Biblische Geschichte

 

Der Weltenschöpfer, Salzburg, um 1180, gefertigt für die Benediktinerabtei des heiligen Gumpert zu Ansbach, heute in der Universitätsbibliothek zu Erlangen, in: Katholische Schulbibel, Düsseldorf 1957, nach Seite 8

 

Einführung

Der Religionsunterricht bestand aus Katechismus und Biblischer Geschichte. Den Katechismus empfand ich als sterbenslangweilig und unverständlich, während mich die Biblische Geschichte von Anfang an fesselte. Da geschah etwas!

Hier soll nun gefragt werden, welche Bibel damals vermittelt wurde. Welche Stellen wurden paraphrasiert, welche Kapitel wurden ausgelassen, wie war die Art und Weise der Paraphrasierung und welche Bücher fehlten ganz?

Zugrunde gelegt wird die Katholische Schulbibel aus dem Patmos-Verlag, Düsseldorf 1957.

Welche Stellen werden paraphrasiert?

Bibelabschnitt

Thema

Gen 1,2-2,3

Die Schöpfung – das Werk Gottes. Gott hat den siebten Tag geheiligt.

Gen 2,7-10a.15-17

Die Stammeltern im Paradiese

Gen 2,18.21-24

Gott setzt die Ehe ein

Gen 3,1-16a.16c-19.21.23

Sündenfall, Fluch und Verheißung

Gen 4,1-15

Kain und Abel – Der erste Brudermord

Gen 6-8

Die Sintflut – Strafgericht und Erbarmung Gottes

Gen 9

Cham versündigt sich an seinem Vater

Gen 11

Der Turmbau zu Babel

Gen 12

Die Berufung Abrams

Gen 14

Das Opfer Melchisedeks

Gen 15.17

Gottes Bund mit Abram

Gen 18

Gottes Einkehr bei Abraham

Gen 19

Das Gericht Gottes über Sodoma und Gomorrha

Gen 22

Die Glaubensprobe Abrahams

Gen 24

Die Brautwerbung für Isaak

Gen 25f

Esau und Jakob

Gen 27

Der väterliche Segen Isaaks

Gen 28f

Jakobs Flucht nach Mesopotamien

Gen 31-33.35

Jakobs Heimkehr

Gen 37

Josef im Vaterhause zu Hebron. Josef wird nach Ägypten verkauft.

Gen 39

Josef im Hause Potiphars

Gen 40

Josef im Gefängnis

Gen 41

Josefs Erhöhung

Gen 42

Erste Reise der Brüder Josefs nach Ägypten

Gen 43

Zweite Reise der Brüder Josefs nach Ägypten

Gen 44f

Josef gibt sich zu erkennen.

Gen 46f

Auswanderung der Familie Jakobs nach Ägypten

Gen 49f

Jakobs und Josefs Tod

Ps 8

Größe und Würde des Menschen

Ps 11

Gottes Treue

Ps 92

Gottes Herrlichkeit

Ps 103

Das Lied von der Schöpfung

Ps 109

Priester bist du auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks

Röm 5,12

Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen.

Gal 3

Die aus dem Glauben sind, sind Kinder Abrahams. In deiner Nachkommenschaft (auf Christus bezogen).

 

 

Welche Kapitel fehlen?

Gen 5: Von Adam bis Noach

Gen 10: Völkertafel: Die Nachkommen Noachs

Gen 13: Abram und Lot

·      Gen 16: Hagar und Ismael: Abram verstößt seine Frau und seinen Sohn. Diese Geschichte wird nicht erzählt, sondern nur bemerkt, daß die Menschen wegen ihrer Herzenshärte dem Gebot Gottes der Unauflöslichkeit der Ehe nicht treu blieben. Erst Christus hat dies wiederhergestellt.
In der Schulbibel heißt es nur: „Auch Abraham hatte nach dem Brauch seiner Zeit neben Sara, seiner rechtmäßigen Gattin, noch eine Nebenfrau. Sie hieß Hagar und gebar den Ismael, von dem die Ismaeliten kommen.“

·      Gen 20f: Abraham und Sara in Gerar. Der König von Gerar schläft mit Sara, weil Abraham behauptet hatte, Sara sei seine Schwester.

