Saat
„Ein Sämann geht aus, um zu säen“ (Matthäusevangelium 13, 3).
Die Samenkörner fallen auf unterschiedlichen Boden. Einige fallen auf den Weg. Dort gehen Menschen hin und her, dort werden Waren transportiert. Der Boden ist hart und fest. Ein Samenkorn kann hier nicht Wurzeln schlagen.
Ein Teil fällt unter das Unkraut. Dieses ist stärker als die gute Saat. Es wächst schnell empor und nimmt ihr Licht sowie Nährstoffe weg. So kann das Getreide nicht wachsen und reifen.
Ein Teil der Samenkörner fällt auf fruchtbaren Boden. Da sind alle Bedingungen für das Gedeihen gegeben: gute Erde, reichliche Nahrung, Feuchtigkeit, Sonne und Wind. So bringt ein einziges Samenkorn viel Frucht.
Ein Sämann geht aus, um zu säen.
Bei unserer Tätigkeit haben wir oft das Gefühl, es ebenso mit unterschiedlichen Bodenarten zu tun zu haben. Manches von dem, was wir tun oder sagen, ist vergeblich. Es ist, als würden wir gegen eine Wand reden. All unsere Bemühungen sind fruchtlos. Bei anderen Gelegenheiten müssen wir uns fürchterlich anstrengen. Es ist immer wieder notwendig, einen neuen Anfang zu machen und die grundsätzlichsten Dinge immer wieder zu erklären. Das kostet Kraft, zeigt aber wenigstens ein wenig Wirkung. Dann wieder ist es so, als rennten wir offene Türen ein. Alles geht leicht von der Hand. Die Menschen sind dankbar dafür, daß wir uns einsetzen und etwas unternehmen. Unsere schwachen Bemühungen bringen überreich Frucht. Wir sind selbst von der großen Resonanz überrascht. Es fällt uns alles gleichsam in den Schoß.
Ein Sämann geht aus, um zu säen.
Gott ist wie jemand, der schwere Arbeit verrichtet.
· San Ignacio de Loyola, Obras, herausgegeben von Ignacio Iparraguirre, Candido de Dalmases und Manuel Ruiz Jurado, Biblioteca de Autores Cristianos 86, Madrid 61997, 273: „El tercero, considerar cómo Dios trabaja y labora por mí en todas cosas criadas sobre la haz de la tierra (auf der Erdoberfläche), id est, habet se ad modum laborantis.“ (Ejercicios espirituales 236).
Bei manchen Menschen ist alles, was Er versucht, vergeblich. Sie möchten auf Ihn nicht hören und haben keinerlei Interesse, sich für Ihn einzusetzen. Bei anderen hat Gott mäßigen Erfolg. Er muß immer wieder versuchen, sie für ein Leben im Geiste zu interessieren. Immer wieder verdeutlicht Er, wie wichtig es ist, sich im Glauben einzuüben, um auf Dauer mit Ihm Gemeinschaft zu haben.
· John Henry Newman, Parochial and Plain Sermons: Pfarr- und Volkspredigten, Bd. 1, Stuttgart 1948, 156: „Es scheint daher, daß es eine große Menge pharisäischer Heuchler unter getauften Christen gibt, d.h. Menschen, die den Glauben bekennen, ohne ihn zu üben.“
Widerwillig folgen sie und tun unter dem Druck der Lebensereignisse ein wenig.
Doch es gibt auch einige, die mit der Gnade mitwirken. Sie greifen die Anregungen des Heiligen Geistes auf, engagieren sich in der Gemeinde und können sogar andere für Gott begeistern.
Diese Ansprache wurde im Jahre 2011 in der Alten Kirche zu Horneburg gehalten.
© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026