Humor

 

Tapezieren ist schwer, H. M. Knechten beim Kolping-Seniorenkarneval 2011 in Horneburg

Inhalt

Vorbemerkung. 4

Wilfried May. 4

Raus aus der Paradies! 8

Emmaus. 11

Läbben. 13

Rom.. 16

Das Käppchen. 19

Am Tage des Namens. 23

Tapezieren. 25

Hottentotten. 30

Truthahn mit Whisky. 33

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann. 35

Die Bischöfinnenkonferenz. 42

Guten Flug! 53

Der Narrensinn. 57

Horneburg Helau! 61

Brief an die Versicherung. 62

 

 

Vorbemerkung

In den Jahren 1978 bis 1983 und 1999 bis 2019 stand ich jährlich ein oder zweimal in de Bütt. Einige wenige dieser Beiträge gebe ich hier wieder.

Mehrmals band ich in die Darbietungen Mitglieder der Pfarrei, aber auch meiner Familie ein. Das waren Höhepunkte des Karnevals.

In dieser kleinen Sammlung findet sich auch eine etwas andere Weihnachtsgeschichte.

Wilfried May

Wilfried May beim Kolping-Seniorenkarneval 2015

 

Wilfried May wurde am 13. Februar 1948 geboren, war Lehrer für geistig Behinderte, sang seit 1983 im Chor der heiligen Boris und Gleb Horneburg, erkrankte schwer und starb am 4. Mai 2020 in Castrop-Rauxel.

Wilfried May beim Kolping-Seniorenkarneval 2015

 

Er hatte ein einzigartiges Talent der Darbietung. Mit winzigen Andeutungen charakterisierte er eine Region oder einen Typ Mensch. Er hat diese Texte nicht geschrieben, aber auch das sichere Gespür für die Auswahl ist entscheidend. Wir sind ihm zu Dank verpflichtet für die frohen Stunden, die er allen bereitet hat.

 

Wilfried May beim Kolping-Seniorenkarneval 2014

Tapezieren ist schwer, H. M. Knechten beim Kolping-Seniorenkarneval 2011 in Horneburg

Raus aus der Paradies!

Meine Damen, Messieurs, Sie ören jetzt die traurige Geschichte von die allez-op, raus aus der Paradies!

Als Monsieur le Ergott sein fertisch gewesen mit die Welt, aben er gemackt für sisch, für sein amusement privat der Paradies. Dort sein gewesen toujours schöne Wetter, un nix Krieg, un nix aben gefressen Maus, Katz nix Maus un Maus nix Speck, Monsieur le Ergott sisch aben gesagt, du mußt aben eine Mann für diese Menagerie, aben genommen einen Klumpen Dreck, aben gemackt okus-pokus, un fertisch war ein Mensch, Monsieur Adam.

Un jour Monsieur le Ergott macken eine inspection in der Paradies un kommen zu Monsieur Adam. Monsieur Adam sagen: « Bonjour, Monsieur le Ergott, Paradies sein serr schön, aber serr langweilisch pour moi. Alle Tiere aben Kamerrad. Warum isch nix Kamerrad? »

Monsieur le Ergott überlegen eine petit moment, dann sagen err: « Allez-coucher! Okus-pokus ! », un fertisch sein gewesen Kamerrad: Madame Eva. Un er sagen: « Madame Eva, du sein Kamerrad von Monsieur Adam, du müssen macken viel manger. Aber du nix manger von diese Apfelbaum, die sein für misch, sein meine Privatreinette! »

Da, plötzlich, Monsieur Adam wach, sehen la figure von Kamerrad Eva un sagen: « O-la-la, Monsieur le Ergott, mein compliment, das aben du gemackt serr fein! »

Monsieur Adam aben geabt viel plaisir mit Kamerrad Eva un aben gemackt serr viel promenade, wandeln lust in der Paradies. Eines Tages sie kommen zu die Apfelbaum. Dort sein gewesen Teufel in figure von große Wurm un aben gesagt: « Madame Eva, du wirst wissen alles, wie Monsieur le Ergott. Du wirst wissen, ob Monsieur Adam sein un grand filou, wenn du beißen in diese Apfel. »

Madame Eva beißen in die Apfel un sagen: « Cʼest égal für misch, aber du nix beißen in die Apfel? Du nix aben courage? Monsieur Adam, du sein grand Waschlappen! »

Da beißen Monsieur Adam auch in die Apfel.

Jetzt sie merken, daß sie sein nackt un Madame Eva schreien: « Isch sein nackt, isch muß directement aben eine costume! »

Aberr Monsieur Adam nur finden eine Feigenblatt un macken davon kleine, aber serr charmante costume.

Un jour Monsieur le Ergott macken encore une inspection in der Paradies. Monsier Adam und Madame Eva sisch verstecken un laufen inter eine Busch. Aber Monsieur le Ergott sie finden. Da sie rufen: « Monsieur le Ergott, wir sein nackt, aben nix Klamotte, aben gegessen von die Privatreinette. »

Da sein gewesen Monsieur le Ergott serr böse un aben gerufen le chef principal de la police, Monsieur Gabriel. Derr sein gekommen mit große Säbel un aben geschrien : « Ihr aben gegessen von diese Baum Privatreinette. Dies sein défendu! Ihr nix mehr gutt für Paradies. Allez-op vite, vite! Raus aus der Paradies! » Un err aben aufgepaßt, daß nix mehr retour.

Seit diese Zeit die Menschen travailler et manger ihr Brot in die Schweiß von ihre visage. Un das alles wegen eine kleine Privatreinette!

Von Wilfried May

 

Auftritt der Kindergartenkinder beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

Emmaus

Jestatten, Paster von Podnichkeit. Podnichkeit, missen Se wissen, liegt zwölfunddreißig Kilometer hinter Ollenstein, mit Pferd und Wagen, versteht sich, mit der Eisenbahn is nich janz so weit.

Liebe Jemeinde!

Heite will ich Eich eine Predigt halten über das Wort Jottes, das da jeschribben steht in der Bibbel, Lukas, Kapitel vierundzwanzig, Vers dreizehn bis finfunddreißig:

„Zwei Jinger gingken nach Emmaus.“

Zwei Jinger gingken nach Emmaus!

Zwei. Zwei! Dieses Wort zwei. Es wor nicht einer, nein, es woren nicht dreie, nein, es woren nicht viere. Nein! Jo, nicht mol ein Verein wor es nicht. Zwei. Zwei! Dieses Wort zwei!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Jinger. Dieses Wort Jinger. Jinger! Es woren keine Alten nicht, nein, es woren keine Mittelalten nicht, nein, es woren auch keine Kinder nicht, nein, es woren sogar auch keine Teenager nicht, nein! Jinger woren es. Dieses Wort Jinger. Jinger!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Gingken. Dieses Wort gingken! Se sprongen nicht, nein, se fuhren nicht, nein, se flogen auch nicht mit en Hubschrauber nicht, nein, auch mit Elektrische sind se nicht, nein! Gingken! Dieses Wort gingken.

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Nach. Nach! Sie gingken nicht vor, nein, nicht hinter, nein, nicht rrunter und auch nicht rrauf, nein, nein und noch einmal nein! Nicht unter und nich iber, nein. Nach. Nach!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Zwei Jinger gingken nach Emmaus.

Emmaus. Emmaus! Dieses Wort Emmaus! Es wor nicht Amaus. Nein. Es wor nicht Bemaus. Nein. Es wor nicht Cemaus. Nein. Nicht einmal Demaus. Nein. Eeeeemaus. Dieses Wort Emmaus!

So einfach, so schlicht, und doch tief erjreifend.

 

Und nun, liebe Jemeinde, lassen Se uns nun jemeinsam einstimmen in das Lied, das jute und schöne:

So laß uns denn mit Mut und Kraft
Der Arbeit aus dem Weje jehn!

