Mein Kevelaer

 

 Mein Ururururgroßvater Johannes Knechten wurde 1741 geboren und starb am 5. April 1775 in Kevelaer.

Mein Urururgroßvater Jacob Knechten wurde am 26. Januar 1770 in Kevelaer geboren. Von ihm ist nur überliefert, daß er Elisabeth Pasloors heiratete. Weitere Daten fehlen.

Da unsere Dienstwohnung noch nicht frei war, wohnten wir ab 1956 behelfsmäßig im Wasserturm. Ich besuchte die Hubertusschule und ging am Weißen Sonntag, 13. April 1958, in St. Marien zur Erstkommunion.

1959 zogen wir in die Römerstraße 27. Nun besuchte ich die St.-Antonius-Volksschule am Markt. Das Gebäude war im Jahre 1848 errichtet worden und hatte in jedem Klassenraum einen Kanonenofen. Dies ist ein gußeiserner, zylinderförmiger Ofen, der mit Kohle beheizt wurde. Allzu viel Wärme spendete er nicht. Besser waren Kachelöfen, da sie die Wärme speicherten.

Mädchen und Jungen wurden in verschiedenen Gebäudeteilen getrennt unterrichtet. Ich erlebte den Umzug der Schule in den Neubau an der Biegstraße. Besonders erinnere ich mich an den Jungenchor, der von einem Lehrer mit dem Spitznamen Cäsar geleitet wurde, da er überaus gerne von diesem Feldherrn und Staatsmann erzählte. Ich sang Knabensopran und ärgerte mich, daß wir so überaus hoch singen mußten.

Im gleichen Jahr 1959 empfing ich in St. Antonius die Firmung durch Weihbischof Heinrich Baaken (1900-1976)

Schließlich baute mein Vater ein Haus in der Ketteler-Siedlung an der Weezer Straße.

1978 feierte ich meine Primiz in der Basilika mit anschließendem Angelus vor der Gnadenkapelle und im Jahre 2003 mein Silbernes Priesterjubiläum.

Kevelaer ist einer der großen Marienwallfahrtsorte der Erde, neben Altötting, Banneux, Bethlehem, Częstochowa, Einsiedeln, Fatima, Florenz, Guadalupe, Loreto, Lourdes, Maria Laach, Maria Taferl, Međugorje, Notre-Dame de Paris, Pompeji, Rom, La Salette, Sheshan (China), Telgte und Werl, um nur einige zu nennen.

Was macht die Anziehungskraft Kevelaers aus? Da ist das kleinste Gnadenbild der Welt, die Abgelegenheit und Ruhe des Ortes, die Möglichkeit, einen langen Kreuzweg zu gehen, die Gastlichkeit und Freundlichkeit seiner Bewohner, die das rechte Maß von Nähe und Distanz hält.

 

Hubertuskapelle

Hubertuskapelle Keylaer

Keylaer wurde 1144 im Zusammenhang mit einer Schenkung Friedrichs von Boedberg an das Xantener Stift erstmalig urkundlich erwähnt. Die Hubertuskapelle wurde 1381 in einer Urkunde des Zinsregisters des Klosters Graefenthal (Asperden) erstmals erwähnt und ist damit das älteste noch bestehende Gebäude im heutigen Kevelaer. Der Name „Keylaer“ leitet sich etymologisch von der Bezeichnung einer Schafhürde ab.

Hubertus wurde um 655 geboren. Nach dem Tod seiner Frau war er einmal auf der Jagd und verfolgte einen Hirsch. Als er ihn vor einen Abgrund getrieben hatte, sah er zwischen seinem Geweih ein Kreuz. (Dieses Element stammt aus der Eustathios-Legende).  Hubert wurde Einsiedler und im Jahr 705 Bischof von Maastricht. Er starb 727 in Tervueren bei Brüssel. Sein Gedenktag ist der 3. November. Seine Legende ist in den Fenstern der Hubertuskapelle dargestellt.

Seit 1634 gab es in Keylaer eine Bürgerwehr, aus der sich die Sankt-Hubertus-Gilde entwickelte.

 

Kevelaer
Der Ort wurde am 10. 5. 1300 in der Verkaufsurkunde eines Bauernhofes erstmals erwähnt. 1369 bestand die Bauerschaft Kevelaer aus 31 Häusern, Höfen und Katen. Bis 1558 im Erzbistum Köln, ab 1559 im neuen Bistum Roermond, 1801 im Bistum Aachen und 1821 im Bistum Münster. 1949 erhielt Kevelaer Stadtrechte.

