Bücher
Schreiben ist ein schöpferischer Prozess. Vor allem ist es
Führung und Vorsehung, die hilft, Material zu finden, das noch nicht bearbeitet
ist, und die mit Menschen zusammenbringt, die wichtige Hinweise geben. Es ist
auch notwendig, die Zeit und den innerlichen wie äußerlichen Raum zu finden.
Inspiration spielt eine Rolle, die den Geist anregt und befähigt. Sodann ist es
ein Vorgang mit Höhen und Tiefen:
Das Sammeln des Materials ist aufregend. Fahrten durch
verschiedene osteuropäische Länder sind notwendig. Bei hochsommerlichen
Temperaturen gilt es, zahlreiche Bücher von Herberge zu Herberge zu schleppen.
Im Flughafen fallen hohe Gebühren für das Überschreiten des Gepäckgewichts an. Der
Transport mit dem Auto ist als Alternative nicht ungefährlich. Mehrmals hintereinander
wird der Wagen aufgebrochen.
Das Durcharbeiten des gesammelten Materials ist langwierig.
Eine Lebensbeschreibung ist schwierig zu erstellen, da die russischen Viten
lückenhaft sind und widersprüchliche Angaben enthalten. Bei vielen Büchern
steht die Untersuchung der Quellen im Vordergrund. Manche Zitate müssen
wochenlang gesucht werden. Die Niederschrift ist anstrengend, weil es ja nicht
möglich ist, so schnell zu schreiben, wie die Gedanken kommen.
Die Arbeitsweise ist traditionell: Zu den russischen
geistlichen Schriften werden von Hand Register angelegt, die viele Mappen
füllen. Dann ist, ebenfalls handschriftlich, Kapitel für Kapitel der Text des
Buches zu erstellen.
Die Korrektur ist kleinteilig. Nach jedem Kapitel wird der
Text durchgesehen, danach das ganze Buch. Schließlich korrigiert eine andere
Person. Diese Korrekturen werden eingearbeitet und es beginnt die Endredaktion.
Beim langwierigen Vorgang des Verbesserns lohnt das Arbeiten mit einem
Korrekturprogramm nicht. Da wird „Dimitrij“, „Koh“ (das Buch Kohelet) oder
„Hesychia“ moniert.
Wenn im Zeitraum eines Jahres ein Buch erscheint, bedeutet
dies nicht, dass die gesamte Arbeit dafür innerhalb von zwölf Monaten erfolgte.
Die Arbeit geschieht gleichzeitig an mehreren
Büchern. Die gesamte Arbeitszeit für jedes Buch beträgt mehrere Jahre.
Ein kleiner Rückblick auf die frühere Arbeitsweise: Sobald
ein Ergebnis vorhanden war, wurde der Text mit Schreibmaschine geschrieben. Bei
Korrekturen wurde der neue Abschnitt getippt, der zu ersetzende Abschnitt
herausgeschnitten und der neue eingeklebt. Dies ergab mit der Zeit ein schwer
handhabbares Typoskript. Eine besondere Schwierigkeit war die Nummerierung der
Fußnoten. Eingeschobene Fußnoten wurden mit Buchstaben bezeichnet (z.B. 135 a,
135 b). War dann das Ganze mit Bleilettern gesetzt, wurde bei den so genannten
Korrekturfahnen Korrektur gelesen. Bestimmte Zeichen waren dabei zu verwenden.
Manche Wissenschaftler arbeiteten den Text um, sehr zum Leidwesen der
Schriftsetzer.
Im Vergleich dazu ist die heutige Arbeitsweise bequem:
Fußnoten können eingeschoben werden, ohne dass die Zählung durcheinandergerät,
ganze Kapitel können problemlos verschoben werden, Streichungen und Ergänzungen
sind mühelos zu bewältigen.