Von Wilfried May

 

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann, H. M. Knechten beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

 

Läbben

„Herr Kandidat, welche Kenntnisse haben Sie in der hebräischen Sprache?“ –

„Ich diesen Sprach nicht kännen! – Härr Consistorialrath, kännen Ihr Bolsch?“ –

„Ob ich Polnisch kann? Nein!“ –

„Säjen Ihr! Ejnen kann diesen Sprach, andern kann jejnen. Werden Ihr prejdijen auf Ebräisch, werden ich prejdijen auf Bolsch!“ –

 

Is sich Jehejmnis der Läbben! Is sich Jehejmnis Singen unn Trinken, is sich Jehejmnis Mond unn Schtärne. Wejp auch, viellejcht sojar Jehejmnis ärkstes, wer wejß? Rejne Vernunft vunn Prufessor – rejner Jehejmnis. Läbben sich jejt alläjn mit Jehejmnis.

 

Wejnet, ihr Tannen von Lejbenschtejn, eure Cäder is jefallen!

Was is sich jewejsen sälich Verstorbener? War er Wäggwäjser auf Kreuzwägg vunn Läbben. War er Lusthaus vunn unsere Jemejnd, darinnen wir sich kunnten nach Herzenslust verjniejen. War er jlejchsam Pfanne vunn Brott, darejn das fejne Mähl wahren Jlaubens wurde jebakken. Er erhob sejne Schtimme wie alter Trummel vunn Jarnison, unn sejne Worte durchdrangen alle Ohren wie schejn ausjeschpieltes Brummtopf.

 

Sobald uns Fäjermerser mitterlichen Lejbes an das Wält schmejßt, lassen wir vor uns herjejen Schrejen unn Klaggen. Da laufen die Tränen von Dachrinnen unser Aujen wie Milch vunn Butter aus zerplatzt Fass vunn Butter.

Wänn wir sich haben wie klejnes Mäusekätzchen jewärmt an Fäjerherd dieses Ärde, kommt Koch Tott unn schmejßt uns in Kessel des Jrabes wie bolnische Kräbbse.

 

Was is sich menschlicher Läbben? Menschlicher Läbben is sich wie Teerpaudel an kaschubische Waggen. Jäjt sich, schlikker di schlakker. Ab rejßt sich Paudel; ab rejßt sich menschlicher Läbben.

Was is sich menschlicher Läbben wäjter? Menschlicher Läbben is sich wie Butter in Sonne. Kommt sich Sonne, schejnt auf Butter, wäck fließt sich Butter; wäck fließt sich menschlicher Läbben.

Was is sich menschlicher Läbben am Dritten? Menschlicher Läbben is sich wie ärmlicher Schtrohdach. Kommt sich Wind, perdautz, fällt sich um – Dach; fällt sich um – menschlicher Läbben.

 

– Lasset sich mejne Tränen mit Eurijen fließen inejnander. Euer Prejdijer is erblasset, dessen Worte jildene Äpffel auf silberne Bläch.

Jeschlossen is sich Auje, tott! Maul zu, was hat jelehret Jott. Wie schejn blieht sich Ros an sejne Schtokk, schpringt zu, frißt ab das Ziggenbock; so fraß auch mittn in Läbbenlauf der Tott den säljen Prejdjer auf. Nun liggt er da auf Jottesakker – pfui Tott: Du Rakker !

 

 Michael Pogorzelski (1737 - nach 1798).
Ein Brummtopf ist ein Topf, über dessen Öffnung eine Membrane gespannt ist, in der ein Holzstab eingebunden ist. Reibt man den Stab mit einem feuchten Lappen, entsteht ein brummendes Geräusch.
Ein Teerpaudel ist eine teergetränkte Radnabe.
Siehe auch: Von Grafen, Pastoren und Marjellchen. Ostpreußen und seine Originale in Anekdoten und Histörchen, Wilhelm Matull, Leer 1997, 175-185 (Michael Pogorzelski – der Zauberer Gottes). Von Johannes Hohmann.

 

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann, H. M. Knechten beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

 

Rom

Briefwechsel zwischen der Oma und ihrem Enkel Harald

 

Liebe Omi,

aus Italy schick ich Dir ne message, damit Du schnallst, dass ich gut drauf bin.

Wir sind mit dem Ofen erst bis Pisa gebrettert, wo sie diesen affenstarken Tower haben und haben uns dort eine Mafia-Torte reingetan. Wie heißt das Zeug? Pizza-prolo.

Am ersten Abend waren wir heavy abgebaggert; aber jetzt sind die vibrations gut. Wir kübeln reichlich Wein rein, sind aber voll drauf und checken den Trip gut ab. Mach Dir keine Sorgen, liebe Omi!

Wir heizen jetzt noch durch die Pampa nach Rom. Das soll ja galaktisch sein; lauter Antik-Schrott da. Das wird der Royal flash.

So long, liebe Omi. Wenn Du genug power hast, schick mal Schotter: blau, gebündelt, postlagernd, Roma. Ich muss sehen, dass ich in die Hufe komme.

Kisses! Harry.

 

Mein  lieber Harald!

Vielen Dank für Deinen schönen Brief aus Pisa. Deine Omi freut sich immer, wenn sie etwas von Dir hört. Aber, Harald, schreib doch auch mal, wie es Dir geht. Davon schreibst Du gar nichts. Ich mache mir doch Sorgen! Kommst Du denn mit dem Geld klar, oder soll die Omi noch 20 Mark schicken?

Ich gehe heute Tante Leni besuchen und gebe ihr Deinen Brief zu lesen. Sie freut sich sicher auch darüber.

Erhol Dich gut, lieber Harald, und schreibe bald wieder.

Immer, Deine Omi.

P. S.: Hab ich das richtig verstanden, daß Ihr nach Rom fahrt? Ach bitte, grüß doch den Heiligen Vater von mir, wenn Du ihn siehst. Er wohnt ja dort.

 

Liebe Omi,

danke für den Schotter. Du bist wirklich eine schrille Gurke, Omi. Schreibe heute nur kurz, wollen noch auf die Disco-Piste gehen.

Habe die Freaks hier gefragt; der Typ, den ich grüßen soll, wohnt in einer abgeschotteten Wohngemeinschaft; man muss elende connections haben, um da dranzukommen, und darauf habe ich echt null Tarif. Rom ist tierisch.

Love, Harry.

P. S.: Was macht Deine Thrombose?

 

Lieber Harald!

Danke für die schöne Postkarte aus Rom. Mit meiner Thrombose ist es schon viel besser geworden. Die neue Salbe von Dr. Möbes hilft doch gut.

Versuch doch noch einmal, den Heiligen Vater zu sehen. Geh einmal in den Petersdom, da hält er sich oft auf. Es wäre schön, wenn Du ihn sehen könntest.

Ich hoffe, es geht Dir gut.

Immer, Deine Omi.

 

Hey Omi,

habe in den Peters-Schuppen gemoved. Affenstark! Habe den Freak gesehen. Trägt tierische Klamotten. Der ist voll auf dem Jesus-Trip und hat in der Petersdisco ne irre Show durchgezogen. Wahnsinns-Sound da! Kam leider nicht näher an ihn ran. Ich flipp ja aus, was Du für coole Zampanos kennst, Omi. Der Riesentyp weiß echt, was Tango ist. Schätze, daß ich in Germany jetzt verschärft zulangen werde, um auch so einen Superjob zu kriegen.

Take it easy, Harry.

Von Gottfried Müller

 

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann, H. M. Knechten und Oma Knackbusch (Maria Honacker) beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

Das Käppchen

Ich möchte Ihnen ein kleines Erlebnis aus meiner Schulzeit erzählen.

Es ist schon lange her. Ich ging damals hier in die evangelische Schule und wir sollten im Rahmen einer ökumenischen Woche eine katholische Messe besuchen und anschließend einen Aufsatz darüber schreiben. Ich hatte den besten Aufsatz geschrieben und ich möchte ihn Euch einmal vorlesen.

Die Überschrift lautete: Unser Besuch einer katholischen Messe.

