Der Autor

Simon Lozo ist Dozent für Latein und Altgriechisch in Köln und Autor von Lehr- und Arbeitsbüchern. Er begründete das Lernstudio für alte Sprachen in Köln „Ad fontes“.

Anlaß

Am heutigen Tage, Mittwoch, 26. November 2025, kam dir Nachricht, der Vatikan habe Latein als Amtssprache durch Italienisch ersetzt. Dies ist äußerst bedauerlich.

Latein ist eine universelle Sprache. Die alte und neue Literatur in Latein ist unübersehbar groß und sehr bedeutsam. Auch im Internet gibt es viel Lateinisches. Es existieren Zirkel, die sich in ihrer Freizeit auf Latein unterhalten.

Ich schreibe dies nicht als Überflieger in der Erlernung dieser Sprache. Dies hat mich vielmehr Mühe und Schweiß gekostet. Aber ich habe Zugang zur Welt des lateinischen Geistes gewonnen. Längst nicht alles ist übersetzt!

Das Buch

·     Simon Lozo, Mit Cicero zum Latinum. Ein Lese- und Arbeitsbuch, Darmstadt 2012.

Mein Kommentar zu diesem Werke

Dieses Buch habe ich ein volles Jahr lang durchstudiert, Seite für Seite. Wer meint, hier Anfängerwissen zu finden, ist auf dem Holzwege. Ein sprachliches Fundament muß bereits vorhanden sein; denn bereits am Anfang stehen komplexe Cicerotexte, die allerdings ausführlich grammatikalisch kommentiert werden. Am Schluß des Buches sind zwanzig der zitierten Texte übersetzt. Dies dient der Kontrolle der eigenen Übersetzung.

Nach und nach wird die Biographie Ciceros dargelegt. Da gab es für mich manches Überraschende, zum Beispiel sein Familienleben, seine Betroffenheit durch den Tod seiner Tochter Tullia (45 vor Christus nach einer Entbindung), seine übergroße Sensibilität, aber auch sein Umschwenken auf den jeweiligen Machthaber. Zum Schluß hatte er mit sicherem Gespür auf Octavianus (Augustus) gesetzt, hatte aber nicht damit gerechnet, daß Octavianus ihn an Antonius verrät, der ihn umbringen ließ.

Ausführlich wird sein Aufstieg und Niedergang dargelegt. Sein Name leitet sich von cicer – Kichererbse ab. Sein Vater war römischer Ritter. Da Cicero nicht dem Hochadel angehörte, war er in der Politik ein homo novus. Allein durch seine rhetorischen Fähigkeiten konnte er sogar Konsul werden. Zu dieser Zeit erstickte er die Verschwörung Catilinas im Ansatz.

Die zwei Zeiten, in denen er politisch ausgeschaltet war, nutzte er, um philosophische Werke abzufassen.

Das Besondere an diesem Buch ist daher das Kulturgeschichtliche.

Lozo stellt die Philosophie Ciceros in den Bezugsrahmen der antiken Philosophie: Vorsokratiker, Platon, Aristoteles und Stoa.

Doch dabei läßt er es nicht bewenden. Er zitiert auch Ambrosius, Augustinus, Francis sowie Roger Bacon, Boethius, Eckhart, Erasmus, Hume, Kant, Kopernikus, Leibniz, Locke und Thomas von Aquin.

Dadurch entsteht ein philosophisches Beziehungsgeflecht, das die Eigenart Ciceros verdeutlicht: Er war kein Metaphysiker, sondern ein Ethiker und Politiker.

Sein Verdienst liegt darin, daß er lateinische Entsprechungen für Begriffe der griechischen Philosophie geprägt hat. Er hat wichtige Elemente der griechischen Philosophie an die Römische Welt vermittelt.

Das einzige, was mir an diesem Buch gefehlt hat, war ein Wörterverzeichnis.

 

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2025

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