Es gibt unterschiedliche Arten wissenschaftlicher
Literatur. Auf der einen Seite sind Monographien notwendig, die ein Thema von
allen Seiten beleuchten, den aktuellen Forschungsstand referieren und neue
Erkenntnisse hinzufügen. Andererseits sind aber Bücher notwendig, die einen
Überblick über zahlreiche Werke bieten, die nicht jedem zugänglich sind. Viele
der Bücher enthalten mehr Material als Analysen. In der augenblicklichen Situation
ist es notwendig, Material in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen, damit
sichtbar wird, worum es sich bei der russischen Spiritualität handelt. Es geht
vorrangig darum, Hilfreiches herauszustellen, auf Echtes hinzuweisen, die
Herkunft der Gedanken anzugeben und eine erste thematische Zusammenstellung zu
bieten. Später werden andere kommen, die großflächige Durchsichten erstellen
und terminologische Zuweisungen vornehmen, weil sie über das Material dazu
verfügen können.
Hat sich in der russischen Spiritualität in den letzten
tausend Jahren nichts geändert? Einerseits ja, aber das muss nicht negativ
sein. Kontinuität ist in einer schnelllebigen, hastigen und oberflächlichen
Zeit wichtig. Andererseits nein, weil ja ständig neue geschichtliche
Situationen entstehen und eine ganz andere Sichtweise der Überlieferung
verlangen.
Sagen alle russischen geistlichen Autoren das Gleiche? Ja
und nein. Ja; denn alle betonen Buße, Gehorsam, Demut und Gebet. Nein; denn sie
sind in ihrer Persönlichkeit, ihrem Charakter, ihrem Stil und ihrer
Quellenbenutzung unterschiedlich.
Die russischen Autoren fordern dazu auf, sich von der Welt
abzuwenden. Bedeutet dies, seine Aufgaben zu vernachlässigen, das alltägliche
Leben zu negieren? Um zu verstehen, was mit einem Wort wie: „Die ganze Welt
liegt im Argen“ (1 Joh 5,19), gemeint ist, genügt es, sich die Zunahme der
Gewalt vor Augen zu führen. Dann erscheint die Aussage: „Der Teufel ist ein
Mörder von Anbeginn“ (Joh 8,44) in anderem Licht.
Die erste Frage, die sich stellt, ist: Woher kommt das
Böse? Dies ist ein grundsätzliches Thema jener, die erfahren möchten, woher der
Mensch kommt, wohin er geht und wer er ist. Theophan der Klausner antwortet:
Das Böse kommt aus der Selbstsucht.
Die zweite Frage: Ist der Mensch frei oder unfrei? Treibt
es ihn einfach in den Untergang, kann er nichts dagegen tun, wird er gegen seinen
Willen in diesen tödlichen Strudel gerissen? Dass es Abhängigkeiten und
Beeinflussungen gibt, ist sicher nicht in Abrede zu stellen. Löschen sie aber
vollständig die Freiheit aus? Tichon von Zadonsk lehrt: Der Mensch kann in
seiner unmittelbaren Umgebung darauf hinwirken, dass sich positive Entwicklungen
anbahnen.
Nun folgen einige Bemerkungen zu den einzelnen Büchern.
In der Zeit der Niederschrift wurde eine Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre erstellt. Insofern ist das Thema der Rechtfertigung aktuell. Theophan der Klausner redet von der überragenden Bedeutsamkeit der Gnade, stellt aber heraus, dass der Mensch mit ihr mitwirkt (Synergie).