So etwas Komisches habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Erst hat es gebimmelt, dann kamen zwei kleine Pastörkes und dahinter ein großer Pastor. Die haben sich da vorne hingestellt. Dann hat einer von den kleinen Pastörkes dem Großen das Käppchen weggenommen und hat es vorne irgendwo versteckt. Er hatte aber vergessen, wo er es hingelegt hatte.

Dann haben die zwei kleinen Pastörkes und der Große vorne auf der Treppe überall herumgeguckt und sich gebückt, um das Käppchen zu finden. Die zwei Kleinen haben sich dabei ganz tief gebückt, um besser gucken zu können. Aber das Käppchen war fort. Dann ist der Große die Treppe hinaufgegangen und hat ein großes Buch aufgeschlagen, um zu gucken, ob da nicht drin steht, wo das Käppchen geblieben wär. Die zwei kleinen Pastörkes sind überall rechts und links herumgelaufen, um das Käppchen zu suchen, aber sie haben es nicht gefunden.

Da hat sich plötzlich der große Pastor herumgedreht, hat die Hände auseinandergefaltet und ich meine, er hätte laut gerufen: „Käppken, wo bist du?“ Weil sie das Käppchen nicht finden konnten, ist der Pastor eine große Treppe hinaufgestiegen und hat mit den Leuten geschimpft und gedonnert, was das Zeug hält.

Dann ist er wieder die Treppe heruntergekommen, hat sich herumgedreht, wieder die Hände auseinandergefaltet und hat gerufen: „Käppken, wo bist du?“

Vor lauter Ärger hat er dann zu saufen angefangen. Die zwei kleinen Pastörkes haben ihm Schnaps aus zwei Kännekes eingeschüttet, dann hat er sich wieder herumgedreht und hat gerufen: „Käppken, wo bist du?“

Dann waren sie auf einmal ganz schlau und haben zwei Kassierer herumgeschickt und haben den Leuten Geld abgenommen, um ein neues Käppchen zu kaufen. Nachdem sie das Geld hatten, hat es öfter gebimmelt. Da haben sich die Leute gebückt, um zu gucken, ob das Käppchen nicht unter ihrer Bank lag. Der große Pastor hat sich dabei ganz tief gebückt, aber das Käppchen war nicht zu finden. Nach einiger Zeit sind die zwei kleinen Pastörkes  wieder nach rechts und links gelaufen, um das Käppchen zu suchen, aber sie haben es nicht gefunden.

Dann hat der Große den Schnaps ausgesoffen, noch einmal eine neue Lage bestellt und hat es dann wieder bis zum letzten Tropfen ausgesoffen. Dann hat er sich wieder herumgedreht und gerufen: „Käppken, wo bist du?“ Kurze Zeit später hat er sich herumgedreht, wirbelte mit der rechten Hand durch die Luft und sagte den Leuten, sie sollten machen, daß sie nach Hause kommen. Dann sind alle gegangen.

Da geht auf einmal einer von den kleinen Pastörkes um die Ecke herum und als er wiederkommt, hat er das Käppchen in der Hand. Der Große hat es sich schnell auf den Kopf gesetzt und dann sind alle drei durch die Tür an der Seite verschwunden.

Das Geld aber, das sie vorher gesammelt hatten, haben sie den Leuten nicht wiedergegeben.

 

Hier wird eine Tridentinische Messe geschildert. Die Meßdiener läuten mit der Glocke an der Sakristei. Auf dieses Signal hin erheben sich die Gläubigen. Ein Meßdiener nimmt dem Pastor das Birett ab und legt es auf die Kredenz, den Gabentisch. Es folgt das Staffelgebet. Beim Confiteor verneigen sich erst die Meßdiener und dann der Geistliche zum Zeichen der Reue und der Vergebungsbitte. Der Ruf des Priesters lautet: „Dominus vobiscum“, der Herr sei mit euch. Bei der Predigt auf der Kanzel war es üblich, den hartgesottenen Sündern gehörig einzuheizen („abkanzeln“). Wenig respektierlich wird die Gabenbereitung mit Wasser und Wein beschrieben. Es folgt die Kollekte, bei der in ein Körbchen Geld gelegt wird. Die Meßdiener läuten zur Heiligen Wandlung und die Gläubigen knien sich hin. Die Heilige Kommunion, die es als Abendmahl ja auch in der evangelischen Kirche gibt, wird wenig ökumenisch geschildert. Es folgt der Segen mit der rechten Hand. „Ite, missa est“ – Gehet hin, es ist Entlassung. Von dem Wort missa kommt das deutsche Wort Messe. Es folgt der Auszug der Meßdiener und des Geistlichen in die Sakristei.

Von Maria Kragl

 

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann, H. M. Knechten und Oma Knackbusch (Maria Honacker) beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

 

 

Am Tage des Namens

Der Lehrer hatte die Aufgabe gegeben, keine zusammengesetzten Dingwörter zu gebrauchen. Daraufhin schrieb Fritzchen folgenden Aufsatz:

Der Tag des Namens meines Vaters

 

In der vergangenen Woche wurde bei uns der Tag des Namens meines Vaters gefeiert.

Schon am Morgen begann der Trubel des Festes, als die Kinder der Nachbarn erschienen waren. Sie brachten die Sträuße der Blumen und für meine Mutter Pralinen der Schachtel.

Die Kinder bekamen Torte des Obstes mit Sahne des Schlages. Dazu tranken sie Saft der Beeren des Johannis. Die Folge war, daß sie unser Klosett des Plumpses eifrig benutzten.

Da die Kapelle der Musik verhindert war, konnte das Konzert des Platzes nicht stattfinden. Dafür trug meine Schwester ein Stück des Konzertes der Flöte des Blockes vor und mein Bruder begleitete sie auf dem Klaviere des Schiffes.

Zum Essen des Mittags am Tage des Namens meines Vaters gab es Suppe des Fleisches der Rinder, Braten des Schweines, Kartoffeln des Salzes und Salat des Kopfes. Zum Schluß gab es eine Bombe des Eises.

Am Tage des Namens meines Vaters kamen die Brüder des Gesanges des Chores der Kirche und eine Abordnung der Kegeln des Klubs zu uns.

Mein Vater bekam von ihnen zum Tage des Namens Hemden des Ober und eine Flasche Brandes des Weines.

Mutter bat zum Bleiben.

Es gab Kaffee der Bohnen und Milch der Büchse. Dazu aßen wir Kuchen des Napfes und Torte der Creme der Butter. Weiter tischte meine Mutter auf: Stiche der Bienen und Beutel des Windes, Köpfe der Mohren und Küsse der Neger.

Beim Essen des Abends gab es Salat der Kartoffeln, Eier der Russen, Schnitten mit Wurst des Blutes und der Leber, Käse der Allgäuer und Stangen des Salzes, garniert mit Sardinen des Öles.

Wir Kinder tranken Milch der Butter, die Erwachsenen Wein des Rheines. Auch Bier des Bockes und Wasser der Kirschen der Wälder der Schwarzen war vorhanden.

Dann aber mußten wir in die Stube des Schlafes und deckten uns mit der Decke der Steppe zu. Der Halter des Stammes mußte vorher auf den Topf der Nacht.

Am Morgen nach dem Tage des Namens meines Vaters krähte der Hahn auf dem Haufen des Mistes und weckte uns alle.

Mein Vater hatte Jammer der Katzen. Er aß Heringe des Salzes und Möpse des Rolles. Es war ihm schlecht und er nahm Tabletten des Spaltes und verschwand in dem Zimmer des Bades, um sich zu erfrischen. Er nahm die Bürste des Zahnes und gurgelte mit dem Wasser des Mundes. Dann wankte er zur Stelle der Arbeit.

Wir Kinder aber gingen zur Schule der Hilfe.

Wir konnten den Tag des Namens meines Vaters nicht vergessen.

Von Gottfried Müller

 

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann, H. M. Knechten und Oma Knackbusch (Maria Honacker) beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

Tapezieren

Hurra! Es ist passiert, ich habe die Wohnung tapeziert!

