Humor

 

Inhalt

Vorbemerkung. 1

Raus aus der Paradies! 2

Emmaus. 4

Läbben. 6

Rom.. 8

Das Käppchen. 11

Am Tage des Namens. 13

Tapezieren. 15

Hottentotten. 19

Truthahn mit Whisky. 22

 

 

Vorbemerkung

In den Jahren 1978 bis 1983 und 1999 bis 2019 stand ich jährlich ein oder zweimal in de Bütt. Einige wenige dieser Beiträge gebe ich hier wieder.

Mehrmals band ich in die Darbietungen Mitglieder der Pfarrei, aber auch meiner Familie ein. Das waren Höhepunkte des Karnevals.

Wilfried May wurde am 13. Februar 1948 geboren, war Lehrer für geistig Behinderte, sang seit 1983 im Chor der heiligen Boris und Gleb Horneburg, erkrankte schwer und starb am 4. Mai 2020 in Castrop-Rauxel.

Er hatte ein einzigartiges Talent der Darbietung. Mit winzigen Andeutungen charakterisierte er eine Region oder einen Typ Mensch. Er hat diese Texte nicht geschrieben, aber auch das sichere Gespür für die Auswahl ist entscheidend. Wir sind ihm zu Dank verpflichtet für die frohen Stunden, die er allen bereitet hat.

Raus aus der Paradies!

Meine Damen, Messieurs, Sie ören jetzt die traurige Geschichte von die allez-op, raus aus der Paradies!

Als Monsieur le Ergott sein fertisch gewesen mit die Welt, aben er gemackt für sisch, für sein amusement privat der Paradies. Dort sein gewesen toujours schöne Wetter, un nix Krieg, un nix aben gefressen Maus, Katz nix Maus un Maus nix Speck, Monsieur le Ergott sisch aben gesagt, du mußt aben eine Mann für diese Menagerie, aben genommen einen Klumpen Dreck, aben gemackt okus-pokus, un fertisch war ein Mensch, Monsieur Adam.

Un jour Monsieur le Ergott macken eine inspection in der Paradies un kommen zu Monsieur Adam. Monsieur Adam sagen: « Bonjour, Monsieur le Ergott, Paradies sein serr schön, aber serr langweilisch pour moi. Alle Tiere aben Kamerrad. Warum isch nix Kamerrad? »

Monsieur le Ergott überlegen eine petit moment, dann sagen err: « Allez-coucher! Okus-pokus ! », un fertisch sein gewesen Kamerrad: Madame Eva. Un er sagen: « Madame Eva, du sein Kamerrad von Monsieur Adam, du müssen macken viel manger. Aber du nix manger von diese Apfelbaum, die sein für misch, sein meine Privatreinette! »

Da, plötzlich, Monsieur Adam wach, sehen la figure von Kamerrad Eva un sagen: « O-la-la, Monsieur le Ergott, mein compliment, das aben du gemackt serr fein! »

Monsieur Adam aben geabt viel plaisir mit Kamerrad Eva un aben gemackt serr viel promenade, wandeln lust in der Paradies. Eines Tages sie kommen zu die Apfelbaum. Dort sein gewesen Teufel in figure von große Wurm un aben gesagt: « Madame Eva, du wirst wissen alles, wie Monsieur le Ergott. Du wirst wissen, ob Monsieur Adam sein un grand filou, wenn du beißen in diese Apfel. »

Madame Eva beißen in die Apfel un sagen: « Cʼest égal für misch, aber du nix beißen in die Apfel? Du nix aben courage? Monsieur Adam, du sein grand Waschlappen! »

Da beißen Monsieur Adam auch in die Apfel.

Jetzt sie merken, daß sie sein nackt un Madame Eva schreien: « Isch sein nackt, isch muß directement aben eine costume! »

Aberr Monsieur Adam nur finden eine Feigenblatt un macken davon kleine, aber serr charmante costume.