Gen 21: Isaaks Geburt

Gen 23: Saras Tod und Grabstätte

·      Gen 34: Die Rache an Sichem. Dieses Kapitel wurde wegen seiner Grausamkeit ausgelassen.

Gen 36: Die Nachkommen Esaus

·      Gen 38: Judas und Tamar. Dieses Kapitel wurde wegen seiner Anstößigkeit ausgelassen. „Sie sündigte nicht aus schnöder Lust, sondern sie bezweckte bloß Empfängnis (Hieronymus). Doch war ihre Sünde noch größer als die des Judas, weil sie nicht nur einen Ehebruch, sondern auch Blutschande beging.“ (Heilige Schrift des alten und neuen Testamentes. Aus der Vulgata mit Bezug auf den Grundtext neu übersetzt von Joseph Franz Allioli, Band 1, Landshut und Wien 1838, 60).

Gen 48: Der Segen für Efraim und Manasse

Wie ist die Art und Weise der Paraphrasierung?

·      Gen 3, 16b fehlt: „und häufig wirst du schwanger werden.“

·      Gen 3,20 fehlt: „Der Mensch gab seiner Frau den Namen Eva, Leben; denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.“

·      Gen 4,1f: „Der Mensch (Adam) erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom HERRN erworben. Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer.“

wird zusammengefaßt als:

·      „Adam und Eva bekamen Söhne und Töchter. Zwei davon waren Kain und Abel. Abel wurde ein Hirt, Kain ein Ackersmann.“

·      Gen 4,16-26 fehlen: Gen 4,16: „So zog Kain fort, weg vom HERRN (!), und ließ sich im Land Nod nieder, östlich von Eden.“
Gen 17-24: Die Nachkommen Kains
Gen 4, 25f: Set und Enosch.

·      Gen 6,3: „Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er eben Fleisch ist; daher soll seine Lebenszeit hundertzwanzig Jahre betragen“ (dies ist die Strafe für die Verbindung von Gottessöhnen mit Menschentöchtern)
und Gen 6,5-7: „Der HERR sah, daß auf der Erde die Bosheit des Menschen zunahm und daß alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war. Da reute es den HERRN, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh. Der Herr sagte: Ich will den Menschen, den ich erschaffen habe, vom Erdboden vertilgen […]“
wird in der Schulbibel folgendermaßen zusammengefaßt:
„Gott der Herr sah, daß die Schlechtigkeit der Menschen groß war und daß die Gedanken ihres Herzens immerfort nur böse waren. Da reute es ihn, den Menschen erschaffen zu haben. Er sprach: Ich will den Menschen  von der Erde vertilgen; seine Tage sollen noch 120 Jahre sein!“
Hier werden zwei Bibelstellen aus gänzlich unterschiedlichem Kontext sinnwidrig zusammengeführt; denn: entweder wird die Menschheit vertilgt oder seine Lebenszeit wird begrenzt.

 

·      Gen 6,1-4: Menschentöchter und Gottessöhne fehlt in der Schulbibel.
Gen 6,1f: „Als sich die Menschen auf der Erde zu vermehren begannen und ihnen Töchter geboren wurden, sahen die Gottessöhne, wie schön die Menschentöchter waren, und sie nahmen sich von ihnen allen Frauen, die sie auswählten.“

Resümee

Dies ist eine schematische Darstellung der Seiten 5-42 der Schulbibel.
An einer Stelle wurden zwei Verse aus gänzlich unterschiedlichem Kontext bei der Paraphrase sinnwidrig zu einem Satz zusammengefügt.
Als anstößig empfundene Bibelstellen fehlen.
Die biblische Botschaft wird auf die Moraltheologie enggeführt: Es gilt, Gottes Gebote zu halten, ansonsten erfolgt eine Bestrafung, die bis zur Auslöschung des Lebens gehen kann.

Welche Bücher fehlen?