Was hab ich geschimpft und geschwitzt wie ein Bär,

ich kann Euch verraten: Tapezieren ist schwer!

 

Gestern sagte mein Adelheid: „Die alten Tapeten, die bin ich leid!

Wir renovieren, morgen geht es los!“

Und den Gedanken, den fand sie famos!

Doch es ging nicht nach mir.

Beim allerersten Hahnenschrei fingen wir an mit der Matschkiddelei.

„Zunächst“, so sagte man uns beiden,

„muß man die Tapeten auf Bahnen schneiden.“

Jetzt standen wir da, zu rechnen bereit,

mit zehn Rollen Tapete, je sechzig breit,

das macht auf zehn Meter fast, – genau, – ungefähr…

Junge, ich hatt es geahnt: Tapezieren ist schwer!

„Hör auf“, sagt meine Frau, „du Rechenfighter,

sonst kommen wir zwei überhaupt nicht weiter!“

Sie drückt mir ein Eimerchen Leim in die Hand und sagt:

„Das verteilst du jetzt akurat an der Wand!

Dann nimmst du die Rolle hier und ziehst sie schön knapp,

was unten zuviel ist, das schneiden wir ab!“

Gesagt, getan, wir fingen an.

Grad waren wir bei der siebenten Bahn,

da wurde die erste Bahn schon wieder munter

und rutschte ganz langsam die Wand herunter!

Die zweite und dritte rutscht gleich hinterher.

Na, was hab ich gesagt: Tapezieren ist schwer!

Meine Frau sprang hin und wollte sie noch fangen,

schon hat sie im Eimer mit Kleister gehangen!

Ich rief noch: „Paß auf!“ Doch es war schon zu spät,

sie lag in der Brühe, obendrauf die Tapet!

Ich hätt sie am liebsten, doch ich hatte kein Gewehr,

sonst hätt ich sie, – ehrlich: Tapezieren ist schwer!

Obwohl völlig schuldlos, trifft mich die Mahnung:

Ich wäre ein Rindvieh und hätt keine Ahnung!

 

Sie kuckt die Tapet an und sagt ganz verhagelt:

„Jetzt geht es rund, jetzt wird genagelt!“

Sie nimmt den Hammer, peilt an die Wand,

dabei hielt sie den Nagel verkehrt in der Hand.

„Nun sieh mal“, sagt sie, „jetzt kommt die Pleite,

der hat ja den Kopf auf der falschen Seite!“

Ich sage: „Du hast zu wenig Verstand,

das ist die Spitze, die gehört an die Wand!

Laß mich mal probieren, gib den Hammer her,

da bist du zu dumm für: tapezieren ist schwer!“

Dann hab ich gehämmert, gekloppt wie ein Schuster,

Nagel an Nagel, Muster an Muster!

Nach dreieinhalb Stunden, da war ich es satt.

Der Hammer war glühend, mein Daumen war platt.

Drei Kilo Nägel hatt ich verschlissen,

die Wand sah aus, wie von Fliegen … beschmutzt.

Die Bahnen, die hingen kreuz und quer,

ein paar waren zerrissen: Tapezieren is schwer!

Nun hat das Adelheid einen praktischen Sinn,

hängt an jeden Nagel ein Bildchen hin,

links alte Kalender, das sieht ein Blinder,

rechts die Oma, die Tant und die Kinder.

Die Wohnung wirkt jetzt enorm familiär,

doch die neue Tapet, die sieht man nicht mehr!

 

Zum Schluß haben wir auch noch die Fenster lackiert

und dabei ist dann ein Malörchen passiert.

Fenster zu streichen ist gar kein Problem,

nur die Rahmen von draußen, das ist unangenehm.

Ich sage: „Ich will nicht, ich habe keine Courage,

das schmale Brettchen, die erste Etage!“

„Nun mach keinen Ärger!“, flötet sie,

„ich werde dir helfen, ich weiß auch schon wie.

Wir nehmen die Tür vom Schlafzimmerschrank

und legen sie quer über die Fensterbank.

Streich du ruhig draußen, und fürchte dich nicht,

ich halte ja drinnen das Gegengewicht!“

In der einen Hand den Pinsel, und vom Lack den Rest,

mit der andern hielt ich mich krampfhaft fest,

mit der dritten wollt ich, da wurde mir flau,

unten gähnte der Abgrund und drinnen meine Frau!

Da keift sie auch schon von drinnen heraus:

„Sag, bist du bald fertig? Wie sieht es denn aus?“

Ich sage: „Prima, mir gefällt es“, – da schellt es.

Meine Frau springt auf, wollt sehen, wer da ist,

mit mir ging es abwärts, samt Lack und Gerüst.

Ich lande genau mit der Rückseite vom Bauch

neben der Haustür, in dem Rosenstrauch.

Mir wurde es vor den Augen grad himmelblau,

da erschien in der Türe der Kopf meiner Frau.

Sie fragt mit dem dümmsten Gesicht von der Welt:

„Was machst du denn hier unten, hast du etwa geschellt?“

 

Aber jetzt sind wir fertig, wenigstens so ungefähr.

Nur ein gelernter Tapezierer, der muß noch mal her!

Und wenn ihr mich fragt, ich sag es frei heraus:

„Tapezieren ist einfach, probiert es mal aus!“

Von Wilfried May

 

H. M. Knechten als Carl-Gustav Clausen, bedroht von Oma Knackbusch (Maria Honacker), beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

Hottentotten

Die Hottentotten sind ein Volk in Afrika. Ihre Regierung sind die Hottentotten - Potentaten.

Sie sind Christen und haben deshalb Patentanten, die Hottentotten - Potentaten- Patentanten.

Da Patentanten oft reich sind, werden sie manchmal entführt, und zwar von den Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentätern.

Wenn man so einen Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter gefangen hatte, wußte man nicht so recht, wohin damit, und so baute man Lattenkutter, also Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter.

Die Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter starben so langsam aus und die Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter standen leer, so daß die Hottentotten - Potentaten überlegten, was sie damit anfangen sollten.

Man überlegte, beobachtete den Weltmarkt und die Möglichkeiten des Landes und kam zu dem Schluß, daß Pelze wieder modern seien. Im Lande gab es schöne, große Beutelratten. Aber das Kind mußte natürlich einen Markennamen haben. So nannte man diese Pelztiere einfach Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten.

Nun sind Beutelratten, nicht nur Pelz- sondern auch Nagetiere, welche ihre Lattenkutter, also die Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter zernagten.

Da aber das Geschäft gut lief mit den Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten, wurden immer mehr Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter gebraucht, die dauernd repariert werden mußten und so entstand der Berufszweig der Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter.

Sie bekamen im Laufe der Zeit allerdings eine Berufskrankheit, nämlich so einen Zittertatterich, aber einen ganz speziellen, also einen Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich, und der trat auf, obwohl sie sich regelmäßig mit Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Anti - Zittertatterich - Atta wuschen.

 

Eines Tages treffen sich zwei Hottentotten, sagt der eine zu dem, der zittert und tattert: „Was hast du denn?“ Der andere antwortet: „Ich habe einen Zittertatterich.“

„Was für einen Zittertatterich?“ – „Einen Lattenretter - Zittertatterich!“

„Welchen Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Beutelratten - Lattenretter- Zittertatterich!“

„Welchen Beutelratten- Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich!“

„Welchen Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter- Zittertatterich!“

„Welchen Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten- Lattenretter- Zittertatterich!“

„Was für einen Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich!“

„Welchen Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich?“ – „Einen Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Zittertatterich!“

„Und was tust du dagegen?“ – „Ich wasche mich täglich mit Hottentotten - Potentaten - Patentanten - Attentäter - Lattenkutter - Beutelratten - Lattenretter - Anti - Zittertatterich - Atta.“

„Das konntest du auch gleich sagen!“

Von Wilfried Kurzenacker

 

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann, H. M. Knechten und Oma Knackbusch (Maria Honacker) beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

Truthahn mit Whisky

Für sechs Personen kaufe man einen Truthahn von fünf Kilogramm und eine Flasche Whisky. Dazu Salz, Pfeffer, Olivenöl und Speckstreifen.