Un jour Monsieur le Ergott macken encore une inspection in der Paradies. Monsier Adam und Madame Eva sisch verstecken un laufen inter eine Busch. Aber Monsieur le Ergott sie finden. Da sie rufen: « Monsieur le Ergott, wir sein nackt, aben nix Klamotte, aben gegessen von die Privatreinette. »

Da sein gewesen Monsieur le Ergott serr böse un aben gerufen le chef principal de la police, Monsieur Gabriel. Derr sein gekommen mit große Säbel un aben geschrien : « Ihr aben gegessen von diese Baum Privatreinette. Dies sein défendu! Ihr nix mehr gutt für Paradies. Allez-op vite, vite! Raus aus der Paradies! » Un err aben aufgepaßt, daß nix mehr retour.

Seit diese Zeit die Menschen travailler et manger ihr Brot in die Schweiß von ihre visage. Un das alles wegen eine kleine Privatreinette!

Emmaus

Jestatten, Paster von Podnichkeit. Podnichkeit, missen Se wissen, liegt zwölfunddreißig Kilometer hinter Ollenstein, mit Pferd und Wagen, versteht sich, mit der Eisenbahn is nich janz so weit.

Liebe Jemeinde!

Heite will ich Eich eine Predigt halten über das Wort Jottes, das da jeschribben steht in der Bibbel, Lukas, Kapitel vierundzwanzig, Vers dreizehn bis finfunddreißig:

„Zwei Jinger gingken nach Emmaus.“

Zwei Jinger gingken nach Emmaus!

Zwei. Zwei! Dieses Wort zwei. Es wor nicht einer, nein, es woren nicht dreie, nein, es woren nicht viere. Nein! Jo, nicht mol ein Verein wor es nicht. Zwei. Zwei! Dieses Wort zwei!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Jinger. Dieses Wort Jinger. Jinger! Es woren keine Alten nicht, nein, es woren keine Mittelalten nicht, nein, es woren auch keine Kinder nicht, nein, es woren sogar auch keine Teenager nicht, nein! Jinger woren es. Dieses Wort Jinger. Jinger!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Gingken. Dieses Wort gingken! Se sprongen nicht, nein, se fuhren nicht, nein, se flogen auch nicht mit en Hubschrauber nicht, nein, auch mit Elektrische sind se nicht, nein! Gingken! Dieses Wort gingken.

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Nach. Nach! Sie gingken nicht vor, nein, nicht hinter, nein, nicht rrunter und auch nicht rrauf, nein, nein und noch einmal nein! Nicht unter und nich iber, nein. Nach. Nach!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Emmaus. Emmaus! Dieses Wort Emmaus! Es wor nicht Amaus. Nein. Es wor nicht Bemaus. Nein. Es wor nicht Cemaus. Nein. Nicht einmal Demaus. Nein. Eeeeemaus. Dieses Wort Emmaus!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Und nun, liebe Jemeinde, lassen Se uns nun jemeinsam einstimmen in das Lied, das jute und schöne:

So laß uns denn mit Mut und Kraft
Der Arbeit aus dem Weje jehn!

 

Läbben

„Herr Kandidat, welche Kenntnisse haben Sie in der hebräischen Sprache?“ –

„Ich diesen Sprach nicht kännen! – Härr Consistorialrath, kännen Ihr Bolsch?“ –

„Ob ich Polnisch kann? Nein!“ –

Säjen Ihr! Ejnen kann diesen Sprach, andern kann jejnen. Werden Ihr prejdijen auf Ebräisch, werden ich prejdijen auf Bolsch!“ –

 

Is sich Jehejmnis der Läbben! Is sich Jehejmnis Singen unn Trinken, is sich Jehejmnis Mond unn Schtärne. Wejp auch, viellejcht sojar Jehejmnis ärkstes, wer wejß? Rejne Vernunft vunn Prufessorrejner Jehejmnis. Läbben sich jejt alläjn mit Jehejmnis.

 

Wejnet, ihr Tannen von Lejbenschtejn, eure Cäder is jefallen!