Wie ist die Aussage Isaaks des Syrers zu verstehen (Der Weg zum Heil, S. 203): „Es ist geschmacklos, Gott um Dinge des täglichen Lebens zu bitten“? Der Einwand lautet: Worum geht es denn beim Vaterunser? Antwort: Im Vaterunser wird nicht um Dinge des täglichen Lebens gebetet, sondern um die Heiligung des Namens, das Kommen des Reiches, das Geschehen des Willens Gottes, die Vergebung der Schuld, nicht in Versuchung geführt zu werden und um die Bewahrung vor dem Bösen. Die einzige Bitte, die in der Diskussion immer angeführt wird, ist die Bitte um das Brot. Im Urtext wird aber nicht um das tägliche Brot gebetet, wie dies die modernen Übersetzungen nahelegen, sondern um das „überwesentliche“ Brot (Mt 6,11). Diese Bitte lässt sich gut auf die Heilige Eucharistie beziehen. Das Werk erscheint am 1.6.1998.
In der Dissertation klingen manche Themen nur an, ohne in genügender Weise ausgeführt zu werden. Dies geschieht in den folgenden Büchern. Insofern stellt die Doktorarbeit ein Präludium zu ihnen dar.
Das Gesamtwerk Makarijs weist zahlreiche Väterzitate auf.[1] Dies ist der Ausgangspunkt für die Arbeit.
Das Thema ist aktuell. Ein Psychologe, der in der Suchtberatung tätig ist, sagt: „Es gilt, von der Selbstrechtfertigung zur Selbstkritik zu kommen.“ Dies vertreten vor ihm Dorotheos von Gaza und in seiner Nachfolge Makarij von Optina. Unter „Demut“, dem Zentralbegriff Makarijs, wird weithin Mangel an Selbstvertrauen verstanden. Diese Deutung wird durch Worte der Väter nahegelegt, die warnen, sich selbst zu vertrauen. Hier handelt es sich aber um ein Missverständnis.
Wenn es heißt, der Mensch solle nicht sich selbst (seinem eigenen Urteil) vertrauen, wird davor gewarnt, in Selbstverblendung, Selbsttäuschung hineinzurennen. Vielmehr gilt es, Rat zu erbitten und anzunehmen. Es gibt ja keinen Menschen auf der Welt, der alles weiß. Darüber hinaus existiert ein „blinder Fleck“ (mangelnde Selbsterkenntnis). Aus beiden Gründen kann ein guter Rat heilsam sein.
Franz von Assisi ist ein sehr demütiger Mensch. Ist er nachgiebig? Fehlt ihm Selbstvertrauen? Er verteidigt gegenüber dem Papst, ja sogar gegenüber dem Sultan seine Sicht kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens.
Ein demütiger Mensch weiß um seine Schwächen und Grenzen und bemüht sich, sie anzunehmen. Gerade aus diesem Grund kann er seine beruflichen und familiären Aufgaben bewältigen. Ein Mensch, der sich selbst überschätzt, der meint, alles zu können, ist nicht dazu geeignet.
Demut hat eine regulative Funktion, insofern sie einem Menschen gesundes Selbstvertrauen schenken kann. Sie kann mit der Erkenntnis der Wahrheit über sich selbst gleichgesetzt werden. Menschen, die zum „Buckeln“ neigen, die es allen recht machen wollen, sagt die Demut: Leiste Widerstand, wenn es um Wesentliches geht!
Nicht zuletzt lehrt die Demut Humor. Wer meint, immer zu verlieren oder immer zu gewinnen, kämpft verbissen. Wer sich aber selber wahrnimmt, darf auch einmal über sich selbst lachen. Es hängt nicht alles von einem einzigen Menschen ab. Und wenn etwas daneben geht, bedeutet dies meist nicht einen „Weltuntergang“.
In eine ähnliche Richtung geht das Wort: „Ein Tag ohne Herabsetzung durch andere ist ein verlorener Tag“. Es stammt von Johannes Klimakos (zwischen 575 und 650), von dessen Werken immer noch eine kritische Ausgabe fehlt. Ist dies die Devise eines Masochisten? Auch hier wieder ein Blick auf Franz von Assisi. Er meint, die vollkommene Freude bestehe darin, beschimpft und schlecht behandelt zu werden.[2] Es gibt also auch im westlichen Bereich des Christentums derartige Äußerungen. Doch nun zu dem strittigen Wort.
