Inhalt

Zur Geschichte. 3

Erläuterungen. 14

Erinnerungen. 17

Theologie der Frage. 17

Die Fenster der Apsis 19

Das Noviziat 20

Verstorbene unseres Studienkurses 23

Skurriler Humor 27

Wasserschaden. 28

Die Orgel 28

Kroatische Schwestern. 31

Armutsdiskussion. 31

Meister Eckhart 31

Lohmarhohn. 34

Vorfälle. 36

Hörbücherei 37

Studentenjobs 37

Fahrzeuge. 40

Mission. 42

Religionsgeschichte. 43

Ethnologie. 44

Gruppendynamik. 46

Charismatische Erneuerung. 47

Meditation. 47

Westliche Mystik. 50

Zentexte. 50

Zenmeditation. 51

Erste Beiträge. 51

Ungehorsam.. 52

Bibliographie. 53

Das Missionspriesterseminar 53

Das Anthropos-Institut 54

Haus Völker und Kulturen. 54

Das Steyler Missionswissenschaftliche Institut 56

Das China-Zentrum.. 56

Das Institut „Monumenta Serica“. 57

Die Steyler Bank GmbH.. 57

 

 

1968-1973

 

Novize Heinrich Michael Knechten vor dem Steyler Missionspriesterseminar St. Augustin im Oktober 1968. „Ein Kleid schützt, schmückt und ist ein Zeichen“, sagte Pater Rektor vor der Einkleidung. Oberhalb der Türe ist „Pax“ eingeschnitzt. Meine Brille halte ich locker in der rechten Hand. („Eitel ist er auch noch!“) In der linken Hand ist etwas Rundes (der Schlüsselbund?) Photographie von Johanna Kusters.

Zur Geschichte

1912 erteilt die preußische Staatsregierung die Genehmigung für eine Niederlassung in Hangelar zum Zwecke der Aushilfe in der Seelsorge und als Heim für erholungsbedürftige Ordensangehörige.

 

Die Seminarkirche vor ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkriege, in: Karl Josef Rivinius SVD, Die Kirche des Missionspriesterseminars St. Augustin, St. Ottilien 2021, 21.

 

Die Apsis der Seminarkirche von außen, Photographie von H. M. Knechten

 

1913 wurde das Haus St. Augustin kanonisch durch den zweiten Generalsuperior der Gesellschaft des Göttlichen Wortes, Nikolaus Blum (1857-1919), errichtet. Am 6. Mai 1913 wurde die kirchliche Erlaubnis zur Einrichtung eines Noviziats und Scholastikats für Kleriker erteilt.

Während des Ersten Weltkrieges 1914 bis 1918 diente St. Augustin als Reservelazarett.

1918 wurde die staatliche Genehmigung zur Ausbildung von Missionaren erteilt.

Am 25. September 1919 trafen die ersten Klerikernovizen vom Mutterhaus Steyl zur Vorbereitung auf das Ordensleben ein.

Am 19. März 1920 legten zwanzig Klerikernovizen die ersten Gelübde ab. Am 5. September 1920 erhielten 51 Fratres (Ordensstudenten) das Ordenskleid. St. Augustin wurde Sitz des Provinzials der westdeutschen (später: norddeutschen) Provinz.

1921 wurde die Neusiedlung um das Kloster von St.-Augustinus-Haus, Hangelar in „Missionshaus St. Augustin, Siegburg“ umbenannt.

1926 bis 1929 wurde der Mitteltrakt mit Krypta, Pforte, Aula und Kirche erbaut.

1928 bis 1938 gestaltete P. Josef Büttgens, der erste Obere des Missionshauses, das Innere der Kirche.

 

Apsis und Altar in der Oberkirche St. Augustin, 1928-1931 gestaltet, in: 70 Jahre (1913-1983) Steyler Missionare St. Augustin, von Karl Josef Rivinius, St. Augustin 1983, 47. Die Inschrift zwischen Gott Vater und Christus lautet: Caritas æterna – Ewige Liebe. Augustinus hatte ja geschrieben, daß der Heilige Geist das verbindende Band der Liebe zwischen Vater und Christus sei: „Spiritus est Deus charitas. […] Et si charitas qua Pater diligat Filium, et Patrem diligat Filius, ineffabiliter demonstrat communionem amborum: quid convenientius quam ut ille dicatur charitas proprie, qui Spiritus est communis ambobus“ – Der Geist ist Gott-Liebe…Wenn die Liebe, durch die der Vater den Sohn liebt und der Sohn den Vater liebt, beider Gemeinschaft in unaussprechlicher Weise erweist, was ist da zutreffender, als daß jener, welcher der beiden gemeinsame Geist ist, mit dem Eigennamen Liebe benannt werde? (Augustinus. De Trinitate XV, 19, 37, Patrologia Latina 42, 1086).

 

1929 wurde ein Brüdernoviziat eingerichtet.

1930 wurde die Kirche geweiht.

1941 wurde das Haus durch die Geheime Staatspolizei beschlagnahmt und alle seine Bewohner wurden ausgewiesen. Das Inventar wurde geplündert. Das Haus, in „Haus Heidefeld Augustin“ umbenannt, wurde zunächst als Altenheim genutzt.

Danach bezog die Marine-Unteroffiziersschule des Flaggschiffes „Grille“ das Haus, das nun weiterhin intensiv ausgeplündert wurde mit Einschluß der Handwerksbetriebe und der Landwirtschaft (Ökonomie). Die gesamte Inneneinrichtung war davon betroffen.

Nun zog eine Dolmetscherschule der Luftwaffe in das Haus ein. Zugleich bemühten sich viele Soldaten, die hier lebten, die gröbsten Schäden zu beseitigen und den Verfall der Gebäude aufzuhalten.

Als im Jahr 1943 die Luftangriffe an Häufigkeit und Heftigkeit zunahmen, verließen zunächst die Dolmetscherschüler das Haus, das nun längere Zeit leerstand, doch dann wurde es wieder als Lazarett und teilweise als Unterkunft für Flaksoldaten oder Arbeitsabteilungen gebraucht. (Flak bedeutet Fliegerabwehrkanone).

Am 8. Oktober 1944 traf kurz nach 16.00 Uhr eine Bombe die Dachmitte des Andreasflügels und zerstörte fast das ganze Dachgestühl. Eine andere Bombe fiel oberhalb der Josefsarkade in den nordwestlichen Teil der Kirche und zertrümmerte beinahe alle Fensterrahmen.

·      Ich habe festgestellt, daß selbst die Älteren die Bezeichnung „Josefsarkade“ nicht mehr kannten. Daher gebe ich den Wortlaut der Quelle wieder:
„Erst am Nachmittag des zweiten Oktobersonntags 1944 traf kurz nach 16.00 Uhr eine Bombe die Dachmitte des Nordwestflügels und zerstörte fast das ganze Dachgestühl. Der gesamte Bau nahm drei viertel Jahre lang schwere Schäden durch Regen und Frost. Gleichzeitig fiel eine Bombe oberhalb der Josefsarkade in den rückwärts gelegenen nordwestlichen Teil der Kirche und zertrümmerte beinahe alle Fensterrahmen.“
(Aus: 70 Jahre (1913-1983) Steyler Missionare St. Augustin, Karl Josef Rivinius, St. Augustin 1983, 54; Hervorhebung von HMK.)

An Heiligabend und Weihnachten schlugen acht Bomben in das Haus und die Kirche ein. Diese Bomben hatten eigentlich dem nahen Flugplatz Hangelar gegolten. Durch Regen und Frost nahm der gesamte Bau in den folgenden neun Monaten schwere Schäden.

 

Kriegsschäden 1944/1945, in: 70 Jahre (1913-1983) Steyler Missionare St. Augustin, von Karl Josef Rivinius, St. Augustin 1983, 55.

 

Das abziehende deutsche Militär brachte am 21. März 1945 ein in den Kellerräumen des Augustinusbaus befindliches Munitionsdepot zur Explosion.

Nach dem Einmarsch der Alliierten wurde das Haus noch einmal geplündert. Daran beteiligten sich ehemalige polnische und französische Kriegsgefangene sowie die benachbarte Bevölkerung, um Militärgut zum Aufbau ihrer Wohnungen an sich zu bringen.

Am 25. März 1945 mußte die Bevölkerung von Mülldorf, Niederpleis und teilweise auch Menden ihre Häuser für 24 Stunden verlassen und sich in den Ruinen des Missionshauses aufhalten. Dies waren mehr als fünftausend Menschen, die hier unter unvorstellbaren Bedingungen ausharren mußten.

Danach wurde das Haus als Sammellager für die Rückführung von Franzosen gebraucht. Die Räume waren fensterlos und meist ohne Türen. Die Franzosen besorgten sich Eisenöfen, verarbeiteten Möbel und Türrahmen zu Feuerholz und verbrannten sie.

Als die Steyler zurückkehrten, fanden sie zerstörte Gebäude vor. Innen war Schmutz und Unordnung. Fließendes Wasser fehlte, die Elektroanlagen einschließlich der Schalter und Leitungen waren gestohlen, der Garten verwildert und der Wald zu zwei Dritteln abgeholzt.

Von den 460 Klostermitgliedern waren im Zweiten Weltkriege 129 gefallen und vierzig wurden vermißt. Über fünf Jahre hatten die ordenseigenen Gymnasien keinen Nachwuchs heranbilden können.

Die Aula diente als Notkapelle. Von 1946 bis 1960 war im Andreasbau (im Nordflügel des Hauses) ein Altenheim.

1948 stand die Seminarkirche wieder für Gottesdienste zur Verfügung.

1956 wurde das Arnoldheim für erholungsbedürftige Missionare in Lohmarhohn eröffnet.

1957 wurde die Turnhalle erbaut.

1959/1960 bekam das Kirchenschiff neue Fenster.