Das Wappen stellt rechts das Kreuz von Sankt Antonius und links die Geldernsche Rose (Mispelblüte) mit goldenen Blütenblättern, gerundeten roten Kelchblättern und als Pentagramm stilisiertem fünfstrahligem roten Butzen dar, wobei der innere Butzenkreis mit acht kreisförmig angeordneten silbernen Punkten belegt ist.

1969 wurden Kleinkevelaer, Twisteden, Wetten, Kervendonk, Kervenheim und Winnekendonk mit Kevelaer zu einer einzigen Gemeinde vereinigt. Dem Kevelaerer Wappen wurde das Antoniuskreuz genommen und die rote Lilie hinzugefügt, die auf die Zugehörigkeit von Kervenheim und Winnekendonk zum Kreis Kleve verweist. Gegenwärtig hat der Ort 29.500 Einwohner.

Der Name „Kevelaer“ bezeichnet einen Ort, an dem ein Streit stattgefunden hat. Andere Herleitungen wie „Kiefernweide“ oder „Käferweide“, wobei diese Weide mit einer Hürde (lar, laer) umgeben ist, sind unwahrscheinlicher.

 

Sankt Antonius
Die Antoniuskirche ist etwa 1450 entstanden und wurde 1472 durch Abpfarrung von St. Cyriacus Weeze Pfarrkirche. Um 1900 erfolgte ein Um- und Erweiterungsbau.

 

Brand der Antoniuskirche am 13. 1. 1982, Photographie von Maria Balzen

 

Am 13. Januar 1982 spielten zwei Kinder mit den Lichtern an der Krippe, die traditionell bis zum Fest Mariä Lichtmeß am 2. Februar stehenblieb. Zuerst brannte das Moos, dann fingen die Holzteile der Krippe Feuer, schließlich die darüberstehenden Christbäume, welche bald den Dachstuhl in Brand setzten.

Im Jahre 1987 konnte die wiedererrichtete Kirche geweiht werden.

 

Die erneuerte Antoniuskirche. Der vom Brand verkohlte Korpus des Gekreuzigten wurde von Bert Gerresheim auf einen bronzenen Lebensbaum montiert.
Photographie von Cornelia Attolini

 

An die 400 Jahre ältere Kirche Portiuncula bei Assisi erinnert die gotische Dorfkirche von 1450, welche ebenfalls in den Gesamtbau einbezogen wurde.

Dorfkirche von 1450, Photographie von Cornelia Attolini

Kroatenkreuz
Eine Schanze war mit einem breiten Graben und hohem Erdwall umgeben und der Eingang war mit schweren Schlagbäumen versehen.Während des Dreißigjährigen Krieges flüchtete sich die Bevölkerung bei drohender Gefahr dorthin.

Nach der Überlieferung hatte jemand aus der Kevelaerer Schanze am 1. 8. 1635 auf vorbeiziehende Kroaten geschossen und so das Versteck preisgegeben. Die Söldner stürmten die Anlage und ermordeten etwa 100 Dorfbewohner. Lediglich drei Menschen entkamen ihnen.

Die stark verwitterte Inschrift des Kreuzes lautet:

„Anno 1635 den eersten Augustus alzoo deesen dato verklaert zijn hier op deze Schanz bie 100 Menschen vermoord. Bidt voor de Ziele op dat God haer in de eeuwigheid genadig zijn wil.“

(Im Jahre 1635 den ersten August, wie dieses Datum angibt, wurden hier auf dieser Schanze gegen 100 Menschen ermordet. Betet für ihre Seelen, damit Gott ihnen in der Ewigkeit gnädig sein möge).

Kroatische Pilger brachten eine Gedenktafel „als Erinnerung an den Kreuzweg des kroatischen Volkes“ an. 1635 bis 1637 war in Kevelaer eine Pestepidemie. Somit kamen zwei Plagen hintereinander: Krieg und Seuche. Dies ist ein Beispiel für die Entvölkerung während des Dreißigjährigen Krieges.