Zubereitung: Den Truthahn mit Speckstreifen belegen, schnüren, salzen, pfeffern und etwas Olivenöl dazugeben. Den Backofen auf 200º Celsius einstellen. Dann ein Glas Whisky einschenken und auf gutes Gelingen trinken. Anschließend den Truthahn auf einem Backblech in den Backofen schieben. Nun schenke man sich zwei schnelle Gläser Whisky ein und trinke wieder auf gutes Gelingen.

Den Thermostat nach zwanzig Minuten auf 250º C stellen, damit es ordentlich brummt. Danach schenke man sich drei weitere Gläser Whisky ein.

Nach halm Schdunde öffnen, wendn un den Braten überwachn. Die Fisskieflasche ergreiffn unn sich eins hinner die Binde kippn. Nach ner weiteren albernen Schunnde langsam bis zzum Ofen hinschlenderen uhd die Trute rumwenden. Drauf achtn, sisch nitt de Hand ze vabrennn an die Schaiß-Ohfndür. Sisch waidere ffünff odda siehm Wixki innen Glas sisch unn dann unn so. Di Drute weehrent drrai Schunnʼnt (iss auch egal) waiderbraan unn all sehn Minudʼn pinkeln. Wenn irntwi möchlisch, sum Trathuhn hinkrieschn unn den Ohwn ausʼm Viech ziehn. Nommal ein Schlugg geneemign unn anschließnt wida fasuchen, das Biest rauszukriegn. Den fadammtʼn Vogel vom Bodn aufläsen unn uff ner Bladde hinrichten. Uffbasse, das nitt Ausrutschn auffʼm schaißfettichn Kühnbodn. Wenn sisch droßdem nitt fameidn, fasuhn wida aufruschichtn odda so hahaha is ja alles eeeehegaaal!!!!!!

 

Ein wenig schlafen. Am nächsten Tag den Truthahn mit Mayonnaise und Aspirin kalt verzehren.

Von Johannes Ernst

 

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann, Oma Knackbusch (Maria Honacker) und H. M. Knechten beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

Oma Knackbusch und der Weihnachtsmann

Hübsch leise rieselt schon der Schnee,
die Flocken zieh
ʼn von Luv nach Lee,
ganz still und leise ist das Haus,
sieht einsam und verlassen aus,
weil Vater, Mutter und das Kind
zur Kirche schon gegangen sind,
das Fest wohl vorbereitet habend;
denn heute ist ja Weihnachtsabend.

 

Ein Schatten schleicht im Garten hin,
die Scheibe klirrt, schon ist er drin,
ein Stuhl verrutscht, ein Glöckchen klingt,
der Strahl der Taschenlampe blinkt,
und sie gehört Carl-Gustav Clausen,
entlassen jüngst aus Oslebshausen,
der dieserart in fremdem Haus
sucht seine Weihnachtsgaben aus.

 

Der Weihnachtsbaum ist ihm egal,
am Gabentisch trifft er die Wahl,
in seinen Sack zuerst rein tut er
das Perlencollier für die Muutter.
Als zweites dann, hoch schlägt sein Herz,
greift er die Stola sich von Nerz,
zum dritten in den Sack tat er
die gold
ʼne Uhr, bestimmt für Vaater.

 

Zwei Flaschen greift er auch sich schnell,
teils Whisky, teils Bleu de Chanel.
Am Tisch der Tochter findet er
zwölf Silberlöffel für
ʼs Dessert,
auch noch zwei Schuhe für die Hand
aus Safranleder er dort fand. –
Dann aber schaut er staunend an
klein Bubis neue Eisenbahn.

 

Der Wagen, die Elektrolok,
den Tunnel und den Prellebock,
die Schranken auch und die Geleise,
das rührt ihn in besond
ʼrer Weise.
Er läßt den Sack zu Boden gleiten
und hockt sich wie in alten Zeiten
hin auf den Teppich ganz bequem
und drückt schon auf das Schaltsystem.

 

Und. hei! Der Zug beginnt zu sausen,
Signale leuchten, es ertönt ein Brausen
und sieh! Der Dieb Carl-Gustav Clausen,
entlassen jüngst aus Oslebshausen,
ist plötzlich und von ungefähr
jetzt wieder Stationsvorsteheer,
wie er
ʼs vor manchem Schicksalsjahr
einstmals als kleiner Junge war.

 

In allen seinen Phantasiin
schmückt stets die rote Mütze ihn,
und doch hat er mit Müh
ʼ und Plagen
so manche Mütze schon getragen:
Feldmütze erst, dann die für Schieber,
die blaue Seemannsmütze noch viel lieber,
zuletzt – er denkt daran mit Grausen –
das Krätzchen noch von Oslebshausen.

 

Es rattern Schienen, schnurrt die Bahn,
da hat die Tür sich aufgetan:
Plötzlich ins Zimmer, ungebeten,
ist Oma Knackbusch eingetreten,
die, da sie zählt so viele Jahr
ʼ,
nicht mit zum Kirchgang draußen war.

 

„Oh!“, sprach die Oma, „kiek mol an,
dor is scha woll de Wiehnachtsmann!
Och, Wiehnachtsmann, lot di nit stören!
Ik kann schlecht kieken un schlecht hören,
Mann doch, dat seh ik eben recht:
Du hast in dienem Sack was bröcht,
ik leeiv schon an die hundert Jahr,
daß ik dich ooch mol werd gewahr!“

 

Carl-Gustav Clausen guckt verdattert,
er kommt nicht klar, sein Herz, das flattert,
schon greift er nach dem Sack verstohlen,
um die Pistole
ʼrauszuholen,
doch Oma fängt zu lächeln an:
„Ob ik dem leeiben Wiehnachtsmann
auch meen Gedicht aufsagen kann?

 

Lieber, guter Wiehnachtsmann,
kiek Gescha Knackbusch freundlich an
und stecke diene Rute ein,
lütt Gescha will auch artig sein! –
So, war das nich
ʼn schoin Gedicht?
Hesst du ok Peppernööt für mich?“

 

Carl-Gustav schwanken schon die Füße,
er sucht verzweifelt Pfeffernüüsse,
und wie er endlich welche findet,
nachdem er erst ein Licht entzündet,
da holt die Oma aus dem Schapp
schon eine Flasche Köm herab
und schenkt dem Gast ein Gläschen ein:
„Prost, das söll für Wiehnacht sein!“ –
„Prost!“, stammelt auch Carl-Gustav Clausen
und wünscht sich fast nach Oslebshausen.

 

„Ach, Wiehnachtsmann, nu kiek mol her,
du hast ja noch den Sack nicht leer!
Laß man, ich helfe dir. – Oh, wie fein,
die Kette wird für Trina sein!
Der Pelz, die Klock und all
ʼns zum Feste,
och Wiehnachtsmann, du bist der beste!“
Und Oma holt das alles
ʼraus,
packt ihm sein ganzes Säcklein aus.

 


Mit „Oh!“ und „Ah“ legt jedes Stück
sie fein auf seinen Platz zurück.
Bis sie, nachdem der Rest verschwand,
im Sack noch die Pistole fand.
Da lacht und jubelt sie: „Hihi!
Die Sahnespritze is för mi!“
Carl-Gustav fährt das in die Waden;
denn schließlich ist das Ding geladen!
Doch Oma meint: „Ik muß probieren,
wie wohl die Spritz dait funkschionieren!“
Sie fummelt hin, sie fummelt her,
Carl-Gustav stöhnt und kann nicht mehr.