Was is sich jewejsen sälich Verstorbener? War er Wäggwäjser auf Kreuzwägg vunn Läbben. War er Lusthaus vunn unsere Jemejnd, darinnen wir sich kunnten nach Herzenslust verjniejen. War er jlejchsam Pfanne vunn Brott, darejn das fejne Mähl wahren Jlaubens wurde jebakken. Er erhob sejne Schtimme wie alter Trummel vunn Jarnison, unn sejne Worte durchdrangen alle Ohren wie schejn ausjeschpieltes Brummtopf.

 

Sobald uns Fäjermerser mitterlichen Lejbes an das Wält schmejßt, lassen wir vor uns herjejen Schrejen unn Klaggen. Da laufen die Tränen von Dachrinnen unser Aujen wie Milch vunn Butter aus zerplatzt Fass vunn Butter.

Wänn wir sich haben wie klejnes Mäusekätzchen jewärmt an Fäjerherd dieses Ärde, kommt Koch Tott unn schmejßt uns in Kessel des Jrabes wie bolnische Kräbbse.

 

Was is sich menschlicher Läbben? Menschlicher Läbben is sich wie Teerpaudel an kaschubische Waggen. Jäjt sich, schlikker di schlakker. Ab rejßt sich Paudel; ab rejßt sich menschlicher Läbben.

Was is sich menschlicher Läbben wäjter? Menschlicher Läbben is sich wie Butter in Sonne. Kommt sich Sonne, schejnt auf Butter, wäck fließt sich Butter; wäck fließt sich menschlicher Läbben.

Was is sich menschlicher Läbben am Dritten? Menschlicher Läbben is sich wie ärmlicher Schtrohdach. Kommt sich Wind, perdautz, fällt sich um – Dach; fällt sich um – menschlicher Läbben.

 

– Lasset sich mejne Tränen mit Eurijen fließen inejnander. Euer Prejdijer is erblasset, dessen Worte jildene Äpffel auf silberne Bläch.

Jeschlossen is sich Auje, tott! Maul zu, was hat jelehret Jott. Wie schejn blieht sich Ros an sejne Schtokk, schpringt zu, frißt ab das Ziggenbock; so fraß auch mittn in Läbbenlauf der Tott den säljen Prejdjer auf. Nun liggt er da auf Jottesakker – pfui Tott: Du Rakker !

 

 Michael Pogorzelski (1737 - nach 1798).
Ein Brummtopf ist ein Topf, über dessen Öffnung eine Membrane gespannt ist, in der ein Holzstab eingebunden ist. Reibt man den Stab mit einem feuchten Lappen, entsteht ein brummendes Geräusch.
Ein Teerpaudel ist eine teergetränkte Radnabe.
Siehe auch: Von Grafen, Pastoren und Marjellchen. Ostpreußen und seine Originale in Anekdoten und Histörchen, Wilhelm Matull, Leer 1997, 175-185 (Michael Pogorzelski – der Zauberer Gottes).

 

Rom

Briefwechsel zwischen der Oma und ihrem Enkel Harald

 

Liebe Omi,

aus Italy schick ich Dir ne message, damit Du schnallst, dass ich gut drauf bin.

Wir sind mit dem Ofen erst bis Pisa gebrettert, wo sie diesen affenstarken Tower haben und haben uns dort eine Mafia-Torte reingetan. Wie heißt das Zeug? Pizza-prolo.

Am ersten Abend waren wir heavy abgebaggert; aber jetzt sind die vibrations gut. Wir kübeln reichlich Wein rein, sind aber voll drauf und checken den Trip gut ab. Mach Dir keine Sorgen, liebe Omi!

Wir heizen jetzt noch durch die Pampa nach Rom. Das soll ja galaktisch sein; lauter Antik-Schrott da. Das wird der Royal flash.

So long, liebe Omi. Wenn Du genug power hast, schick mal Schotter: blau, gebündelt, postlagernd, Roma. Ich muss sehen, dass ich in die Hufe komme.

Kisses! Harry.

 

Mein  lieber Harald!

Vielen Dank für Deinen schönen Brief aus Pisa. Deine Omi freut sich immer, wenn sie etwas von Dir hört. Aber, Harald, schreib doch auch mal, wie es Dir geht. Davon schreibst Du gar nichts. Ich mache mir doch Sorgen! Kommst Du denn mit dem Geld klar, oder soll die Omi noch 20 Mark schicken?

