Kaiserswerth

Der Kaiserswerther Menhir, Photographie von H. M. Knechten
Aus der Zeit um 2000 bis 1500 vor Christus stammt der Kaiserswerther Menhir. Dies ist das älteste erhaltene Denkmal im Düsseldorfer Raum. Der Menhir befindet sich in Kaiserswerth am Beginn des Zeppenheimer Weges, an der Kreuzung zur Alten Landstraße. Es ist ein 2,50 m hoher Megalith, der aber tief eingegraben ist, sodaß nur noch 1,70 m Länge zu sehen sind.
Das Wort Menhir stammt aus dem Bretonischen: maen Stein und hir groß. An einem solchen Orthostat (aufrecht stehender Stein) wurden Kulte und Riten vollzogen. Hier versammelten sich die Menschen, um Übergangsriten (rites de passage) zu vollziehen, hier wurde der Vorfahren gedacht, Sagen wurden erzählt und Prozessionen veranstaltet. Übergangsriten werden zwischen Kindheit und Erwachsensein, Ledigkeit und Ehe, bei der Aufnahme eines Außenstehenden in die Gemeinschaft der Eingeweihten und beim Übergang vom Leben zum Tode vollzogen. Der Stein war also der spirituelle und kulturelle Mittelpunkt der Gemeinschaft. Er stiftete Identität, gab ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und band an diesen Ort.
Kaiserswerth um 1630. Nemo scit, quid alteri in mente hĉreat. Niemand weiß, was einem anderen im Sinn ist, wörtlich: hängt. Auß allen Menschen ist niemand, Deß andern heimlicher Sinn bekandt. Alterius secreta animus qua continet alter Nunquam scire valet, condita quando manent. Wann er eim nicht wird revelirt, Wird nichts gewisses judicirt. Kaiserswerd. Rhenus fluvius der Fluß Rhein.

Der Palas, links die
Grundmauer des Bergfrieds,
Photographie von H. M. Knechten
Der fränkische Hausmeier Pippin der Mittlere und seine Gemahlin Plektrudis schenkten dem Begleiter Willibrords, Swidbert/Suitbertus, zwischen 695 und 700 ein Gut beim Königshof Rinhusen (übersetzt: Rheinhausen, dies ist aber nicht identisch mit der heutigen gleichnamigen Stadt, die erstmals im Heberegister des Stiftes Gerresheim im 12./13. Jahrhundert erwähnt wurde).
Swidbert gründete in Rinhusen ein Benediktinerkloster. Aus diesem ging das spätere Kanonikerstift Kaiserswerth hervor. Der benachbarte Königshof (curtis) wurde Reichsburg.
Willibrord empfing in Rom die Bischofsweihe und widmete sich der Mission beiderseits der Maas mit dem Zentrum in Echternach. Dort ist er auch bestattet. Swidbert empfing die Bischofsweihe in York, kehrte zurück und setzte seine Mission im Lande der Brukterer an Lippe und Ruhr fort. Rinhusen war sein Rückzugsort, der auch Schutz bei feindlichen Überfällen bot; denn die Christianisierung wurde vor allem von den Friesen abgelehnt.

Büste des heiligen
Willeicus in der Kirche St. Suitbertus,
Photographie von H. M. Knechten
Swidbert hatte einen Gefährten namens Willeicus, der, wie er, aus England stammte. Willeicus wurde Kanoniker eines Konventes in Utrecht. Er gelangte in die Gefolgschaft Swidberts, wurde 713 dessen Nachfolger und starb am 2. März 727 in Kaiserswerth.

Photographie von H. M. Knechten
Das Kloster wurde 778 durch die Sachsen zerstört. Nach den Sachsenfeldzügen Karls des Großen wurde es wieder aufgebaut, erhielt zahlreiche Schenkungen und erwarb Besitztümer zwischen der Lippe und dem Mittelrhein sowie zwischen Weser und der Eifel.

Oben (Rundbogen und
zwei Fenster) die ehemalige Pfalzkapelle, welche 1655 durch eine Pulverexplosion
zerstört wurde, unten der frühere Brunnen, der auch die obere Etage mit Wasser
versorgte,
Photographie von H. M. Knechten
1045 gründete der salische Kaiser Heinrich III. (1016/1017-1056) die Kaiserpfalz in Kaiserswerth und ließ sie zu einer starken Festung ausbauen. Als Zollstätte am Rhein und Sitz einer Kaiserpfalz wurde Kaiserswerth wohl durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa zur Stadt erhoben.
1062 wurde der noch minderjährige König Heinrich IV. (1050-1106) durch den Kölner Erzbischof Anno II. (um 1010 - 1075) in Kaiserswerth entführt. Durch diesen Königsraub erlangte Anno bis zur Volljährigkeit Heinrichs die Regentschaft über das Heilige Römische Reich.
1078 wurde nahe dem Kaiserswerther Menhir die Kirche unter dem Patronat Georgs des Drachentöters errichtet, um die bösen Geister des heidnischen Steines zu bannen. 1689 wurde diese Kirche zerstört, während der Menhir bis heute steht!
1145 nahm König Konrad III. (1093/1094-1152) Kaiserswerth unter seinen Schutz und machte es zur Reichsstadt.
Kaiserswerth hatte folgende Vorteile: Es befand sich auf einer schützenden Insel. Es lag am Strom, auf dem große Warenmengen transportiert werden konnten. Hier war eine weite Aussicht auf den Rhein, sodaß mögliche Angreifer rechtzeitig gesichtet werden konnten.

Der gewaltige Kamin der Küche. Hier konnte Nahrung für viele Menschen zubereitet werden. Photographie von H. M. Knechten
Daher verlegte der Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa (1122-1190) im Jahre 1174 den Rheinzoll von Tiel (Gelderland) nach Kaiserswerth. Nun wurde eine neue Kaiserpfalz als mächtige Zollfestung erbaut, die 1193 fertiggestellt war. Errichtet wurde der Bau aus Tuffstein und aus unregelmäßigen Basaltquadern vom Drachenfels. Darauf weist folgende lateinische Inschrift hin: Vom Berge Alkmars stürzt ich hinab, vom Felsen des Drachens, offen mach ich die Tür Schiffern und Bürgern voll Güte.
Von dieser neuen Kaiserpfalz sind beeindruckende Reste erhalten: die sechs Meter dicke Westfront des Palas (palatium kaiserlicher Hof) weist noch eine Breite von 50 Metern und eine Höhe von 14 Metern auf.
Das Hauptgebäude war dieser dreigeschossige Palas, in dessen Mitte sich ein mächtiger Bergfried befand, der als letzte Zuflucht diente. Der Haupteingang lag im nordöstlich davon gelegenen Klever Turm. Eine halbkreisförmige Umfassungsmauer mit vorgelagertem Graben und zwei Ecktürmen bot Schutz von der Landseite her. Der große Festsaal lag im ersten Obergeschoß und links daneben befand sich die Pfalzkapelle.

Türsturz, ehemals
über dem Hauptzeingang des Klever Turmes, mit folgender Inschrift in
lateinischer Sprache: Im Jahre 1184, gerechnet von der Menschwerdung unseres
Herrn Jesus Christus, hat Kaiser Friedrich diese Zierde dem Reiche hinzugefügt,
mit dem Willen, die Gerechtigkeit zu festigen, sodaß überall Friede sei.
Photographie von H. M. Knechten