 

Schon spürt den Angstschweiß im Genick er.
„Kiek!“, ruft sie nun, „da is scha eeinen Drückeer!
Paß auf, du lieber Wiehnachtsmann,
Nu spritz ik dik met Sahne an!
Nu kiek doch nicht so barsch und wild,
die Spritze ist doch nicht gefüllt.
Ik tu nur so und drück mol zu,
als ob ik Sahne spritzen tu!“

 

Carl-Gustav springt mit einem Satz
auf
ʼs Fensterbrett wie eine Katz,
die Scheibe klirrt. Carl-Gustav Clausen
ist, knapp gerettet, wieder draußen.
Doch Oma Knackbusch, fleißig immer,
macht Ordnung just im Weihnachtszimmer.
Schon klingen Kirchenglocken, ja,
und bald ist die Familie da.

 

Und dann, im Licht der Weihnachtskerzen
umarmt man Oma recht von Herzen
und freudevoll und gut gelaunt
wird jeder Gabentisch bestaunt.
Da liegt, – da liegt?, – man träumt ja wohl,
Auf Omas Tisch ein Mordpistool!
„Tscha“, strahlt die Oma, „kiekt mol an,
das Ding hab ich vom Wiehnachtsmann!“

Von Wilfried May.
Die Justizvollzugsanstalt befindet sich in Bremen-Oslebshausen.
Ein Krätzchen ist eine schirmlose Feldmütze.
Gescha ist die niederdeutsch-friesische Abkürzung für Gertrud.
Schapp ist ein großer, zweitüriger Dielenschrank der Barockzeit im Hanseraum (Bremen, Lübeck und Danzig).
Köm ist ein heller oder gelber Aquavit aus Norddeutschland. Die Bezeichnung leitet sich von Kümmel ab, der bei der Herstellung verwendet wird.

 

H. M. Knechten, meditierend, nach dem Auftritt beim Kolping-Seniorenkarneval 2012 in Horneburg

Die Bischöfinnenkonferenz

Einzug der Bischöfinnen, Kolping-Seniorenkarneval 2015 in Horneburg

 

Die Frauenfrage in der Kirche ist nach wie vor ungelöst? Diese sieben Damen sehen eher die Männerfrage ungeklärt. Es handelt sich um einen humoristischen Disput über die zukünftige Gleichberechtigung von Männern in der Kirche.

 

Moderatorin: Als treue Katholikinnen erleben wir seit zweitausend Jahren, wie unsere Kirche von Priestern und Bischöfen geleitet wird. In unserer Kirchengeschichte blicken wir auf eine lange Reihe an Päpsten zurück, die sich bis auf den Apostel Petrus zurückführen läßt. Und wir glauben natürlich auch, daß das alles in der Bibel genauso festgelegt ist. Aber ist das wirklich so? Hätte die Kirche sich nicht auch ganz anders entwickeln können? Sehen Sie hier eine Vision, wie die Kirche heute aussehen würde, wenn man die Bibel nur ein klein wenig anders verstanden hätte …

 

Im Hintergrund läuft das Halleluja von Händel. Die Bischöfinnen ziehen feierlich durch das Publikum in den Festsaal ein und winken dabei würdig und huldvoll ins Publikum. Schließlich betreten sie die Bühne und nehmen dort Platz.

 

Die Bischöfinnenkonferenz beim Kolping-Seniorenkarneval 2015 in Horneburg, Elisabeth Sträterhoff, Erika Kalb, Gwendolyn Kusters und Maria Honacker

 

 

 

Erzbischöfin Majora: Liebe Bischöfinnen, die Domuhr hat elf Uhr elf geschlagen und so eröffne ich hiermit offiziell unsere diesjährige deutsche Bischöfinnenkonferenz. Ich darf zunächst die Anwesenheit feststellen:

·      Kardinalin Romafidelis

·      Bischöfin Konservativa

·      Bischöfin Konzilia

·      Bischöfin Antiqua

·      Bischöfin Discordia

·      Weihbischöfin Palabra

Die Bischöfinnen erheben sich jeweils bei ihrer Namensnennung, grummeln oder grüßen.

Bischöfin Pia ist entschuldigt, da sie sich einem Sanatoriumsaufenthalt unterziehen muß. Und ich begrüße heute besonders unsere neue Amtsschwester, Weihbischöfin Palabra.

Liebe Schwestern im Bischöfinnenamt! Wir sind heute zusammengekommen, um die Probleme zu behandeln, die unsere Bistümer in diesen Tagen besonders belasten. Immer mehr Gläubiginnen und Gläubiger verlassen unsere Kirche. – Ja, Frau Kardinalin Romafidelis?

Romafidelis: Also, mit diesem Tagungsordnungspunkt werden wir schnell fertig: Die Schuld für die Kirchenflucht der Gläubiginnen und Gläubiger liegt selbstverständlich bei Presse, Funk, Fernsehen und den sozialen Medien! Das ist ein shitstorm, eine infame Hetzkampagne gegen uns, die hochwürdigen Bischöfinnen, Kardinalinnen und vor allem gegen die Heilige Mutter in Rom!

Palabra: Genau! Und diese ökumenisch verseuchten Protestchristen unterstützen die Hetzkampagne noch.

Maria Balzen, Einzug der Bischöfinnen, Kolping-Seniorenkarneval 2015 in Horneburg

 

Antiqua: So, damit hätten wir das Thema erledigt und können zum Wesentlichen übergehen: unsere nächste Audienz bei der Heiligen Mutter, ad limina apostolorum.

Majora: Nun mal langsam, Kardinalin Romafidelis. Gibt es in diesem Gremium weitere Erklärungsversuche für die hohe Zahl der Kirchenaustritte?

Konservativa: Die Gläubiginnen und Gläubiger haben keinen Respekt mehr! Das gilt vor allem für die preußischen Diözesen, in denen ein allgemeiner Trend zu Gottlosigkeit und unchristlichem Aufbegehren zu verzeichnen ist. Bei uns in Bayern dagegen …

Konzilia: Ich bitte Sie! Wir können die Ursache für die vielen Kirchenaustritte doch nicht nur bei den Medien und kritischen Staatsbürgern suchen. Wir als Bischöfinnen müssen auch unsere eigenen Grundsätze in Frage stellen. Das Gebot des Zölibats zum Beispiel müßte längst aufgehoben werden. Warum dürfen unsere Priesterinnen keine Männer haben? Darüber muß in unserer Kirche endlich offen diskutiert werden. Dieses Anliegen müssen wir dringend auch der Heiligen Mutter in Rom vortragen.

Discordia: Männer haben? Sie meinen, unsere Priesterinnen müssen bald alle heiraten? Und wir Bischöfinnen womöglich auch? Igitt! Da wird doch unsere ganze Heiligkeit an die falsche Hälfte der Menschheit verschwendet.

Majora (leise und bedächtig): Wir wollen doch nur darüber nachdenken, ob man es unseren Priesterinnen nicht freistellt zu heiraten. Bei dem Priesterinnenmangel sind sie ja oft auch überfordert. Und sie leben sehr vereinsamt in den großen, alten Pfarrhäusern. Allzu oft verlieben sie sich dann in ihre Haushälter, Sekretäre oder Putzmänner. Das kann so nicht weitergehen!

 

Die Bischöfinnenkonferenz beim Kolping-Seniorenkarneval 2015 in Horneburg. Gwendolyn Kusters, Maria Honacker, Johanna Kusters und Maria Balzen.

 

Konzilia: Ich sehe noch ein anderes dringendes Problem. Wir müssen unser Ohr auch für die Männer öffnen, die schon so lange darauf warten, ein Amt in unserer Kirche ausüben zu dürfen.

Konservativa: Ich hab wohl nicht richtig verstanden? Sie wollen Männern ein Amt geben?

Konzilia: Auch Männer sind Menschen! Auch Männer sind Geschöpfe Gottes! Diese Würde dürfen wir ihnen nicht länger absprechen!

Discordia: Also, so habe ich das noch nie gesehen. Um ehrlich zu sein, ich kenne gar keine Männer. Bei mir am Dom habe ich noch nie einen vorgelassen. Wie sehen die aus?

Majora: In der Tat ist das eine Frage, die wir prüfen müssen. Vielleicht sollten wir zunächst eine Kommission einsetzen, um die männliche Seele daraufhin zu untersuchen, ob eventuell auch Männer intellektuell und psychologisch in der Lage wären …

Antiqua: Unmöglich!