Hier ist zunächst das genus litterarium zu beachten. Klimakos liebt zugespitzte, ja paradoxe Formulierungen. Einige Beispiele: „Trinke täglich die Beschimpfung und das Ausgelachtwerden wie Milch und Honig!“ – „Wenn der Tote gestorben ist, wird der Schüler der Theologie erleuchtet.“ – Die Dunkelheit der Demut lässt in uns die Sonne des Sieges über Leidenschaften wie Hass und Eifersucht leuchten. – Nächstenliebe und Gottesliebe sind miteinander verbunden; denn das „Spielbein“ ist aktiv im Dienst am Nächsten, während das „Standbein“ im Gebet steht.
Sodann geht es darum, den literarischen Topos zu sehen. Diem perdidi, sagt Titus, wenn er an einem Tage nichts Gutes getan hat (vgl. Sueton, Leben des Titus 8). – O si tacuisses, philosophus mansisses: Wer keine Beleidigungen ertragen kann, ist kein Philosoph (Boethius, Trost der Philosophie 2,7). Der Sinn dieses Wortes ist nicht, einen Menschen zu brechen (wie heute gesagt wird), sondern ganz im Gegenteil, ihn gegen Mobbing zu schützen. Sich auf diese Gefahr innerlich einstellen. Aus einer solchen Situation „Nutzen“ ziehen, wie die Väter sagen, das heißt, versuchen, beim nächsten Mal Fehler zu vermeiden.
Es gäbe kein Mobbing (Staffing, Bossing), wenn alle Menschen imstande wären, es abzustellen. Die Anleitung der monastischen Väter richtet sich an Menschen, die unter Kränkungen leiden. Sie sollen befähigt werden, von der Opferrolle in die Aktivität überzugehen, das Gesetz des Handelns wieder in die Hand zu bekommen. Wenn sie das Verhalten anderer nicht beenden können, besteht noch die Möglichkeit, sich selbst zu ändern.
Der Zusammenhang ist zu beachten: „Ein Tag ohne Herabsetzung durch andere ist ein verlorener Tag! Ihre Kritik an uns hat ja eine heilsame Funktion: Da es schwer ist, demütig zu werden, hat der Herr es so eingerichtet (ōkonómēsen), dass der Nächste unsere Fehler besser sieht als wir selbst. Daher sollten wir ihm für unsere Heilung dankbar sein“ (Monastische Väterliteratur, S. 81).
Das Wichtigste aber ist die Grundfrage dieses Buches, nämlich die der Rezeption. Nimmt Makarij von Optina dieses Wort von Johannes Klimakos auf? Nein! Es ist ihm zu extrem.
Barsanuphios fordert dazu auf, nicht die Heilige Schrift, sondern seine Briefe zu lesen. Wie verträgt sich dies mit der Auffassung der Bibel als norma normans, welche verlangt, dass sich alles den Aussagen des Alten und Neuen Testamentes unterzuordnen hat?
Barsanuphios ist ein ausgezeichneter Pädagoge. Er weiß, dass Anfänger mit einem Schriftwort in der Regel nicht viel anfangen können. Es genügt ja nicht, philologisch, archäologisch und systematisch am Bibeltext zu forschen, wie dies beispielsweise ein Origenes tut, sondern es gilt, dieses Wort im eigenen Leben zu verwirklichen.[3] Dazu gibt er Hilfestellung. In dem Maße, in dem ein Mensch den Weg des geistigen Tuns geht, wächst sein Schriftverständnis, und er wird immer selbständiger in der Auslegung und Anwendung.
Die Arbeit erscheint am 9.4.2002. Es ist das Hauptwerk. In ihm werden viele Dinge ausführlich erklärt, die in anderen Büchern nur kurz gestreift werden können.