 

Gnadenkapelle

Gnadenbild

1640 wurde das Abbild der Luxemburger Marienstatue, deren Original in Scherpenheuvel (Steiler Hügel) nordöstlich von Brüssel verehrt wird, in der Stadt Antwerpen im Druck vervielfältigt. Das Bildchen ist lediglich 7,5 x 11 cm groß und trägt die Inschrift: „Vera Effigies Matris IESU Consolatrix Afflictorum in agro suburbano Luxemburgi Miraculis et Hominum Visitatione celebris Anno 1640“

(Wahrhaftes Bild der Mutter Jesu, der Trösterin der Betrübten, auf dem Gelände vor der Stadt Luxemburg, berühmt durch Wunder und den Besuch der Menschen, im Jahr 1640).

Jesuiten, denen die Militärseelsorge oblag, verteilten es an Soldaten. Mit ihnen gelangte es nach Geldern und von dort nach Kevelaer.

Hendrick Busman (1607-1649) stammte aus Niedermörmter im heutigen Kreis Kleve und sagte auf der Venloer Synode am 12. Februar 1647 im Kloster In der Weijden aus, dass er in kleinen Handelsgeschäften unterwegs sei. Bei einer solchen Gelegenheit war er in der Weihnachtszeit 1641 von Weeze gekommen und hörte am Hagelkreuz in Kevelaer:

Ghy sult hier een heylighe huysken maecken.“

(Ihr sollt hier ein Heiligenhäuschen machen).

Das erwähnte Hagelkreuz steht an der heutigen Weezer Straße, an der linken Seite in Richtung Weeze.

Er bat seine Frau Mechteldt Schrouse, täglich zwei oder drei Stüber beiseite zu legen, um den Bau bewerkstelligen zu können. Im Frühjahr 1642 boten ihr zwei Soldaten Bildchen Unserer Lieben Frau von Luxemburg an, die sie aber nicht kaufte, weil der Preis, ein Blaumeuser, drei Groschen, hoch war.

Hendrick erbaute ein Heiligenhäuschen und seine Frau erhielt ein Gnadenbild, nachdem sie erzählt hatte, wozu es verwendet werden sollte. Hendrick brachte es auf einem Brett an, das Karmeliterinnenkloster in Geldern lieh es sich aus und dem Pfarrer von St. Antonius in Kevelaer gelang es schließlich nach längeren Verhandlungen, es nach Kevelaer zurückzubringen.

Am 1. Juni 1642 brachte er es im Heiligenhäuschen an, das mit dem Teil, der das Gnadenbild enthält, noch heute erhalten ist, wenn auch stark verändert.

Sogleich strömten viele Menschen herbei, zuerst Pilger von Rees, brachten Kerzen und beteten dort. Manche erfuhren Heilung von Krankheiten und Gebrechen. Die Not der Zeit, Berichte über Gebetserhörungen und die durch die Gegenreformation betont herausgestellte Marienverehrung in einem Ort mit Grenzlage zum kalvinistisch geprägten Klever Gebiet förderten die Wallfahrt.

Kevelaer um 1656: Gnadenkapelle, Kerzenkapelle und Kloster der Oratorianer, deren Aufgabe die Wallfahrtsseelsorge war.

 

Die Gnadenkapelle, im Hintergrund das Priesterhaus,
Photographie von Cornelia Attolini

 

Pilger kamen aus Geldern, Nieukerk, Aldekerk, Schaephuysen, Roermond, Venlo, Weert, Stevensweert, Winnekendonk, Hassum, Goch, Uedem, Kalkar, Emmerich, Rees, Babberich, Huissem, Brüggen, Alsdorf, Jülich, Pier, Kaster, Köln, Neuß, Korschenbroich, Kamp, Menzelen, Dorsten, Moers, Steele, Beek, Oss, Schijndel, Deurne, Keent, Aubel, Limburg (heute in der Provinz Lüttich), Wiler bei Frankfurt und Groß Haslen in der Pfalz.

1654 entstand die Barockkapelle und 1663 erfolgte die Altarweihe. 1802-1806 war die Gnadenkapelle in staatlichem Besitz. 1820-1840 verbot der Preußische Staat Wallfahrten mit Übernachtung. 1889 wurde die Kevelaerer Votivmesse approbiert. 1892 wurde eine goldene Krone über dem Gnadenbild angebracht. Der Wallfahrtsort war damit in der ganzen Welt anerkannt. An zwei freien Außenflächen wurden zwei Gedenktafeln angebracht, welche in goldenen Lettern von der Errichtung des Bildstockes und der Krönung aus Anlaß des 250jährigen Jubiläums erzählen. Am 2. Mai 1987 waren Papst Johannes Paul II., Mutter Teresa und Kardinal Ratzinger hier.