Ich gehe heute Tante Leni besuchen und gebe ihr Deinen Brief zu lesen. Sie freut sich sicher auch darüber.

Erhol Dich gut, lieber Harald, und schreibe bald wieder.

Immer, Deine Omi.

P. S.: Hab ich das richtig verstanden, daß Ihr nach Rom fahrt? Ach bitte, grüß doch den Heiligen Vater von mir, wenn Du ihn siehst. Er wohnt ja dort.

 

Liebe Omi,

danke für den Schotter. Du bist wirklich eine schrille Gurke, Omi. Schreibe heute nur kurz, wollen noch auf die Disco-Piste gehen.

Habe die Freaks hier gefragt; der Typ, den ich grüßen soll, wohnt in einer abgeschotteten Wohngemeinschaft; man muss elende connections haben, um da dranzukommen, und darauf habe ich echt null Tarif. Rom ist tierisch.

Love, Harry.

P. S.: Was macht Deine Thrombose?

 

Lieber Harald!

Danke für die schöne Postkarte aus Rom. Mit meiner Thrombose ist es schon viel besser geworden. Die neue Salbe von Dr. Möbes hilft doch gut.

Versuch doch noch einmal, den Heiligen Vater zu sehen. Geh einmal in den Petersdom, da hält er sich oft auf. Es wäre schön, wenn Du ihn sehen könntest.

Ich hoffe, es geht Dir gut.

Immer, Deine Omi.

 

Hey Omi,

habe in den Peters-Schuppen gemoved. Affenstark! Habe den Freak gesehen. Trägt tierische Klamotten. Der ist voll auf dem Jesus-Trip und hat in der Petersdisco ne irre Show durchgezogen. Wahnsinns-Sound da! Kam leider nicht näher an ihn ran. Ich flipp ja aus, was Du für coole Zampanos kennst, Omi. Der Riesentyp weiß echt, was Tango ist. Schätze, daß ich in Germany jetzt verschärft zulangen werde, um auch so einen Superjob zu kriegen.

Take it easy, Harry.

Das Käppchen

Ich möchte Ihnen ein kleines Erlebnis aus meiner Schulzeit erzählen.

Es ist schon lange her. Ich ging damals hier in die evangelische Schule und wir sollten im Rahmen einer ökumenischen Woche eine katholische Messe besuchen und anschließend einen Aufsatz darüber schreiben. Ich hatte den besten Aufsatz geschrieben und ich möchte ihn Euch einmal vorlesen.

Die Überschrift lautete: Unser Besuch einer katholischen Messe.

So etwas Komisches habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Erst hat es gebimmelt, dann kamen zwei kleine Pastörkes und dahinter ein großer Pastor. Die haben sich da vorne hingestellt. Dann hat einer von den kleinen Pastörkes dem Großen das Käppchen weggenommen und hat es vorne irgendwo versteckt. Er hatte aber vergessen, wo er es hingelegt hatte.

Dann haben die zwei kleinen Pastörkes und der Große vorne auf der Treppe überall herumgeguckt und sich gebückt, um das Käppchen zu finden. Die zwei Kleinen haben sich dabei ganz tief gebückt, um besser gucken zu können. Aber das Käppchen war fort. Dann ist der Große die Treppe hinaufgegangen und hat ein großes Buch aufgeschlagen, um zu gucken, ob da nicht drin steht, wo das Käppchen geblieben wär. Die zwei kleinen Pastörkes sind überall rechts und links herumgelaufen, um das Käppchen zu suchen, aber sie haben es nicht gefunden.

Da hat sich plötzlich der große Pastor herumgedreht, hat die Hände auseinandergefaltet und ich meine, er hätte laut gerufen: „Käppken, wo bist du?“ Weil sie das Käppchen nicht finden konnten, ist der Pastor eine große Treppe hinaufgestiegen und hat mit den Leuten geschimpft und gedonnert, was das Zeug hält.