Wer ein Buch über die Tränen schreibt, ist in Gefahr, ein larmoyantes Opus zu verfassen. Doch angesichts der offensichtlichen Schwierigkeit, sich den negativen Seiten des Lebens zuzuwenden, um sie annehmend zu verwandeln, und andererseits der großen Bedeutung dieses Themas in der Väterliteratur beginnt die Niederschrift. Es geht darum, mit Ignatij einen mittleren Weg aufzuzeigen zwischen der Unfähigkeit zu trauern und dem Versinken in schwermütiger Weltsicht („Trauerkorsett“). Natürlich ist es anstrengend und unangenehm, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, aber es besteht die Chance, im Schatten das Licht zu finden.
Auf Fahrten nach Russland, Weißrussland und in die Ukraine werden möglichst viele Kirchen besucht. Dort gibt es Väterwerke. Zu gleicher Zeit erscheinen kritische Ausgaben griechischer Texte: In den Sources Chrétiennes Markos der Asket sowie Barsanuphios und Johannes von Gaza, in den Fontes Christiana Dorotheos von Gaza, im Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium die Kapitel 4-41 des Zweiten Teils der Werke Isaaks von Ninive.[4]
Ignatij zitiert nicht nur Väter, sondern auch Mütter, zum Beispiel Sarrha (vgl. Freude bringende Trauer, Seite 45). Sarrha begründet mit Theodora und Synkletika das monastische Leben der Asketinnen in der Wüste Ägyptens.
Manche meinen, das Werk Ignatijs sei einzig der Vergangenheit zugewandt: Es würden seit jeher immer die gleichen Gedanken mitgeteilt, es handle sich um eine statische Welt, es sei eine Konservierung obsoleter Werte. Hier wird vorausgesetzt, dass nur Neues gültig sei. Ignatij zitiert aber auch zeitgenössische Autoren (Serafim von Sarov, Georgij von Zadonsk und Makarij von Optina). Ignatij geht es dagegen darum, alte und neue Gedanken in die Realität umzusetzen, sie fruchtbar zu machen. Daher gilt er mit Recht als der Vater des gegenwärtigen monastischen Lebens, das in Russland blüht.
Diese Ausführungen erscheinen am 14.12.2003. Die nun beginnende Reihe der Studien zur russischen Spiritualität bietet eine kleine Textbibliothek.
In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts werden die Werke Theophans des Klausners nachgedruckt. Dies erspart Reisen zu den slavischen Bibliotheken von Havard, Helsinki, Moskau, Rom und St. Petersburg. In Paris können das Gesamtwerk des Franz von Sales sowie die Werke von de Caussade erworben werden, in Madrid die Obras completas der Teresa de Jesús, in Rom der Combattimento spirituale von Scupoli.[5] Damit ist die Grundlage für ein Buch gegeben, in dem der Einfluss katholischer Spiritualität auf Theophan, aber auch die Unterschiede untersucht werden. Das Buch erscheint am 15.2.2005.
1994 kann die Gesamtausgabe der Werke von Tichon von Zadonsk erstanden werden. Da er das Hauptwerk von Johann Arndt bearbeitet, werden bei Antiquariaten in Deutschland, Österreich und in der Schweiz Ausgaben der Werke Arndts aus dem 17. und 18. Jahrhundert gesucht, aus denen die russische Übersetzung angefertigt wurde.[6] Aus England kommen die Werke von Joseph Hall, 1808 zum ersten Mal vollständig herausgegeben. Bald wird deutlich, dass weitere Quellen einbezogen werden müssen, die Arndt verwendet: Angela von Foligno, Johannes Tauler, Raimund von Sabunde (Sibiuda), Thomas von Kempen, Theologia Deutsch, Johannes von Staupitz und Valentin Weigel. Es geht bis an die Grenze der Leistungsfähigkeit, die jeweiligen kritischen Ausgaben zu erlangen.