Der innere Umgang um das Gnadenbild, von außen gesehen

Die Deckengestaltung der Gnadenkapelle durch Friedrich Franz Maria Stummel (1850-1919): Dreieinigkeit und Verkündigung

 

Kerzenkapelle
Sie wurde 1643-1645 erbaut und im Jahre 1649 geweiht. In der Mitte des Innenraumes steht die Kerze der Pfarrei Rees, die bereits 1643 und damit als erste Gemeinde eine Wallfahrt nach Kevelaer machte, angeführt von Pfarrer Johannes Staell, der Landdechant von Geldern und 1657 Mitglied der Kevelaerer Oratorianer wurde. Das Gewölbe ist spätgotisch gestaltet, die Altäre sind barock. Die zahlreichen Prozessionskerzen und Wappen erzählen beredt die Geschichte der Wallfahrt.

 

Innenraum der Kerzenkapelle, Photographie von Cornelia Attolini.

 

Priesterhaus
Es wurde 1647-1650 erbaut. Die Wallfahrtsseelsorge war Aufgabe der Oratorianer, deren Kongregation am 12. 3. 1624 durch Philipp Neri in Rom gegründet worden war. Christo peregrinanti in terris (Dem auf Erden pilgernden Christus), steht über der Eingangspforte. 1802 wurde das Kloster geschlossen und das Gebäude diente der Pfarrseelsorge. Im Kulturkampf (1871-1878) wurde das Priesterhaus beschlagnahmt.

 

Basilika
Sie wurde 1858-1864 erbaut und 1892-1926 durch Friedrich Stummel und seine Nachfolger ausgemalt.1883 entstand der Turm, der 95 m hoch ist.

Der Innenraum der Marienbasilika

Judas begegnet Jesus im Garten Gethsemane, von Friedrich Stummel, im Sakristeivorraum der Basilika, Photographie von Cornelia Attolini

 

Die Orgel stammt von 1905 und wurde 1907 geweiht. Sie hat vier Manuale und 134 Register. Sie wurde errichtet von der Kölner Orgelbaufirma Ernst Seifert, die als Auflage hatte, in Kevelaer eine Dependance zu bauen. Sie ist die größte erhaltene romantisch disponierte Orgel in Deutschland. Eine romantische Orgeldisposition verrät sich durch Register wie Aeoline, Cello, Dulciana, Gamba, Geigenprincipal, Gemshorn, Nachthorn, Progressio, Salicional, Seraphon, Tuba mirabilis, Vox Angelica und Waldflöte sowie durch die zahlreichen Acht-Fuß-Register, die einen dicken Klang erzeugen.

Basilika, Orgel 1905 von Ernst Seifert

1923 erhielt das Gotteshaus von Papst Pius XI. den Titel Basilica minor (Kleinere Basilika). Die Zeichen sind ein halbgeöffneter Schirm (padiglione, ursprünglich Schutz bei Prozessionen) und ein Schellenstab (tintinnabulum).

Bert Gerresheim, Die Kevelaerer Apokalypse, sie befindet sich über dem Pilgerportal der Basilika

Bert Gerresheim (1935 in Düsseldorf geboren) brachte 2002-2007 an der Hauptfassade Skulpturen seiner Apokalypse an. Sie füllen 50 qm aus, es sind 260 Figuren und die Skulptur wiegt fünf Tonnen. Unten ist die Auferstehung der Toten dargestellt, dann die Nachfolge Christi und die Gottferne, Maria als Mittlerin und Trösterin und oben die Wiederkunft Christi. Dargestellt werden auch Franziskus von Assisi, Edith Stein, Mutter Teresa und Katharina Emmerick.

 

Beichtkapelle
Sie wurde 1857 begonnen und 1890-1892 erweitert.

 

Sakramentskapelle
Sie wurde 1860 erbaut und von 1880 bis 1890 erweitert.

Der Vorraum vor der Sakramentskapelle. Hier saßen die Pilger, einige steckten ihre Füße in eine kleine Zinkwanne, um die Blasen infolge der Fußwallfahrt zu kühlen (die berühmteste ist die von Bocholt, da stehen sogar die Kevelaerer an den Straßenrändern, um sie willkommen zu heißen), andere tranken Kaffee, dessen Pulver sie selber mitgebracht hatten; das heiße Wasser erhielten sie für zehn Pfennige vom Gasthaus. Photographie von Cornelia Attolini.