Dann ist er wieder die Treppe heruntergekommen, hat sich herumgedreht, wieder die Hände auseinandergefaltet und hat gerufen: „Käppken, wo bist du?“

Vor lauter Ärger hat er dann zu saufen angefangen. Die zwei kleinen Pastörkes haben ihm Schnaps aus zwei Kännekes eingeschüttet, dann hat er sich wieder herumgedreht und hat gerufen: „Käppken, wo bist du?“

Dann waren sie auf einmal ganz schlau und haben zwei Kassierer herumgeschickt und haben den Leuten Geld abgenommen, um ein neues Käppchen zu kaufen. Nachdem sie das Geld hatten, hat es öfter gebimmelt. Da haben sich die Leute gebückt, um zu gucken, ob das Käppchen nicht unter ihrer Bank lag. Der große Pastor hat sich dabei ganz tief gebückt, aber das Käppchen war nicht zu finden. Nach einiger Zeit sind die zwei kleinen Pastörkes  wieder nach rechts und links gelaufen, um das Käppchen zu suchen, aber sie haben es nicht gefunden.

Dann hat der Große den Schnaps ausgesoffen, noch einmal eine neue Lage bestellt und hat es dann wieder bis zum letzten Tropfen ausgesoffen. Dann hat er sich wieder herumgedreht und gerufen: „Käppken, wo bist du?“ Kurze Zeit später hat er sich herumgedreht, wirbelte mit der rechten Hand durch die Luft und sagte den Leuten, sie sollten machen, daß sie nach Hause kommen. Dann sind alle gegangen.

Da geht auf einmal einer von den kleinen Pastörkes um die Ecke herum und als er wiederkommt, hat er das Käppchen in der Hand. Der Große hat es sich schnell auf den Kopf gesetzt und dann sind alle drei durch die Tür an der Seite verschwunden.

Das Geld aber, das sie vorher gesammelt hatten, haben sie den Leuten nicht wiedergegeben.

 

Hier wird eine Tridentinische Messe geschildert. Die Meßdiener läuten mit der Glocke an der Sakristei. Auf dieses Signal hin erheben sich die Gläubigen. Ein Meßdiener nimmt dem Pastor das Birett ab und legt es auf die Kredenz, den Gabentisch. Es folgt das Staffelgebet. Beim Confiteor verneigen sich erst die Meßdiener und dann der Geistliche zum Zeichen der Reue und der Vergebungsbitte. Der Ruf des Priesters lautet: „Dominus vobiscum“, der Herr sei mit euch. Bei der Predigt auf der Kanzel war es üblich, den hartgesottenen Sündern gehörig einzuheizen („abkanzeln“). Wenig respektierlich wird die Gabenbereitung mit Wasser und Wein beschrieben. Es folgt die Kollekte, bei der in ein Körbchen Geld gelegt wird. Die Meßdiener läuten zur Heiligen Wandlung und die Gläubigen knien sich hin. Die Heilige Kommunion, die es als Abendmahl ja auch in der evangelischen Kirche gibt, wird wenig ökumenisch geschildert. Es folgt der Segen mit der rechten Hand. „Ite, missa est“ – Gehet hin, es ist Entlassung. Von dem Wort missa kommt das deutsche Wort Messe. Es folgt der Auszug der Meßdiener und des Geistlichen in die Sakristei.

Am Tage des Namens

Der Lehrer hatte die Aufgabe gegeben, keine zusammengesetzten Dingwörter zu gebrauchen. Daraufhin schrieb Fritzchen folgenden Aufsatz:

Der Tag des Namens meines Vaters

 

In der vergangenen Woche wurde bei uns der Tag des Namens meines Vaters gefeiert.

Schon am Morgen begann der Trubel des Festes, als die Kinder der Nachbarn erschienen waren. Sie brachten die Sträuße der Blumen und für meine Mutter Pralinen der Schachtel.

Die Kinder bekamen Torte des Obstes mit Sahne des Schlages. Dazu tranken sie Saft der Beeren des Johannis. Die Folge war, daß sie unser Klosett des Plumpses eifrig benutzten.