1960 wurde der Baukomplex des Anthropos- und Missionsinstitutes, der Missionsprokur sowie der Redaktion der Familienzeitschrift „Stadt Gottes“ und des Steyler Buchverlages errichtet.

Im Mai 1963 begann wieder das Klerikernoviziat, während das Brüdernoviziat nach Steyl verlegt wurde.

Das 1962 gegründete Arnold-Janssen-Haus wurde 1964 eröffnet als Tagungsstätte für Exerzitien, Akademien, Schulungs- und Bildungskurse.

Am 24. Mai 1967 wurde die Steyler Buchhandlung eröffnet.

1969 begann die Studiengemeinschaft mit der Hochschule der Redemptoristen in Geistingen (Hennef). Der Lehrbetrieb in Geistingen wurde am 30. September 1996 wegen der stark gesunkenen Zahl der Studenten eingestellt.

Am 10. August 1971 wurde das Institut Monumenta Serica von Los Angeles nach St, Augustin verlegt.

Am 8. Juni 1972 wurden Cafeteria und Restaurant als „Klosterstübchen“ im Arnold-Janssen-Haus angemeldet.

 

Die Dreifaltigkeitskirche 2026, Photographie von H. M. Knechten

 

 

1973 wurde das Museum „Haus Völker und Kulturen“ eröffnet.

1988 wurde das China-Zentrum gegründet.

Am 20. Mai 2002 war das erste Klosterfest, das von nun an jährlich stattfand.

2005 wurde in der Kirche und in der Aula die historische Farbfassung wiederhergestellt.

Am 28. Januar 2020 wurde die Philosophisch-theologische Hochschule SVD St. Augustin an das Erzbistum Köln übertragen. Im Sommersemester 2021 wurde sie nach Köln-Lindenthal verlegt und in „Kölner Hochschule für Katholische Theologie“ umbenannt.

 

Brand im Missionshaus Sankt Augustin

Aus: https://www.steyler.de/de/aktuelles/meldungen/2023/Brand-im-Missionshaus-Sankt-Augustin.php (abgerufen am 21. Februar 2024)

 

Am 15. November 2023 kam es durch einen defekten Kühlschrank im Wohnbereich des Klosters zu einem schweren Brand. Ein Übergreifen der Flammen auf die Kirche konnte jedoch verhindert werden.

Am 7. September 2025 wurde im Missionshaus St. Augustin der Steyler Tag für die Welt gefeiert, am Vorabend des 150. Jubiläums der Gesellschaft des Göttlichen Wortes.

 

Heilige Messe in polnischer Sprache, Photographie von H. M. Knechten

Erläuterungen

Societas Verbi Divini (SVD) Gesellschaft des Göttlichen Wortes, gegründet von P. Arnold Janssen (1837-1909) am 8. September 1875 in Steyl (Steijl/Limburg) bei Venlo.

Der Generalsuperior ist der Obere des Ordens.

Ein Pater (P.) – Vater ist ein Ordenspriester.

Ein Frater (Fr.) – Bruder ist ein Ordensstudent.

Der Novizenmeister hat die Aufgabe, in den Orden einzuführen und die Eignung der Kandidaten für das Ordensleben zu prüfen.

Ein Postulant bittet um Aufnahme in den Orden. Mit seiner Einkleidung ist er bedingungsweise aufgenommen. Erst bei den Ewigen Gelübden verpflichtet sich der Orden seinerseits.

Ein Klerikernovize wird in den Orden eingeführt und ist Priesteramtskandidat.

Ein Bruder ist ein Laienmitglied des Ordens, der einen handwerklichen Beruf ausübt oder in der Verwaltung tätig ist.

Ein Kandidat (Brüdernovize) wird in den Orden eingeführt und auf seine künftige Aufgabe vorbereitet.

Der Provinzial leitet die Ordensprovinz.

Der Rektor ist Vorsteher des Missionspriesterseminars.

Der Ökonom verwaltet die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Klosters.

 

Hangelar liegt zwischen Bonn-Beuel und Siegburg. Hangelare wurde 1314 zuerst urkundlich erwähnt.

Seit 1909 gab es Flugversuche auf der Hangelarer Heide. 1912 wurde die erste Fliegerschule Hangelar gegründet. Heute dient der Flugplatz dem Segelfliegen sowie der Bundespolizei (Standort der Anti-Terror-Einheit GSG 9). GSG bedeutet Grenzschutzgruppe.

 

Flugplatz Hangelar

 

Die philosophisch-theologische Ausbildung wird als Scholastikat bezeichnet, da die scholastische Theologie und Philosophie, meist in der neuscholastischen Form dargeboten, das geistige Fundament war. Thomas von Aquin, dessen Theologie und Philosophie zu seinen Lebzeiten durchaus umstritten war, hatte er doch andere Meinungen als der bis dahin gültige Petrus Lombardus, war im 19. Jahrhundert zum absolut gültigen Theologen avanciert.

Thomas von Aquin selbst habe ich immer als anregend und umfassend empfunden, aber der Absud, der im Neuthomismus aus seinen Schriften gewonnen und uns dargeboten wurde, schmeckte mir abgestanden.

Petrus Lombardus (um 1095/1100 - 1160) war Leiter der Kathedralschule Notre Dame in Paris und gab vier Bücher der Sentenzen heraus. Darin sind tausend Kapitel enthalten (Patrologia Latina 192, 521-962). Es war das Hauptwerk der Hochscholastik.

·      Buch I enthält die Lehre vom einen und dreieinen Gott.

·      Buch II befaßt sich mit der Schöpfung, darin ist die Anthropologie und Sündenlehre enthalten.

·      Buch III: Inkarnation (Christologie).

·      Buch IV: Die sieben Sakramente.

Natürlich versuchten alle Professoren in der Folgezeit, moderne Theologie darzubieten. Da diese aber noch nicht genügend ausgeformt war, blieb es manchmal beim Schimpfen auf die Scholastik.

 

Altarraum, Photographie von H. M. Knechten

 

Erinnerungen

 

Der Andreasflügel. Im Dachgeschoß (oberhalb der sichtbaren Mansardenfenster) war unser Noviziat untergebracht. Photographie von H. M. Knechten.

 

 

Um einen Einblick in die Atmosphäre der Jahre 1968-1973 in St. Augustin zu geben, füge ich einige „Momentaufnahmen“ bei:

Theologie der Frage

Hans Dieter Bastian (* 1930 in Bad Kreuznach) hatte 1969 in München sein Buch veröffentlicht: „Theologie der Frage. Ideen zur Grundlegung einer theologischen Didaktik und zur Kommunikation der Kirche in der Gegenwart.“ Er hielt in St. Augustin einen Vortrag.

Anschließend stand Pater Haverott auf und sagte scharf: „Im Christentum gibt es keine Frage! Alle Fragen sind in Christus gelöst; die Offenbarung ist abgeschlossen. Nun gilt es, dem Glauben gehorsam zu sein. Professor Bastian, Sie sind ein Häretiker! Dixi (ich habe gesprochen).“

 

Grabstein von P. Haverott, Photographie von H. M. Knechten

 

 

Johann Haverott war am 9. März 1903 geboren worden. Er wurde 1930 zum Priester geweiht und war in den Jahren des Widerstandes Dogmatikprofessor in St. Augustin. Er starb dort am 8. Dezember 1970.

Die Fenster der Apsis

Im Frühjahr 1969 sollten die Fensterverglasungen der Nachkriegszeit entfernt werden, um neue Glasfenster einzubauen, die von Heinrich Gerhard Bücker (1922-2008) entworfen worden waren. Diese Fenster trafen im April 1969 in St. Augustin ein.

Zuvor waren an der Apsis Gerüste gebaut worden und wir Fratres hatten die Aufgabe, die alten Fenster mit einem Hammer herauszuschlagen.

In Steyl, im Mutterhaus der Gesellschaft des Göttlichen Wortes, wurde erzählt: „In St. Augustin schlagen die Fratres die Kirchenfenster heraus!“ Jemand fragte daraufhin ängstlich: „Kann man sie denn nicht daran hindern?“

 

Die Innenarkaden mit Blick auf den Augustinusbau. Herzlichen Dank an Pater Martin Welling und Pater Richard Stark für die Mittelung der Benennungen: „Außen- und Innenarkaden“.
Nach dem Noviziat wohnte ich im Schlauch, der sich oben im Paulusbau befindet und wegen der Enge seiner Zimmer so genannt wurde. Schließlich wohnte ich im Holzgang, im oberen Petrusbau. Dort habe ich mich bei meinen Keilschriftstudien recht wohl gefühlt. Photographie von H. M. Knechten

Das Noviziat

Unser Novizenmeister war P. Nikolaus Backes. Er war am 28. Februar 1886 geboren worden, war also 82 Jahre alt, als er den Auftrag bekam, uns in das Steyler Ordensleben einzuführen. Im Jahre 1910 war er zum Priester geweiht worden.

Seine erste Frage war: „Paßt der Schuh?“ Der Schuh war die Gesellschaft des Göttlichen Wortes, und wir sollten im Verlaufe des Noviziates herausfinden, ob uns dieser Schuh paßte.

Sein häufigstes Wort war: Normalerweisʼ. Er betonte dieses Wort an zwei Stellen und zog das A in die Länge. Das klang etwa so: Normáaler-wéisʼ. Es entstand der Eindruck, als gäbe es nur Gewohnheiten, Routine, sicheres Terrain und Gewißheit.

Er hielt uns zweimal täglich einen Vortrag, den er aus dem „Lexikon für Theologie und Kirche“ erarbeitete. Dieses zehnbändige Lexikon, die Bibel, das Brevier, der Schott und die Konstitutionen der Gesellschaft des Göttlichen Wortes waren die einzigen Bücher, die er auf seinem Zimmer hatte.