Tichon gibt keine Fundstellen der westlichen Autoren an. Daher sind deren Werke durchzuarbeiten, um dann die Entsprechungen bei dem russischen Autor zu finden. Eine Besonderheit ist die schwankende Rechtschreibung bei Johann Arndt, Valentin Weigel und in der Theologia Deutsch.
Dieses Buch ist schichtweise entstanden: Zuerst die Hauptschicht, die Gedanken Tichons. Dann in den Anmerkungen nacheinander die Quellen Tichons, aber auch Arndts. Am 28.1.2006 kann diese Studie veröffentlicht werden.
Das Thema des Jesusgebets klingt bereits in den Büchern über Theophan, Makarij und Ignatij an. Angesichts der Bedeutung dieser Weise des Betens ist ein eigenes Buch darüber notwendig. Das Jesusgebet erschließt sich nur, wenn es gelebt wird. Das Buch erscheint am 11.10.2006.
Die Darstellungen des Jesusgebets im Bereich des Westens sollten in einer eigenen Abhandlung untersucht werden. Hier handelt es sich um einen völlig anderen Zugang, der sich stark von dem der Russen unterscheidet.
Immer mehr Werke von Schriftstellern, die in Optina Pustyn’ gelebt hatten, erscheinen. Das Makarij-Buch kann nur einen Teil des Materials berücksichtigen. Es geht um geistliche Beratung, die heute aktueller ist denn je. Wieviel Rat Suchende gibt es! Das Buch erscheint am 3.8.2007.
Das Material über Filaret vermehrt sich. Es gibt bereits Untersuchungen über ihn als Kirchenrechtler, Dogmatiker, Exeget, als Lehrer für das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, aber eine Untersuchung über ihn als geistlichen Schriftsteller fehlt noch. Hier sind als Quellen Gregor von Nazianz, Augustinus, Fénelon und Budde zu erarbeiten. Auch gilt es, den Quietismusstreit wenigstens anzudeuten. Das Buch erscheint am 7.9.2008.
Dimitrij zitiert zahlreiche Autoren. Hier ist das umfangreiche Werk Bernhards von Claivaux durchzuarbeiten. Es handelt sich immerhin um zehn großformatige Bände! Außerdem sind Johannes Chrysostomos, Bonaventura, die Kiever Tradition und die Kabbala wichtig. Eine kritische Ausgabe der Werke Dimitrijs wäre unbedingt erforderlich! Das Buch erscheint am 21.9.2009.
Hier gibt es eine umfangreiche Literatur, die sich in einer ausführlichen Bibliographie widerspiegelt. Johannes von Kronstadt veröffentlicht sehr viel, aber in seinen Schriften finden sich zahlreiche Wiederholungen. Daher fällt das Referat seiner Gedanken verhältnismäßig kurz aus.
Seine Person ist umstritten. Es wird versucht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Seine Fehler werden nicht verschwiegen. Es gibt aber viel Gutes in seinen Schriften und in dem, was er tut. Das Buch erscheint am 25.8.2010.
Das Thema: „Einsamkeit und Gemeinschaft“ ist aktuell. Je mehr ein Mensch sich Gott nähert, desto weniger hat er die Möglichkeit sich mit zweitrangigen Dingen zu beschäftigen. Auf der anderen Seite ist die Nächstenliebe der Gradmesser einer wahrhaftigen Gottesliebe. Hier ist ein Spannungsfeld. Es hängt von der Berufung jedes einzelnen Menschen ab, welche Lösung er in seinem Leben versucht.
Serafim von Sarov ist der berühmteste und bekannteste russische Einsiedler. Er lebt 31 Jahre in der Einsamkeit. Doch er ist nicht der einzige russische Eremit. Hier werden Leben und Schriften mehrerer Reklusen und Klausner dargestellt. Das Buch erscheint am 19.3.2011.
