Treue
Wenn wir untreu sind, bleibt Er doch treu (2. Timotheusbrief 2, 13).
Du lernst einen Menschen kennen. Zunächst triffst du dich mit ihm selten, eher beiläufig, ab und zu. Doch mit der Zeit wird dir seine Art zu sprechen, seine Ansichten, seine Person und seine Nähe immer kostbarer. Du kennst keinen anderen Menschen, der dir so viel wert ist. Dein Leben verbindet sich immer mehr mit seinem Leben. In gewisser Weise kannst du sagen, daß er dir unentbehrlich ist.
Und dann, von einem Tag auf den anderen, plötzlich und ohne
Vorwarnung, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, läßt dich dieser Mensch fallen.
Wie verhältst du dich?
Wenn wir untreu sind, bleibt Er doch treu.
Es gibt Menschen, die Untreue erleben. Sie haben einem
anderen vertraut, sind aber bitter enttäuscht worden. Sie haben einen anderen
geliebt, doch jetzt wird ihre Liebe nicht mehr erwidert. Sie lassen sich nicht
beirren. Sie halten weiter an dem anderen fest. Du hast mich enttäuscht, doch
ich gebe dich nicht auf, sagen sie. Du tust mir weh mit deinem Verhalten, doch
ich vergelte nicht Böses mit Bösem. Ich bleibe dein Freund ( deine Freundin.
Wenn du in Not bist, werde ich alles tun, um dir zu helfen. Ich lasse dich
nicht im Stich.
Wenn wir untreu sind, bleibt Er doch treu.
So ist Gott zu uns. Wir leben nicht immer so, wie es uns
möglich wäre. Wir tun nicht immer das, wozu wir in der Lage wären. Wir
entfernen uns manchmal von Gott, der uns erschaffen hat und unser Leben
begleitet. Doch der Herr verläßt uns nicht. Er bleibt in unserer Nähe. Er tut
uns Gutes, weil er uns liebt. Er lockt uns, damit wir zu Ihm zurückkehren. Er
ist jederzeit bereit, uns wieder aufzunehmen. Was auch immer wir getan haben,
Er verzeiht uns und nimmt uns wieder an. Wie reagieren wir darauf?
Diese Ansprache wurde im Jahre 2011 in der Neuen Kirche zu
Horneburg gehalten.
©
Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026