Wir sollten einen Aufsatz über das Gebet schreiben. Ich führte folgendes Thema aus: „Gebet ist Gespräch mit Gott.“

Immerhin stammte dieser Gedanke von Augustinus: „Dein Gebet ist ein Sprechen mit Gott. Wenn du die Heilige Schrift liest, spricht Gott zu dir; wenn du betest, sprichst du mit Gott“ (Augustinus von Hippo, Ennaratio in psalmos 85, 7: Oratio tua locutio est ad Deum, quando legis, Deus tibi loquitur; quando oras, Deo loqueris, in: Patrologia Latina 37, 1086).

P. Backes gab mir jedoch meinem Aufsatz mit der trockenen Bemerkung zurück: „Er antwortet ja nicht.“

Teresa von Ávila drückte sich unmißverständlicher aus als ich: „Que no es otra cosa oración mental, a mi parecer, sino tratar de amistad, estando muchas veces tratando a solas con quien sabemos nos ama“ (Denn meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als Verweilen in Freundschaft, indem wir oft allein bei dem verweilen, von dem wir wissen, daß er uns liebt, in: Libro de la Vida 8, 5, Obras completas, herausgegeben von Efren de la Madre de Dios und Otger Steggink, Biblioteca de autores cristianos, Band 212, Madrid 92003, 61.)

 

Eines Tages war es opinio communis in unserem Studienkurs, P. Backes mitzuteilen, daß wir an seinen Vorträgen nicht mehr interessiert seien.

Er starb am 6. August 1976.

 

Grabstein von P. Bettscheider, Photographie von H. M. Knechten

 

Unser neuer Novizenmeister war P. Heribert Bettscheider. Er war am 15. Mai 1938 geboren worden und hatte die Priesterweihe 1964 empfangen. Er starb nach schwerer Krankheit am 11. Dezember 2007.

 

John A. T. Robinson, Honest to God, London 1963.

 

P. Bettscheider war der Meinung, daß ein Noviziat vergeudete Zeit sei; vielmehr solle von Anfang an studiert werden.

Er ließ uns das Buch „Honest to God“ des anglikanischen Theologen und Suffraganbischofs von Woolwich (dies ist ein Stadtteil im Südosten Londons), John Arthur Thomas Robinson (1919-1983) lesen, das in London 1963 erschienen war. Robinson lehnte die Vorstellung eines außerhalb des Menschen existierenden Gottes und damit auch das Gebet ab, vielmehr gehe es um den Grund des menschlichen Seins. Er vertrat eine Situationsethik.

Wenn ein Noviziat als Einführung in das Gebet gedeutet werden darf, war eine solch radikale Ablehnung des Gebets für uns ein „Schuß vor den Bug“.

Der Friedhof des Missionspriesterseminars St. Augustin, Photographie von H. M. Knechten

 

Verstorbene unseres Studienkurses

·      Helmut Hilpert wurde am 29. Juli 1942 in Birkingen (Waldshut) als Sohn von Oskar Hilpert und Hilda, geborene Dörfling, geboren. Er arbeitete zunächst als Elektriker. 1963-1968 besuchte er als „Spätberufener“ das Gymnasium St. Josef in Geilenkirchen. Er absolvierte das Noviziat, erbat sich dann aber eine Bedenkzeit, da er sich nicht würdig fühlte, wie er mir erzählte. Er arbeitete in Freiburg im Breisgau beim Herderverlag. Abends las er Romane Dostoevskijs. Da traf es ihn wie ein Schlag: Gerade die „Unwürdigen“, wie zum Beispiel Sonja im Roman „Schuld und Sühne“, verkünden das Evangelium.
Er kehrte nach St. Augustin zurück, legte am 30. April 1974 die Ewigen Gelübde ab und wurde am 23. Februar 1975 zum Priester geweiht.
In Paraguay wirkte er als Präfekt, Lehrer und Rektor. Seit 2001 arbeitete er als Pfarrer, Direktor einer Landwirtschaftsschule und Oberer in Bolivien.
2016 kehrte er, gesundheitsbedingt, nach Deutschland zurück. Bei ihm war ein bösartiger Tumor an den Beinen und am Rücken festgestellt worden. Er starb nach schwerer Krankheit am 9. Juni 2018 in St. Wendel.

·      Anton Meroth wurde am 5. November 1948 in Argenbühl-Christazhofen (Landkreis Ravensburg) als Sohn von Michel und Maria Anna Meroth geboren. Er legte seine Ewigen Gelübde 1976 ab und wurde im gleichen Jahr 1976 zum Priester geweiht.
Er starb im Alter von 34 Jahren am 4. März 1983 in São Paolo.
Er war mit seinem Motorrad unterwegs gewesen, als ihn ein Fahrzeug anfuhr. Er wurde an den Rand der Straße geschleudert und erlitt eine Wunde am Bein. Niemand half ihm, sodaß er am Straßenrand verblutete.
Warum half ihm niemand? Alle vermuteten, diese Szene, die sich ihnen darbot, sei eine Falle. Sobald sie sich um den Motoradfahrer gekümmert hätten, wären sie überfallen und ausgeraubt worden.

 

Friedhofskapelle, Photographie von H. M. Knechten

 

·      Paul Rotter wurde am 3. September 1939, dem Tag des Beginns des Zweiten Weltkrieges, in Sauerwitz (Landkreis Leobschütz, Oberschlesien) als Sohn von Paul Rotter und Maria, geborene Frank, geboren. 1945 wurde er mit seiner Familie aus seiner Heimat vertrieben.
1954-1957 absolvierte er in St. Augustin eine kaufmännische Ausbildung. Am 8. September 1957 erhielt er bei der Einkleidung den Namen Petrus. Am 27. November 1963 wurde er Sekretär in Encarnación (Paraguay) bei Bischof Johannes Wiesen SVD. Dann wurde er Präfekt im Kleinen Seminar Hohenau (Departamento Itapúa). Dort legte er am 8. September 1965 die Ewigen Gelübde ab. Überall, wo er arbeitete, gründete er Pfadfindergruppen.
In Obligado holte er sein Abitur nach, um Priester werden zu können. Anschließend studierte er Philosophie. In St. Augustin studierte er ab dem 15. Januar 1972. Er gehörte zu den „Funkern“. Mit einer 15 Meter langen Antenne nahm er über Funk Kontakt mit Paraguay auf und erhielt stets die neuesten Nachrichten. Am 23. Februar 1975 wurde er zum Priester geweiht.
Er wurde Verwalter der Prälatur Encarnación bei Bischof Johannes Bockwinkel SVD. 1980 wurde er Dekan der Katholischen Universität von Encarnación. Mithilfe staatlicher und kirchlicher Stellen konnte er ein neues Universitätsgebäude errichten.
1987-1990 war er Verantwortlicher für die Außendienststellen der Steyler Zeitschriften in St. Augustin.
1991 wurde er Pfarrer in Ypehú im Norden Paraguays. 1993 wurde er Provinzökonom in Asunción. 1999 wurde er Pfarrer in Hohenau und Administrator in Obligado. 2001 wurde er Direktor des Gymnasiums San Blas. 2008 wurde er Pfarrer in Bella Vista.
2014 zog er ins Pfarrhaus Hohenau. Immer wieder zeigten sich gesundheitliche Probleme. 2017 zog er nach Encarnación.
2019 feierte er in Deutschland seinen 80. Geburtstag und sein 60jähriges Profeßjubiläum. Er ging nach St. Wendel und dort wurde ein Prostatakarzinom diagnostiziert. Er starb am 12. Juni 2021.

 

Friedhofskreuz, Photographie von H. M. Knechten

 

Skurriler Humor

Ich war bekannt für meinen skurrilen Humor. Das war wohl meine eigene Art auf die Umgebung des Missionspriesterseminars zu reagieren. Ich gebe ein Beispiel.

Unser Noviziat war im Dachgeschoß des Andreasflügels untergebracht, das ist der nördliche Flügel des Missionspriesterseminars. (Diese alten Bezeichnungen sind heute kaum noch bekannt). An meiner Zimmertür brachte ich einen Zettel mit folgendem Inhalt an:

 

Allhier uohnet eӱn Muͤnnech,
Uelcher jtzo zure Vullkommenheӱt kumme seӱ,
Uie von den Leutʼ geschwaͤtzet ward.

Hier wohnt ein Mönch, welcher jetzt zur Vollkommenheit gekommen sei, wie von den Leuten gesagt wird.

Wasserschaden

Unser Noviziat befand sich, wie bereits angemerkt, unter dem Dach. Infolgedessen gab es aufklappbare Dachfenster. Darunter stand mein Schreibtisch. Ich las im griechischen Neuen Testament von Nestle, gedruckt auf dünnes Bibeldruckpapier. Ich hatte etwas zu erledigen. Ein Regenschauer ging nieder. Als ich wiederkam, war das Buch platschnaß. Ich hatte vergessen, das Fenster zu schließen. Das war ein Wasserschaden. Die Seiten waren kaum noch zu blättern und ich mußte mir ein neues Buch kaufen.

Die Orgel

Die Orgel in der Dreifaltigkeitskirche, Photographie von H. M. Knechten

 

Ich war bereits in Steyl an der romantisch disponierten Orgel als Organist tätig gewesen. In St. Augustin faszinierte mich die Orgel, welche 1950 von Johannes Klais (Bonn) erbaut worden war. Sie verfügt über 53 klingende Register auf drei Manualen und dem Pedal. Ich war besonders begeistert vom Flötenregister der Chororgel.

Damals gab Karl Raas Orgelkonzerte. Ich blätterte dabei die Seiten der Noten um und schaltete die jeweiligen Register. Nach einem Orgelkonzert pflegte er zu sagen: „Viele Noten!“ Jemand wollte einmal wissen, welches der gespielten Stücke ihm am besten gefiele. Er antwortete: „Alle sind meine Lieblingsstücke.“

Einmal spielte er bei einem Konzert Liszt. Am anderen Tag war in der lokalen Tageszeitung zu lesen, daß man mit solcher Musik noch etwas warten solle.