Konzilia: Warum?

Antiqua: Weil es unserer Tradition nicht entspricht! Schließlich heißt es die Kirche. Und nicht der Kirche. Schon von Anfang an haben nur Frauen die nötige Verläßlichkeit erwiesen, um die Kirche aufzubauen. Gott hat schließlich eine Frau erwählt, um auf die Welt zu kommen!

Romafidelis: Und zwear ausschließlich! Die Männer hat er da gar nicht erst rangelassen, damit bloß nichts schiefgeht! Und ihr wollt heute Männer in die Pfarrhäuser holen? Als männliche Priesterinnen? Sie rümpft angeekelt die Nase.

Palabra: Jetzt stellen Sie sich doch mal einen Mann in einem liturgischen Gewand vor.  Sie steht auf und zeigt ihr langes Gewand. Einen Mann in einem langen Kleid! Wie soll das denn aussehen? Wir machen uns doch lächerlich!

Konservativa: Können Sie sich vorstellen, daß Männer predigen? Die kriegen doch die Zähne nicht auseinander! Nur Frauen schaffen es, zwanzig Minuten am Stück, ohne Punkt und Komma, zu reden! Diese Begabung hat Gott den Männern vorenthalten und deshalb können sie keine Dienste in der Verkündigung des Wortes Gottes übernehmen. Männer sind dagegen eher praktisch und mit Muskeln begabt; damit können sie den Priesterinnen tatkräftig zur Seite stehen.

Majora (beschwörend): Wir wollten ja auch nur über eine Weihe von männlichen Diakoninnen nachdenken. Das „Diakonat des Mannes“. Die Männer in der Katholischen Männergemeinschaft Deutschlands fordern das schon länger. Und schließlich hat Jesus ja auch Männer um sich versammelt.

Antiqua: Aber nur, um von Anfang an deutlich zu machen, daß sie nicht zur Nachfolge taugen! Judas hat Jesus ausgeliefert und Petrus war ein Feigling.

Discordia: Thomas war sogar völlig ungläubig!

Romafidelis: Jakobus und Andreas hatten bloß das eine Ziel, daß sie im Himmelreich neben dem Chef sitzen dürfen! Reine Karrieristen, wie Männer eben sind. Nein, auf Männer kann man keine Kirche gründen. Völlig unmöglich.

Konzilia: Aber Paulus zum, Beispiel …

Konservativa: Der mußte doch erst vom Pferd geschmissen werden, bis der überhaupt was kapiert hat! Während Maria und Magdalena bis zum bitteren Ende treu geblieben sind. Und ganz bewußt hat Gott auch Frauen erwählt, um sie als Erste über die Auferstehung zu informieren.

Romafidelis: Stellen Sie sich mal vor, das wären Männer gewesen, damals am leeren Grab! Die wären doch gleich in die nächste Kneipe gelaufen, um kräftig einen auf die Frohe Botschaft zu heben!

Konservativa: Und am nächsten Tage hätten sie sich nur noch dunkel erinnert, was der Engel eigentlich zu ihnen gesagt hat. Da wäre die Verkündigung schon zu Ende gewesen, und die Frohe Botschaft wäre nicht weitergegeben worden. Nur bei Frauen kannst du eben sicher sein, daß sie bei wichtigen Nachrichten gleich zu den Nachbarinnen, Freundinnen oder ans Telephon gehen, damit die Informationen schnellstens weitergegeben werden.

 

Die Bischöfinnenkonferenz beim Kolping-Seniorenkarneval 2015 in Horneburg. Erika Kalb, Gwendolyn Kusters und Maria Honacker.

 

Konzilia: Aber heißt es in der Bibel nicht auch an einer Stelle: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“? Da könnte man doch meinen …

Konservativa: Papperlapapp! Liebe Bischöfin Konzilia, Sie müßten bereits seit Ihrem Theologiestudium wissen, wie dieser Satz zu verstehen ist: Petrus, der Mann, der Fels, – also dieser unbehauene Klotz – der soll die Kirche unterstützen und tragen. Die Frau aber, dieses feine, filigrane, von Gott mit besonderer Frömmigkeit begabte Wesen, verkörpert die Kirche selbst: Ecclesis! Mutter Kirche! Die ist weiblich und wird immer weiblich bleiben.

Antiqua: Und deshalb geht unser heiliges Amt auf Maria Magdalena I., die erste Päpstin, zurück. Und auf Lydia, die erste Priesterin, welche die christliche Gemeinde in Philippi geleitet hat. Sowie auf Phœbe, die erste Diakonin der Kirche. –Wehe, wehe, wenn wir die lange Tradition unserer heiligen Mütter brechen …

Majora: Aber, meine Schwestern Bischöfinnen, vom männlichen Päpstinnenamt kann doch hier überhaupt nicht die Rede sein. Doch so eine männliche Diakonin könnte auch nützlich für die Kirche sein: Wenn zum Beispiel ein Klavier in die Kirche geschleppt werden muß.

Konzilia: Jetzt schaut doch auch einmal in eure Bistümer und Gemeinden: Wie rührend sich die Männer da engagieren! Wenn sie beim Pfarrfest am Grill stehen zum Beispiel. Und am Zapfhahn! Auf diesen Einsatz können wir in der Kirche auf Dauer nicht verzichten.

Discordia: Ich schon. Von mir aus bräuchten wir überhaupt keine Männer in der Kirche zu haben. Die sind doch spirituell völlig unbegabt.

Majora: Ganz so hoffnungslos sehe ich das nicht. Die Heilige Geistin wirkt auch bei Männern! Es gibt ja seit einiger Zeit auch männliche Ministrantinnen. Die kleinen Jungs sollen sogar mit besonderem Ernst bei der Sache sein.

Palabra: Die schleppen mir nur den Schlamm vom Fußballplatz an den Altar. Und diese dreckigen Fingernägel! …

Majora: Liebe Kolleginnen Bischöfinnen, ich stelle die Frage nun zur Abstimmung: Sollen wir der dringenden Bitte vieler Christen, vor allem auch unserer katholischen Männerverbände, nachkommen und uns bei der Heiligen Mutter in Rom für die Heirat unserer Priesterinnen und die Einführung männlicher Diakoninnen einsetzen? – Wer ist dafür?

Konzilia hebt die Hand.

Wer ist dagegen?

Konservativa, Antiqua, Palabra, Discordia und Romafidelis heben die Hand und schütteln den Kopf.

Meine hochwürdigen Kolleginnen, damit ist der Antrag abgelehnt. Ich schließe unsere diesjährige Bischöfinnenkonferenz und bedanke mich herzlich für die offene und konstruktive Diskussion zu diesem Tagungsordnungspunkt.

Wir bleiben in der Diskussion und werden das Thema dann in zwanzig Jahren wieder aufgreifen.

 

Vorlage war: Die Bischöfinnenkonferenz, Eva Baumann-Lerch, in: Die Mitarbeiterin, 64 (2013), Nr. 1, Düsseldorf 2013, 32-35.

 

Ad limina apostolorum bedeutet: bis zu den Schwellen der Apostel, nämlich bis zu den Grabstätten des heiligen Petrus im Vatikan und des heiligen Paulus in dessen Kathedrale Sankt Paul vor den Mauern. Damit ist der alle fünf Jahre verpflichtende Besuch der Diözesanbischöfe in Rom gemeint, bei dem informiert wird und Weisungen empfangen werden.

Papperlapapp ist ein lautmalendes Wort, das auf plaudern zurückgeht, im Deutschen seit dem 18. Jahrhundert belegt und im Duden seit 1880 verzeichnet.

Bei der Bischöfinnenkonferenz 2015 in Horneburg wirkten mit:

·      Majora – Gwendolyn Kusters

·      Konzilia – Elisabeth Marpe

·      Romafidelis – Maria Honacker

·      Konservativa – Elisabeth Sträterhoff

·      Palabra – Erika Kalb

·      Antiqua – Johanna Kusters

·      Discordia – Maria Balzen

 

Herzlichen Dank an Herbert Bera für die Zusendung der Bilder!