Kreuzweg
Seit 1642 machten die Prozessionen am Roten Kreuz Halt und zogen nach einem Gebet zur Gnadenkapelle weiter. Es handelte sich um ein aus rotem Sandstein gehauenes Kreuz, das auf einem aus Tuffstein errichteten Hügel stand. Daneben wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein Lindenbaum gepflanzt. Dieser Ort wurde der Mittelpunkt des künftigen Kevelaerer Kreuzweges, zu dem es seit 1858 Planungen gab. 1874 wurde er geweiht und hatte noch eine karge Ausstattung. Er wurde von der Pfarrei St. Antonius betreut.

1879 gestaltete Heinrich Fleige (1840-1890) aus Münster die Erste Station aus Stein. 1880 wurde das Rote Kreuz gegen eine Kreuzigungsgruppe aus Stein ausgetauscht, angefertigt vom Kölner Bildhauer Edmund Renard (1830-1905). Diese 12. Station des Kreuzwegs wurde besonders feierlich begangen. Hier gab es eine Kanzel für die Predigt und auch Sitzbänke. (Die Kanzel wurde nach 1965 entfernt). Der Kreuzweg wurde 1892 von Renards Mitarbeiter Anton Rüller (1864-1936) fertiggestellt.

1898/1899 mussten neun vom Vandalismus beschädigte Figurengruppen restauriert werden. 1916 wurden die 4. und die 5. Station erneuert. 1928 entstand eine Schutzmantelmadonna im Park. 1934/1935 erfolgte eine Umgestaltung des Kreuzweges. 1944/1945 entstanden Schäden durch Bombardierungen und Vandalismus. 1946-1951 wurde der Kreuzweg wiederhergestellt.

1956 wurden die Pfarreien St. Antonius und St. Marien getrennt und letztere übernahm die Verwaltung des Kreuzwegs. Am 22. 9. 1991 wurde als 15. Station die „Kapelle der Arbeit“ eingeweiht aus Anlass des 100. Jahrestages der Veröffentlichung der Sozialenzyklika Rerum Novarum. Sie wurde von der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung errichtet.  2009/2010 erfolgte eine Sanierung des gesamten Kreuzweges wegen Bauschäden und Vandalismus.

Im September 2014 wurden die fünf Kevelaer Pfarrgemeinden zur Pfarrgemeinde St. Antonius zusammengefaßt.

 

Bahnhof
Die Eisenbahnanbindung Kevelaers wurde 1850 bis 1863 geschaffen. Dies erleichterte die Wallfahrt. Es gab viele Sonderzüge mit Pilgern.

 

Rathaus
Nach dem Bau der Marktschule im Jahr 1848 wurde die St.-Antonius-Schule (Bahnstraße 2) für die Verwaltung der Bürgermeisterei Kevelaer genutzt. Nachdem dieses Gebäude baufällig geworden war, wurde 1902/1903 das heute so genannte Alte Rathaus an der Busmannstraße erbaut. 1962 wurden die Marktschule und der ehemalige Luftschutzbunker abgebrochen. Der Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes auf dem Marktplatz (heute: Peter-Plümpe-Platz) wurde begonnen und 1973 vollendet.

 

Wasserturm
1901 wurde er geplant und 1904/1905 erbaut. Er ist 54 Meter hoch und enthielt 450 Kubikmeter Wasser. 1976 baute die Stadt Kevelaer ein Wasserwerk. Damit war der Turm überflüssig. 2004 wurde er saniert und dient als Büro- und Verwaltungsgebäude der Stadt.