Vor einem Konzert mußten die Zungenregister gestimmt werden. Karl wirkte oben in der Orgel und ich drückte am Spieltisch eine Taste nach der anderen. Scherzhaft schaltete ich Tutti (alle Register) ein und ließ einen Akkord erbrausen. Er erschrak und erklärte mir danach in ruhigem Ton, daß er sich auf das Stimmen konzentriere, und so etwas störe.

Karl Raas wurde 1938 in Frauenfeld (Kanton Thurgau) geboren. Bis 1975 war er Chorleiter und Organist in St. Augustin. Er studierte in Köln Orgel und Komposition und schloß mit dem A-Examen ab. Bei der Prüfung hatte er eine Fuge zu schreiben und mußte ein Stück von Bach einen halben Ton höher oder tiefer spielen; das konnte er wählen. Ein Organist muß transponieren können! Anschließend machte er das Konzertexamen. Ich war auf der Orgelbühne in Köln mit dabei.

1984 wurde Karl Raas Organist an der Hofkirche Luzern und 1992 bis 1994 war er Domorganist in St. Gallen. Er starb im August 2025 im Alter von 86 Jahren.

2013/2014 wurde die Orgel im Missionspriesterseminar St. Augustin von der Firma Seifert (Kevelaer) restauriert. Karl Raas gab am 4. Mai 2014 das Eröffnungskonzert. Er spielte folgende Werke:

·      Juan Cabanilles (1644-1712), Passacalles im ersten Ton.

·      Johann Sebastian Bach (1685-1750, Präludium und Fuge C-Dur, Bach-Werk-Verzeichnis, Nr. 547.

·      Max Reger (1873-1916), Toccata und Fuge d-moll/D-Dur, op. 59, und einige Choralvorspiele von Reger, op. 135a. Dies ist bei einem Eröffnungskonzert sinnvoll, da gerade bei Chorälen sehr verschiedene Registrierungen vorgestellt werden können.

·      Marcel Dupré (1886-1971), Prélude et Fugue H-Dur, op. 7.

·      Hermann Schroeder (1904-1984), Die marianischen Antiphonen, 1953. Karl Raas hatte bei diesem Komponisten und Professor in Köln studiert.

 

Die Josefsarkaden, Photographie von H. M. Knechten

 

Kroatische Schwestern

Am 9. Mai 1967 kamen sieben Schwestern aus Kroatien. Sie arbeiteten in der Küche. Ich unterhielt mich manchmal mit ihnen auf kroatisch. Eines Tages sprach ich unvorsichtigerweise von der serbischen Bohnensuppe. Eine Schwester schrie daraufhin: „Das ist eine kroatische Bohnensuppe!!!“ Ich hatte bisher noch nie diese Bezeichnung gehört, begriff aber, daß es auf dem Balkan Nationalitätenkonflikte gab.

Armutsdiskussion

In dieser Zeit wurde diskutiert, auf welche Art und Weise das Gelübde der Armut gelebt werden könne.

·      Darf ein Frater eine Stereoanlage besitzen? Die meisten Musikliebhaber hatten einen einfachen Plattenspieler.

·      Darf er ein Konto haben? Vom Kirchenrecht her beurteilt, durfte er es nicht. Allerdings hatten die Missionare Konten, auf denen sie Spenden sammelten.

·      Darf er ein Auto besitzen? Es gab ein Auto, das alle Fratres benutzen konnten. Sie brauchten nur das Benzin zu bezahlen.

·      Darf in seinem Zimmer ein Teppich sein? P. Backes hatte keinen Teppich in seinem Zimmer, klagte aber darüber, daß es immer fußkalt sei.

·      Kleidung kaufte sich jeder selbst. Gestellt wurde der Talar, das Ordenskleid.

·      Kosmetika (Seife, Shampoo, Zahnpasta) wurden gestellt.

Meister Eckhart

 

Grabstein von P. Zapf, Photographie von H. M. Knechten

 

Joseph Zapf wurde in Rothenkirchen (Frankenwald, Bayern) am 13. Juni 1926 geboren. Nach seinem Dienst als Soldat im Zweiten Weltkrieg und nach seiner Kriegsgefangenschaft trat er am 8. September 1947 in St. Augustin ein. Er studierte Philosophie und Theologie. Nach seiner Priesterweihe am 24. August 1952 war er als Latein- und Deutschlehrer tätig. Ab 1955 schloß sich ein Germanistikstudium an. Er promovierte 1964 bei Josef Quint über „Die Funktion der Paradoxie im Denken und im sprachlichen Ausdruck bei Meister Eckhart“. Er unterrichtete Deutsch und Geschichte am Steyler Gymnasium und wurde 1968 Spiritual sowie Dozent für Ordensgeschichte, Methodologie, Religionsphilosophie und Einführung in den Glauben in St. Augustin. Er war ein beliebter Vortragsredner.

Als sich die Reihen im Missionspriesterseminar St. Augustin langsam lichteten, bat man ihn, einen Vortrag über die Zukunft der Hochschule zu halten. Er begann mit der Frage:

„Bin ich die Katze, der man eine Schelle an den Schwanz gebunden hat!“

P. Zapf starb am 9. April 2012 in Wittlich (Mosel) an den Folgen innerer Blutungen.

Er schrieb folgende Bücher:

·      Joseph Zapf, Die Funktion der Paradoxie im Denken und im sprachlichen Ausdruck bei Meister Eckhart, Dissertation, Köln 1964; Köln 1966.

·      Joseph Zapf, Unterwegs nach innen. Eine spirituelle Lebenshilfe, Bilder von Rosina Zipperle, Petersberg (Landkreis Fulda) 1992.

·      Joseph Zapf, Menschliches Reifen und göttliche Berührung. Bewußtseinswandel als Übergang in eine neue Zeit, Bilder von Rosina Zipperle, Petersberg 1994.

·      Joseph Zapf, Leben aus göttlicher Fülle. Ahnungsvolles Erwarten, Petersberg 1994.

Joseph Zapf pflegte Rosina Zipperle bis zu ihrem Tode. Rosina Zipperle war am 12. Juni 1946 in Stuls (Passeier, Südtirol) geboren worden. Sie wurde Kindergärtnerin und schrieb Beiträge für die Steyler Kinderzeitschrift „Die weite Welt“. P. Zapf, der Redakteur dieser Zeitschrift, holte sie 1970 nach Bonn. Dort erhielt sie eine Ausbildung zur Redakteurin. In Düsseldorf studierte sie Kunst und legte das Staatsexamen für Kunstpädagogik ab. An der Volkshochschule Rhein-Sieg, an der berufsbildenden Akademie für Sozialpädagogik und am Katholischen Bildungswerk lehrte sie Kunst. Ihre Gesundheit wurde labil und sie mußte ihre Tätigkeiten einschränken. Sie verstarb am 21. Oktober 2009. (Vgl. Heinrich Hofer, Künstlerin und Autorin. Rosina Zipperle am Lichtgrund der Seele angelangt, in: Passeirer Blatt, Nr. 96, Dezember 2009, Seite 5).

Sie schrieb folgende Bücher:

·      Rosina Zipperle und Joseph Zapf, Geheimnis der Verwandlung, gewidmet der Rosa Mystica, Petersberg 1990.

·      Rosina Zipperle und Joseph Zapf, Sehnsucht nach Herzensweisheit, Petersberg 1991.

·      Rosina Zipperle, Zum Lichtgrund der Seele, Petersberg 1993.

·      Rosina Zipperle, Im Kraftfeld spiritueller Energien. Zum Urquell göttlichen Lebens, Petersberg 1995.

·      Rosina Zipperle, Lichtbrücke zu den Dimensionen des Bewußtseins, Lathen (Ems) 1997.

In diesen Büchern finden sich manche ihrer Bilder mit Erklärungen. Rosina Zipperle beschreibt den Aufstieg vom Ichbewußtsein zum Höheren Selbst, zum Lichtgrund der Seele.

Was ist heute (2026) über die Bücher von Zapf und Zipperle zu sagen? Sie enthalten Psychologisches (Carl Gustav Jung), Mystisches (Meister Eckehart) und Persönliches (vor allem Leiderfahrungen). Werden sie in Zukunft noch gelesen werden?

Indische Einsprengsel wirken etwas zufällig, zum Beispiel: trikāja (drei Leiber) und satchidānanda (Drei-Einheit), in: Joseph Zapf, Leben aus göttlicher Fülle, Petersberg 1995, 89-93.

Am ehesten scheint mir die Lichterfahrung zukunftsträchtig oder tragend zu sein, zum Beispiel: „Prüfendes Gegenlicht – Verklärendes Höhenlicht – Offenbarendes Herzenslicht“ (Joseph Zapf, Menschliches Reifen und göttliche Berührung, Petersberg 1994, 206-217).

Ich bin P. Zapf dankbar für seine Einführung in das Denken Meister Eckeharts im Jahre 1972 in St. Augustin. Ich halte Eckehart für den größten und bedeutsamsten Mystiker des Christentums. Die Weite seines Denkens und seiner Erfahrung ist erstaunlich.

Rosina Zipperle pendelte 1975 meine Wohnung in Würzburg aus und empfahl mir dringend, wegen der Störstrahlen eine andere Behausung zu mieten.

Lohmarhohn

Turm der Kapelle Lohmarhohn

 

Lohmarhohn im Wandel der Zeit

 

In Lohmarhohn war seit 1955 ein Erholungsheim für die Bewohner des Missionspriesterseminars. Ein Wohngebäude, ein Hof, eine Kapelle und Baracken gehörten dazu. Ich ging gerne hierhin, um in Abgeschiedenheit meine Prüfungen vorzubereiten.

