Frieden.

Unser Angebot

Warenangebot im Laden, Kreuz von Hansgerd Paulus

Verkaufsstände

Verkaufsstand vor der Evangelischen Stadtkirche bei den Dinslakener Tagen im September 1981. Holger Heymann und Gunhild Igel.

Stand während des Schulfestes des Otto-Hahn-Gymnasiums im Jahre 1982. Es handelte sich immer um Informations- und Verkaufsstände.

Kunst im Keller

Bild von Udo Buschmann im Keller, in dem auch Übernachtungsmöglichkeiten waren.

Gappa

Andreas Gammel, genannt Gappa beziehungsweise Rahab der Chaosdrache. Er spielte hervorragend Gitarre. An der Wand links wird ein Ertrinkender gezeigt und ein Priester sagt zum anderen: „Mich auf Seelsorge beschränken, das füllt mich irgendwie nicht aus.“ Dies bezog sich auf das Verbot der Befreiungstheologie durch Joseph Kardinal Ratzinger.

Drei Bücher

Die Bibel, Karl Marx, Das Kapital und Das Evangelium der Bauern von Solentiname.
Holger Heymann, Jörg Grafen, Joachim Piel, Andreas Storost.

Mehrer Mühle

Wochenende der Aktionsgruppe Dritte Welt in der Mehrer Mühle bei Kleve. Im Vordergrund Klaus Brieskorn und Georg Pietron.

Fahrradtour nach Frankreich

Notre Tours de France.
Hier in Noyon, Pause im Regen. 20 Juni 1980.
Noyon ist die Geburtsstadt des Reformators Johannes Calvin (1506-1564).
Kathedrale Notre Dame, frühgotisch, erbaut vom 10. bis zum 13. Jahrhundert.
Gabi Melters, Gunhild Igel, Eva Möhle und Heinrich Knechten im Hintergrund.

Heinrich Knechten in Saint-Malo (im Norden der Bretagne) an seinem Geburtstage, 25. Juni 1980. Die Gründung der Stadt geht auf den walisischen Mönch Machutus/Maclovius ( 620) zurück, dessen Namen über Maclou zu Malo wurde. Die Kathedrale von 816 wurde 1152 neu erbaut.

Mont-Saint-Michel, 26. Juni 1980. Der Felsen ist 78 Meter hoch. Im Wattenmeer liegt diese Kirchenburg, die mit dem Festland durch einen 1, 8 Kilometer langen Damm verbunden ist. 812 wurde eine Kapelle erbaut, in deren Altar Reliquien aus dem Monte SantʼAngelo (Gargano, Apulien) eingefügt wurden. Die heute sichtbaren Bauten entstanden vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. Die Turmspitze ragt 150 Meter hoch. Siehe auch: Michaelsweg.

Da wir von 21 Fahrttagen 19 Regentage hatten, entschlossen wir uns, nicht zum Zentrum der Bretagne weiterzufahren, wie wir es ursprünglich geplant hatten, sondern nach Paris zu fahren. Dort bezogen wir zwei Zimmer in einem Hotel.
4. Juli 1980, Hans Printschler vor den Champs-Élisées, einer 1900 Meter langen Prachtstraße. Die Straße entstand aus einer Allee, die 1709 angelegt worden war.
Le Palais de lʼÉlisée ist seit 1873 der Wohnsitz des Präsidenten der Republik.
Arc de Triomphe, 1806-1836, initiiert durch Napoleon Bonaparte.

5. Juli 1980, Fahrt mit dem Fahrrad durch Paris nach Versailles. Das war ein Abenteuer, weil zu dieser Zeit kaum jemand in Paris an Fahrradwege und entsprechende Beschilderung dachte.
Versailles wurde 1641-1710 durch Ludwig XIV. errichtet und in ganz Europa imitiert, jedoch wurde das Vorbild nie erreicht. Allerdings hinterließ der Herrscher, der gesagt hatte: „Lʼétat, cʼest moi“, eine leere Staatskasse.

Das Kreuz

 

Das Kreuz aus einer Eisenbahnschwelle im Meditationsraum vor einem Batiktuch. Hier hielten wir Zeiten der Stille.

Die Gruppenmitglieder

Hinrich Bornebusch

Klaus Brieskorn

Achim Brodde

Walter Büscher

Udo Buschmann

Christoph Deinert

Andreas Dordel

Emin Ertürk

Sabine Floer

Wolfgang Floer

Inka Gabriel

Andreas Gammel

Matthias Garke

Silke Hamann

Ute Hensler

Holger Heymann

Holm Holtwig

Gunhild Igel

Anette Klump

Heinrich Knechten

Judith König

Ulrich Lehmkuhl

Maria Liegl

Manfred Lokaiczyk

Gabi Melters

Jörg Meyer

Bernhard Mihm

Eva Möhle

Andreas Moshövel

Nicola Moshövel

Birte Mötter

Jürgen Otte

Hansgerd Paulus

Martina Petry

Joachim Piel

Thomas Pieperhoff

Georg Pietron

Hans Printschler

Susanne Rosche

Marita Salawarda

Egbert Schenzer

Christa Siebers

Silke Stein

Andreas Storost

Michael Tinz

Jürgen Weusthoff

Sabine Weusthoff

Susanne Weusthoff

 

1982 wurde ich an eine andere Kaplansstelle versetzt. Rechtzeitig war es gelungen, ein neues Ladenlokal für den Dritte-Welt-Laden zu finden, da nicht davon auszugehen war, daß mein Nachfolger den Laden in seiner Wohnung lassen würde. Herzlich möchte ich mich bei Edith Bruckwilder und Doris Regorz bedanken, die sich außerordentlich für die Weiterführung des Projekts einsetzten. Siehe Eine-Weltladen Dinslaken.

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026

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