Da die Kapelle der Musik verhindert war, konnte das Konzert des Platzes nicht stattfinden. Dafür trug meine Schwester ein Stück des Konzertes der Flöte des Blockes vor und mein Bruder begleitete sie auf dem Klaviere des Schiffes.

Zum Essen des Mittags am Tage des Namens meines Vaters gab es Suppe des Fleisches der Rinder, Braten des Schweines, Kartoffeln des Salzes und Salat des Kopfes. Zum Schluß gab es eine Bombe des Eises.

Am Tage des Namens meines Vaters kamen die Brüder des Gesanges des Chores der Kirche und eine Abordnung der Kegeln des Klubs zu uns.

Mein Vater bekam von ihnen zum Tage des Namens Hemden des Ober und eine Flasche Brandes des Weines.

Mutter bat zum Bleiben.

Es gab Kaffee der Bohnen und Milch der Büchse. Dazu aßen wir Kuchen des Napfes und Torte der Creme der Butter. Weiter tischte meine Mutter auf: Stiche der Bienen und Beutel des Windes, Köpfe der Mohren und Küsse der Neger.

Beim Essen des Abends gab es Salat der Kartoffeln, Eier der Russen, Schnitten mit Wurst des Blutes und der Leber, Käse der Allgäuer und Stangen des Salzes, garniert mit Sardinen des Öles.

Wir Kinder tranken Milch der Butter, die Erwachsenen Wein des Rheines. Auch Bier des Bockes und Wasser der Kirschen der Wälder der Schwarzen war vorhanden.

Dann aber mußten wir in die Stube des Schlafes und deckten uns mit der Decke der Steppe zu. Der Halter des Stammes mußte vorher auf den Topf der Nacht.

Am Morgen nach dem Tage des Namens meines Vaters krähte der Hahn auf dem Haufen des Mistes und weckte uns alle.

Mein Vater hatte Jammer der Katzen. Er aß Heringe des Salzes und Möpse des Rolles. Es war ihm schlecht und er nahm Tabletten des Spaltes und verschwand in dem Zimmer des Bades, um sich zu erfrischen. Er nahm die Bürste des Zahnes und gurgelte mit dem Wasser des Mundes. Dann wankte er zur Stelle der Arbeit.

Wir Kinder aber gingen zur Schule der Hilfe.

Wir konnten den Tag des Namens meines Vaters nicht vergessen.

Tapezieren

Hurra! Es ist passiert, ich habe die Wohnung tapeziert!

Was hab ich geschimpft und geschwitzt wie ein Bär,

ich kann Euch verraten: Tapezieren ist schwer!

 

Gestern sagte mein Adelheid: „Die alten Tapeten, die bin ich leid!

Wir renovieren, morgen geht es los!“

Und den Gedanken, den fand sie famos!

Doch es ging nicht nach mir.

Beim allerersten Hahnenschrei fingen wir an mit der Matschkiddelei.

„Zunächst“, so sagte man uns beiden,

„muß man die Tapeten auf Bahnen schneiden.“

Jetzt standen wir da, zu rechnen bereit,

mit zehn Rollen Tapete, je sechzig breit,

das macht auf zehn Meter fast, – genau, – ungefähr…

Junge, ich hatt es geahnt: Tapezieren ist schwer!

„Hör auf“, sagt meine Frau, „du Rechenfighter,

sonst kommen wir zwei überhaupt nicht weiter!“

Sie drückt mir ein Eimerchen Leim in die Hand und sagt:

„Das verteilst du jetzt akurat an der Wand!

Dann nimmst du die Rolle hier und ziehst sie schön knapp,

was unten zuviel ist, das schneiden wir ab!“

Gesagt, getan, wir fingen an.

Grad waren wir bei der siebenten Bahn,

da wurde die erste Bahn schon wieder munter

und rutschte ganz langsam die Wand herunter!

Die zweite und dritte rutscht gleich hinterher.

Na, was hab ich gesagt: Tapezieren ist schwer!

Meine Frau sprang hin und wollte sie noch fangen,

schon hat sie im Eimer mit Kleister gehangen!