Einem dort wohnenden Bruder sollte ich die Haare schneiden. Ich wandte ein, daß ich solches noch nie getan habe. Er ließ diesen Einwand nicht gelten. Ich ging ans Werk, doch der Bruder war nicht zufrieden. „Kürzer!“, forderte er. Ich schnitt seine Haare kürzer und er war glücklich.

Heute wird das Gut von Joey Kelly genutzt.

 

Steyler Mission, Schild an der Einfahrt zum Gelände, Photographie von H. M. Knechten

 

 

Vorfälle

In Steyl gab es Mißbrauch durch einen Deutschlehrer und durch einen Küchenbruder, aber auch in St. Augustin war nicht alles gut. Ich berichte von einer eigenen Erfahrung.

Ein Bruder, der im Missionspriesterseminar Reinigungsarbeiten durchführte und außerdem an der Pforte Dienst tat, machte mir immer wieder Komplimente. Ich trug damals bestickte Hemden, die ich im Heiligen Land von Palästinensern gekauft hatte.

Eines abends gelang es diesem Bruder, mich unter einem Vorwand in sein Zimmer zu locken. Er hatte aber noch etwas zu besorgen. „Dort steht Wein und nachher spielen wir miteinander!“, sagte er, bevor er sein Zimmer verließ. Ich nutzte die Gelegenheit, entfloh und verbarrikadierte mich in meinem Zimmer. Er klopfte dann lange Zeit an meine Zimmertür und äußerte flehentliche Bitten.

Von nun an mußte ich mein Zimmer nachts immer gut verschließen.

Hl. Arnold Janssen und hl. Joseph Freinademetz, Fenster neben dem Ausgang der Dreifaltigkeitskirche, Photographie von H. M. Knechten.

·      Fritz Bornemann (1905-1993), Arnold Janssen, der Gründer des Steyler Missionswerkes 1837-1909. Ein Lebensbild nach zeitgenössischen Quellen, Verbum Supplementum, Band 12, Rom 1969; Steyl 1970.

·      Fritz Bornemann, Der selige P. J. Freinademetz 1852-1908. Ein Steyler China-Missionar. Ein Lebensbild nach zeitgenössischen Quellen, Societas Verbi Divini. Analecta SVD, Band 36, Rom 1976; Bozen 1977.

Hörbücherei

Für die Hörbücherei des Borromäusvereins in Bonn (gegründet 1845) sprach ich das Alte Testament mit den Erläuterungen der Jerusalemer Bibel nach und nach auf Tonband. Das war ein großes Projekt, das viel Zeit und Kraft erforderte. Blinde konnten auf diese Weise das Wort Gottes besser kennenlernen und verstehen.

In St. Augustin waren Funker, die mit ihren Missionsgebieten über Funk kommunizierten. Bedauerlicherweise war das Tonbandgerät nicht entstört. So kam es vor, daß ich ganze Passagen löschen mußte, weil mir meine Mitbrüder dazwischengefunkt hatten. Ich vereinbarte mit ihnen Zeiten, in denen ich im Tonstudio aufnahm, aber sie hielten sich nicht immer an diese Vereinbarungen.

Studentenjobs

Einige Male arbeitete ich bei der Post, und zwar in der Brief- und Geldzustellung Hangelar sowie in der Verteilung beim Hauptpostamt in Bonn, also im Außen- und Innendienst. Ich hatte auch nachts Briefkästen zu leeren. Dabei stellte ich fest, daß die ruhigste Zeit der Nacht um drei Uhr morgens war. Ab dann wurden die Geräusche wieder lauter.

Ich stöhnte jedesmal, wenn ich mit dem Postfahrrad zum Flugplatz Hangelar fahren mußte, um dort Briefe und Pakete zuzustellen. Der Weg war weit und meist blies Gegenwind.

Ich war auch bei der Kurfürstenbrauerei in Bonn tätig, und zwar zunächst im Rahmen der Innenrenovierung von völlig verräucherten Kneipen. An die Decke setzten wir Rigipsplatten und die Wände strichen wir mit Strukturputz. In Riga war 1938 das erste Werk für Gipskarton in Europa entstanden; daher nannte man dieses Trockenbaumaterial Rigips (Riga und Gips). Die Heizkörper wurden mit silbernem Lack gestrichen. Zur Verteilung der Farbe war ein langer Pinsel notwendig. Die Fenster und Türen erhielten je auch eigene Anstriche. Der Fenster- und Türlack ist blockfest, das heißt, die gestrichenen Flächen verkleben nicht miteinander, er ist ventilierend, sodaß das Holz atmen kann, er ist bei Temperaturschwankungen elastisch und er ist stoßfest.

Danach arbeitete ich im Faßkeller. Hier hatte ich 25-Liter-Fässer zu satteln und 50-Liter-Fässer aufrecht zu stellen. Kurfürsten produzierte Alt (rotes Deckelchen), Pils (gelb) und Kölsch (grün).

Wir hatten eine Bierleitung zum Befüllen der Fässer. Das Bier hatte eine Temperatur von 2 ° Celsius. Wir spülten eine Bierflasche mit heißem Wasser aus, füllten Bier ein und nach wenigen Minuten hatte es eine angenehme Trinktemperatur von 8 °.

 

Kurfürsten-Stiefel, Photographie von H. M. Knechten

 

Ich habe heute noch einen gläsernen Stiefel von Kurfürsten. Mein Vater lernte nie, daraus zu trinken: Immer spritzte ihm das Bier ins Gesicht. Man mußte beim Trinken zunächst die Spitze zum Gesicht kehren und durfte erst am Schluß die „Ferse“ nach vorne drehen, um den Rest auszutrinken.

Die Kurfürstenbrauerei Bonn wurde 1897 als Bürgerliches Brauhaus Bonn AG gegründet. 1950 erfolgte die Umbenennung in Kurfürsten-Bräu AG. 1988 wurde die Produktion von Altbier eingestellt. Seit 1990 war die Brauerei Teil des Großkonzerns Brau und Brunnen. Die Produktion wurde schrittweise verlagert. 2011 wurde in dieser Brauerei das letzte Bier gebraut.

Fahrzeuge

Zunächst fuhr ich ein „Europa-Fahrrad“, das meine Mutter für zehn Mark gekauft hatte. Ich lieh es an Anton Meroth aus, er stellte es in Siegburg ab und es wurde ihm gestohlen.

Mein Vater schenkte mir sein Moped der Marke Zündapp. Diese Firma war 1984 insolvent. Mein Vater hatte mir nicht gesagt, daß man regelmäßig den Auspuff reinigen muß. So strandete ich nachts irgendwo in unbewohntem Gebiet. Am nächsten Tag holte ich das Moped mit einem Anhänger ab und erfuhr erst jetzt, was ich zu tun hatte. Nun funktionierte es zwar einwandfrei, aber es wurde mir an meinem ersten Tag in Würzburg-Reichenberg gestohlen.

Ich machte für 360 Mark die Führerscheine eins und drei und kaufte mir für hundert Mark eine NSU Max. Das war ein Kultfahrzeug. Leider wickelte sich zweimal hintereinander auf der Autobahn die Kette ab. Glücklicherweise blockierte sie nicht, aber ich mußte die Kette wieder montieren und schließen. Dann lief mir in Bonn-Beuel ein Fußgänger in das Fahrzeug. Er kam aus der Gaststätte und wollte noch seine Straßenbahn erreichen. Da verkaufte ich das Fahrzeug.

Nun kaufte ich für hundertundzwanzig Mark einen VW Käfer. Er blieb bald stehen. Die Stößelstange war zerbrochen. Die Stößelstange überträgt die mechanischen Bewegungen der Nockenwelle auf die Kipphebel, welche wiederum die Ein- und Auslaßventile des Zylinders öffnen und schließen. Ich ließ dies in der hauseigenen Reparaturwerkstätte reparieren, doch noch zweimal konnte ich das Fahrzeug nicht zum Laufen bringen. Der Anlasser war ein Magnetschalter, der gerne ausfiel. Ich ging beide Male zum Schrottplatz und kaufte für je zwanzig Mark einen Anlasser. Dazu mußte ich unter das Schrottfahrzeug kriechen und mit einem Schraubenzieher (ja, so nannte man dieses Werkzeug damals!) die sehr lange Schraube lösen.

Ich malte das ganze Auto leuchtend bunt an, gelb, rot und blau. Auf der roten Motorhaube stand schräg mit blauen Buchstaben der Name des Wagens:

יהונתן jehōnāṯān Jonathan – Gott hat (ihn) gegeben.

An der rechten Türe war ein Totenkopf, falls es mir gelänge, einen anderen Wagen zu überholen. An der linken Seite war ein bunter Blumenstrauß als freundlicher Gruß an alle, die mich überholten.

Immer wieder hielten mich Polizisten an, da sie meinten, mit dem Wagen sei etwas nicht in Ordnung. Aber ich hatte das Warndreieck, den Notfallverbandskasten, den Führerschein und den gültigen TÜV-Stempel.

Warum hatte ich einen Wagen? Ich studierte in St. Augustin Theologie, in Bonn targumisches Aramäisch, Ugaritisch sowie Akkadisch und in Köln Ivrith sowie Judaistik. Da sparte es Zeit, mobil zu sein.

Ein Confrater beschuldigte mich, ein Auto zu fahren. Ich hatte schon mit einem anderen Frater eine Fahrgemeinschaft, nun nahm ich ihn in dieselbe auf und er meckerte nicht mehr. Bevor ich nach Würzburg ging, verkaufte ich den Wagen für hundert Mark.

Mission

          

Grabkreuz von P. Geßler, Photographie von H. M. Knechten

 

Hier möchte ich exemplarisch über den Lebensweg P. Geßlers berichten.