Die Kreuzestheologie gilt als Programmbegriff der evangelischen Theologie. Wie sich zeigt, spielen Betrachtungen und Abhandlungen über das Kreuz auch in der russischen Theologie eine große Rolle.[7] Eine grundsätzliche Schwierigkeit stellt die Auffassung von der Leidensunfähgkeit Gottes dar, die im Gefolge des Athanasios von Alexandrien weithin ungefragt übernommen wird. Sergej Bulgakov geht am weitesten in der Annahme, dass die ganze Trinität beim Kreuzestod Christi leidet. Das Buch erscheint am 10.6.2011.
[1] Symeon der Neue Theologie spielt in dieser Arbeit eine gewisse Rolle, da er Wichtiges zum Verhältnis von Amt und Charisma sagt. Sein erster Brief wurde bereits 1898 in Leipzig durch Karl Holl publiziert (Enthusiasmus und Bußgewalt beim griechischen Mönchtum. Eine Studie zu Symeon dem Neuen Theologen, Seite 110-127). Die Briefe 2-4 erschienen erst nach der Publikation des Makarij-Buches, und zwar herausgegeben durch H.J.M.Turner, The Epistles of St Symeon the New Theologian, Oxford 2009.
[2] Fioretti di San Francesco 8, Della pazienzia, dove è perfetta letizia, scrive santo Francesco: „Wenn wir Santa Maria degli Angeli erreichen, ganz durchnässt vom Regen und durchgefroren von Kälte, von Schlamm beschmutzt und von Hunger geplagt, an die Klosterpforte klopfen, und der Pförtner kommt voll Zorn und fragt: Wer seid ihr?, und wir sagen: Wir sind zwei von euren Brüdern, und er sagt: Ihr redet nicht die Wahrheit, ihr seid vielmehr zwei Schurken, die die Welt betrügen und den Armen das Almosen stehlen, schert euch weg, und er öffnet uns nicht, sondern lässt uns draußen stehen in Schnee und Regen, frierend und hungrig, bis in die Nacht; und wenn wir solches Unrecht und solche Grausamkeit und solches Ausgestoßensein geduldig ertragen, ohne Ärger und Murren, und demütig in christlicher Liebe denken, dass dieser Pförtner uns wahrhaftig erkennt, dass Gott ihn so gegen uns sprechen lässt – o, Bruder Leo, schreib, dass darin die wahre Freude besteht (che ivi è perfetta letizia).“
[3] Auch Origenes schreibt, dass Jesus nur verstehen kann, wer wie sein Lieblingsjünger an der Brust Jesu ruht: Johanneskommentar I,4,23, hg. v. E.Preuschen, Die Griechischen Christlichen Schriftsteller 10, Leipzig 1903, Seite 8, Zeile 14-18.
[4] Eine kritische Ausgabe der Werke von Abbas Isaias wäre wünschenswert. Außerdem fehlen die Ausgaben des dritten Kapitels des II. Teiles sowie des III. Teiles der Werke Isaaks des Syrers.
[5] Dringend notwendig wäre eine kritische Ausgabe der Werke von Juan de Bonilla.
[6] Diese Übersetzung sollte unbedingt neu aufgelegt werden: Čtiri knigi o istinnom christijanstve, Übers. v. Simon (Todorskij), Halle 1735. Simon ist 1745-1748 Bischof und dann Erzbischof von Pleskau (Pskov). Er stirbt im Jahre 1754.
[7] Die ursprünglichen Übersetzungen westlicher Werke durch den Metropoliten von Tobol’sk Ioann (Maksimovič; 1651-1715) sollten in einer Neuauflage herausgebracht werden: Carskij put’ Kresta Gospodnja, vvodjaščij v život večnyj, ili nravoučenija, kak dolžno nosit’ Krest Christov, Černigov 1709 (Benedictus van Haeften OSB, Regia via Crucis, Antwerpen 1635) und Iliotropion, Černigov 1714 (Jeremias Drexel SJ, Heliotropium seu Conformatio humanæ voluntatis cum divinâ, München 1627).