Ich rief noch: „Paß auf!“ Doch es war schon zu spät,

sie lag in der Brühe, obendrauf die Tapet!

Ich hätt sie am liebsten, doch ich hatte kein Gewehr,

sonst hätt ich sie, – ehrlich: Tapezieren ist schwer!

Obwohl völlig schuldlos, trifft mich die Mahnung:

Ich wäre ein Rindvieh und hätt keine Ahnung!

 

Sie kuckt die Tapet an und sagt ganz verhagelt:

„Jetzt geht es rund, jetzt wird genagelt!“

Sie nimmt den Hammer, peilt an die Wand,

dabei hielt sie den Nagel verkehrt in der Hand.

„Nun sieh mal“, sagt sie, „jetzt kommt die Pleite,

der hat ja den Kopf auf der falschen Seite!“

Ich sage: „Du hast zu wenig Verstand,

das ist die Spitze, die gehört an die Wand!

Laß mich mal probieren, gib den Hammer her,

da bist du zu dumm für: tapezieren ist schwer!“

Dann hab ich gehämmert, gekloppt wie ein Schuster,

Nagel an Nagel, Muster an Muster!

Nach dreieinhalb Stunden, da war ich es satt.

Der Hammer war glühend, mein Daumen war platt.

Drei Kilo Nägel hatt ich verschlissen,

die Wand sah aus, wie von Fliegen … beschmutzt.

Die Bahnen, die hingen kreuz und quer,

ein paar waren zerrissen: Tapezieren is schwer!

Nun hat das Adelheid einen praktischen Sinn,

hängt an jeden Nagel ein Bildchen hin,

links alte Kalender, das sieht ein Blinder,

rechts die Oma, die Tant und die Kinder.

Die Wohnung wirkt jetzt enorm familiär,

doch die neue Tapet, die sieht man nicht mehr!

 

Zum Schluß haben wir auch noch die Fenster lackiert

und dabei ist dann ein Malörchen passiert.

Fenster zu streichen ist gar kein Problem,

nur die Rahmen von draußen, das ist unangenehm.

Ich sage: „Ich will nicht, ich habe keine Courage,

das schmale Brettchen, die erste Etage!“

„Nun mach keinen Ärger!“, flötet sie,

„ich werde dir helfen, ich weiß auch schon wie.

Wir nehmen die Tür vom Schlafzimmerschrank

und legen sie quer über die Fensterbank.

Streich du ruhig draußen, und fürchte dich nicht,

ich halte ja drinnen das Gegengewicht!“

In der einen Hand den Pinsel, und vom Lack den Rest,

mit der andern hielt ich mich krampfhaft fest,

mit der dritten wollt ich, da wurde mir flau,

unten gähnte der Abgrund und drinnen meine Frau!

Da keift sie auch schon von drinnen heraus:

„Sag, bist du bald fertig? Wie sieht es denn aus?“

Ich sage: „Prima, mir gefällt es“, – da schellt es.

Meine Frau springt auf, wollt sehen, wer da ist,

mit mir ging es abwärts, samt Lack und Gerüst.

Ich lande genau mit der Rückseite vom Bauch

neben der Haustür, in dem Rosenstrauch.

Mir wurde es vor den Augen grad himmelblau,

da erschien in der Türe der Kopf meiner Frau.

Sie fragt mit dem dümmsten Gesicht von der Welt:

„Was machst du denn hier unten, hast du etwa geschellt?“

 

Aber jetzt sind wir fertig, wenigstens so ungefähr.

Nur ein gelernter Tapezierer, der muß noch mal her!

Und wenn ihr mich fragt, ich sag es frei heraus:

„Tapezieren ist einfach, probiert es mal aus!“

Hottentotten

Die Hottentotten sind ein Volk in Afrika. Ihre Regierung sind die Hottentotten - Potentaten.

Sie sind Christen und haben deshalb Patentanten, die Hottentotten - Potentaten- Patentanten.

Da Patentanten oft reich sind, werden sie manchmal entführt, und zwar von den Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentätern.