Anton Geßler wurde am 22. April 1938 in Friedrichshafen geboren. Ab 1950 besuchte er das Progymnasium St. Johann Blönried, wechselte 1955 nach St. Wendel und legte 1959 dort das Abitur ab. Er begann das Noviziat am 1. Mai 1959 in St. Augustin und setzte es ab dem September 1960 in St. Gabriel bei Wien fort. Dort studierte er auch Philosophie.

1962/1963 war Frater Geßler unser Deutschlehrer in Steyl. Ich verdanke ihm, daß ich ein Gefühl für die Orthographie der deutschen Sprache entwickelt habe. Allerdings muß ich auch bekennen, daß er neben dem Musiklehrer P. Krömer und dem Geschichtslehrer Referendar Rehbein einer der drei Lehrer war, die wir ärgerten. Dies ging so weit, daß P. Studiendirektor Joseph Natsch eingreifen mußte. Er verpflichtete uns zu ordentlichem Benehmen.

Am 22. Oktober 1966 empfing Frater Geßler die Priesterweihe in St. Augustin. Er erhielt seine Missionsbestimmung für die Kongomission.

Er lernte afrikanische Sprachen, war in der Pfarrseelsorge tätig und arbeitete beim Bibelwerk mit, das Bibeln in afrikanischen Sprachen herausgab, außerdem Einführungen in die Bibel und Ausgaben für Kinder.

In einer Gemeinde ließ er eine Kirche erbauen. Den Neubau wollte er mit den Arbeitern feiern, welche die Kirche erbaut hatten. Doch zur Feier erschienen nur die Häuptlinge, die ihn fragten, ob er denn meine, sie würden so etwas nicht selber bewerkstelligen können. Dies teilte er mir in einem Brief mit.

2001 bis 2011 redigierte P. Geßler in St. Augustin die Predigtzeitschrift „Die Anregung“.

2012 und 2013 ordnete er das Hausarchiv zur Vorbereitung auf das hundertjährige Jubiläum des Missionspriesterseminars. Er pflegte den Klostergarten und betreute Santiagopilger.

Am 15. Januar 2023 starb er nach schwerer Krankheit in St. Augustin.

Religionsgeschichte

Exemplarisch schreibe ich über Karl Hoheisel.

Er wurde am 16. April 1937 in Langendorf (Landkreis Neiße) geboren. Er studierte Philosophie, Theologie, orientalische Sprachen, Religionsgeschichte und Ethnologie und promovierte 1971 in Bonn mit der Arbeit: „Das Urteil über die nichtchristlichen Religionen im Traktat De errore religionum profanorum des Julius Firmicus Maternus“. In St. Augustin vermittelte er uns die Geschichte des Frühjudentums und zeigte die Gründe für die Radikalität Jesu auf. „Es muß Nacht sein, wenn der Stern von Bethlehem aufgehen soll“, pflegte er zu sagen. 1974 habilitierte er sich in Bonn in Religionswissenschaft mit der Arbeit: „Das antike Judentum in christlicher Sicht. Ein Beitrag zur neueren Forschungsgeschichte“. 1980-1995 war er außerplanmäßiger und 1995-2000 ordentlicher Professor für Vergleichende Religionswissenschaft in Bonn. Er starb am 17. Februar 2011 in Bonn.

Er machte uns mit folgenden Werken bekannt:

·      Herbert Wilhelm Braun (1903-1991), Spätjudisch-häretischer und frühchristlicher Radikalismus. Jesus von Nazareth und die essenische Qumransekte, Band 1: Das Spätjudentum; Band 2: Die Synoptiker, Beiträge zur historischen Theologie, Band 24, Tübingen 1957; 21969. Hier wurde der Begriff „Toraverschärfung“ eingeführt und erläutert.

·      Martin Hengel (1926-2009), Judentum und Hellenismus. Studien zu ihrer Begegnung unter besonderer Berücksichtigung Palästinas bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts vor Christus, Habilitationsschrift, Tübingen 1967; Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Band 10, Tübingen 21969; 31988.

·      David Syme Russell (1916-2010), Between the Testaments, London 1976; 1981; Zwischen den Testamenten, Übersetzung von Guntram G. Bischoff, Neukirchener Studienbücher, Band 1, Neukirchen-Vluyn 1962.

Karl Hoheisels Bücher sind:

·      Das Urteil über nichtchristliche Religionen im Traktat „De errore profanorum religionum“ des Julius Firmicus Maternur, Dissertation, Bonn 1971; Bonn 1972.

·      Das antike Judentum in christlicher Sicht. Ein Beitrag zur neueren Forschungsgeschichte, Habilitationsschrift, Bonn 1974; Studies in Oriental Religions, Band 2, Wiesbaden 1978.

Er war Mitherausgeber der Bände 17-24 des Reallexikons für Antike und Christentum, Stuttgart 1996-2011.

Ethnologie

 

Grabstein von Anton Quack, Photographie von H. M. Knechten

 

Mit der kurzen Lebensbeschreibung von P. Quack gebe ich ein Beispiel für die Erforschung der Ethnologie in St. Augustin.

Anton Quack wurde am 14. April 1946 in Ertweiler-Ehlingen (Saarpfalzkreis).geboren. 1957 kam er nach St. Wendel und machte dort 1966 Abitur. Er studierte Philosophie und Theologie in St. Augustin. Am 15. Oktober 1972 wurde er zum Priester geweiht. 1974/1975 studierte er Ethnologie in Münster. Er promovierte 1983 in Köln. 1985 wurde er Dozent und 1989 Professor für Ethnologie in St. Augustin. Er leitete die Zeitschrift Anthropos und wohnte im Anthroposinstitut. Er arbeitete ausschließlich nachts, weil es zu dieser Zeit ruhiger war, wie er mir erzählte. Er half mir, meine Artikel in der Hauszeitschrift Fermente zu finden. Er hatte in der Vorgängerin dieser Zeitschrift, die treffenderweise „Tarantel“ hieß über den tonus rectus des Exegeten geschrieben:

„Schmeckt Sekt denn aus Nachtgeschirr?
Klirr!“

Nach dieser aggressiven Phase erfolgte die Umbenennung in (billige) Fermente. Die Einstufung als „billig“ stammte aus einem Leserbrief in diesem Blatt.

P. Quack war im Umgang sehr sympathisch. Er starb plötzlich am 2. April 2009 in St. Augustin, kurz vor seinem 63. Geburtstag.

Seine Bücher sind:

·      Kopfjagdriten der Puyuma von Katipol (Taiwan). Eine Textdokumentation, mit Dominik Schröder, Collectanea Instituti Anthropos, Band 11, St. Augustin 1979.

·      Das Wort der Alten. Erzählungen zur Geschichte der Pujuma von Katipol (Taiwan), mit Dominik Schröder und Patrick Veil, Collectanea Instituti Anthropos, Band 12, St. Augustin 1981.

·      Priesterinnen, Heilerinnen, Schamaninnen? Die poŕingao der Puyuma von Katipol Taiwan. Dargestellt und analysiert nach den Aufzeichnungen aus dem Nachlaß von Dominik Schröder, Dissertation, Köln 1983; Collectanea Instituti Anthropos, Band 32, Berlin 1985.

·      Hexer, Heiler und Schamanen. Die Religion der Stammeskulturen, Darmstadt 2004; 2011.

Gruppendynamik

Der Stuhlkreis löste eine Bewegung aus, die eine Zeitlang auch zahlreiche Klöster erreichte. Die themenzentrierte Interaktion (TZI) wurde von Ruth Cohn begründet.

Ruth Charlotte Cohn, geborene Hirschfeld, wurde am 27. August 1912 in Berlin geboren. Sie studierte zunächst in Berlin Psychologie, flüchtete aber nach 1933 nach Zürich und wanderte 1941 in die USA aus. 1955 erwarb sie den Titel Master of Arts und wurde zugleich Diplompsychologin. In New York betrieb sie Gruppen- und Erlebnistherapie. Seit den 1960er Jahren entwickelte sie die Themenzentrierte Interaktion. 1974 kehrte sie in die Schweiz zurück und lebte danach in Düsseldorf. Dort verstarb sie am 30. Januar 2010.

Dr. Sigrun Reibetanz Polzien (1924-1985) brachte die themenzentrierte Interaktion nach St. Augustin. „Gefühle haben immer Vorrang“, pflegte sie zu sagen. Für die rationalistische Atmosphäre einer Hochschule war das eine Revolution.

Charismatische Erneuerung

Ein Gottesdienst kann öd und langweilig wirken. Es wird zuviel vorgelesen, die Gedanken haben mit dem Alltag wenig zu tun, der Zelebrant ist nicht immer mit seinem Herzen dabei und die Lieder wirken wenig ansprechend.

Da ist ein charismatischer Gottesdienst in der Regel völlig anders. Spontane Gebete, Berichte aus dem eigenen Leben, Prophetie im Sinne von Wegweisung, feurige Lieder, ja, und auch die Zungenrede und ihre Interpretation (Apostelgeschichte 2; 1. Korintherbrief 14)!

In St. Augustin gab es ab 1973 eine charismatische Gebetsgruppe, in welcher mein Confrater Hans Jakob Weinz eine führende Rolle spielte.

Der Jesuit P. Rainer Koltermann (1931-2009) war einer der Promotoren der charismatischen Bewegung. Wir hatten große Treffen in Königstein (Taunus). In der folgenden Zeit hielt ich zusammen mit ihm und anderen charismatische Familienexerzitien in Vierzehnheiligen.

Meditation

Willi Massa wurde am 2. Oktober 1931 in Ludwigshafen geboren. Er wurde unser Homiletik-Dozent in St. Augustin. Zugleich gab er Kurse in Meditation. Er lud auch Karlfried Graf Dürckheim und japanische Zenmeister ein, Kurse zu geben. Ich nahm an allem teil und wurde tief davon geprägt. Ich bin dankbar dafür. Willi Massa starb am 25. Februar 2001 in Mettlach-Tünsdorf.