 

Museum
Eine Steuerliste des Jahres 1770 besagt, dass 76 Personen im Gastgewerbe beschäftigt waren, rund ein Viertel der Bevölkerung Kevelaers. Dem entsprechend war die Accise, die Steuer für Brandwein und Bier, die Haupteinnahmequelle der Stadt. Auch das Haus Risbrock diente seit dem frühen 18. Jahrhundert als Herberge und Gasthaus für die Pilger. 1910 wurde in diesem Gebäude das Niederrheinische Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte eröffnet. Neben den vorgeschichtlichen und geschichtlichen Ausstellungsgegenständen vor allem aus dem römischen Gräberfeld von Pont bei Geldern gibt es auch eine große Spielzeugsammlung von Juliane Metzger, eine Ausstellung über Landwirtschaft und niederrheinisches Handwerk, besonders Bauerntöpferei, die Kupferstichsammlung von Hendrick Goltzius (1558-1617) und eine Abteilung, die der Volksfrömmigkeit und Wallfahrt gewidmet ist, darin ist besonders die Rosenkranzsammlung des Weihbischofs Heinrich Janssen (1932-2021) zu nennen, die aufgrund meiner Geschenke an ihn auch über ein Leiterchen der russischen Altgläubigen und eine lange, griechische Wollzählschnur, beide für das Jesusgebet, verfügt.

 

Pax-Christi-Kapelle
Sie wurde 1982 als Kreuzwegkapelle für Regentage erbaut und 1999 überdacht.

 

Johannes-Kapelle
Diese orthodoxe Kirche wurde 1992 an der Amsterdamer Straße eingerichtet, neben dem früheren Fahnensaal, der heute Probenraum für die während der Pilgerzeit (1. Mai bis zum 1. November) täglich auftretenden Musiker und Sänger ist.

 

Der Pilger

1994 wurde an der Hauptstraße 2 die Skulptur von Bert Gerresheim „Der Pilger“ aufgestellt. Auf dem Sockel steht: „Ich sehe dich in tausend Bildern – Maria“. Die Fortsetzung lautet bei Novalis: „… lieblich ausgedrückt, / Doch keins von allen kann dich schildern, / Wie meine Seele dich erblickt.“ Daneben ist die Jakobusmuschel, das Zeichen der Pilgerschaft. In den Händen trägt der Pilger, aus Ehrfurcht verhüllt, das Bild der Trösterin der Betrübten.

Vorgänger ist die Skulptur, die den Reliquienschrein des Stadtpatrons Apollinaris auf den Schultern trägt und 1988 in das Düsseldorfer Stadterhebungsmonument zur 700-Jahr-Feier der Stadt eingefügt wurde. Gerresheim wurde inspiriert durch die Jugendstilfigur des Kleinen Reliquienträgers von Baron George Minne (1866-1941), die 1897 entstand.

 

 

Bibliographie

Quellen

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o   Rheinisch-westphälischer diplomatischer Codex oder Urkunden-Sammlung zur Geschichte der Erzdiözese Köln und des dazu gehörigen Rhein- und Westphalen-Landes, herausgegeben von Anton Joseph Binterim (1779-1855) und Joseph Hubert Mooren, 2 Theile, Mainz 1830f.

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o   Opkomste ende voortganck der devotie binnen het dorp van Kevelaer, in het hertoghdom Geldre, Roermond 1696.

o   Stalenus (Staell), Johannes, Peregrinus ad loca sancta orthodoxus, et pius demonstratus. Sive Vindiciae Sacrarum Peregrinationum, Processionum, Invocationis Sanctorum, Cultus imaginum, et miraculorum Ecclesiae, Köln 1649.

o   Verhael vande mirakelen door de voorsprake vande alder h. Moeder ende altoos maget Maria gheschiet int dorp van Kevelaer gelegen twee mijlen vande stadt Gelder int bisdom van Rvremonde, Roermond 1647.

 

Gebäude und Kunstwerke

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o   Große Boymann, Guido und Olga Llop de, Die Beicht- und Sakramentskapelle an der Marienbasilika zu Kevelaer, Schnell-Kunstführer 2303, München u. Regensburg 1997.

o   Große Boymann, Guido und Olga Llop de, Die Gnadenkapelle zu Kevelaer, Schnell-Kunstführer 1180, München u. Regensburg 1993.

o   Große Boymann, Guido und Olga Llop de, Richard Schulte Staade, und Hans-Günther Schneider, Die Kerzenkapelle zu Kevelaer, Schnell-Kunstführer 2085, München u. Regensburg 1993; dritte Auflage 2012.

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o   Stenmans, Peter, 700 Jahre Kevelaer. Beiträge zur Geschichte von Kevelaer 1300 bis 1800Das Lesebuch, Band 2, Kevelaer 2000

o   Tiefenbach, Heinrich, Kevelaer, in: Deutsches Ortsnamenbuch, hg. v. Manfred Niemeyer, Berlin u. Boston 2012, 312.

 

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2024

 

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