Wenn man so einen Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter gefangen hatte, wußte man nicht so recht, wohin damit, und so baute man Lattenkutter, also Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter.

Die Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter starben so langsam aus und die Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter standen leer, so daß die Hottentotten - Potentaten überlegten, was sie damit anfangen sollten.

Man überlegte, beobachtete den Weltmarkt und die Möglichkeiten des Landes und kam zu dem Schluß, daß Pelze wieder modern seien. Im Lande gab es schöne, große Beutelratten. Aber das Kind mußte natürlich einen Markennamen haben. So nannte man diese Pelztiere einfach Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten.

Nun sind Beutelratten, nicht nur Pelz- sondern auch Nagetiere, welche ihre Lattenkutter, also die Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter zernagten.

Da aber das Geschäft gut lief mit den Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten, wurden immer mehr Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter gebraucht, die dauernd repariert werden mußten und so entstand der Berufszweig der Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter.

Sie bekamen im Laufe der Zeit allerdings eine Berufskrankheit, nämlich so einen Zittertatterich, aber einen ganz speziellen, also einen Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich, und der trat auf, obwohl sie sich regelmäßig mit Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Anti - Zittertatterich - Atta wuschen.

 

Eines Tages treffen sich zwei Hottentotten, sagt der eine zu dem, der zittert und tattert: „Was hast du denn?“ Der andere antwortet: „Ich habe einen Zittertatterich.“

„Was für einen Zittertatterich?“ – „Einen Lattenretter - Zittertatterich!“

„Welchen Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Beutelratten - Lattenretter- Zittertatterich!“

„Welchen Beutelratten- Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich!“

„Welchen Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter- Zittertatterich!“

„Welchen Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten- Lattenretter- Zittertatterich!“

„Was für einen Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich!“

„Welchen Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich!“

„Und was tust du dagegen?“ – „Ich wasche mich täglich mit Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Anti - Zittertatterich - Atta.“

„Das konntest du auch gleich sagen!“

Truthahn mit Whisky

Für sechs Personen kaufe man einen Truthahn von fünf Kilogramm und eine Flasche Whisky. Dazu Salz, Pfeffer, Olivenöl und Speckstreifen.

Zubereitung: Den Truthahn mit Speckstreifen belegen, schnüren, salzen, pfeffern und etwas Olivenöl dazugeben. Den Backofen auf 200º Celsius einstellen. Dann ein Glas Whisky einschenken und auf gutes Gelingen trinken. Anschließend den Truthahn auf einem Backblech in den Backofen schieben. Nun schenke man sich zwei schnelle Gläser Whisky ein und trinke wieder auf gutes Gelingen.

Den Thermostat nach zwanzig Minuten auf 250º C stellen, damit es ordentlich brummt. Danach schenke man sich drei weitere Gläser Whisky ein.

Nach halm Schdunde öffnen, wendn un den Braten überwachn. Die Fisskieflasche ergreiffn unn sich eins hinner die Binde kippn. Nach ner weiteren albernen Schunnde langsam bis zzum Ofen hinschlenderen uhd die Trute rumwenden. Drauf achtn, sisch nitt de Hand ze vabrennn an die Schaiß-Ohfndür. Sisch waidere ffünff odda siehm Wixki innen Glas sisch unn dann unn so. Di Drute weehrent drrai Schunnʼnt (iss auch egal) waiderbraan unn all sehn Minudʼn pinkeln. Wenn irntwi möchlisch, sum Trathuhn hinkrieschn unn den Ohwn ausʼm Viech ziehn. Nommal ein Schlugg geneemign unn anschließnt wida fasuchen, das Biest rauszukriegn. Den fadammtʼn Vogel vom Bodn aufläsen unn uff ner Bladde hinrichten. Uffbasse, das nitt Ausrutschn auffʼm schaißfettichn Kühnbodn. Wenn sisch droßdem nitt fameidn, fasuhn wida aufruschichtn odda so hahaha is ja alles eeeehegaaal!!!!!!

 

Ein wenig schlafen. Am nächsten Tag den Truthahn mit Mayonnaise und Aspirin kalt verzehren.

 

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026

Hauptseite