Über den Beginn der Meditation in St. Augustin schrieb ich folgenden Artikel in der Hauszeitschrift Fermente 5 (1970). Nr. 2, 128-130, der am 23. Februar 1970 erschien. Hier wird er, leicht überarbeitet, wiedergegeben:

 

Die Außenseite

Es begann am 11. November 1968. Ab 6.45 Uhr hocken etwa zwanzig mit Trainingsanzügen Bekleidete auf dem Boden eines abgedunkelten Saales. Sie sitzen dort dreißig Minuten. Sie tun dies zwei Wochen lang, an jedem Morgen.

Einige Teilnehmer üben weiter. Um die Bezeichnung „Zen-Buddhismus“ ins Lächerliche zu ziehen, wurden sie als Anhänger des „Penn-Buddhismus“ bezeichnet.

Zu Beginn des Wintersemesters 1969/1970 bildeten sich wieder einige Gruppen, die gemeinsam das Sitzen in Versunkenheit (座禅 zazen) übten. Sechs Fratres bildeten die ständigen Mitglieder.

Warum tun wir das? Ich kann im folgenden nur von meiner persönlichen Erfahrung sprechen. Mich reizte zunächst das Exotische. Ich wartete in der ersten Zeit, daß etwas geschieht, doch es geschah nichts. Die Schmerzen in den Kniegelenken und im Rücken verursachten ein Gefühl, in einer metallenen Rüstung zu stecken, deren Gelenke hier und da eingerostet waren.

Ich versuche bei der Meditation, nichts zu denken, anders ausgedrückt, das Denken loszulassen. Wenn ich versuche, nichts zu denken, denke ich, also versuche ich nichts. Ich sitze einfach da und versuche, richtig zu sitzen.

Bei diesen Übungen geht es nicht darum, gesünder zu werden. Das Loslassen steht im Dienst der Meditation. Ich versuche, in die rechte Mitte zu kommen, um das Wort meditari einmal wörtlich zu übersetzen. Auch die ursprüngliche Bedeutung dieses Wortes, nämlich, etwas zu ermessen, läßt sich auf das Zen beziehen.

Weiter bedeutet meditari, sehr zutreffend: sich üben, Vorübungen machen. Dabei geht es um die religiöse Existenz. Ich übe inhaltlose Schweigemeditation. Das aber bedeutet, den Weg zu gehen, welcher der Betrachtung entgegengesetzt ist. Bei der Betrachtung geht es darum, ein Thema rational, diskursiv zu durchdringen, um es dann für mich existentiell fruchtbar zu machen.

Mir dagegen geht es darum, die christliche Botschaft neu zu verstehen, indem ich von einer anderen Seite aus an sie herantrete.

Das scheint kein westlicher Ansatz zu sein, um im Menschen eine christliche Haltung zu verstärken. Tatsächlich finden wir aber ähnliche Versuche und Gedanken bei mittelalterlichen Mystikern. Ich nenne beispielsweise „Die Wolke des Nichtwissens“, die Schrift eines englischen Kartäusers des 14. Jahrhunderts. Auch Gedanken anderer Autoren, wie Eckehart, Tauler, Jan van Ruysbroek oder Johannes vom Kreuz kommen dem nahe.

Nun ist deutlich, daß Japaner anders an das Zazen herangehen als wir im Westen. Sie stellen ihre Erfahrungen in einen buddhistischen Zusammenhang, wir in einen christlichen. Wenn ein Japaner schreibt: „Buddha und ich sind eins; das Universum ist mit mir verschmolzen“, klingt dies so, als sei es dem Christentum fremd.

Doch was lesen wir bei Eckehart?

„Du sollst ihn (Gott) bildlos erkennen, unvermittelt und ohne Gleichnis. Soll ich aber Gott auf solche Weise unvermittelt erkennen, so muß ich schlechthin er und er muß ich werden (so muͦs vil bi ich er werden vnd er ich werden). Genauerhin sage ich: Gott muß schlechthin ich werden und ich schlechthin Gott, so völlig eins, daß dieses „Er“ und dieses „Ich“ ein „Ist“ werden und sind, und in dieser „Seinsheit“ ewig ein Werk wirken.“

·      Eckehart, Renouamini spiritu, Predigt 83, herausgegeben und übersetzt von Josef Quint (1898-1986), Meister Eckharts Predigten, Die deutschen Werke, Band 3, Stuttgart 1976; 2000, 447. 586.

Soweit zum ersten Teil der Aussage eines Japaners. Doch was ist mit dem Wort: „Das Universum ist mit mir verschmolzen“?

Lesen wir, was der heilige Apostel Paulus zu diesem Thema schreibt!

„Ich bin nämlich überzeugt, daß die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll. Denn die Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes. Gewiß, die Schöpfung ist der Nichtigkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin: Denn auch sie, die Schöpfung, soll von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, daß die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tage seufzt und in Geburtswehen liegt. Aber nicht nur das, sondern auch wir, obwohl wir als Erstlingsgabe (wörtlich: als Anzahlung) den Geist haben, auch wir seufzen in unserem Herzen und warten darauf, daß wir mit der Erlösung unseres Leibes als Kinder Gottes offenbar werden.“ (Römerbrief 8, 18-23).

Ich erfahre, daß die Religion, die ich durchdenke und zu verstehen suche, durch die meditative Versenkung von einer Verstandes- zu einer Herzensangelegenheit wird. Im Schweigen klingen Heilige Worte anders als im Lärm dieser Welt. Der Mensch in seiner Gesamtheit wird angesprochen.

Noch ein Wort zum interreligiösen Dialog. Wenn ein Christ mit einem buddhistischen Mönch spricht, der bis zu zehn Stunden täglich Meditation übt, sollte auch er über religiöse Erfahrung verfügen.

Westliche Mystik

·      Meister Eckharts Predigten, herausgegeben und übersetzt von Josef Quint, Die deutschen Werke, Band 3, Stuttgart 1976; 2000.

·      The Cloud of Unknowing and Related Treatises, herausgegeben von Phyllis Hodgson, Analecta Cartusiana, Band 3, Salzburg 1982.

Zentexte

·      Eihei Dogen Zenji (1200-1253), Shobogenzo (Die Schatzkammer des wahren Dharma-Auges), im Original herausgegeben und übersetzt von Ryŏsuke Ohashi und Rolf Elberfeld, Stuttgart 2006. Dies ist die zentrale Schrift des Sŏtŏ-Zen.

·      Zen. Der lebendige Buddhismus in Japan, Übersetzung von Schuej Ohasama, herausgegeben von August Faust, Gotha und Stuttgart 1925.

Zenmeditation

·      Hugo Lassalle (japanischer Name: Enomiya Makibi; 1898-1990), Zen-Meditation für Christen, Weilheim 1968.

·      Karl Friedrich Alfred Heinrich Ferdinand Maria Graf Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin (1896-1988), Zen und wir, Weilheim 1961.

·      Heinrich Dumoulin, Geschichte des Zen-Buddhismus, 2 Bände, Bern und München 1985f.

·      Eugen Herrigel, Zen in der Kunst des Bogenschießens, Konstanz 1948.

·      Gerta Maria Luise Karoline Ital (1904-1988), Der Meister, die Mönche und ich. Im zen-buddhistischen Kloster, Weilheim 1966.

·      Philip Kapleau (1912-2004), The Three Pillars of Zen. Teaching, Practise, and Enlightenment, Vorwort von Huston Smith, Tokio 1965; Die drei Pfeiler des Zen. Lehre – Übung – Erleuchtung, Übersetzung von Brigitte DʼOrtschy, Zürich 1969.

·      Daisetz Taitaro Suzuki (1870-1966), Der westliche und der östliche Weg. Essays über christliche und buddhistische Mystik, Frankfurt am Main 1960.

Erste Beiträge

Dieser Artikel in der Hauszeitschrift Fermente war nicht der einzige. Einige andere folgten.

Über „Selig die Armen im Geiste“ (Mt 5,3) schrieb ich eine kleine Forschungsgeschichte.

Ich gab Predigtanregungen.

Außerdem veröffentlichte ich einen Artikel über die deutschen buddhistischen Katechismen.

Ungehorsam

Kurz vor den Semesterferien bat uns der Präfekt, mitzuteilen, ob wir eine Auslandsreise planten. Es sei eine reine Formsache, meinte er. Ich teilte mit, daß ich gedenke, ins Heilige Land zu reisen.

Der Provinzial Adolf von Spreti (1907-1994) verbot mir diese Reise. Allerdings erlaubte er zwei anderen Fratres, auf die Kanarischen Inseln zu fahren. Dies hielt ich für eine Urlaubsreise, während ich eine Studienreise machen wollte. Ich führte meine Reise durch: Das war Ungehorsam, ein Verstoß gegen das Ordensrecht.

Ich hatte mir das Geld für den Flug selbst erarbeitet, und auch in Israel arbeitete ich drei Wochen in einem Kibbuz. Lediglich in der letzten Woche meines Aufenthaltes reiste ich, wobei ich, wenn möglich, im Freien übernachtete.