Guten Flug!

H. M. Knechten als blinder Pilot, Kolping-Seniorenkarneval 2014 in Horneburg

 

Die Passagiere sitzen im Flugzeug und warten auf den Abflug. Durch die Tür kommen zwei Personen in Pilotenuniform und gehen langsam und vorsichtig, Schritt für Schritt. Beide tragen verdunkelte Augengläser. Einer der beiden wird von einem Blindenhund geführt, der andere ertastet sich seinen Weg durch den Gang, indem er vor sich mit einem langen, weißen Stock hin und her wedelt. Die Passagiere werfen sich entsetzte Blicke zu und hoffen nur, daß es sich um einen schlechten Scherz handelt.

Maria Balzen als blinde Pilotin, Kolping-Seniorenkarneval 2014 in Horneburg

 

Dann beginnt der Start. Die Maschine zieht schneller und schneller die Startbahn entlang. Die Leute auf den Fensterplätzen können erkennen, daß geradeaus, am Ende der Startbahn, nur noch das offene Meer ist.

Johanna Kusters als Ansagerin, Maria Balzen und H. M. Knechten im Cockpit. Auf dem Schrank steht der Blindenhund, der von Jupp Balzen gefertigt wurde, sich noch immer auf dem Fensterbrett meiner Wohnung in Stockum befindet und, nach wie vor, gute und hilfreiche Dienste leistet. Kolping-Seniorenkarneval 2014 in Horneburg

Maria Balzen und H. M. Knechten, Kolping-Seniorenkarneval 2014 in Horneburg

 

Als es so aussieht, daß die Maschine nie im Leben abheben und stattdessen im Meere versinken wird, fangen die Passagiere an, panisch zu schreien, doch in diesem Momente hebt die Maschine sanft in die Luft ab.

Im Cockpit dreht sich die Copilotin zum Piloten und sagt: „Das ist ja noch einmal gut gegangen! Aber, weißt Du, Bob, eines Tages werden die Leute zu spät schreien, und dann müssen wir alle sterben!“

Der Narrensinn

Maria Honacker, Johanna Kusters und H. M. Knechten. Meinen Bart hatte ich mit einem Schal verdeckt. Kolping-Seniorenkarneval 2014 in Horneburg

 

Grüß Gott, ihr Schwestern und ihr Brüder,
der Karneval kam jetzt hernieder,
die Leute lachen für drei Tage,
entfliehen aller Alltagsplage,
da träumt ein jeder groß und klein,
daß alles anders könnte sein.

Brummt ja nicht immer vor euch hin:
Es hat doch alles keinen Sinn!

 

Da gibt es Leute, die seit Jahren
treu auf der gleichen Straße fahren,
die immer teilen Freud und Leid
in guter und in schlechter Zeit.
Doch plötzlich, keiner kann
ʼs verstehʼn,
will jeder eig
ʼne Wege gehʼn.
Sie sagen einfach: Jetzt ist Schluß,
das Ganze bringt uns nur Verdruß,
die Liebe hat sich aufgebraucht,
das letzte Feuer ist verraucht!
Warum soll
ʼn wir uns weiter plagen,
wir haben uns nichts mehr zu sagen.

Brummt ja nicht immer vor euch hin:
Es hat doch alles keinen Sinn!

 

Weil einer ʼmal ʼwas Falsches tut,
der and
ʼre nimmt gleich seinen Hut,
läßt einfach ihn im Regen stehen
und war fortan nicht mehr gesehen.
Ist nie ein Fehler ihm passiert?
Hat nie er sich falsch aufgeführt?
Kommt ihm denn gar nicht in den Sinn:
Er selbst war auch nicht nur Gewinn!?

Brummt ja nicht immer vor euch hin:
Es hat doch alles keinen Sinn!

 

Maria Honacker und H. M. Knechten, Kolping-Seniorenkarneval 2014 in Horneburg

 

 

Ich will ganz ehrlich noch benennen,
daß wir
ʼs auch bei uns selber kennen.
Ich meine, hier in der Gemeinde,
wo wir uns treffen ja als Freunde,
daß wir enttäuscht nach Hause gehen,
weil uns die ander
ʼn nicht verstehen,
daß wir uns nicht mehr engagieren,
wenn wir
ʼmal Vorbehalte spüren.

Brummt ja nicht immer vor euch hin:
Es hat doch alles keinen Sinn!

 

Vielleicht fehlt uns der Narrensinn,
der sagt: Es ist noch alles drin!
Vielleicht fehlt uns der Übermut,
der immer neu das Gute tut.
So möcht
ʼ zum Schluß ichʼs doch noch wagen,
bescheiden dies als Wunsch zu sagen:

Brummt ja nicht immer vor euch hin:
Es hat doch alles keinen Sinn!


Links, stehend, Johanna Kusters, rechts, sitzend, H. M. Knechten und Maria Balzen, Kolping-Seniorenkarneval 2014 in Horneburg

 

Quelle: Claus-Peter März, Büttenpredigten. Narren brauchts heut überall, nicht nur am heilʼgen Karneval!, Leipzig 2003, 72-87.

Horneburg Helau!


Stefan Huxel, Horneburg Helau! Kolpingsfamilie lud zum Seniorenkarneval, in: Dattelner Morgenpost, 4. 3. 2014.

Brief an die Versicherung

Hans Gerd Kusters, Brief an die Versicherung, Kolping-Seniorenkarneval 2015 in Horneburg

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Nachdem ich nun im Krankenhaus gewesen bin und wieder schreiben kann, möchte ich Sie, verehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Versicherung, bitten, meinen Unfallschaden, wie folgt, aufzunehmen:

 

Ich hatte vom Bau meines kleinen Häuschens noch Backsteine übrigbehalten und diese auf den Speicher verbracht, damit sie dort trocken lagerten. Jetzt wollte ich ein Hühnerhaus bauen und dazu die oben befindlichen Steine verwenden.

Dazu erdachte ich mir folgende Maschinerie:

Der Speicher hatte an der Hauswand eine Tür. Dort verankerte ich einen Balken und befestigte daran ein Bälkchen mit einer Rolle, über die ich ein Seil führte. Unten am Boden befestigte ich am Seil eine Holzkiste und zog sie danach hinauf. Das Seil band ich unten an einem Pflock fest.

Ich ging hinauf und lud die Steine in die Kiste. Ich ging wieder hinunter, band das Seil los, jedoch waren die Steine in der Kiste schwerer als meine Person. Ich hielt das Seil fest, damit die Steine nicht herunterstürzten und zerschellten. Die Steine zogen mich mit ihrem Gewicht nach oben, wobei mir die Kiste die linke Schulter verletzte, als wir uns in der Mitte begegneten. Oben stieß ich mir den Kopf, zuerst am Bälkchen und dann am Balken.

Ich hielt das Seil fest, um nicht hinunterzufallen. In diesem Augenblick langte die Kiste mit den Steinen am Boden an. Durch den heftigen Aufprall brach der Kistenboden und die Steine fielen heraus.

Nun war die Kiste leichter als meine Person. Daher sauste ich wieder nach unten. Die Umrandung der Kiste begegnete mir in der Mitte und verletzte mir die rechte Schulter. Unten fiel ich so unglücklich auf den Boden, daß ich mir das rechte Bein brach. Vor Schmerz fiel ich in Ohnmacht.

Dabei muß ich wohl das Seil losgelassen haben. Nun fiel die Umrandung der Kiste auf mich herab und traf mich am Mund, sodaß ich mir demnächst ein künstliches Gebiß einsetzen lassen muß.

Hiermit bitte ich Sie, den entstandenen Schaden durch die Unfallversicherung auszugleichen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Unglücksrabe

 

 

Alle Photographien wurden von Siegfried Eggenstein aufgenommen. Herzlichen Dank an Siegfried und Frank Eggenstein sowie an Herbert Bera für die Zusendung der Bilder!

 

 

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026

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