Nun soll gefragt werden, welche Bücher in der Schulbibel keine Berücksichtigung gefunden haben. Dies sind folgende:

·      Nehemia

·      Baruch

·      Joel

·      Nahum

·      Der Brief an die Philipper

·      Der erste und zweite Brief an die Thessalonicher

·      Der Brief an Philemon

·      Der Jakobusbrief

·      Der zweite und dritte Johannesbrief

Es ist interessant, daß der Jakobusbrief fehlt, den Martin Luther als „stroherne Epistel“ bezeichnet hatte. Immerhin wird in ihm an die Bedeutung der Werke erinnert. Der Glaube allein genüge nicht.

Der Römerbrief wird zwar mit einigen wenigen Versen zitiert, doch seine Botschaft, die Rechtfertigung aus dem Glauben allein, erscheint in der Schulbibel nicht.

Wollten sich die Autoren auf diese Weise aus diesem brenzligen Thema heraushalten?

Das Verhältnis der Testamente zueinander

Das Alte Testament wird auf 170 Seiten paraphrasiert, das Neue Testament auf 159 Seiten.

Wer bedenkt, daß der Text des Alten Testamentes viermal so umfangreich ist wie der des Neuen, bemerkt dieses Mißverhältnis.

Die Psalmen in der Schulbibel

Gut ist, daß die historischen, belehrenden und ethischen Texte der Schulbibel immer wieder durch passende Psalmen ergänzt oder kommentiert werden. Das dadurch häufig auftauchende poetische Element wirkt belebend.

Die Bebilderung der Schulbibel

Die Bebilderung ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Schulbibel, die ja für Kinder bestimmt war. Die Qualität der Bilder ist gut, sowohl, was die photographischen Aufnahmen angeht, als auch in Bezug auf die hochwertige Kunst der Darstellung.

Es stellt sich die Frage, ob diese Bebilderung „kindgerecht“ ist. Das ist sie sicher nicht, aber damals wurde versucht, den Geschmack durch künstlerisch bedeutsame Werke zu erziehen.

Die Miniaturen stammen aus verschiedenen Handschriften:

·      Aus einer syrischen Handschrift um 500

·      Aus einer Handschrift der Benediktinerabtei des heiligen Dionysius vor Paris (um 870)

·      Aus einer Handschrift, gefertigt im Stift des heiligen Gereon zu Köln (um 980)

·      Aus einer Handschrift der Benediktinerabtei auf der Insel Reichenau (um 1000)

·      Aus einer Handschrift, gefertigt vom heiligen Bernward (983-1022 Bischof von Hildesheim)

·      Aus einer Handschrift der Benediktinerabtei zu Echternach (um 1030)

·      Aus dem St.-Alban-Psalter, damals London (1123-1135)

·      Aus einer Handschrift aus Salzburg, gefertigt für die Benediktinerabtei Admont unter Abt Gebhard (um 1150)

·      Aus einer Handschrift der Benediktinerabtei Huysburg bei Halberstadt (um 1180)

·      Aus einer Handschrift aus Salzburg, gefertigt für die Benediktinerabtei zu Ansbach (um 1180)

·      Aus einer Handschrift der Benediktinerabtei des heiligen Martin zu Köln (um 1250)

Außerdem findet sich ein Anhang mit geographischen Bildern des Heiligen Landes.

Beigaben

·      Die Evangelien der Sonn- und Feiertage

·      Erklärung biblischer Eigennamen

·      Biblische Maße und Geldarten

·      Zeittafel: Geschichte des Gottesvolkes und Zeitgeschichte

·      Verzeichnis der Bücher der Heiligen Schrift

·      Verzeichnis der Bilder im Text

 

Bibliographie

o  Dr. I. Schusterʼs Handbuch zur Biblischen Geschichte des Alten und Neuen Testaments für den Unterricht in Kirche und Schule, sowie zur Selbstbelehrung, 2 Bände, Freiburg im Breisgau 21873.

o  Katholische Schulbibel, Düsseldorf 1957; Biblische Geschichte, Leipzig 1958.

o  Katholische Schulbibel für das Bistum Münster, Buchschmuck von Philipp Schumacher, Münster 1949.

o  Kreuzwald, Heinrich, Zur Geschichte des Biblischen Unterrichts und zur Formgeschichte des biblischen Schulbuches, Vorwort von Linus Bopp, Freiburg im Breisgau 1957.

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2025

Hauptseite