Ich ging ins „Freisemester“ nach Würzburg und schrieb dort eine Diplomarbeit. Sie wurde in Würzburg mit der besten Note bewertet, aber ich sollte sie auch in St. Augustin zur Prüfung vorlegen. Der Exeget Bernhard Otte (1912-1995) gab dem frischgebackenen Alttestamentler Bruno Volkwein (1938-2003) diese Arbeit und er schrieb am 5. Juni 1974 in seinem Gutachten Folgendes:

„Eine erste summarische Durchsicht vermittelt den Eindruck einer Fleißarbeit, die sich auf sorgfältige Kleinarbeit und umfassende Literaturverarbeitung zu stützen scheint. Nun, der Fleiß muß anerkannt werden. Doch ergeben sich bei genauerer Einsicht in die Arbeit zahlreiche Mängel und tiefgreifende Schwächen, die ihren wissenschaftlichen Wert grundsätzlich in Frage stellen. Der Breite entspricht nicht die notwendige Tiefe. Der Kleinarbeit fehlen Sorgfalt und Exaktheit. Die angeführte Literatur wird nicht wirklich verarbeitet, und es besteht der begründete Verdacht, daß Knechten seine Gewährsmänner nicht selten mißverstanden hat. Mehrfach werden Aussagen von Exegeten aus ihrem Zusammenhang genommen. Knechten plädiert für eine saubere Methodentrennung, wirft aber selbst die verschiedenen Methoden an entscheidender Stelle seiner Arbeit durcheinander. Es fällt dem Leser oft schwer, die logischen Verknüpfungen der einzelnen Sätze zu erkennen. Der Verfasser möchte über anerkannte Arbeiten renommierter Exegeten hinausgehen, bleibt aber weit hinter ihnen zurück. Sein wissenschaftliches Selbstbewußtsein ist in seinen Leistungen nicht hinreichend begründet. Selbstbescheidung und Beschränkung wären den Ausführungen sehr zugute gekommen.

Keinesfalls empfiehlt die Arbeit ihren Verfasser für ein theologisches oder speziell exegetisches Fachstudium oder eine Lehrtätigkeit auf diesen Gebieten.“

Ich beriet mich mit P. Zapf. Er empfahl mir, die Gesellschaft des Göttlichen Wortes zu verlassen und durch die Promotion zu beweisen, daß ich zur Promotion fähig bin.

Das habe ich denn auch getan.

Bibliographie

Das Missionspriesterseminar

·      In verbo tuo. Festschrift zum 50jährigen Bestehen des Missionspriesterseminars St. Augustin bei Siegburg, Rheinland 1913-1963, herausgegeben von den Lektoren in St. Augustin, Veröffentlichungen des Missionspriesterseminars St. Augustin, Band 12, St. Augustin 1963.

·      Auf Dein Wort hin. 50 Jahre St. Augustin, Ludwig Thüning (1932-1980), A. Brüggemann und Karl Heintges (1906-1986), unter der Leitung von Bernhard Bronstering (1910-1986), Steyl und St. Augustin 1963.

·      70 Jahre (1913-1983) Steyler Missionare St. Augustin, Karl Josef Rivinius, St. Augustin 1983.

·      Theologie im Dienste der Weltkirche. Festschrift zum 75jährigen Bestehen des Missionspriesterseminars St. Augustin, herausgegeben von Werner Prawdzik, Veröffentlichungen des Missionspriesterseminars St. Augustin, Band 38, Nettetal 1988.

·      80 Jahre Missionspriesterseminar St. Augustin, Heribert Bettscheider, in: Steyler Missionschronik 1993/1994, 155-157.

·      100 Jahre Steyler Missionare in St. Augustin, Karl Josef Rivinius, Nettetal 2014.

·      St. Augustin im Dienst der missionarischen Sendung, Heribert Bettscheider, in: Steyler Missionschronik 2000, 80.

·      Die Kirche des Missionspriesterseminars St. Augustin, Karl Josef Rivinius, St. Ottilien 2021.

Das Anthropos-Institut

Das Anthropos-Institut wurde 1931 von Pater Wilhelm Schmidt in St. Gabriel Mödling (bei Wien) gegründet. Wegen seiner weltweiten Ausrichtung war das Institut im nationalsozialistisch besetzten Österreich nicht konform und zog nach Château de Froideville in der Nähe von Freiburg im Üechtland um. Seit 1962 ist das Institut in St. Augustin angesiedelt.

·      Anthropica. Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von P. Wilhelm Schmidt. Gesammelte Aufsätze, herausgegeben vom Anthropos-Institut, Studia Instituti Anthropos, Band 21, St. Augustin 1968.

·      Al-Bāḥiṯ [Der Forscher, vom arabischen Verbum baḥaṯa– forschen]. Festschrift Joseph Henninger [1906-1991] zum 70. Geburtstag am 12. Mai 1976, Arnold Burgmann, Studia Instituti Anthropos, Band 28, St. Augustin 1976.

·      Im Dienst der Mission und der Wissenschaft. Zur Entstehungsgeschichte der Zeitschrift Anthropos, Karl Josef Rivinius, Freiburg im Üechtland 2005.

Haus Völker und Kulturen

 

Museum Haus Völker und Kulturen, Photographie von H. M. Knechten

 

Dieses Völkerkundemuseum wurde 1973 eröffnet und 2021 aus finanziellen Gründen geschlossen.

·      Kurzführer Haus Völker und Kulturen, Ewa Bursch, St. Augustin 1998.

·      Haus Völker und Kulturen, Josef Franz Thiel (1932-2024), St. Augustin 1973.

·      Haus Völker und Kulturen: Afrika, Neuguinea, Christliche Kunst, Josef Franz Thiel, St. Augustin 1977.

·      Christliches Afrika, Josef Franz Thiel, St. Augustin 1978.

·      Armenien. Geschichte, sakrale Kunst, Josef Franz Thiel, St. Augustin 1983.

·      Äthiopien. Ein afrikanischer Weg des Christentums, Josef Franz Thiel, St. Augustin 1981.

·      Katalog der Äthiopienabteilung. Museum Haus Völker und Kulturen. Ethnologisches Museum, Annegret Marx, St. Augustin 2001.

·      Die Begegnung Chinas mit dem Christentum. Christliches Kunstschaffen in China, Josef Franz Thiel, St. Augustin 1980.

·      Unvergessliche Zeugnisse besonderer Kulturen. Ethnologische Sammlungen im Museum „Haus Völker und Kulturen“ in St. Augustin, Jerzy Skrabania, in: Kolonialismus-Debatte. Bestandsaufnahme und Konsequenzen, herausgegeben von Olaf Zimmermann und Theo Geißler, Berlin 2019, 70-72.

Das Steyler Missionswissenschaftliche Institut

Es wurde im November 1971 gegründet. Das Ziel dieses Instituts ist, wissenschaftliche Studien innerhalb der Missionstheologie und Missionsgeschichte zu betreiben, Missionare auf die Begegnung mit anderen Religionen und Kulturen vorzubereiten, die theologische Forschung in den jungen Kirchen zu unterstützen sowie den Transfer theologischer Ideen zwischen den Ortskirchen in der sogenannten Dritten Welt und denen in Europa und Nordamerika zu vermitteln.

·      Steyler Missionschronik, erscheint seit 1959.

·      Studia Instituti missiologici SVD, seit 1962. Im Jahre 2025 erschien der 130. Band.

·      Verbum SVD, vierteljährliche Zeitschrift, die seit 1970 erscheint.

Das China-Zentrum

Es wurde 1988 in St. Augustin gegründet und hat als Ziel, Begegnung und Austausch zwischen den Kulturen und Religionen im Westen und in China zu fördern.

·      China heute. Informationen über Religion und Christentum im chinesischen Raum. Diese Zeitschrift wird seit 1982 herausgegeben.

·      Religion & Christianity in Todayʼs China, online seit 2011.

Das Institut „Monumenta Serica“

Diese sinologische Fachzeitschrift wurde 1933 von Franz Xaver Biallas (1878-1936) begründet. 1935 erschien die erste Ausgabe, die Biallas noch redigieren konnte. 1936 starb er an Flecktyphus.

„Serica“ ist die lateinische Bezeichnung für das Seidenland (sericum – Seide) China.

Begründet wurde die Zeitschrift in Peking. Die Redaktion mußte, kriegsbedingt, nach Japan und dann in die USA ausweichen. Seit 1972 werden die Monumenta Serica in St. Augustin herausgegeben.

·      Franz Xaver Biallas SVD, von Horst Rzepkowski, in: Schlesische Kirchengeschichte in Lebensbildern, Band 6, herausgegeben von Johannes Gröger, Sigmaringen 1992, 37-41.

·      Ein Leben im Konflikt. Franz Xaver Biallas SVD (1878-1936). Chinamissionar und Sinologe im Licht seiner Korrespondenz, Miroslav Kollar, Nettetal 2011.

Die Steyler Bank GmbH

 

Steyler Bank, Photographie von H. M. Knechten

 

 

Sie wurde 1963 in St. Augustin gegründet und nahm 1964 ihre Geschäftstätigkeit auf. Sie legt Geld nach ethischen Gesichtspunkten an.

·      40 Jahre Steyler Bank. Chronik der Steyler Bank, Jürgen Wetzel, St. Augustin 2004.

·      Wo Geld Gutes schafft. 50 Jahre Steyler Ethik-Bank 1954-2014, Jürgen Wetzel und Berthold Budde, St. Augustin 2014.

·      Flick. Die gekaufte Republik, herausgegeben von Hans Werner Kilz und Joachim Preuß, Dokumentation: Günter Johannes und Werner Nielsen, Protokolle: Rolf Rietzler, Spiegel-Buch, Hamburg und Reinbek 1983, 91-104 («Man kann nicht in die Falten der Seele gucken». Das Millionenspiel der Steyler Missionare). – Im Flick-Parteispenden-Skandal der 1980er Jahre diente die Steyler Bank als „Geldwaschanlage“. Der Flick-Konzern schleuste damals mehr als zwölf Millionen an geheimen Partei-Spenden über die Steyler Bank, um Steuern zu sparen. Die Steyler Bank stellte Schein-Quittungen für Spenden aus. Der Steuerfahnder Frank Förster deckte dies bereits Mitte der 1970er Jahre auf, aber Maßnahmen wurden erst später ergriffen.
Quellen: Berichte in der Süddeutschen Zeitung und Reportagen im ARD-Zeitstrahl.

 

 

© Dr. Heinrich Michael Knechten, Stockum 2026

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